01.10.2026, 21:09
Syrena blieb zunächst mit beiden Händen am Waschbecken abgestützt. Nicht aus dramatischer Wirkung, sondern weil ihr Körper im Augenblick auf seine ganz eigene Weise entschied, wann er wieder vollständig mitarbeiten würde. Und gerade zeigte er ihr ziemlich eindeutig den Mittelfinger.
Die rot-violette Entladung saß noch wie feine Störungen in ihren Muskeln; nicht mehr schmerzhaft genug, um sie wirklich zu treffen, aber deutlich genug, dass ihre Finger bei jeder kleinen Bewegung einen Herzschlag später reagierten, als sie sollten. Ihre Knie fühlten sich ebenfalls nicht besonders vertrauenswürdig an, und irgendwo hinter ihrer Stirn pochte ihr Kreislauf gegen den Versuch, sich schon wieder aufzurichten, als wäre überhaupt nichts passiert. Also zwang sie sich ausnahmsweise nicht sofort in eine Haltung zurück, die mehr Kontrolle vermittelte, als gerade vorhanden war. Mehrere Minuten vergingen, bis das Flimmern vor ihren Augen nachließ und ihre Magie nicht mehr wie ausgefranst an den Rändern ihres Bewusstseins lag, sondern sich wieder sauber greifen ließ.
Erst dann fiel ihre Aufmerksamkeit richtig auf Lexington. Er war an der Tür in die Knie gegangen, eine Hand am Türblatt, die andere auf den Fliesen, und sah tatsächlich so aus, als hätte ihn etwas Größeres als sein Ego überrollt. Na bitte. Wenigstens sah einer von ihnen genauso beschissen aus, wie sich dieser Zauber angefühlt hatte.
Der Gedanke brachte ihr für ein paar Sekunden eine kleine, gehässige Genugtuung. Nur hielt sie nicht lange an. Nicht, weil plötzlich Mitleid in ihr aufkeimte, sondern weil sie seine Magie eben noch direkt durch sich hindurchgeleitet hatte und daher sehr genau wusste, wie viel Kraft er tatsächlich abgegeben hatte. Mehr, als sie ihm vermutlich freiwillig zugestanden hätte, wenn sie es nicht selbst gespürt hätte. Dass er jetzt an der Tür kniete und offenbar Mühe hatte, seinen eigenen Körper wieder auf die Beine zu bekommen, war also kein Theater.
Als Antares den Kopf hob, fiel ihr etwas anderes auf. Syrena richtete sich ein Stück weiter auf und musterte ihn schärfer. „Deine Augen.“ Ein kleines, giftiges Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Scheint, als würde dein Gegenbann gerade kündigen, Kätzchen.“ Die Katzenaugen waren kaum zu übersehen. Offenbar drückte ihr Fluch bereits durch seine erschöpfte Gegenmagie, trotz Maisies dämpfendem Einfluss aus dem Wohnzimmer. Das sagte ihr mehr über seinen Zustand als jede Beschwerde es gekonnt hätte. Er hatte während der Extraktion tatsächlich bis an seine Reserven gearbeitet. Und natürlich konnte sie es sich trotzdem nicht verkneifen, diesen erfreulichen Anblick mit einem Kosenamen zu garnieren.
Mit seinem leisen „Glückwunsch.“ hatte Syrena dagegen nicht gerechnet. Die Hexe blinzelte einmal, als sie gerade einen Satz ohne Spitzen aus seinem Mund vernommen hatte. Kein Spott, kein Angriff. Kein selbstgefälliger Unterton. Sie sah ihn etwas länger an und hob dann langsam eine Braue. „Vorsicht, Lexington. So klingst du beinahe sympathisch.“ Oder musste sie sich jetzt etwa Sorgen um seine mentale Gesundheit machen? Wuchs da etwa tatsächlich so etwas wie Anstand und Respekt?
Dann folgte sein Hinweis auf ihren Arm. Syrena sah zu eben jenem hinunter. Durch den Verband zeichnete sich bereits wieder Blut ab, dunkler als zuvor und an einer Stelle deutlich frischer. „Das sehe ich.“ Die Antwort fiel vollkommen nüchtern aus. Mit der unverletzten Hand presste sie auf den Verband und hielt den Druck, bis der erste scharfe Schmerz wieder in etwas Erträglicheres überging.
