Vor 4 Stunden
Mit Wut konnte Hope umgehen – zumindest insofern, als dass sie gelernt hatte, ihre Vorzeichen zu erkennen. Neid dagegen gehörte zu diesen seltsam leisen Dingen, deren Bedeutung ihr meist erst auffiel, wenn jemand anderes sie erklärte. Gerade deshalb gefiel ihr Mammons Hinweis überhaupt nicht, dass das eine so schnell in das andere umschlagen konnte.
Ihr Blick wanderte zu den beiden Frauen, diesmal deutlich vorsichtiger. Verengte Augen konnte sie lesen, Anspannung ebenfalls – nur hatte sie solche Zeichen bisher unter ganz anderen Gesichtspunkten betrachtet. Wenn daraus tatsächlich Feindseligkeit werden konnte, so wollte sie von ihr nicht überrascht werden. „Das möchte ich aber lieber vorher merken“, murmelte sie daher und beobachtete die beiden noch einen Moment, als könnte sie sich die Unterschiede irgendwie einprägen. Schön wär´s!
Bei seiner Erklärung über die Hölle schämte sie sich fast augenblicklich für ihren Vergleich mit dem Himmel. Na klar, für Mammon und die anderen Wesen, die dort Macht besaßen, mochte all diese Freiheit beinahe paradiesisch klingen! Für diejenigen, die dort unfreiwillig festsaßen, sah dieselbe Welt offenbar völlig anders aus. Hope musste gar nicht lange darüber nachdenken, um zu verstehen, wie groß dieser Unterschied sein konnte. Wer Türen öffnen konnte, erlebte einen Ort anders als jemand, der gezwungen war hinter ihnen zu bleiben. Ihr Gesicht wurde ernster. „Und die Seelen… haben dort überhaupt keine Wahl?“
Dann verstand Mammon ihr Problem mit dem fremden Mann auch noch vollkommen falsch. Hope ließ ein leises, beinahe verzweifeltes Stöhnen hören und rollte mit den Augen – nicht genervt von ihm, eher hilflos angesichts der Tatsache, dass sie offenbar in völlig verschiedenen Sprachen über dasselbe Thema redeten.
„Nein! Darum geht es doch gar nicht!“ Himmel. Wie erklärte man so etwas jemandem, der einen passenden Liebhaber offenbar wie einen guten Drink empfehlen konnte? Sie brauchte einen Moment, bis sie die Worte sortiert und sich selbst etwas reguliert bekam. „Ich… ich müsste ihn doch erst einmal kennenlernen.“ Ihr Blick senkte sich. „Und ihm… vertrauen können.“ Das allein auszusprechen machte sie verlegen, weil es viel mehr verriet, als ihr lieb war. Aber vermutlich verstand Mammon auch das nicht. Er musste sich einem anderen Menschen schließlich kaum jemals auf dieselbe Weise ausliefern wie sie – nicht mit all der Macht, die ihm zur Verfügung stand.
Mammons Antwort auf ihre Frage nach seinem Vergnügen an fremdem Leid machte es ihr nicht leichter, ihm zu vertrauen. Je länger er sprach, desto unangenehmer wurde dieses selbstverständliche Verhältnis zu Bloßstellung, Schmerz und Qual. Hope kannte den Wunsch, bestimmte Menschen leiden zu sehen, ja. Die Ärzte, Pfleger, Menschen, bei denen sie sich manchmal ausgemalt hatte, wie es wäre, wenn endlich sie diejenigen wären, die keine Kontrolle mehr hatten. Aber bei ihr hatten diese Vorstellungen Gesichter und Gründe. Bei Mammon klang es, als spiele es überhaupt keine Rolle, wen es traf – solange überhaupt jemand litt. Genau das ließ sie innerlich frösteln, obwohl es im Valen gut temperiert war.
„Aber… ist es dir denn völlig egal, wer es ist?“ fragte sie schließlich leise. Seine Reaktion auf ihre Bedingungen nahm ihr danach den Rest der eben gewonnenen Sicherheit. Sie hatte sich überwunden, sie überhaupt auszusprechen, und er winkte sie weg, als seien sie lästige Nebensätze. Die Dunkelhaarige schwieg daraufhin nur. Wenigstens auf die wichtigste Frage wollte sie jetzt noch eine klare Antwort bekommen.
