07.10.2026, 11:57
Die Hexe stieß ein belustigtes, nasales Lachen aus, als Antares ihr erklärte, dass er keine Großmutter wolle. „Beruhigend. Dhakiya sucht nämlich auch keinen Enkel“, erwiderte Syrena auf Lexingtons Einwurf hin mit einem trockenen Blick. Es hatte sie überrascht, wie aufmerksam er ihr anschließend zugehört hatte. Sogar Voodoo und Nekromantie hatte er unkommentiert gelassen. Offenbar begriff er endlich, dass sie nicht irgendeine Bekannte um ein Gästezimmer bat.
Dass er ihren Vorschlag nicht nur hinnahm, sondern Dhakiya inzwischen selbst für die beste verfügbare Möglichkeit hielt, nahm Syrena, zugegeben, mit einer gewissen Befriedigung zur Kenntnis. Eine Zusage aus São Paulo hatten sie deshalb trotzdem noch nicht. Seine Überlegungen zu Ashcrofts Einfluss in Südamerika waren dagegen vernünftig. Hier kannte Ashcroft seine Leute; dort musste er sie erst in Bewegung setzen. „Genau darum geht es.“ Syrena lehnte ihren Kopf langsam nach hinten an die Sessellehne.
Sein Vorschlag, was sie unterlassen sollte, nämlich ihn mit einem Müllcontainer zu erschlagen und mit Maisie zu verschwinden, entlockte ihr lediglich ein süffisantes Lächeln, ohne dass sie ihren Kopf wieder hob. Zugegeben, es war immer noch ein verlockender Gedanke. Als sie ihm versicherte, Maisie weder zu verkaufen noch Wolfram & Hart zu übergeben, musterte er sie durchdringend. Was wollte er in ihrem Gesicht finden? Seine Stimme lieferte schließlich nur ein knappes „Gut.“ Als benötigte sie sein moralisches Gütesiegel! Wenigstens war das Thema damit erledigt.
Auch über das geplante Gespräch mit Maisie stritt er nicht mehr. War er dafür inzwischen zu erschöpft, oder akzeptierte er ihre Forderung wirklich einfach so? Morgen musste sie zu Wolfram & Hart und ihren Bericht bei Damon abgeben, während Maisie hier bei Lexington blieb. Und dieser Kontrollverlust ärgerte sie, doch wenigstens musste sie heute keine Grundsatzdebatte mehr darüber führen.
Als Antares sein Glas mit einem unverhältnismäßig heftigen Geräusch abstellte, zuckte Syrenas Blick zu ihm und nun hob sie ihren Kopf doch wieder. Angesichts seines Zustands erschien schon das Aufstehen gewagt. Stattdessen wandte er sich ab, ging zur Glasfront und betrachtete durch die geschlossenen Jalousien den Hafen.
Die Hexe wandte sich ihm zu und bedachte zunächst sein Getränk mit skeptischem Blick. Was zum Teufel war denn jetzt los? Sie hatte weder eine Drohung ausgesprochen noch ihn beleidigt. Den möglichen Hass Maisies hatte er schließlich selbst angesprochen. Syrena hatte lediglich erklärt, damit leben zu können. Dass Lexington darauf reagierte, als hätte sie ihm gerade etwas höchst Persönliches vorgeworfen, ergab für Syrena keinen Sinn. Sein ruckartiges Aufstehen passte nicht zu einer gewöhnlichen Verärgerung; sogar seine Hast wirkte eigentümlich unkontrolliert… als würde er vor etwas flüchten. Noch eben hatte er ihr selbst die emotionalen Folgen ihrer Entscheidung vorgehalten. Nun entzog er sich ihrem Blick, kaum dass sie diese Folgen akzeptierte.
Syrena beobachtete seinen Rücken und versuchte, die Ursache aus dem eben Gesagten herzuleiten. Wut sah bei ihm anders aus. Sonst hätte er längst einen gehässigen Spruch parat gehabt, doch diesmal kam nichts dergleichen. Er stand vor den Jalousien, hielt Abstand und schien alle Mühe darauf zu verwenden, sich wieder zu fassen. Hatte ihn ihre Antwort an eines jener Kinder erinnert, die er früher gerettet hatte? Oder eben nicht gerettet hatte? Vielleicht hatte eines dieser Kinder ihm später Vorwürfe gemacht. Womöglich kannte er das Gefühl, für eine Rettung statt Dankbarkeit Ablehnung zu ernten, und hatte sich nie damit abgefunden. Das wäre wenigstens eine Erklärung gewesen. Aber weshalb hätte ihn ihre Bemerkung dann so unvermittelt aus der Bahn geworfen? Oder steckte ein Erlebnis dahinter, von dem Syrena überhaupt nichts wusste?
