06.10.2026, 22:17
Die schnippische Frage, ob Antares versuchen wollte, Syrena zu vergiften, überging der Hexer geflissentlich. Es gäbe weitaus subtilere Wege, da würde er ihr nicht einen seiner mühevoll gebrauten Tränke anbieten. Da hätte es auch ein Glas Leitungswasser getan. Einer von ihnen Beiden musste zwischendurch allerdings mal der Erwachsene sein. Erschreckend, dass die Wahl auf ihn fiel. Außer keifen und ihren Standpunkt klarmachen, kam von der jüngeren Hexe aber leider nichts. Sie verstand es wirklich nicht, oder wollte es nicht verstehen. Antares brauchte von ihr keine Dankbarkeit. Es ging rein um die Tatsache, dass sie nicht in der Lage war, Hilfe anzunehmen. Aber er hörte auf, ihr das gegen die Stirn zu klatschen. Da konnte er auch versuchen, einen wild gewordenen Stier mit den bloßen Händen wieder abbremsen zu wollen. Das war genau so ein Ding der Unmöglichkeit. Diese Eigenschaft war ein Teil von Syrenas hässlichem Charakter. Sie bestimmte über andere, hielt sich für so viel besser und nur ihre Entscheidungen waren die Richtigen. Sie durfte einen Fluch aussprechen, wenn er sie aber anfasste, sprach sie eine Morddrohung gegen ihn aus. Was das betraf, war Syrena zwar hübsch anzusehen, doch ihr Inneres war einfach nur hässlich.
Wenigstens erkannte sie an, dass er wegen der schlafenden Zwölfjährigen hier war und es ehrlich mit ihr meinte. Er macht sich wegen dem Mädchen gerade so viele Gedanken, wie schon sehr lange nicht mehr wegen irgendetwas. Aber Maisie war auch nicht irgendwer. Sie war nun die Schutzbefohlene von ihnen beiden.
Und so war seine Frage bezüglich der Person zu der sie das Mädchen schicken wollten, auch von ehrlichem Interesse. Als Syrena ihm darauf antwortete, verwunderte ihn das ernsthaft. Er hatte wieder mit einer schnippischen, selbstgefälligen Antwort gerechnet, dass sie das schließlich alles besser wusste und er sich nicht einmischen brauchte. Doch was sie berichtete, klang zumindest ehrlich. Er hatte keine Beweisen und konnte nicht nachprüfen, ob sie ihm nun die Story vom Pferd erzählte, oder ausnahmsweise mal ehrlich blieb. Der Teil in ihm, der sich allerdings noch nicht gänzlich dem Sarkasmus verschrieben hatte und ein winziges Überbleibsel des Antares war, der an Amys Seite lachen und lieben konnte, wollte glauben, was er hörte. Wenn es die Mentorin von Syrena war, handelte es sich um eine fähige Person. Denn trotz all ihrer Unterschiede und vollkommen konträren Meinungen, erkannte Antares sehr wohl an, einer ansonsten sehr mächtigen Hexe gegenüber zu sitzen. Diese Frau hatte zwar keine Skrupel und musste im Duden nachschlagen wie man Mitgefühl schreibt, doch ihre Macht war sehr beeindruckend. Ihre Einwände, Maisie betreffend und ihr Unwissen darüber, waren leider berechtigt. Selten hatte die Brünette daher in dem Wohnungseigentümer einen so aufmerksamen Zuhörer wie bei dem Part, als sie über die Frau in Südamerika berichtete. Selbst als ausgerechnet Syrena davon anfing ihn zu tadeln, dass man nicht alles mit Magie lösen konnte, atmete der Dunkelhaarige nur einmal tief durch. Sie nörgelte die ganze Zeit herum, dass Maisie hier nicht sicher war, weil sie beide nicht ausreichend zaubern konnten aber nun war es ja sein falsches Denken, Magie über alles zu stellen. Irgendwann, so ein kurzer Seitengedanke, nahm er Syrenas Gebrabbel auf, damit er es ihr um die Ohren hauen konnte und sie mal erkannte, wie sie sich praktisch mit jedem Satz selbst widersprach. Aber das würde voraussetzen, dass sie sich widersahen und das geschah nicht. Also blieb dieses Unterfangen nur ein Plan hinter seiner Stirn. "Ich will keine Großmutter." Alte Frauen konnten sich nicht verteidigen, wäre noch ein Zusatz-Satz gewesen, den sein eigentliches Ich gerne anbrachte. Nicht aber bei dieser Gesprächspartnerin. Diese verstand auch keinen Spaß, wenn man ihn ihr ins Gesicht klatschte. Daher verkniff er sich das und blieb bei den Fakten. Diese alleine waren am Ende ja auch wichtig.
