29.09.2026, 12:03
„Dann darf das einfache Volk seine Dankbarkeit gleich in Form eines Gegenbanns entrichten.“ Syrena quittierte Lexingtons lächerliche Dienergeste mit einem gönnerhaften Lächeln. Sie widmete sich wieder der Münze um die ihre roten Blitzadern flackerten, die deren fremde Verzauberung abtasteten.
Dass sich bald darauf ein violetter Schimmer dazugesellte, entging ihr nicht, obwohl sie die Augen geschlossen hielt. Lexington untersuchte die Signatur tatsächlich selbst, anstatt abzuwarten, bis sie ihm ihre Erkenntnisse häppchenweise servierte. Sollte er, solange er ihren eigenen Vorgang nicht beeinflusste oder gar behinderte. Seine Magie setzte stellenweise anders an als ihre, verfolgte die fremden Verbindungen aus einer zweiten Richtung. Ein zweites Kompliment würde er dafür jedoch ganz sicher nicht bekommen!
Dann schlossen sich seine Finger um die Münze. Die roten Fäden spannten sich unvermittelt, und Syrena riss ihre Augen auf. Das hatte er jetzt nicht… Im nächsten Augenblick rammte sie ihm beide Handflächen gegen die Brust. Ein greller roter Funke sprang über seine Kleidung und entlud sich dort, wo ihre Hände ihn trafen, mit einem kurzen, hässlichen Knistern. Hoffentlich fühlte es sich wie ein schmerzhafter Stromschlag an!
„Bist du eigentlich völlig bescheuert?!“ Ihre Stimme überschlug sich in unendlicher Wut und ihre Magie zuckte noch immer über die Fingerknöchel, als sie die Hände zurückzog. Für einen äußerst verlockenden Augenblick erwog sie, ihm das Metall mitsamt seinen Fingern zu entreißen. Nur hielt dieser vollkommen hirnverbrannte Kater gerade das Artefakt in der Hand, das sie vor Maisies Abreise unbedingt unschädlich machen mussten. Die Suche nach einer womöglich auf zwanzig Splitter verteilten Signatur wäre allerdings ein ausgesprochen hoher Preis für ihre Genugtuung gewesen.
Syrena zwang ihre Finger zur Ruhe. Nicht, weil sie sich beruhigt hätte, sondern weil sie die Sicherheit des Mädchens nicht gegen das Vergnügen eintauschen würde, Lexington die Nase oder andere Körperteile zu brechen.
Also hörte sie sich mit mahlendem Kiefer seine Standpauke an, während er ihre Münze zwischen den Fingern hielt und ihren Namen aussprach, als müsse er zubeißen. Mit jedem weiteren Vorwurf wurde es schwieriger, ihn ausreden zu lassen. Dass sie ihn für einen selbstgefälligen Idioten hielt, war sicherlich kein Geheimnis. Aber daraus folgte noch lange nicht, dass sie glaubte, er würde Maisie absichtlich gefährden!
Als er endlich fertig war, trat sie einen halben Schritt näher. „Hast du mir eigentlich auch nur ein einziges Mal richtig zugehört, du Idiot?! Ich habe dir gerade erklärt, weshalb du diese verdammte Münze nicht zerbrechen darfst! Nicht, dass du zu blöd bist, es zu begreifen, und auch nicht, dass dir Maisie scheißegal wäre! Wenn du dich davon gleich in deiner Ehre gekränkt fühlst, ist das dein Problem! Und dann solltest du gefälligst deine Griffel bei dir behalten!“ Sie deutete zornig auf das Metall in seiner Hand. Ausgerechnet er hielt ihr Vorträge über Respekt, während er in ihren laufenden Zauber hineinpfuschte!
Und weil Lexington offenbar gerade erst warm wurde, durfte sie sich anschließend von ihm auch noch erklären lassen, wie die Schattenwelt funktionierte. Syrena stieß ein ungläubiges Lachen aus. Dass sie diesen konkreten Kinderhandel nicht kannte, machte sie nicht weltfremd. Sie wusste sehr wohl, wozu Menschen und Dämonen für Geld bereit waren.