Erst dabei fiel ihr auf, dass sich während des Zaubers etwas nicht ganz so angefühlt hatte, wie es eigentlich hätte sein müssen. Der Schmerz war zwischendurch dumpfer gewesen. Nicht weg, aber weiter entfernt, als hätte jemand die Lautstärke heruntergedreht. Und sie hatte länger durchgehalten, als ihr eigener Zustand nach den beiden Schusswunden und dem bisherigen Magieverbrauch vernünftigerweise zugelassen hätte.
Syrena hob den Kopf. Ihre Augen wurden schmaler, diesmal nicht vor bloßer Gereiztheit, sondern weil sie rückwirkend einzelne Nuancen seines Energiestroms voneinander trennte. Da war nicht nur rohe Kraft gewesen. Ein Teil hatte sich anders angefühlt, feiner, gezielter, beinahe wie etwas, das ihren eigenen Körper statt ihrer Telekinese erreicht hatte. „Hast du gerade Heilmagie durch mich geschickt?“ Ihre Stimme bekam sofort wieder etwas mehr Schärfe. „Ich hatte dir ziemlich eindeutig erklärt, wofür du deine Magie durch mich schicken solltest.“
Sie sah erneut auf den Verband und drückte etwas fester dagegen. Offenbar hatte er wenigstens nicht einfach versucht, die Verletzung vollständig zu schließen. Entweder hatte seine Magie nur gereicht, um sie länger auf den Beinen zu halten, oder er hatte genau gewusst, dass er für mehr gerade keine Kraft verschwenden durfte. Vielleicht hatte er lediglich den Schmerz gedämpft, vielleicht ihren Körper gerade weit genug gestützt, dass sie die Extraktion beenden konnte. Dieser vermaledeite Kater. Ausgerechnet diesmal hatte er damit vermutlich tatsächlich geholfen. Der Gedanke schmeckte ihr ganz und gar nicht, aber er ließ sich gerade auch durch nichts relativieren.
Bevor daraus eine weitere Auseinandersetzung werden konnte, richtete Syrena ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Münze. Sie zog die Hand vom Verband, hob die Finger und ließ das Metall vorsichtig vor sich schweben. Diesmal schickte sie nur einen dünnen roten Faden darüber, kaum mehr als eine tastende Berührung. Vor wenigen Minuten hatte sich die fremde Resonanz in Schichten, Verbindungen und Widerständen gezeigt. Jetzt kam nichts zurück. Keine Energie, kein Echo. Keine Reaktion auf Maisies Signatur.
Syrena ließ die Magie noch einmal über Rand, Prägung und Oberfläche gleiten, dann tiefer durch das Material. Wieder nichts. Das Artefakt wirkte beinahe gespenstisch leer. Nicht tot, denn Metall konnte schließlich nicht tot sein, aber entkleidet von allem, was es eben noch gefährlich gemacht hatte. Nur eine kleine Münze. Fast lächerlich unscheinbar nach dem Aufwand, den sie ihnen gerade abverlangt hatte.
Sie ließ sie zwischen ihnen in der Luft schweben und sah wieder zu Antares. „Sobald du wieder geradeaus sehen kannst, prüfst du sie.“ Kein Triumph, kein voreiliges Urteil. Ihre eigene Kontrolle war sauber, aber sie hatte ausdrücklich eine zweite Prüfung gewollt und würde jetzt nicht aus bloßer Ungeduld darauf verzichten. Zumal sie ihm nach dem eben Erlebten durchaus zutraute, eine Abweichung zu bemerken, die ihr in diesem Zustand entgehen konnte… auch, wenn sie es nur ungern zugab.
Ihre Aufmerksamkeit wanderte noch einmal über ihn: Die Hand an der Tür, die Katzenaugen, die Art, wie er sich noch immer stabilisierte. „Und bevor du wieder anfängst, meinen Arm zu kommentieren: Du siehst aus, als würdest du gleich auf allen vieren landen.“ Ihre Mundwinkel zuckten. „Wenn du dich übergeben musst, sag es. Dann räume ich dein Bad sofort freiwillig.“ Die Vorstellung, ausgerechnet jetzt noch Zeugin davon zu werden, wie Lexington seinen Mageninhalt über die dunklen Fliesen verteilte, war selbst für sie eine Zumutung. „Ansonsten warte ich auf deine zweite Meinung.“
Die Münze selbst würde sie nicht noch im selben Moment zerlegen. Nicht, nachdem sie beide gerade genug Magie verbrannt hatten, um das Badezimmer in ein kleines Schlachtfeld zu verwandeln. Wenn auch Antares keine Verbindung mehr fand, war das akute Problem beseitigt. Die physische Zerstörung und getrennte Entsorgung konnten warten, bis sie die Wohnung verließ. Jetzt noch mehr Magie dafür aufzuwenden wäre schlicht idiotisch gewesen. Nach Lexingtons zweiter Überprüfung ließ Syrena das Metall in ihre Hand sinken und steckte es zurück in die Tasche. So gefiel ihr die Sache entschieden besser.