Als Mammon dann aussprach, was sie selbst nicht über die Lippen gebracht hatte, fühlte Hope sich mit einem Mal entsetzlich bloßgestellt. Nackt, Sex. Und dann lachte er auch noch! Hope drehte ihren Kopf von ihm weg, während ihre Schultern sich instinktiv hochzogen und für einen winzigen Moment etwas Altes über ihre Haut kroch – kein vollständiges Bild, eher eine körperliche Erinnerung, die sie sofort wieder von sich schob. Mammon wusste nichts von Walter, woher auch. Er konnte also auch nicht wissen, warum sein Lachen und diese beiläufige Rede von Sex etwas in ihr berührten, über das sie selbst kaum nachdenken wollte.
„Das… das macht es nicht besser, denke ich“, murmelte sie. Langsam war nicht das eigentliche Problem. Ein Fremder blieb ein Fremder, auch wenn er vorsichtig war. Nach kurzem Zögern fügte sie fast schon hoffnungsvoll hinzu: „Aber vielleicht… begegne ich irgendwann so jemandem. Aus Zufall.“ Der Gedanke war angenehm weit weg, denn irgendwann bedeutete vor allem: NICHT HEUTE. Zufall verlangte keine Suche, keine Entscheidung, kein mutiges Zugehen auf jemanden. Vielleicht war genau das der Grund, warum sich diese Möglichkeit so sicher für die Dunkelhaarige anfühlte.
Mammons beiläufiges „Ja, ja schon gut“ war nicht gerade die beruhigendste Zusage ihres Lebens. Hope sah ihn einen Moment prüfend an, doch mehr als diese beinahe fortgewischte Reaktion bekam sie schlichtweg nicht.
Als er schließlich zum Empfangstresen deutete und ihr den Vortritt ließ, blieb sie einen Herzschlag lang stehen. Diesmal zog er sie nicht mit sich. Der nächste Schritt gehörte tatsächlich ihr. Hope strich unbewusst über den Stoff ihres Kleides, richtete sich ein wenig auf und setzte sich in Bewegung. Ihr kamen die Schuhe plötzlich noch deutlich höher und ihr Gang deutlich wackeliger vor.
Nach wenigen Schritten sah sie über die Schulter zurück. Die Vorstellung, plötzlich allein zwischen fremden Türen und Menschen zu stehen, gefiel ihr noch weniger als das Unbekannte vor ihr. „Du… lässt mich aber nicht allein…?“
Ihr Blick wanderte zu den beiden Frauen, diesmal deutlich vorsichtiger. Verengte Augen konnte sie lesen, Anspannung ebenfalls – nur hatte sie solche Zeichen bisher unter ganz anderen Gesichtspunkten betrachtet. Wenn daraus tatsächlich Feindseligkeit werden konnte, so wollte sie von ihr nicht überrascht werden. „Das möchte ich aber lieber vorher merken“, murmelte sie daher und beobachtete die beiden noch einen Moment, als könnte sie sich die Unterschiede irgendwie einprägen. Schön wär´s!
Bei seiner Erklärung über die Hölle schämte sie sich fast augenblicklich für ihren Vergleich mit dem Himmel. Na klar, für Mammon und die anderen Wesen, die dort Macht besaßen, mochte all diese Freiheit beinahe paradiesisch klingen! Für diejenigen, die dort unfreiwillig festsaßen, sah dieselbe Welt offenbar völlig anders aus. Hope musste gar nicht lange darüber nachdenken, um zu verstehen, wie groß dieser Unterschied sein konnte. Wer Türen öffnen konnte, erlebte einen Ort anders als jemand, der gezwungen war hinter ihnen zu bleiben. Ihr Gesicht wurde ernster. „Und die Seelen… haben dort überhaupt keine Wahl?“
Dann verstand Mammon ihr Problem mit dem fremden Mann auch noch vollkommen falsch. Hope ließ ein leises, beinahe verzweifeltes Stöhnen hören und rollte mit den Augen – nicht genervt von ihm, eher hilflos angesichts der Tatsache, dass sie offenbar in völlig verschiedenen Sprachen über dasselbe Thema redeten.