Er dachte über das nach, was er gehört hatte. Die Frage nach dem Warum schlich sich sein. Warum sollte diese Mentorin dies tun wenn der Kontakt nur sporadisch war? Aber vielleicht war diese Verbindung etwas anderes. Antares selbst hatte als Drillsergeant nur seine Großmutter gehabt. Erschreckenderweise hatten, sie diesbezüglich sogar eine Gemeinsamkeit in der Vergangenheit. Ihm hing heute noch der Spruch nach, dass ein Salem-Hexer für sich selbst nur das Beste aussuchte und sich über alle anderen definierte. Die Zaubersprüche wurden auswendig gelernt, seine Fähigkeiten bereits in der Früh beim Frühstück trainiert. Ob er wollte oder nicht, musste er hinter die Fassade seiner Großmutter blicken, hinter der sie ein bestimmtes Gefühl für ihn verborgen hielt. Seinen Vater galt es stolz zu machen, ob nun in der Schule oder mit seinem magischen Erbe. Nur das zählte. Zuneigung und Liebe suchte man vergebens. Diese Nebenprodukte gewöhnlicher Menschen, lenkten nur ab. Traurigkeit oder Tränen wurden verboten. Ein Salem-Hexer definierte sich über alle. Alleine, wenn er an den Satz dachte, könnte Antares schreien. Denn genau diese Einstellung war an allem schuld. Sicherlich hatte er viel davon mitgenommen. Seinen Ehrgeiz und sein Können darin, sich bestmöglich zu präsentieren. Aber auch, sein wahres Ich hinter einer Maske zu verbergen. Dafür hätte es Syrenas Fluch gar nicht benötigt. Die erste und einzige Person, bei er er wirklich mal 'Mensch' sein konnte, die ihn nicht nach seinem Können bewertete, die irgendwelche lustigen Dinge tat und darüber lachen konnte als wäre dies das normalste der Welt, war Amy. Sie zeigte ihm, was Liebe war. Zuneigung, Vertrauen und einfach das Gefühl so sein zu dürfen, wie man sich gerade fühlte. Spontan irgendwo hin zu gehen, was gar nicht geplant war. Die Schuhe auszuziehen und am Morgen über das noch taufeuchte Gras des Parks spazieren. Sich bei bei einem Sturm auf den Balkon stellen und mit voller Kraft gegen den Wind anschreien. All das waren Ideen, die Amy hatte. Einfach so. Und er ließ sich von ihr mitreißen. Denn ja, er stand auch bis auf die Unterwäsche durchnässt auf diesem Balkon und schrie irgendwelchen Unsinn gegen den Sturm. So lange, bis sie beide kein Wort mehr herausbrachten. Da war keine Coolness, kein Bild, welches er nach außen hin wahren musste. Er war schlichtweg der verliebte Kerl an Amys Seite. Und sie war sein ganzer Lebensinhalt.