„Lexington, ich arbeite für Wolfram & Hart! Glaubst du allen Ernstes, ich brauche ausgerechnet DICH, damit du mir erklärst, wie dreckig diese Welt ist?!“ Ihre Stimme wurde mit jedem Wort schärfer, während sie auf seine Hand mit der Münze deutete. „Und du kannst dir deine gottverdammte Moralpredigt sparen! Ich bin angeschossen worden, weil ich mich entschieden habe, dir bei der Rettung dieses Kindes zu helfen! Nicht, weil irgendein Auftraggeber mir dafür einen verdammten Bonus versprochen hat!“ Dass er sie nach eigener Aussage in der Gasse gern noch länger hätte bearbeiten lassen, beantwortete sie mit einem gefährlich freundlichen Lächeln. „Schade, dass du nicht dabei warst. Ich hätte dir gern vorgeführt, wie viel ich selbst mit zwei Kugeln im Körper noch anrichten kann.“ Sie atmete einmal tief ein. Maisie saß draußen, sie hatte für sowas keine Zeit.
Als Lexington ihr die Münze endlich zurückgab, fingen ihre roten Blitze sie auf und zogen sie augenblicklich aus seiner Reichweite. „Brav, Kätzchen“, murmelte Syrena mit einem boshaft zufriedenen Lächeln. Dass er sie angeblich nur hatte ärgern wollen, ignorierte sie nun und verbiss sich den nächsten Konter, bevor sie die Münze wieder über dem Waschbecken ausrichtete. Er hatte zugestimmt, ihr Kraft zu geben und die Arbeit hatte jetzt Vorrang vor ihrem persönlichen Rachefeldzug.
Dass er sich dafür ausgerechnet hinter sie stellte, damit hatte sie allerdings nicht gerechnet. Warum zum Teufel positionierte er sich nicht ihr gegenüber?! Syrena bemerkte seine Bewegung, dann schoben sich seine Arme an ihrem Körper vorbei, seine Hände legten sich auf ihre, und plötzlich spürte sie seine Brust an ihrem Rücken. Ihr Atem setzte für einen kurzen Moment aus und sie konnte in dem Moment gar nicht genau sagen, ob es vor Wut oder vor der plötzlichen Nähe zu diesem schändlichen Hexer war.
Ihre Schultern versteiften sich augenblicklich. Vor dem Waschbecken und mit ausgestreckten Armen konnte sie kaum ausweichen. Als sein Atem ihre Haare streifte, zog sich ein unwillkürlicher Schauer über ihren Rücken, und Syrena hätte ihm dafür am liebsten eine schallende Ohrfeige verpasst. Zumal der Schauer nicht ausschließlich aus Abscheu bestand, denn ihr Puls beschleunigte sich auf eine Weise, die sie sich lieber mit Zorn erklärt hätte; leider kannte Syrena ihren eigenen Körper dafür entschieden zu gut. Seine Körperwärme, der feste Druck seiner Hände: Unter anderen Umständen und natürlich von einer anderen Person, wie z.B. Lucian Vermont hätte sie diese Nähe womöglich genossen. Aber doch nicht von Antares Lexington! Als hätte dieser Abend sie nicht längst genug gedemütigt.
„Ich habe HÄNDE gesagt, Lexington! Nicht, dass du dich gleich mit deinem gesamten verdammten Körper an mich schmiegen sollst!“ Ausgerechnet dieses Wort. Hervorragend gemacht, Blackwell. Sie versuchte, seine Brust von ihrem Rücken fernzuhalten, ohne den Handkontakt zu lösen, doch das Platzproblem blieb nun einmal. Allerdings würde sie ihm jedenfalls nicht auch noch ihre Konzentration opfern.
Dann erreichte sie seine Kraft. Violette Energie floss durch die Berührung ihrer Hände in ihre roten Stränge, zunächst ungewohnt eigensinnig, bis Syrena den Zustrom erfasste und ihn nach und nach gezielt in ihre Telekinese weiterleiten konnte.