Der Weg zurück ins Wohnzimmer dauerte länger, als Syrena sich eingestehen wollte. Sie ging nicht langsam, natürlich nicht. Sie bewegte sich lediglich mit etwas mehr Bedacht. Das war etwas völlig anderes. Als sie den Raum wieder betrat, erwartete sie eigentlich, Maisie noch vor dem Fernseher sitzen zu sehen. Stattdessen war das Mädchen auf dem Sofa eingeschlafen. Zusammengerollt, den Kopf leicht zur Seite gesunken, Emile fest im Arm und sich unter eine Decke mümmelnd. Der Fernseher lief leise weiter und warf wechselndes Licht über ihr Gesicht.
Die Hexe blieb zunächst tatenlos stehen. Maisie sah im Schlaf noch jünger aus als im wachen Zustand, und das machte den ganzen Abend auf eine Weise real, die Syrena gerade extrem ungelegen kam. Noch vor wenigen Stunden hatte das Mädchen allein in ihrer eigenen Wohnung gesessen und nicht gewusst, ob ihre Eltern überhaupt zurückkommen würden, während irgendwo längst Menschen entschieden hatten, was ihre magische Begabung wert war. Jetzt lag sie ausgerechnet auf Lexingtons Sofa und war offenbar irgendwann einfach der Erschöpfung erlegen. Syrena konnte ihr das kaum verdenken.
Sie sah zu Antares, dann wieder zu Maisie. Dann noch einmal zu Antares. Beide sahen aus, als wäre das Tragen eines Kindes aktuell eine hervorragend schlechte Idee, und Syrena hatte keinerlei Interesse daran, diese Erkenntnis als Erste laut auszusprechen. Ihre Stimme senkte sich automatisch, damit Maisie nicht aufwachte. „Sag jetzt nicht, dass ich sie tragen soll.“ Ihr Blick fiel kurz auf Emile und danach wieder auf Lexington. „Emile würde ich mir vielleicht noch zutrauen.“
Die rot-violette Entladung saß noch wie feine Störungen in ihren Muskeln; nicht mehr schmerzhaft genug, um sie wirklich zu treffen, aber deutlich genug, dass ihre Finger bei jeder kleinen Bewegung einen Herzschlag später reagierten, als sie sollten. Ihre Knie fühlten sich ebenfalls nicht besonders vertrauenswürdig an, und irgendwo hinter ihrer Stirn pochte ihr Kreislauf gegen den Versuch, sich schon wieder aufzurichten, als wäre überhaupt nichts passiert. Also zwang sie sich ausnahmsweise nicht sofort in eine Haltung zurück, die mehr Kontrolle vermittelte, als gerade vorhanden war. Mehrere Minuten vergingen, bis das Flimmern vor ihren Augen nachließ und ihre Magie nicht mehr wie ausgefranst an den Rändern ihres Bewusstseins lag, sondern sich wieder sauber greifen ließ.
Erst dann fiel ihre Aufmerksamkeit richtig auf Lexington. Er war an der Tür in die Knie gegangen, eine Hand am Türblatt, die andere auf den Fliesen, und sah tatsächlich so aus, als hätte ihn etwas Größeres als sein Ego überrollt. Na bitte. Wenigstens sah einer von ihnen genauso beschissen aus, wie sich dieser Zauber angefühlt hatte.
Der Gedanke brachte ihr für ein paar Sekunden eine kleine, gehässige Genugtuung. Nur hielt sie nicht lange an. Nicht, weil plötzlich Mitleid in ihr aufkeimte, sondern weil sie seine Magie eben noch direkt durch sich hindurchgeleitet hatte und daher sehr genau wusste, wie viel Kraft er tatsächlich abgegeben hatte. Mehr, als sie ihm vermutlich freiwillig zugestanden hätte, wenn sie es nicht selbst gespürt hätte. Dass er jetzt an der Tür kniete und offenbar Mühe hatte, seinen eigenen Körper wieder auf die Beine zu bekommen, war also kein Theater.