Schnell konzentrierte Antares sich wieder auf das, was Syrena ihm über ihre Mentorin erzählte. Warum er heute Abend gedanklich immer wieder zu Amy abdriftete, konnte sich der Hexer nicht erklären. Lag es daran, weil diejenige, die den Fluch über ihn sprach, wieder in sein Leben getreten war? Oder weil Amy sich Maisie ohne nachzudenken angenommen hätte? Antares fand dafür keine Erklärung. Und daher war es wichtiger, sich auf das zu konzentrieren, auf was er zumindest einen kleinen Einfluss haben konnte. "Mir ist nur wichtig, dass Maisie in Sicherheit ist. Und so wie du diese Dhakiya beschrieben hast, ist sie das Beste was wir im Moment gegen Ashcrofts Einfluss aufzufahren haben." Es hätte jetzt noch der Zusatz angefügt werden müssen, sie sollte nur nicht eine zweite Syrena aus ihr machen, aber Maisie war keine Hexe. Sie hatte nur besondere Fähigkeiten. Und auch wenn es sich nicht nett anhörte, doch auch diese mussten beherrscht werden. Die Kleine musste lernen, damit umgehen zu können, damit sie eben mal nicht aus Versehen irgend eine Gabe übernahm und damit eine Apokalypse herauf beschwor. Oder für den Rest ihres Lebens auf der Flucht war, weil sie von sämtlichen Bundesbehörden gesucht wurde. "Wenn du deiner Mentorin vertraust, für Maisie da zu sein, reicht mir das." So, mehr Zuspruch bekam sie nun wirklich nicht von ihm. "Ich will von dir auch kein Versprechen, welches du nicht halten kannst. Niemand ist absolut sicher. Das ist Maisie hier aber auch nicht. Noch weniger als so weit entfernt. In Südamerika muss Ashcroft Ressourcen aufbringen, auf die er hier schon zurückgreifen könnte. Das dauert. Selbst ein so einflussreicher Mann wie er, erstellt keine Armee über Nacht. Und wenn deine Mentorin so viel Einfluss bereits vorweisen kann, ist sie vorbereitet und kann entsprechend handeln." So der Plan. Es war alles nur ein Plan. Keine Gewissheit. Und doch das einzige was sie momentan tun konnten. Maisies Zukunft von seinem Sofa aus entscheiden.
Wie gut, dass Syrena hier diejenige war, die immer noch wusste, wie man ein ernstes Thema mit divenhaften Allüren würzen konnte. Denn natürlich gefiel es ihr wieder nicht, dass er die Eltern unter Generalverdacht stellte und als nächstes wollte sie von ihm wissen, was sie nicht tun sollte. "Mich mit einem Müllcontainer erschlagen und mit Maisie abhauen." War das bildlich genug für die Hexe? Bei ihrer nächsten Ausführung, sah er ihr in die Augen. Aus dem einzigen Grund, weil er wissen wollte, wie ehrlich sie das meinte. Er mochte gerade nicht über die vollumfänglichen Fähigkeiten verfügen, auf die er sonst zurückgreifen konnte, aber er wollte, dass sie ihm ins Gesicht sah und ihn anlügen musste, wenn dem so sei. Aber dem war nicht so. Woher er das wusste? Antares konnte es nicht bezeichnen. Nicht mit dem Finger darauf deuten und noch weniger erklären. Aber er glaubte Syrena. "Gut." Hörte sie daraufhin nur von ihm. Mehr gab es dazu also nicht mehr zu klären.
Der Hexer nippte nochmal von seinem Getränk als sich seine Gegenüber erneut darüber ausließ, wie falsch er doch angeblich mit allem lag und wieder ausreichend viele Worte fand, sich und ihr Verhalten zu erklären. Sie machte nichts falsch und bla, bla, bla. Antares hörte gar nicht mehr richtig zu. Er musste wirklich aufhören, zu versuchen, ihr den Spiegel vorzuhalten. Sie zerschmetterte diesen jedes Mal in tausend Stücke und erwartete, dass er sich an den Scherben schnitt. Nein, da beließ er sie lieber in ihrer Syrena-Galaxie und konnte das tun, von dem er überzeugt war, es handelte sich um die richtige Herangehensweise. Und natürlich sollte er dem Mädchen ja nichts erzählen, was er nicht vorher von Syrena schriftlich und am besten noch von einem Notar abgesegnet vorgelegt bekam. Im groben Grundsatz hatte sie Recht, wie er eingestehen musste. Daher schwieg er auch und brach nicht wieder eine Grundsatzdiskusion vom Zaum. So viel wie nötig aber so wenig wie möglich sagen. Damit konnte auch er arbeiten. Allerdings entwickelte das angefangene Thema eine schreckliche Eigendynamik.
Ihm war klar, er hatte dies zur Sprache gebracht. Aber warum? Was war nur los? Klar, er war müde aber warum kam ihm gerade dieser Aspekt jetzt in den Sinn? Maisie könnte sie beide dafür verantwortlich machen, was geschah. Nicht Ashcrofts Häscher oder die Machenschaften in die sie verstrickt worden wäre. Davon bekam sie nichts mit und sie würde sich einreden, das alles doch gar nicht so schlimm gekommen wäre, wie sie beide behaupteten. Und dann blieben nur sie beide.