Doch diese fremde Magie fühlte sich anders an. Alt. Nicht verbraucht, nicht bloß stärker als erwartet, sondern von einer Tiefe, die unmöglich allein aus Lexingtons paar Lebensjahrzehnten stammen konnte. Syrena spürte regelrecht Schichten, eine eigenartige Resonanz, als folgte seine Kraft Wegen, die lange vor ihm angelegt worden waren. Sie hätte nicht sagen können, ob dieser Eindruck von einer besonders alten magischen Linie oder einer anderen, ihr noch unbekannten Besonderheit herrührte. Ihre Finger regten sich unwillkürlich unter seinen. Sie kannte alte Zaubertraditionen gut genug, um den Eindruck ernst zu nehmen. Woher zum Teufel hatte er das? Doch nun ordnete sie zunächst den Zufluss, zwang ihre Aufmerksamkeit zurück auf die Münze und merkte sich das Gefühl seiner Magie sehr genau. Als ob der Mistkerl von einer edlen, alten Hexerblutlinie abstammte! Absurd!
Ihre roten Fäden gewannen an Spannung, ohne dass Syrena dafür die letzten Reste ihrer eigenen Kraft aufbrauchen musste. Dennoch nahm sie keineswegs alles, was er ihr anbot. Seine Hände wurden allmählich schwerer; er musste schließlich auch den Gegenbann halten und gleichzeitig ihren Katzenfluch abwehren. Maisies Einfluss machte ihnen selbst hier im Badezimmer weiterhin zu schaffen. Wenn Syrena ihn jetzt vollständig auslaugte, würde ihnen ausgerechnet die Gegenmagie fehlen, die jeden freigelegten Abschnitt sichern sollte. Also drosselte sie den Zufluss ganz bewusst und nutzte nur so viel Energie von ihm, wie sie für die jeweils nächste Verbindung benötigte. Den Rest überließ sie ihm. Es kostete sie mehr Disziplin, diesen fremden Energiestrom bewusst zu begrenzen, als sie erwartet hatte. Ihre einzige verfügbare Absicherung zu ruinieren wäre jedoch ausgesprochen dumm gewesen.
Syrena setzte ihre roten Fäden an den zuvor ertasteten Ankerpunkten an, tief im Material, wo die fremde Verzauberung Maisies Signatur festhielt. Die erste Verbindung gab nur widerwillig nach. Statt sie einfach zu zerreißen, teilte sie die gebundene Kraft, zog die Stränge vorsichtig auseinander und wartete, bis Antares’ Magie in die entstandene Lücke floss. Erst als seine Gegenmagie den Rückweg versperrte, wandte sie sich dem nächsten Anker zu. Zog sie zu früh, konnte sich die Bindung erneut festsetzen; wartete sie zu lange, verschwendeten beide Kraft. Rot und Violett ergänzten sich auf geradezu beleidigend reibungslose Weise, wie in einem rhythmischen Zusammenspiel.“
Mit jedem weiteren Anker nahm die Anstrengung zu. Schweiß sammelte sich auf Syrenas Stirn, eine feuchte Strähne klebte an ihrer Schläfe, und der verletzte Oberarm protestierte gegen jede winzige Korrektur ihrer ausgestreckten Hände. Ihr Atem wurde schneller, kam schließlich stoßweise, während hinter ihr Antares’ Brustkorb denselben anstrengenden Rhythmus aufzunehmen schien. Seine Hände wurden auf den ihren schwerer und schwerer. Die Hitze, das hastige Atmen und ihre kaum vermeidbare Nähe erinnerten an eine Beschäftigung, für die sie sich unter anderen Umständen gern Zeit nahm. Jedoch nicht mit diesem Mann. Und doch reagierte ihr Körper auf seine Wärme, als hätte er eine eigene, ausgesprochen fragwürdige Meinung zu dieser Frage. Besonders unerträglich war, dass sie den gleichmäßigen Druck seiner Hände inzwischen sogar benötigte, um die fremde Kraft sauber durch ihre eigenen Fäden zu leiten. Sie presste die Lippen zusammen und konzentrierte sich auf die Münze, jeden Widerstand unter ihren roten Fäden und die streng dosierte fremde Kraft.