„Nein! Darum geht es doch gar nicht!“ Himmel. Wie erklärte man so etwas jemandem, der einen passenden Liebhaber offenbar wie einen guten Drink empfehlen konnte? Sie brauchte einen Moment, bis sie die Worte sortiert und sich selbst etwas reguliert bekam. „Ich… ich müsste ihn doch erst einmal kennenlernen.“ Ihr Blick senkte sich. „Und ihm… vertrauen können.“ Das allein auszusprechen machte sie verlegen, weil es viel mehr verriet, als ihr lieb war. Aber vermutlich verstand Mammon auch das nicht. Er musste sich einem anderen Menschen schließlich kaum jemals auf dieselbe Weise ausliefern wie sie – nicht mit all der Macht, die ihm zur Verfügung stand.
Mammons Antwort auf ihre Frage nach seinem Vergnügen an fremdem Leid machte es ihr nicht leichter, ihm zu vertrauen. Je länger er sprach, desto unangenehmer wurde dieses selbstverständliche Verhältnis zu Bloßstellung, Schmerz und Qual. Hope kannte den Wunsch, bestimmte Menschen leiden zu sehen, ja. Die Ärzte, Pfleger, Menschen, bei denen sie sich manchmal ausgemalt hatte, wie es wäre, wenn endlich sie diejenigen wären, die keine Kontrolle mehr hatten. Aber bei ihr hatten diese Vorstellungen Gesichter und Gründe. Bei Mammon klang es, als spiele es überhaupt keine Rolle, wen es traf – solange überhaupt jemand litt. Genau das ließ sie innerlich frösteln, obwohl es im Valen gut temperiert war.
„Aber… ist es dir denn völlig egal, wer es ist?“ fragte sie schließlich leise. Seine Reaktion auf ihre Bedingungen nahm ihr danach den Rest der eben gewonnenen Sicherheit. Sie hatte sich überwunden, sie überhaupt auszusprechen, und er winkte sie weg, als seien sie lästige Nebensätze. Die Dunkelhaarige schwieg daraufhin nur. Wenigstens auf die wichtigste Frage wollte sie jetzt noch eine klare Antwort bekommen.
Als Mammon dann aussprach, was sie selbst nicht über die Lippen gebracht hatte, fühlte Hope sich mit einem Mal entsetzlich bloßgestellt. Nackt, Sex. Und dann lachte er auch noch! Hope drehte ihren Kopf von ihm weg, während ihre Schultern sich instinktiv hochzogen und für einen winzigen Moment etwas Altes über ihre Haut kroch – kein vollständiges Bild, eher eine körperliche Erinnerung, die sie sofort wieder von sich schob. Mammon wusste nichts von Walter, woher auch. Er konnte also auch nicht wissen, warum sein Lachen und diese beiläufige Rede von Sex etwas in ihr berührten, über das sie selbst kaum nachdenken wollte.
„Das… das macht es nicht besser, denke ich“, murmelte sie. Langsam war nicht das eigentliche Problem. Ein Fremder blieb ein Fremder, auch wenn er vorsichtig war. Nach kurzem Zögern fügte sie fast schon hoffnungsvoll hinzu: „Aber vielleicht… begegne ich irgendwann so jemandem. Aus Zufall.“ Der Gedanke war angenehm weit weg, denn irgendwann bedeutete vor allem: NICHT HEUTE. Zufall verlangte keine Suche, keine Entscheidung, kein mutiges Zugehen auf jemanden. Vielleicht war genau das der Grund, warum sich diese Möglichkeit so sicher für die Dunkelhaarige anfühlte.
Mammons beiläufiges „Ja, ja schon gut“ war nicht gerade die beruhigendste Zusage ihres Lebens. Hope sah ihn einen Moment prüfend an, doch mehr als diese beinahe fortgewischte Reaktion bekam sie schlichtweg nicht.
Als er schließlich zum Empfangstresen deutete und ihr den Vortritt ließ, blieb sie einen Herzschlag lang stehen. Diesmal zog er sie nicht mit sich. Der nächste Schritt gehörte tatsächlich ihr. Hope strich unbewusst über den Stoff ihres Kleides, richtete sich ein wenig auf und setzte sich in Bewegung. Ihr kamen die Schuhe plötzlich noch deutlich höher und ihr Gang deutlich wackeliger vor.
Nach wenigen Schritten sah sie über die Schulter zurück. Die Vorstellung, plötzlich allein zwischen fremden Türen und Menschen zu stehen, gefiel ihr noch weniger als das Unbekannte vor ihr. „Du… lässt mich aber nicht allein…?“