Syrena aber erwähnte etwas, dass Antares mehr wehtat, als hätte sie ihm einen Dolch ins Herz gerammt. Maisie konnte wütend auf sie beide sein, solange sie am Ende in Sicherheit war.
Mit etwas mehr Schwung als notwendig, stellte er das Glas auf den Tisch zurück und stand ruckartig auf.
Er wandte sich von der noch Sitzenden ab und dreht sich zu der Glasfront, an der noch immer die Jalousien heruntergelassen waren. Durch die dünnen Lamellen hindurch, sah er auf den Hafen hinaus. Es war besser, sich nun auf etwas banales zu konzentrieren, denn vor der Hexe die Nerven zu verlieren, war das Letzte was er wollte. Er atmete möglichst geräuschlos tief durch und schloss die Augen.
Maisie war nicht Amy. Niemand würde jemals Amy ersetzen können. Und es war auch nicht die Tatsache, dass die Zwölfjährige ihn hassen könnte für das, was sie hier mit ihr vorhatten. Es würde wehtun, klar. Aber genau wie Syrena es beschrieb, war dies ein notwendiges Übel. Damit kam er klar. Aber es war der beinahe wortgenaue Hinweis auf Amy, welche die Hexe verwendete. Wusste sie es? War dies ihre finale Bosheit ihm gegenüber? Zuzutrauen war es ihr. Aber hätte sie sich mit solchen banalen Nebenbenennungen zufrieden gegeben? Syrena konnte seine wahren Beweggründe nicht wissen, warum er damals so gehandelt hatte. Antares hatte es nie jemandem verraten. Hier ging es nur um das Mädchen, welches er erst seit ein paar Stunden kannte. Aber sein eigentlicher Schmerz, der saß viel tiefer. Und vielleicht war es die Erschöpfung aber dieser eine Satz reichte aus um ihn beinahe auf die Bretter zu schicken. Sein Herz schlug schneller und er kämpfte die Emotionen nieder, die ihn zu überwältigen drohten. "Alles was für Maisies Sicherheit dient, ist akzeptabel." Ließ er sie nach einigen Momenten dann wissen. Fest und fernab allem, was ihn soeben überkommen hatte. Genau so redete er sich sein Vorhaben damals bei Amy auch ein. Alles für ihre Sicherheit. Weil er sie liebte...
Es bedurfte noch einiger tiefer Atemzüge, bevor er die Augen wieder öffnen konnte und den Blick in die Nacht hinaus schweifen ließ. Noch immer wandte er sich nicht um, damit er sich durch nichts verraten konnte. "Die Eltern zu befragen muss hintenanstehen." Kam es nun deutlich gefasster von ihm. "Egal wie sie in die Sache verwickelt sind, muss erst Maisie außer Landes geschafft werden. Hinterher eine Erklärung liefern, sollten sie eine verdienen, ist einfacher." War das jetzt etwas, auf das Syrena als Antwort wartet? Antares dachte nicht darüber nach. Es war sein Zutun, wieder gefasster an die Sachlage heran zu gehen.
Wenigstens erkannte sie an, dass er wegen der schlafenden Zwölfjährigen hier war und es ehrlich mit ihr meinte. Er macht sich wegen dem Mädchen gerade so viele Gedanken, wie schon sehr lange nicht mehr wegen irgendetwas. Aber Maisie war auch nicht irgendwer. Sie war nun die Schutzbefohlene von ihnen beiden.