Schließlich war nur noch ein einziger Anker übrig. Er saß so tief im magischen Kern, dass Syrena Mühe hatte, die letzten Verbindungen voneinander zu unterscheiden. Sie ließ ihre roten Energiestränge immer feiner werden, anstatt ihnen mehr rohe Kraft zuzuführen. Solange die Signatur noch einen Rückweg besaß, durfte sie nicht mit Gewalt daran ziehen. Mit einer minimalen Bewegung ihrer Finger gab sie Lexington zu verstehen, wo sie seinen Gegenbann brauchte, und führte das Rot Millimeter um Millimeter durch die verbliebene Struktur. Ihr Atem ging noch eine Spur schwerer; der Schmerz im Oberarm fühlte sich an, als hätte jemand beschlossen, die Kugel wieder hineinzustecken. Sie biss die Zähne zusammen und verkleinerte den Zug auf einen kaum noch wahrnehmbaren Impuls. Dann gab die Bindung nach. Seine Kraft schob sich in den Spalt, versperrte den letzten Rückweg, und Syrena durchtrennte die Verbindung mit einem einzigen präzisen Ruck.
Die Entladung traf sie wohl beide völlig unvorbereitet. Rot und Violett brachen aus der eben noch fein verschnürten Struktur hervor, schossen als kurze, heftige Welle durch das Badezimmer, und verteilten dort alles was nicht niet- und nagelfest war.
Der Stoß schleuderte Syrena rücklings gegen Antares und beide gegen die Badezimmertür. Für einen unerträglichen Augenblick war da wieder seine Brust an ihrem Rücken, diesmal noch dichter, während die letzte rotviolette Energie vor ihnen verglomm. Syrena taumelte nach vorn, fing sich mit beiden Händen am Waschbecken ab und kämpfte gegen den plötzlich aufflammenden Schmerz im Arm an. Dann drehte sie den Kopf über die Schulter und warf Lexington einen Blick zu, mit dem sie ihm am liebsten auf der Stelle das Fell bis auf die Haut versengt hätte.
Dass sich bald darauf ein violetter Schimmer dazugesellte, entging ihr nicht, obwohl sie die Augen geschlossen hielt. Lexington untersuchte die Signatur tatsächlich selbst, anstatt abzuwarten, bis sie ihm ihre Erkenntnisse häppchenweise servierte. Sollte er, solange er ihren eigenen Vorgang nicht beeinflusste oder gar behinderte. Seine Magie setzte stellenweise anders an als ihre, verfolgte die fremden Verbindungen aus einer zweiten Richtung. Ein zweites Kompliment würde er dafür jedoch ganz sicher nicht bekommen!
Dann schlossen sich seine Finger um die Münze. Die roten Fäden spannten sich unvermittelt, und Syrena riss ihre Augen auf. Das hatte er jetzt nicht… Im nächsten Augenblick rammte sie ihm beide Handflächen gegen die Brust. Ein greller roter Funke sprang über seine Kleidung und entlud sich dort, wo ihre Hände ihn trafen, mit einem kurzen, hässlichen Knistern. Hoffentlich fühlte es sich wie ein schmerzhafter Stromschlag an!
„Bist du eigentlich völlig bescheuert?!“ Ihre Stimme überschlug sich in unendlicher Wut und ihre Magie zuckte noch immer über die Fingerknöchel, als sie die Hände zurückzog. Für einen äußerst verlockenden Augenblick erwog sie, ihm das Metall mitsamt seinen Fingern zu entreißen. Nur hielt dieser vollkommen hirnverbrannte Kater gerade das Artefakt in der Hand, das sie vor Maisies Abreise unbedingt unschädlich machen mussten. Die Suche nach einer womöglich auf zwanzig Splitter verteilten Signatur wäre allerdings ein ausgesprochen hoher Preis für ihre Genugtuung gewesen.