Als Antares den Kopf hob, fiel ihr etwas anderes auf. Syrena richtete sich ein Stück weiter auf und musterte ihn schärfer. „Deine Augen.“ Ein kleines, giftiges Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Scheint, als würde dein Gegenbann gerade kündigen, Kätzchen.“ Die Katzenaugen waren kaum zu übersehen. Offenbar drückte ihr Fluch bereits durch seine erschöpfte Gegenmagie, trotz Maisies dämpfendem Einfluss aus dem Wohnzimmer. Das sagte ihr mehr über seinen Zustand als jede Beschwerde es gekonnt hätte. Er hatte während der Extraktion tatsächlich bis an seine Reserven gearbeitet. Und natürlich konnte sie es sich trotzdem nicht verkneifen, diesen erfreulichen Anblick mit einem Kosenamen zu garnieren.
Mit seinem leisen „Glückwunsch.“ hatte Syrena dagegen nicht gerechnet. Die Hexe blinzelte einmal, als sie gerade einen Satz ohne Spitzen aus seinem Mund vernommen hatte. Kein Spott, kein Angriff. Kein selbstgefälliger Unterton. Sie sah ihn etwas länger an und hob dann langsam eine Braue. „Vorsicht, Lexington. So klingst du beinahe sympathisch.“ Oder musste sie sich jetzt etwa Sorgen um seine mentale Gesundheit machen? Wuchs da etwa tatsächlich so etwas wie Anstand und Respekt?
Dann folgte sein Hinweis auf ihren Arm. Syrena sah zu eben jenem hinunter. Durch den Verband zeichnete sich bereits wieder Blut ab, dunkler als zuvor und an einer Stelle deutlich frischer. „Das sehe ich.“ Die Antwort fiel vollkommen nüchtern aus. Mit der unverletzten Hand presste sie auf den Verband und hielt den Druck, bis der erste scharfe Schmerz wieder in etwas Erträglicheres überging.
Erst dabei fiel ihr auf, dass sich während des Zaubers etwas nicht ganz so angefühlt hatte, wie es eigentlich hätte sein müssen. Der Schmerz war zwischendurch dumpfer gewesen. Nicht weg, aber weiter entfernt, als hätte jemand die Lautstärke heruntergedreht. Und sie hatte länger durchgehalten, als ihr eigener Zustand nach den beiden Schusswunden und dem bisherigen Magieverbrauch vernünftigerweise zugelassen hätte.
Syrena hob den Kopf. Ihre Augen wurden schmaler, diesmal nicht vor bloßer Gereiztheit, sondern weil sie rückwirkend einzelne Nuancen seines Energiestroms voneinander trennte. Da war nicht nur rohe Kraft gewesen. Ein Teil hatte sich anders angefühlt, feiner, gezielter, beinahe wie etwas, das ihren eigenen Körper statt ihrer Telekinese erreicht hatte. „Hast du gerade Heilmagie durch mich geschickt?“ Ihre Stimme bekam sofort wieder etwas mehr Schärfe. „Ich hatte dir ziemlich eindeutig erklärt, wofür du deine Magie durch mich schicken solltest.“
Sie sah erneut auf den Verband und drückte etwas fester dagegen. Offenbar hatte er wenigstens nicht einfach versucht, die Verletzung vollständig zu schließen. Entweder hatte seine Magie nur gereicht, um sie länger auf den Beinen zu halten, oder er hatte genau gewusst, dass er für mehr gerade keine Kraft verschwenden durfte. Vielleicht hatte er lediglich den Schmerz gedämpft, vielleicht ihren Körper gerade weit genug gestützt, dass sie die Extraktion beenden konnte. Dieser vermaledeite Kater. Ausgerechnet diesmal hatte er damit vermutlich tatsächlich geholfen. Der Gedanke schmeckte ihr ganz und gar nicht, aber er ließ sich gerade auch durch nichts relativieren.
Bevor daraus eine weitere Auseinandersetzung werden konnte, richtete Syrena ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Münze. Sie zog die Hand vom Verband, hob die Finger und ließ das Metall vorsichtig vor sich schweben. Diesmal schickte sie nur einen dünnen roten Faden darüber, kaum mehr als eine tastende Berührung. Vor wenigen Minuten hatte sich die fremde Resonanz in Schichten, Verbindungen und Widerständen gezeigt. Jetzt kam nichts zurück. Keine Energie, kein Echo. Keine Reaktion auf Maisies Signatur.