Und so war seine Frage bezüglich der Person zu der sie das Mädchen schicken wollten, auch von ehrlichem Interesse. Als Syrena ihm darauf antwortete, verwunderte ihn das ernsthaft. Er hatte wieder mit einer schnippischen, selbstgefälligen Antwort gerechnet, dass sie das schließlich alles besser wusste und er sich nicht einmischen brauchte. Doch was sie berichtete, klang zumindest ehrlich. Er hatte keine Beweisen und konnte nicht nachprüfen, ob sie ihm nun die Story vom Pferd erzählte, oder ausnahmsweise mal ehrlich blieb. Der Teil in ihm, der sich allerdings noch nicht gänzlich dem Sarkasmus verschrieben hatte und ein winziges Überbleibsel des Antares war, der an Amys Seite lachen und lieben konnte, wollte glauben, was er hörte. Wenn es die Mentorin von Syrena war, handelte es sich um eine fähige Person. Denn trotz all ihrer Unterschiede und vollkommen konträren Meinungen, erkannte Antares sehr wohl an, einer ansonsten sehr mächtigen Hexe gegenüber zu sitzen. Diese Frau hatte zwar keine Skrupel und musste im Duden nachschlagen wie man Mitgefühl schreibt, doch ihre Macht war sehr beeindruckend. Ihre Einwände, Maisie betreffend und ihr Unwissen darüber, waren leider berechtigt. Selten hatte die Brünette daher in dem Wohnungseigentümer einen so aufmerksamen Zuhörer wie bei dem Part, als sie über die Frau in Südamerika berichtete. Selbst als ausgerechnet Syrena davon anfing ihn zu tadeln, dass man nicht alles mit Magie lösen konnte, atmete der Dunkelhaarige nur einmal tief durch. Sie nörgelte die ganze Zeit herum, dass Maisie hier nicht sicher war, weil sie beide nicht ausreichend zaubern konnten aber nun war es ja sein falsches Denken, Magie über alles zu stellen. Irgendwann, so ein kurzer Seitengedanke, nahm er Syrenas Gebrabbel auf, damit er es ihr um die Ohren hauen konnte und sie mal erkannte, wie sie sich praktisch mit jedem Satz selbst widersprach. Aber das würde voraussetzen, dass sie sich widersahen und das geschah nicht. Also blieb dieses Unterfangen nur ein Plan hinter seiner Stirn. "Ich will keine Großmutter." Alte Frauen konnten sich nicht verteidigen, wäre noch ein Zusatz-Satz gewesen, den sein eigentliches Ich gerne anbrachte. Nicht aber bei dieser Gesprächspartnerin. Diese verstand auch keinen Spaß, wenn man ihn ihr ins Gesicht klatschte. Daher verkniff er sich das und blieb bei den Fakten. Diese alleine waren am Ende ja auch wichtig.
Er dachte über das nach, was er gehört hatte. Die Frage nach dem Warum schlich sich sein. Warum sollte diese Mentorin dies tun wenn der Kontakt nur sporadisch war? Aber vielleicht war diese Verbindung etwas anderes. Antares selbst hatte als Drillsergeant nur seine Großmutter gehabt. Erschreckenderweise hatten, sie diesbezüglich sogar eine Gemeinsamkeit in der Vergangenheit. Ihm hing heute noch der Spruch nach, dass ein Salem-Hexer für sich selbst nur das Beste aussuchte und sich über alle anderen definierte. Die Zaubersprüche wurden auswendig gelernt, seine Fähigkeiten bereits in der Früh beim Frühstück trainiert. Ob er wollte oder nicht, musste er hinter die Fassade seiner Großmutter blicken, hinter der sie ein bestimmtes Gefühl für ihn verborgen hielt. Seinen Vater galt es stolz zu machen, ob nun in der Schule oder mit seinem magischen Erbe. Nur das zählte. Zuneigung und Liebe suchte man vergebens. Diese Nebenprodukte gewöhnlicher Menschen, lenkten nur ab. Traurigkeit oder Tränen wurden verboten. Ein Salem-Hexer definierte sich über alle. Alleine, wenn er an den Satz dachte, könnte Antares schreien. Denn genau diese Einstellung war an allem schuld. Sicherlich hatte er viel davon mitgenommen. Seinen Ehrgeiz und sein Können darin, sich bestmöglich zu präsentieren. Aber auch, sein wahres Ich hinter einer Maske zu verbergen. Dafür hätte es Syrenas Fluch gar nicht benötigt. Die erste und einzige Person, bei er er wirklich mal 'Mensch' sein konnte, die ihn nicht nach seinem Können bewertete, die irgendwelche lustigen Dinge tat und darüber lachen konnte als wäre dies das normalste der Welt, war Amy. Sie zeigte ihm, was Liebe war. Zuneigung, Vertrauen und einfach das Gefühl so sein zu dürfen, wie man sich gerade fühlte. Spontan irgendwo hin zu gehen, was gar nicht geplant war. Die Schuhe auszuziehen und am Morgen über das noch taufeuchte Gras des Parks spazieren. Sich bei bei einem Sturm auf den Balkon stellen und mit voller Kraft gegen den Wind anschreien. All das waren Ideen, die Amy hatte. Einfach so. Und er ließ sich von ihr mitreißen. Denn ja, er stand auch bis auf die Unterwäsche durchnässt auf diesem Balkon und schrie irgendwelchen Unsinn gegen den Sturm. So lange, bis sie beide kein Wort mehr herausbrachten. Da war keine Coolness, kein Bild, welches er nach außen hin wahren musste. Er war schlichtweg der verliebte Kerl an Amys Seite. Und sie war sein ganzer Lebensinhalt.