Syrena zwang ihre Finger zur Ruhe. Nicht, weil sie sich beruhigt hätte, sondern weil sie die Sicherheit des Mädchens nicht gegen das Vergnügen eintauschen würde, Lexington die Nase oder andere Körperteile zu brechen.
Also hörte sie sich mit mahlendem Kiefer seine Standpauke an, während er ihre Münze zwischen den Fingern hielt und ihren Namen aussprach, als müsse er zubeißen. Mit jedem weiteren Vorwurf wurde es schwieriger, ihn ausreden zu lassen. Dass sie ihn für einen selbstgefälligen Idioten hielt, war sicherlich kein Geheimnis. Aber daraus folgte noch lange nicht, dass sie glaubte, er würde Maisie absichtlich gefährden!
Als er endlich fertig war, trat sie einen halben Schritt näher. „Hast du mir eigentlich auch nur ein einziges Mal richtig zugehört, du Idiot?! Ich habe dir gerade erklärt, weshalb du diese verdammte Münze nicht zerbrechen darfst! Nicht, dass du zu blöd bist, es zu begreifen, und auch nicht, dass dir Maisie scheißegal wäre! Wenn du dich davon gleich in deiner Ehre gekränkt fühlst, ist das dein Problem! Und dann solltest du gefälligst deine Griffel bei dir behalten!“ Sie deutete zornig auf das Metall in seiner Hand. Ausgerechnet er hielt ihr Vorträge über Respekt, während er in ihren laufenden Zauber hineinpfuschte!
Und weil Lexington offenbar gerade erst warm wurde, durfte sie sich anschließend von ihm auch noch erklären lassen, wie die Schattenwelt funktionierte. Syrena stieß ein ungläubiges Lachen aus. Dass sie diesen konkreten Kinderhandel nicht kannte, machte sie nicht weltfremd. Sie wusste sehr wohl, wozu Menschen und Dämonen für Geld bereit waren.
„Lexington, ich arbeite für Wolfram & Hart! Glaubst du allen Ernstes, ich brauche ausgerechnet DICH, damit du mir erklärst, wie dreckig diese Welt ist?!“ Ihre Stimme wurde mit jedem Wort schärfer, während sie auf seine Hand mit der Münze deutete. „Und du kannst dir deine gottverdammte Moralpredigt sparen! Ich bin angeschossen worden, weil ich mich entschieden habe, dir bei der Rettung dieses Kindes zu helfen! Nicht, weil irgendein Auftraggeber mir dafür einen verdammten Bonus versprochen hat!“ Dass er sie nach eigener Aussage in der Gasse gern noch länger hätte bearbeiten lassen, beantwortete sie mit einem gefährlich freundlichen Lächeln. „Schade, dass du nicht dabei warst. Ich hätte dir gern vorgeführt, wie viel ich selbst mit zwei Kugeln im Körper noch anrichten kann.“ Sie atmete einmal tief ein. Maisie saß draußen, sie hatte für sowas keine Zeit.
Als Lexington ihr die Münze endlich zurückgab, fingen ihre roten Blitze sie auf und zogen sie augenblicklich aus seiner Reichweite. „Brav, Kätzchen“, murmelte Syrena mit einem boshaft zufriedenen Lächeln. Dass er sie angeblich nur hatte ärgern wollen, ignorierte sie nun und verbiss sich den nächsten Konter, bevor sie die Münze wieder über dem Waschbecken ausrichtete. Er hatte zugestimmt, ihr Kraft zu geben und die Arbeit hatte jetzt Vorrang vor ihrem persönlichen Rachefeldzug.
Dass er sich dafür ausgerechnet hinter sie stellte, damit hatte sie allerdings nicht gerechnet. Warum zum Teufel positionierte er sich nicht ihr gegenüber?! Syrena bemerkte seine Bewegung, dann schoben sich seine Arme an ihrem Körper vorbei, seine Hände legten sich auf ihre, und plötzlich spürte sie seine Brust an ihrem Rücken. Ihr Atem setzte für einen kurzen Moment aus und sie konnte in dem Moment gar nicht genau sagen, ob es vor Wut oder vor der plötzlichen Nähe zu diesem schändlichen Hexer war.
