21.09.2026, 22:15
Hatte man Syrena eigentlich schonmal gesagt, dass sie zu unfairen Tendenzen neigte? Egal was er tat, und wenn er nur gleichmäßig dasaß und atmete, wurde das von ihr abfällig kommentiert. Wenn er aber nach ihrer vernichtenden Rede allen Grund dazu hätte, sich entweder vor Lachen wegzuwerfen, weil sie wieder einmal bewiesen hatte, ein Stein hatte mehr Einfühlvermögen als diese Hexe, oder vom Kopfschütteln beinahe Genickstarre zu bekommen, weil er nicht fassen konnte, mit welcher Kälte sie dem Mädchen gegenüber begegnete, bekam er einen vernichtenden Blick. Die Wahrheit zu sagen und sie damit regelrecht zu zermörsern waren zweierlei Dinge. Aber davon hatte das Wesen da auf dem Sofa keine Ahnung, die nur etwas empfand, wenn sie ihre Hand in einen Topf mit kochend heißem Wasser tauchte. Mitleidig sah Antares stattdessen Maisie an, da er Madame ja scheinbar nicht mal anblicken durfte. Die Zwölfjährige tat ihm so leid. Niemand hatte solch grausame Einschnitte in seinem Leben verdient und noch dazu in einem jungen Leben und noch obendrauf, wenn dieses ganz offensichtlich bereits von Entbehrungen geprägt war. Doch wer war er schon der superschlauen Hexe klar zu machen, dass sie jetzt auch ausholen könnte und Maisie eine schallende Ohrfeige hätte geben können. Der Effekt war der Gleiche. Aber er wusste diesbezüglich ja nichts. Dies wurde Syrena schließlich nicht müde, immer wieder zu betonen. Sie hatte alles in Griff. Sie gab an, wie die Dinge getan wurden. Das dabei ausgerechnet das Mädchen unter die Räder kam, welches aus unerfindlichen Gründen zu ihr aufsah, ja, sie regelrecht anhimmelte, schien diese nicht einmal zu bemerken. Vermutlich bemerkte sie auch die Zuneigung von Maisie nicht. Oder tat es vielleicht und verabscheute diese Art der freundlichen Gefühlsregung. Einen kurzen Moment hoffte der Dunkelhaarige, dass die etwas Jüngere vielleicht sogar davon schmelzen könnte. Wie die böse Hexe des Ostens, die man mit Wasser besiegen konnte. Was wenn Liebe und Zuneigung bei Syrena den gleichen Effekt hatte? Oh, er würde sie auf der Stelle vergöttern.
Und ja, er erwähnte ihren Namen gerne in Zusammenhang mit dem Begriff der Freundin. Sicherlich nicht ohne besagte Hexe damit negativ zu triggern, der Hauptgrund aber war, oh Wunder! Maisie. Eine Freundin zu haben, war für diese gerade fundamental wichtig. Klar, dass Syrena das nicht begriff, aber dafür war ja er hier. Das diese ihm bei dieser Gelegenheit nicht wieder den Mund verbot, zeigte zumindest von ihrer Lernfähigkeit. Ganz vielleicht war ihr auch selbst aufgefallen, wie schrecklich Maisie ihre Erklärung aufgenommen hatte. Das arme Faultier in ihrem Arm, litt seither nämlich schon wieder an akutem Sauerstoffmangel.
Und klar, dass das Trampeltier nun weiter über die Scherben tanzte. Sie konnte nicht einfach in Ruhe ihre Nudeln essen und nur mal für zehn Minuten ihre Klappe halten. Wurde Syrena in ihrem Beruf eigentlich nach Worte bezahlt? Dann würde es noch einen geringfügigen Sinn machen. Die Alternative war, dass sie sich schlichtweg nur gerne selbst beim Reden zuhörte.
Kurz blieb das Hühnchenstück auf halber Höhe zwischen seinem Mund und der Box hängen, als er die Essstäbchen nicht weiter bewegte. Antares machte Maisie keinen Vorwurf. Sie war zu naiv um die Tragweite zu erkennen und wusste nichts von seiner Vergangenheit. Außerdem wollte sie ihrer Freundin gefallen. Diese nutzte das natürlich schamlos aus und fragte weiter. Kurz nickte der Dunkelhaarige, als ihn der Blick des Mädchens traf. Er hatte nichts zu verbergen und schließlich interessierte Syrena sich ja ohnehin für nichts, was ihn betraf. Was sich allerdings schlagartig änderte, als sie seinen Bericht mit den kindlichen Wortend er Zwölfjährigen hörte. Langsam, ohne Hast und vor allem frei von Reue oder gar Scham, wanderte sein Blick weiter zu dem von Syrena. "Was? Dachte du bist allwissend?" Und war das vorhin noch halb im Scherz gemeint, wenn man bei der Hexe von so etwas überhaupt sprechen konnte, troff es nun vor Sarkasmus. Sie hatte nie gefragt und er nie etwas gesagt. Und seit wann interessierte sie das? Seine unausgesprochene Frage wurde dann auch schon wieder von der Abrissbirne der Emotionen beantwortet. Natürlich ging sie von ihrer Version aus. Diejenige, die alle Welt kannte. Und obwohl Antares nun selbst die Zähne so fest aufeinander biss, dass man sehen konnte wie sich seine Wangenknochen etwas anhoben, schwieg er. Genau diese Version blieb auch die Offizielle. Unter Folter würde er der hier anwesenden Hexe nicht die Wahrheit erzählen. Sollte sie ihn weiterhin hassen und verabscheuen. Ihren Fluch nahm sie auch nicht zurück, wenn sie wüsste, warum er so gehandelt hatte, wie er es tat. Denn sie sah in ihm den Bösewicht in dieser Geschichte. Und damit konnte und würde Antares weiterleben können. Lieber hasste sie ihn und er musste sich nicht weiter damit auseinander, alsdass er ihr am Ende, Gott bewahre, die Wahrheit erzählte.