Syrena ließ die Magie noch einmal über Rand, Prägung und Oberfläche gleiten, dann tiefer durch das Material. Wieder nichts. Das Artefakt wirkte beinahe gespenstisch leer. Nicht tot, denn Metall konnte schließlich nicht tot sein, aber entkleidet von allem, was es eben noch gefährlich gemacht hatte. Nur eine kleine Münze. Fast lächerlich unscheinbar nach dem Aufwand, den sie ihnen gerade abverlangt hatte.
Sie ließ sie zwischen ihnen in der Luft schweben und sah wieder zu Antares. „Sobald du wieder geradeaus sehen kannst, prüfst du sie.“ Kein Triumph, kein voreiliges Urteil. Ihre eigene Kontrolle war sauber, aber sie hatte ausdrücklich eine zweite Prüfung gewollt und würde jetzt nicht aus bloßer Ungeduld darauf verzichten. Zumal sie ihm nach dem eben Erlebten durchaus zutraute, eine Abweichung zu bemerken, die ihr in diesem Zustand entgehen konnte… auch, wenn sie es nur ungern zugab.
Ihre Aufmerksamkeit wanderte noch einmal über ihn: Die Hand an der Tür, die Katzenaugen, die Art, wie er sich noch immer stabilisierte. „Und bevor du wieder anfängst, meinen Arm zu kommentieren: Du siehst aus, als würdest du gleich auf allen vieren landen.“ Ihre Mundwinkel zuckten. „Wenn du dich übergeben musst, sag es. Dann räume ich dein Bad sofort freiwillig.“ Die Vorstellung, ausgerechnet jetzt noch Zeugin davon zu werden, wie Lexington seinen Mageninhalt über die dunklen Fliesen verteilte, war selbst für sie eine Zumutung. „Ansonsten warte ich auf deine zweite Meinung.“
Die Münze selbst würde sie nicht noch im selben Moment zerlegen. Nicht, nachdem sie beide gerade genug Magie verbrannt hatten, um das Badezimmer in ein kleines Schlachtfeld zu verwandeln. Wenn auch Antares keine Verbindung mehr fand, war das akute Problem beseitigt. Die physische Zerstörung und getrennte Entsorgung konnten warten, bis sie die Wohnung verließ. Jetzt noch mehr Magie dafür aufzuwenden wäre schlicht idiotisch gewesen. Nach Lexingtons zweiter Überprüfung ließ Syrena das Metall in ihre Hand sinken und steckte es zurück in die Tasche. So gefiel ihr die Sache entschieden besser.
Der Weg zurück ins Wohnzimmer dauerte länger, als Syrena sich eingestehen wollte. Sie ging nicht langsam, natürlich nicht. Sie bewegte sich lediglich mit etwas mehr Bedacht. Das war etwas völlig anderes. Als sie den Raum wieder betrat, erwartete sie eigentlich, Maisie noch vor dem Fernseher sitzen zu sehen. Stattdessen war das Mädchen auf dem Sofa eingeschlafen. Zusammengerollt, den Kopf leicht zur Seite gesunken, Emile fest im Arm und sich unter eine Decke mümmelnd. Der Fernseher lief leise weiter und warf wechselndes Licht über ihr Gesicht.
Die Hexe blieb zunächst tatenlos stehen. Maisie sah im Schlaf noch jünger aus als im wachen Zustand, und das machte den ganzen Abend auf eine Weise real, die Syrena gerade extrem ungelegen kam. Noch vor wenigen Stunden hatte das Mädchen allein in ihrer eigenen Wohnung gesessen und nicht gewusst, ob ihre Eltern überhaupt zurückkommen würden, während irgendwo längst Menschen entschieden hatten, was ihre magische Begabung wert war. Jetzt lag sie ausgerechnet auf Lexingtons Sofa und war offenbar irgendwann einfach der Erschöpfung erlegen. Syrena konnte ihr das kaum verdenken.
Sie sah zu Antares, dann wieder zu Maisie. Dann noch einmal zu Antares. Beide sahen aus, als wäre das Tragen eines Kindes aktuell eine hervorragend schlechte Idee, und Syrena hatte keinerlei Interesse daran, diese Erkenntnis als Erste laut auszusprechen. Ihre Stimme senkte sich automatisch, damit Maisie nicht aufwachte. „Sag jetzt nicht, dass ich sie tragen soll.“ Ihr Blick fiel kurz auf Emile und danach wieder auf Lexington. „Emile würde ich mir vielleicht noch zutrauen.“