Ihre Schultern versteiften sich augenblicklich. Vor dem Waschbecken und mit ausgestreckten Armen konnte sie kaum ausweichen. Als sein Atem ihre Haare streifte, zog sich ein unwillkürlicher Schauer über ihren Rücken, und Syrena hätte ihm dafür am liebsten eine schallende Ohrfeige verpasst. Zumal der Schauer nicht ausschließlich aus Abscheu bestand, denn ihr Puls beschleunigte sich auf eine Weise, die sie sich lieber mit Zorn erklärt hätte; leider kannte Syrena ihren eigenen Körper dafür entschieden zu gut. Seine Körperwärme, der feste Druck seiner Hände: Unter anderen Umständen und natürlich von einer anderen Person, wie z.B. Lucian Vermont hätte sie diese Nähe womöglich genossen. Aber doch nicht von Antares Lexington! Als hätte dieser Abend sie nicht längst genug gedemütigt.
„Ich habe HÄNDE gesagt, Lexington! Nicht, dass du dich gleich mit deinem gesamten verdammten Körper an mich schmiegen sollst!“ Ausgerechnet dieses Wort. Hervorragend gemacht, Blackwell. Sie versuchte, seine Brust von ihrem Rücken fernzuhalten, ohne den Handkontakt zu lösen, doch das Platzproblem blieb nun einmal. Allerdings würde sie ihm jedenfalls nicht auch noch ihre Konzentration opfern.
Dann erreichte sie seine Kraft. Violette Energie floss durch die Berührung ihrer Hände in ihre roten Stränge, zunächst ungewohnt eigensinnig, bis Syrena den Zustrom erfasste und ihn nach und nach gezielt in ihre Telekinese weiterleiten konnte.
Doch diese fremde Magie fühlte sich anders an. Alt. Nicht verbraucht, nicht bloß stärker als erwartet, sondern von einer Tiefe, die unmöglich allein aus Lexingtons paar Lebensjahrzehnten stammen konnte. Syrena spürte regelrecht Schichten, eine eigenartige Resonanz, als folgte seine Kraft Wegen, die lange vor ihm angelegt worden waren. Sie hätte nicht sagen können, ob dieser Eindruck von einer besonders alten magischen Linie oder einer anderen, ihr noch unbekannten Besonderheit herrührte. Ihre Finger regten sich unwillkürlich unter seinen. Sie kannte alte Zaubertraditionen gut genug, um den Eindruck ernst zu nehmen. Woher zum Teufel hatte er das? Doch nun ordnete sie zunächst den Zufluss, zwang ihre Aufmerksamkeit zurück auf die Münze und merkte sich das Gefühl seiner Magie sehr genau. Als ob der Mistkerl von einer edlen, alten Hexerblutlinie abstammte! Absurd!
Ihre roten Fäden gewannen an Spannung, ohne dass Syrena dafür die letzten Reste ihrer eigenen Kraft aufbrauchen musste. Dennoch nahm sie keineswegs alles, was er ihr anbot. Seine Hände wurden allmählich schwerer; er musste schließlich auch den Gegenbann halten und gleichzeitig ihren Katzenfluch abwehren. Maisies Einfluss machte ihnen selbst hier im Badezimmer weiterhin zu schaffen. Wenn Syrena ihn jetzt vollständig auslaugte, würde ihnen ausgerechnet die Gegenmagie fehlen, die jeden freigelegten Abschnitt sichern sollte. Also drosselte sie den Zufluss ganz bewusst und nutzte nur so viel Energie von ihm, wie sie für die jeweils nächste Verbindung benötigte. Den Rest überließ sie ihm. Es kostete sie mehr Disziplin, diesen fremden Energiestrom bewusst zu begrenzen, als sie erwartet hatte. Ihre einzige verfügbare Absicherung zu ruinieren wäre jedoch ausgesprochen dumm gewesen.