Als Maisie meinte, er war traurig, als er von Amy erzählte, blickte der Dunkelhaarige zu dem Mädchen und konnte sich gerade noch ein hörbares Ausatmen verkneifen. Es war nicht gerade angenehm, wenn jemand anderes ihn lesen konnte, wie ein offenes Buch. Für gewöhnlich war das andersherum und er hatte dies zeitlebens zum Vorteil genutzt. Zu wissen ob der Gegenüber tatsächlich furchtlos war oder nur ein guter Schauspieler, war eine solide Basis. Jetzt aber selbst auf dem Seziertisch zu liegen, fühlte sich nicht so prickelnd an. Allerdings konnte er Maisie keinen Vorwurf machen. Sie hatte zum Einen seine Fähigkeiten nicht absichtlich gestohlen und zum Anderen konnte sie damit nach der kurzen Zeit wahrlich noch nicht sensibel genug umgehen. Wobei er sich eingestehen musste, sie machte ihr Sache wirklich gut. Wenn man mal überging, wem sie hier diese sensiblen Informationen zuspielte.
Als Syrena mit ihrer bekannten und einfach nur lächerlichen Art darauf reagierte, sah Antares sie schweigend an. Anwältin war wahrlich nicht der richtige Beruf für sie. Sprengmeisterin wäre der wohl sensiblere Job. Aber gut, was erwartete er auch von jemandem, die einen Stein anstelle eines Herzens hatte? Als sie ihm dann nonverbal klarmachen wollte, später darüber zu sprechen, schüttelte der Hexer nur mit dem Kopf. Eher küsste er eine Kröte auf den Hintern, bevor er ihr auch nur ein Wort seiner wahren Beweggründe verriet.
Zum Glück, oder sollte man sagen zu Maisies Vorteil, schwenkten sie wieder auf ein Thema um, welches zu ihren Gunsten war. Wenngleich auch jetzt wieder dieser unterschwellige Ton in der Stimme der Hexe lag, als sie so tat, als könnte sie nicht glauben, dass er noch etwas anderes tat als Cocktails mixen. Achso halt, er vergaß. Sie hielt ihn genau für so jemanden. Die eigenen Moralvorstellungen krebsten irgendwo auf Höhe der Kanalisation herum aber immer noch mit Dreck nach Anderen werfen, darin war Syrena wahrlich geübt darin. "Und zu deiner großen Bestürzung kann ich dir sagen, dass dein Fluch dabei sehr hilfreich ist." Bestätigte er daher nur mit diesen wenigen Worten und ließ die Brünette in ihrem eigenen Saft schmoren. Erschreckenderweise waren sie sich aber größtenteils einig, wenn es darum ging, die Zwölfjährige in Sicherheit zu bringen. Die Stadt kam nicht in Frage und was den County anging, musste er sich leider auf Syrena verlassen, inwieweit der Einfluss dieses Ashcroft war. Wenn Antares raten müsste, sehr weit. Da würde es vermutlich auch nicht ausreichen, sie in Kalifornien zu verstecken. Und als hätte Syrena nun die Begabung gelernt, Gedanken zu lesen, sprach sie genau das nun aus. Der Dunkelhaarige schwieg, was in ihrer Beziehung so etwas wie eine Zustimmung war. "Die Münze muss zerstört werden." Kein Befehl, darauf reagierte Syrena ja ohnehin nur wieder mit Stresspusteln, sondern eine einfache Feststellung. "Damit niemand mehr die Signatur von Maisie aufnehmen kann." Das musste nicht jetzt sein, da sie in der Gegenwart des Mädchens ohnehin ihre Kraft verloren hatte aber sobald ein möglicher Fluchtversuch anlaufen würde. Und ja, Antares war durchaus gewillt, jede mögliche Gewalt einzusetzen um sie Syrena aus den Fingern zu reißen, sollte diese anderer Meinung sein. Aber dies wurde nicht jetzt vor dem Kind diskutiert. Ein kurzer Blick zu seiner Gegenüber sollte genügen, damit diese wusste, wie ernst es ihm mit dieser Feststellung war.