Schnell konzentrierte Antares sich wieder auf das, was Syrena ihm über ihre Mentorin erzählte. Warum er heute Abend gedanklich immer wieder zu Amy abdriftete, konnte sich der Hexer nicht erklären. Lag es daran, weil diejenige, die den Fluch über ihn sprach, wieder in sein Leben getreten war? Oder weil Amy sich Maisie ohne nachzudenken angenommen hätte? Antares fand dafür keine Erklärung. Und daher war es wichtiger, sich auf das zu konzentrieren, auf was er zumindest einen kleinen Einfluss haben konnte. "Mir ist nur wichtig, dass Maisie in Sicherheit ist. Und so wie du diese Dhakiya beschrieben hast, ist sie das Beste was wir im Moment gegen Ashcrofts Einfluss aufzufahren haben." Es hätte jetzt noch der Zusatz angefügt werden müssen, sie sollte nur nicht eine zweite Syrena aus ihr machen, aber Maisie war keine Hexe. Sie hatte nur besondere Fähigkeiten. Und auch wenn es sich nicht nett anhörte, doch auch diese mussten beherrscht werden. Die Kleine musste lernen, damit umgehen zu können, damit sie eben mal nicht aus Versehen irgend eine Gabe übernahm und damit eine Apokalypse herauf beschwor. Oder für den Rest ihres Lebens auf der Flucht war, weil sie von sämtlichen Bundesbehörden gesucht wurde. "Wenn du deiner Mentorin vertraust, für Maisie da zu sein, reicht mir das." So, mehr Zuspruch bekam sie nun wirklich nicht von ihm. "Ich will von dir auch kein Versprechen, welches du nicht halten kannst. Niemand ist absolut sicher. Das ist Maisie hier aber auch nicht. Noch weniger als so weit entfernt. In Südamerika muss Ashcroft Ressourcen aufbringen, auf die er hier schon zurückgreifen könnte. Das dauert. Selbst ein so einflussreicher Mann wie er, erstellt keine Armee über Nacht. Und wenn deine Mentorin so viel Einfluss bereits vorweisen kann, ist sie vorbereitet und kann entsprechend handeln." So der Plan. Es war alles nur ein Plan. Keine Gewissheit. Und doch das einzige was sie momentan tun konnten. Maisies Zukunft von seinem Sofa aus entscheiden.
Wie gut, dass Syrena hier diejenige war, die immer noch wusste, wie man ein ernstes Thema mit divenhaften Allüren würzen konnte. Denn natürlich gefiel es ihr wieder nicht, dass er die Eltern unter Generalverdacht stellte und als nächstes wollte sie von ihm wissen, was sie nicht tun sollte. "Mich mit einem Müllcontainer erschlagen und mit Maisie abhauen." War das bildlich genug für die Hexe? Bei ihrer nächsten Ausführung, sah er ihr in die Augen. Aus dem einzigen Grund, weil er wissen wollte, wie ehrlich sie das meinte. Er mochte gerade nicht über die vollumfänglichen Fähigkeiten verfügen, auf die er sonst zurückgreifen konnte, aber er wollte, dass sie ihm ins Gesicht sah und ihn anlügen musste, wenn dem so sei. Aber dem war nicht so. Woher er das wusste? Antares konnte es nicht bezeichnen. Nicht mit dem Finger darauf deuten und noch weniger erklären. Aber er glaubte Syrena. "Gut." Hörte sie daraufhin nur von ihm. Mehr gab es dazu also nicht mehr zu klären.