Syrena setzte ihre roten Fäden an den zuvor ertasteten Ankerpunkten an, tief im Material, wo die fremde Verzauberung Maisies Signatur festhielt. Die erste Verbindung gab nur widerwillig nach. Statt sie einfach zu zerreißen, teilte sie die gebundene Kraft, zog die Stränge vorsichtig auseinander und wartete, bis Antares’ Magie in die entstandene Lücke floss. Erst als seine Gegenmagie den Rückweg versperrte, wandte sie sich dem nächsten Anker zu. Zog sie zu früh, konnte sich die Bindung erneut festsetzen; wartete sie zu lange, verschwendeten beide Kraft. Rot und Violett ergänzten sich auf geradezu beleidigend reibungslose Weise, wie in einem rhythmischen Zusammenspiel.“
Mit jedem weiteren Anker nahm die Anstrengung zu. Schweiß sammelte sich auf Syrenas Stirn, eine feuchte Strähne klebte an ihrer Schläfe, und der verletzte Oberarm protestierte gegen jede winzige Korrektur ihrer ausgestreckten Hände. Ihr Atem wurde schneller, kam schließlich stoßweise, während hinter ihr Antares’ Brustkorb denselben anstrengenden Rhythmus aufzunehmen schien. Seine Hände wurden auf den ihren schwerer und schwerer. Die Hitze, das hastige Atmen und ihre kaum vermeidbare Nähe erinnerten an eine Beschäftigung, für die sie sich unter anderen Umständen gern Zeit nahm. Jedoch nicht mit diesem Mann. Und doch reagierte ihr Körper auf seine Wärme, als hätte er eine eigene, ausgesprochen fragwürdige Meinung zu dieser Frage. Besonders unerträglich war, dass sie den gleichmäßigen Druck seiner Hände inzwischen sogar benötigte, um die fremde Kraft sauber durch ihre eigenen Fäden zu leiten. Sie presste die Lippen zusammen und konzentrierte sich auf die Münze, jeden Widerstand unter ihren roten Fäden und die streng dosierte fremde Kraft.
Schließlich war nur noch ein einziger Anker übrig. Er saß so tief im magischen Kern, dass Syrena Mühe hatte, die letzten Verbindungen voneinander zu unterscheiden. Sie ließ ihre roten Energiestränge immer feiner werden, anstatt ihnen mehr rohe Kraft zuzuführen. Solange die Signatur noch einen Rückweg besaß, durfte sie nicht mit Gewalt daran ziehen. Mit einer minimalen Bewegung ihrer Finger gab sie Lexington zu verstehen, wo sie seinen Gegenbann brauchte, und führte das Rot Millimeter um Millimeter durch die verbliebene Struktur. Ihr Atem ging noch eine Spur schwerer; der Schmerz im Oberarm fühlte sich an, als hätte jemand beschlossen, die Kugel wieder hineinzustecken. Sie biss die Zähne zusammen und verkleinerte den Zug auf einen kaum noch wahrnehmbaren Impuls. Dann gab die Bindung nach. Seine Kraft schob sich in den Spalt, versperrte den letzten Rückweg, und Syrena durchtrennte die Verbindung mit einem einzigen präzisen Ruck.
Die Entladung traf sie wohl beide völlig unvorbereitet. Rot und Violett brachen aus der eben noch fein verschnürten Struktur hervor, schossen als kurze, heftige Welle durch das Badezimmer, und verteilten dort alles was nicht niet- und nagelfest war.
Der Stoß schleuderte Syrena rücklings gegen Antares und beide gegen die Badezimmertür. Für einen unerträglichen Augenblick war da wieder seine Brust an ihrem Rücken, diesmal noch dichter, während die letzte rotviolette Energie vor ihnen verglomm. Syrena taumelte nach vorn, fing sich mit beiden Händen am Waschbecken ab und kämpfte gegen den plötzlich aufflammenden Schmerz im Arm an. Dann drehte sie den Kopf über die Schulter und warf Lexington einen Blick zu, mit dem sie ihm am liebsten auf der Stelle das Fell bis auf die Haut versengt hätte.