An Amy dachte Syrena ebenfalls, verwarf den Gedanken jedoch sofort. Was hatte sein Verrat an ihrer Cousine mit Maisies Sicherheit zu tun? Irritierend war vor allem, dass sie die Ursache nicht einmal annähernd eingrenzen konnte. Die Hexe kannte den Unterschied zwischen aufgesetztem Zorn und einem Gefühl, das einen Menschen unvorbereitet überfiel. Lexington gab sich normalerweise jede Mühe, ersteres zu zeigen und letzteres zu verbergen. Diesmal hatte sie den Wechsel beobachtet, ohne den Auslöser zu begreifen. Und statt Genugtuung empfand sie darüber eine äußerst lästige Neugier. Eine boshafte Nachfrage lag ihr durchaus auf der Zunge, doch sie behielt sie in diesem Moment für sich. Wenn er sie unbedingt mit Schweigen abstrafen wollte, sollte er doch. Ihre eigene Vergangenheit ging ihn schließlich genauso wenig etwas an. Doch dass sie diese Großzügigkeit überhaupt aufbrachte, ärgerte sie schon wieder.
Als er schließlich erklärte, alles, was Maisies Sicherheit diene, sei akzeptabel, klang seine Stimme wieder fest. Doch er wandte sich weiterhin nicht zu ihr um. Syrena nahm die Worte zur Kenntnis, ohne ihren Tonfall zu kommentieren. Offenbar hatte er Mühe gebraucht, seine Fassung zurückzugewinnen.
Erst sein Vorschlag, die Suche nach Maisies Eltern zurückzustellen, brachte sie wieder zu einer Frage, die sich wenigstens sachlich beurteilen ließ.
Ursprünglich hatte sie zuerst nach den Eltern suchen wollen. Doch Ashcroft würde nicht warten, bis sie alle Antworten hatten. Sie sah noch einmal zur geschlossenen Schlafzimmertür, ehe sie antwortete. „Ja. Ihre Sicherheit geht vor. Die Suche nach ihren Eltern darf uns nicht unnötig aufhalten. Aber bevor wir sie außer Landes bringen, werden wir Maisie zumindest fragen, was sie selbst weiß.“ Damit änderte sie ihre Prioritäten, nicht ihr Urteil über die Eltern.
Ein weiterer Punkt beschäftigte sie dabei. Sie planten bereits ihre Zukunft, ohne Maisie überhaupt gefragt zu haben. „Wir sollten Maisie morgen allerdings auch fragen, was sie selbst davon hält, ihre Heimat für eine Weile zu verlassen.“ Natürlich konnte eine Zwölfjährige nicht allein über diese Gefahr entscheiden. Doch ihre Antwort würde zeigen, was sie zurückließ und was sie am meisten beschäftigte. Möglicherweise irrten sie beide mit ihren Annahmen.
Was Dhakiya anging, war Syrena weiterhin zuversichtlich. Ihre Mentorin würde nicht begeistert sein, unvermittelt in eine derart gefährliche Angelegenheit hineingezogen zu werden. Vielleicht würde Dhakiya Bedingungen stellen, aber selbst dann traute Syrena ihr zu, eine Lösung zu finden. Viele Kontakte zu haben war eben nicht dasselbe, wie jemandem zu vertrauen. Dhakiya würde sie gleich am nächsten Tag anrufen.
„Wir kommen heute ohnehin nicht weiter. Morgen kümmern wir uns um den Rest.“ Syrena erhob sich trotz des Schwindels und nahm die Münze aus der Tasche. Magisch war sie harmlos, doch unversehrt würde sie das Ding nicht mitnehmen. Sie bündelte einen Rest roter, telekinetischer Energie. Selbst das fiel ihr unter Maisies dämpfendem Einfluss schwer. Metall knirschte und brach. Der Oberarm schmerzte, als mehrere Bruchstücke in ihre Hand fielen. Einige steckte sie ein, die anderen legte sie sorgfältig getrennt auf den Tisch.
„Die entsorgst du. Möglichst nicht alle an derselben Stelle.“ Sie zupfte an der beschädigten Jacke und musterte missmutig ihren Rock. Das Taxi würde ein Vergnügen werden. Schließlich glitt ihr Blick zur Schlafzimmertür. Dort drinnen schlief Maisie, vermutlich ohne zu ahnen, wie viel sie morgen erwartete. Syrena wollte nicht, dass das Mädchen aufwachte und sich plötzlich von ihr verlassen glaubte. Sie sah zu Antares und brauchte einige Sekunden, um das auszusprechen, was ihr gerade ein inneres Bedürfnis war. „Und Lexington? Wehe du sagst ihr, ich sei einfach verschwunden, wenn sie morgen früh wach wird.“ Dass sie damit wieder automatisch eine Drohung formuliert hatte, merkte sie schon gar nicht mehr. Doch ihre Stimme passte nicht dazu, denn sie klang ungewöhnlich warm und versöhnlich. Reflexartig hob sich ihr linker Mundwinkel zu einem kaum angedeuteten, schiefen Lächeln. Dann drehte sie sich zur Tür, öffnete diese betont leise und schloss sie genauso hinter sich wieder.