Der Hexer nippte nochmal von seinem Getränk als sich seine Gegenüber erneut darüber ausließ, wie falsch er doch angeblich mit allem lag und wieder ausreichend viele Worte fand, sich und ihr Verhalten zu erklären. Sie machte nichts falsch und bla, bla, bla. Antares hörte gar nicht mehr richtig zu. Er musste wirklich aufhören, zu versuchen, ihr den Spiegel vorzuhalten. Sie zerschmetterte diesen jedes Mal in tausend Stücke und erwartete, dass er sich an den Scherben schnitt. Nein, da beließ er sie lieber in ihrer Syrena-Galaxie und konnte das tun, von dem er überzeugt war, es handelte sich um die richtige Herangehensweise. Und natürlich sollte er dem Mädchen ja nichts erzählen, was er nicht vorher von Syrena schriftlich und am besten noch von einem Notar abgesegnet vorgelegt bekam. Im groben Grundsatz hatte sie Recht, wie er eingestehen musste. Daher schwieg er auch und brach nicht wieder eine Grundsatzdiskusion vom Zaum. So viel wie nötig aber so wenig wie möglich sagen. Damit konnte auch er arbeiten. Allerdings entwickelte das angefangene Thema eine schreckliche Eigendynamik.
Ihm war klar, er hatte dies zur Sprache gebracht. Aber warum? Was war nur los? Klar, er war müde aber warum kam ihm gerade dieser Aspekt jetzt in den Sinn? Maisie könnte sie beide dafür verantwortlich machen, was geschah. Nicht Ashcrofts Häscher oder die Machenschaften in die sie verstrickt worden wäre. Davon bekam sie nichts mit und sie würde sich einreden, das alles doch gar nicht so schlimm gekommen wäre, wie sie beide behaupteten. Und dann blieben nur sie beide.
Syrena aber erwähnte etwas, dass Antares mehr wehtat, als hätte sie ihm einen Dolch ins Herz gerammt. Maisie konnte wütend auf sie beide sein, solange sie am Ende in Sicherheit war.
Mit etwas mehr Schwung als notwendig, stellte er das Glas auf den Tisch zurück und stand ruckartig auf.
Er wandte sich von der noch Sitzenden ab und dreht sich zu der Glasfront, an der noch immer die Jalousien heruntergelassen waren. Durch die dünnen Lamellen hindurch, sah er auf den Hafen hinaus. Es war besser, sich nun auf etwas banales zu konzentrieren, denn vor der Hexe die Nerven zu verlieren, war das Letzte was er wollte. Er atmete möglichst geräuschlos tief durch und schloss die Augen.
Maisie war nicht Amy. Niemand würde jemals Amy ersetzen können. Und es war auch nicht die Tatsache, dass die Zwölfjährige ihn hassen könnte für das, was sie hier mit ihr vorhatten. Es würde wehtun, klar. Aber genau wie Syrena es beschrieb, war dies ein notwendiges Übel. Damit kam er klar. Aber es war der beinahe wortgenaue Hinweis auf Amy, welche die Hexe verwendete. Wusste sie es? War dies ihre finale Bosheit ihm gegenüber? Zuzutrauen war es ihr. Aber hätte sie sich mit solchen banalen Nebenbenennungen zufrieden gegeben? Syrena konnte seine wahren Beweggründe nicht wissen, warum er damals so gehandelt hatte. Antares hatte es nie jemandem verraten. Hier ging es nur um das Mädchen, welches er erst seit ein paar Stunden kannte. Aber sein eigentlicher Schmerz, der saß viel tiefer. Und vielleicht war es die Erschöpfung aber dieser eine Satz reichte aus um ihn beinahe auf die Bretter zu schicken. Sein Herz schlug schneller und er kämpfte die Emotionen nieder, die ihn zu überwältigen drohten. "Alles was für Maisies Sicherheit dient, ist akzeptabel." Ließ er sie nach einigen Momenten dann wissen. Fest und fernab allem, was ihn soeben überkommen hatte. Genau so redete er sich sein Vorhaben damals bei Amy auch ein. Alles für ihre Sicherheit. Weil er sie liebte...
Es bedurfte noch einiger tiefer Atemzüge, bevor er die Augen wieder öffnen konnte und den Blick in die Nacht hinaus schweifen ließ. Noch immer wandte er sich nicht um, damit er sich durch nichts verraten konnte. "Die Eltern zu befragen muss hintenanstehen." Kam es nun deutlich gefasster von ihm. "Egal wie sie in die Sache verwickelt sind, muss erst Maisie außer Landes geschafft werden. Hinterher eine Erklärung liefern, sollten sie eine verdienen, ist einfacher." War das jetzt etwas, auf das Syrena als Antwort wartet? Antares dachte nicht darüber nach. Es war sein Zutun, wieder gefasster an die Sachlage heran zu gehen.