Dass er ihren Vorschlag nicht nur hinnahm, sondern Dhakiya inzwischen selbst für die beste verfügbare Möglichkeit hielt, nahm Syrena, zugegeben, mit einer gewissen Befriedigung zur Kenntnis. Eine Zusage aus São Paulo hatten sie deshalb trotzdem noch nicht. Seine Überlegungen zu Ashcrofts Einfluss in Südamerika waren dagegen vernünftig. Hier kannte Ashcroft seine Leute; dort musste er sie erst in Bewegung setzen. „Genau darum geht es.“ Syrena lehnte ihren Kopf langsam nach hinten an die Sessellehne.
Sein Vorschlag, was sie unterlassen sollte, nämlich ihn mit einem Müllcontainer zu erschlagen und mit Maisie zu verschwinden, entlockte ihr lediglich ein süffisantes Lächeln, ohne dass sie ihren Kopf wieder hob. Zugegeben, es war immer noch ein verlockender Gedanke. Als sie ihm versicherte, Maisie weder zu verkaufen noch Wolfram & Hart zu übergeben, musterte er sie durchdringend. Was wollte er in ihrem Gesicht finden? Seine Stimme lieferte schließlich nur ein knappes „Gut.“ Als benötigte sie sein moralisches Gütesiegel! Wenigstens war das Thema damit erledigt.
Auch über das geplante Gespräch mit Maisie stritt er nicht mehr. War er dafür inzwischen zu erschöpft, oder akzeptierte er ihre Forderung wirklich einfach so? Morgen musste sie zu Wolfram & Hart und ihren Bericht bei Damon abgeben, während Maisie hier bei Lexington blieb. Und dieser Kontrollverlust ärgerte sie, doch wenigstens musste sie heute keine Grundsatzdebatte mehr darüber führen.
Als Antares sein Glas mit einem unverhältnismäßig heftigen Geräusch abstellte, zuckte Syrenas Blick zu ihm und nun hob sie ihren Kopf doch wieder. Angesichts seines Zustands erschien schon das Aufstehen gewagt. Stattdessen wandte er sich ab, ging zur Glasfront und betrachtete durch die geschlossenen Jalousien den Hafen.
Die Hexe wandte sich ihm zu und bedachte zunächst sein Getränk mit skeptischem Blick. Was zum Teufel war denn jetzt los? Sie hatte weder eine Drohung ausgesprochen noch ihn beleidigt. Den möglichen Hass Maisies hatte er schließlich selbst angesprochen. Syrena hatte lediglich erklärt, damit leben zu können. Dass Lexington darauf reagierte, als hätte sie ihm gerade etwas höchst Persönliches vorgeworfen, ergab für Syrena keinen Sinn. Sein ruckartiges Aufstehen passte nicht zu einer gewöhnlichen Verärgerung; sogar seine Hast wirkte eigentümlich unkontrolliert… als würde er vor etwas flüchten. Noch eben hatte er ihr selbst die emotionalen Folgen ihrer Entscheidung vorgehalten. Nun entzog er sich ihrem Blick, kaum dass sie diese Folgen akzeptierte.
Syrena beobachtete seinen Rücken und versuchte, die Ursache aus dem eben Gesagten herzuleiten. Wut sah bei ihm anders aus. Sonst hätte er längst einen gehässigen Spruch parat gehabt, doch diesmal kam nichts dergleichen. Er stand vor den Jalousien, hielt Abstand und schien alle Mühe darauf zu verwenden, sich wieder zu fassen. Hatte ihn ihre Antwort an eines jener Kinder erinnert, die er früher gerettet hatte? Oder eben nicht gerettet hatte? Vielleicht hatte eines dieser Kinder ihm später Vorwürfe gemacht. Womöglich kannte er das Gefühl, für eine Rettung statt Dankbarkeit Ablehnung zu ernten, und hatte sich nie damit abgefunden. Das wäre wenigstens eine Erklärung gewesen. Aber weshalb hätte ihn ihre Bemerkung dann so unvermittelt aus der Bahn geworfen? Oder steckte ein Erlebnis dahinter, von dem Syrena überhaupt nichts wusste?
An Amy dachte Syrena ebenfalls, verwarf den Gedanken jedoch sofort. Was hatte sein Verrat an ihrer Cousine mit Maisies Sicherheit zu tun? Irritierend war vor allem, dass sie die Ursache nicht einmal annähernd eingrenzen konnte. Die Hexe kannte den Unterschied zwischen aufgesetztem Zorn und einem Gefühl, das einen Menschen unvorbereitet überfiel. Lexington gab sich normalerweise jede Mühe, ersteres zu zeigen und letzteres zu verbergen. Diesmal hatte sie den Wechsel beobachtet, ohne den Auslöser zu begreifen. Und statt Genugtuung empfand sie darüber eine äußerst lästige Neugier. Eine boshafte Nachfrage lag ihr durchaus auf der Zunge, doch sie behielt sie in diesem Moment für sich. Wenn er sie unbedingt mit Schweigen abstrafen wollte, sollte er doch. Ihre eigene Vergangenheit ging ihn schließlich genauso wenig etwas an. Doch dass sie diese Großzügigkeit überhaupt aufbrachte, ärgerte sie schon wieder.
Als er schließlich erklärte, alles, was Maisies Sicherheit diene, sei akzeptabel, klang seine Stimme wieder fest. Doch er wandte sich weiterhin nicht zu ihr um. Syrena nahm die Worte zur Kenntnis, ohne ihren Tonfall zu kommentieren. Offenbar hatte er Mühe gebraucht, seine Fassung zurückzugewinnen.
Erst sein Vorschlag, die Suche nach Maisies Eltern zurückzustellen, brachte sie wieder zu einer Frage, die sich wenigstens sachlich beurteilen ließ.
Ursprünglich hatte sie zuerst nach den Eltern suchen wollen. Doch Ashcroft würde nicht warten, bis sie alle Antworten hatten. Sie sah noch einmal zur geschlossenen Schlafzimmertür, ehe sie antwortete. „Ja. Ihre Sicherheit geht vor. Die Suche nach ihren Eltern darf uns nicht unnötig aufhalten. Aber bevor wir sie außer Landes bringen, werden wir Maisie zumindest fragen, was sie selbst weiß.“ Damit änderte sie ihre Prioritäten, nicht ihr Urteil über die Eltern.
Ein weiterer Punkt beschäftigte sie dabei. Sie planten bereits ihre Zukunft, ohne Maisie überhaupt gefragt zu haben. „Wir sollten Maisie morgen allerdings auch fragen, was sie selbst davon hält, ihre Heimat für eine Weile zu verlassen.“ Natürlich konnte eine Zwölfjährige nicht allein über diese Gefahr entscheiden. Doch ihre Antwort würde zeigen, was sie zurückließ und was sie am meisten beschäftigte. Möglicherweise irrten sie beide mit ihren Annahmen.
Was Dhakiya anging, war Syrena weiterhin zuversichtlich. Ihre Mentorin würde nicht begeistert sein, unvermittelt in eine derart gefährliche Angelegenheit hineingezogen zu werden. Vielleicht würde Dhakiya Bedingungen stellen, aber selbst dann traute Syrena ihr zu, eine Lösung zu finden. Viele Kontakte zu haben war eben nicht dasselbe, wie jemandem zu vertrauen. Dhakiya würde sie gleich am nächsten Tag anrufen.
„Wir kommen heute ohnehin nicht weiter. Morgen kümmern wir uns um den Rest.“ Syrena erhob sich trotz des Schwindels und nahm die Münze aus der Tasche. Magisch war sie harmlos, doch unversehrt würde sie das Ding nicht mitnehmen. Sie bündelte einen Rest roter, telekinetischer Energie. Selbst das fiel ihr unter Maisies dämpfendem Einfluss schwer. Metall knirschte und brach. Der Oberarm schmerzte, als mehrere Bruchstücke in ihre Hand fielen. Einige steckte sie ein, die anderen legte sie sorgfältig getrennt auf den Tisch.
„Die entsorgst du. Möglichst nicht alle an derselben Stelle.“ Sie zupfte an der beschädigten Jacke und musterte missmutig ihren Rock. Das Taxi würde ein Vergnügen werden. Schließlich glitt ihr Blick zur Schlafzimmertür. Dort drinnen schlief Maisie, vermutlich ohne zu ahnen, wie viel sie morgen erwartete. Syrena wollte nicht, dass das Mädchen aufwachte und sich plötzlich von ihr verlassen glaubte. Sie sah zu Antares und brauchte einige Sekunden, um das auszusprechen, was ihr gerade ein inneres Bedürfnis war. „Und Lexington? Wehe du sagst ihr, ich sei einfach verschwunden, wenn sie morgen früh wach wird.“ Dass sie damit wieder automatisch eine Drohung formuliert hatte, merkte sie schon gar nicht mehr. Doch ihre Stimme passte nicht dazu, denn sie klang ungewöhnlich warm und versöhnlich. Reflexartig hob sich ihr linker Mundwinkel zu einem kaum angedeuteten, schiefen Lächeln. Dann drehte sie sich zur Tür, öffnete diese betont leise und schloss sie genauso hinter sich wieder.