Während Syrena dachte, wollte Antares dieses seltene Naturphänomen nicht unterbrechen und angelte sich nochmal eines der letzten Hühnchenstücke aus der Box. Aufmunternd sah er zu Maisie hinüber, zog eine Grimasse und versuchte die Kleine so etwas aufzumuntern. Er tippte sich mit den Fingern gegen die Schläfe, was dieses Mal ausnahmsweise nicht heißen sollte, jemand war verrückt, sondern er wollte verdeutlichen, dass Syrena nachdachte. Hatte er Maisie doch eben noch versichert, wenn diese sich was in den Kopf setzte, geschah es auch. Er fühlte sich so hilflos, nicht zu wissen, wie es der Gegenüber ging. So fühlte sich das also für normale Menschen an? Kein Wunder, dass diese sich nicht verstanden und so oft aneinander vorbei redeten. Auch Maisie tat ihm jetzt nur den Gefallen und lächelte kurz.
Seufzend verspeiste er sein Abendessen und sah dann wieder zu Syrena hinüber, die ihre Stimme wiederfand. "Nicht vielleicht." Es war keine Drohung. Keine Abwertung. Eines der wenigen Male, in der er mit ihr Übereinstimmte und von einer Anwältin mit solch einflussreichen Kontakten und einer Person, die ein Vielleicht auch von seiner Seite aus nicht akzeptiert hätte, erwartete Antares keine Antwort, die ein Vielleicht beinhaltete. Es sollte ein Ansporn für die Jüngere sein aus dieser möglichen Lösung etwas zu machen, dass sich baldmöglichst umsetzen ließ.
Wobei er im nächsten Moment glaubte, in den Hühnchenstücken war irgend eine verbotene Substanz drinnen. Hatte er gerade einen Hirnschlag erlitten oder lächelte Syrena da etwa? Die Beleidigung in seine Richtung, ging dabei vollkommen unter, so beeindruckt war er von dem, was er hier sah. War das Syrenas menschlicher Zwilling oder was passierte hier gerade?
"Wow..." Murmelte er leise und ehrlich beeindruckt. Das er das noch erleben durfte. Er war Zeuge eines einmaligen Ereignisses geworden. Nicht nur, dass sie dem Mädchen eben zusicherte in Erfahrung zu bringen, wo die Eltern waren, wo Madame doch bis vorhin noch der Meinung war, dies wäre ein vernachlässigbares Thema. Nun auch noch das!
Da dauerte es sogar einen Moment, bis ihm ihr nun wieder gewohnt vernichtender Blick auffiel, der auf seinem verletzten Handgelenk lag. Russisch Roulette, kam es ihm wieder in den Sinn. Und dennoch bereute er seine Tat von eben keinesfalls.
Nickend stimmte er ihrem Vorschlag zu, das morgen Früh der Anruf gemacht wurde, der über Maisies Schicksal entschied. Das sie heute Nacht hierbleiben würde, war ihm klar und ihm stand eine Nacht auf dem Sofa bevor. Aber ja, er war bereit dieses Opfer zu bringen, selbst wenn er nicht in der Gestalt eines Katers hier nächtigen würde.
Und ganz offensichtlich waren die beiden Erwachsenen kurzzeitig mehr damit beschäftigt gewesen, sich mit Blicken zu erdolchen, denn es war Maisie, die sich mit dem Stofftier unter den Arm geklemmt, die Nudelbox in der einen Hand und in der Anderen die Stäbchen ausbalancierte zum Fenster wandte. "Seht ihr das auch?" Vor der Scheibe saß eine Taube, die ins Zimmer blickte. "Als würde sie mich anstarren." Und als Maisie den Kopf zur Seite neigte, tat die Taube es ihr gleich. "Schaut mal!" Gluckste sie. Der Einzige, der das nicht so lustig fand, war Antares. "Das... das ist bestimmt nur Zufall. Vielleicht ist sie aus einem Zirkus weggeflogen." Doch das Mädchen neigte den Kopf nun in die andere Richtung und auch jetzt folgte das Tier ihren Bewegungen.
Und ja, er erwähnte ihren Namen gerne in Zusammenhang mit dem Begriff der Freundin. Sicherlich nicht ohne besagte Hexe damit negativ zu triggern, der Hauptgrund aber war, oh Wunder! Maisie. Eine Freundin zu haben, war für diese gerade fundamental wichtig. Klar, dass Syrena das nicht begriff, aber dafür war ja er hier. Das diese ihm bei dieser Gelegenheit nicht wieder den Mund verbot, zeigte zumindest von ihrer Lernfähigkeit. Ganz vielleicht war ihr auch selbst aufgefallen, wie schrecklich Maisie ihre Erklärung aufgenommen hatte. Das arme Faultier in ihrem Arm, litt seither nämlich schon wieder an akutem Sauerstoffmangel.
Und klar, dass das Trampeltier nun weiter über die Scherben tanzte. Sie konnte nicht einfach in Ruhe ihre Nudeln essen und nur mal für zehn Minuten ihre Klappe halten. Wurde Syrena in ihrem Beruf eigentlich nach Worte bezahlt? Dann würde es noch einen geringfügigen Sinn machen. Die Alternative war, dass sie sich schlichtweg nur gerne selbst beim Reden zuhörte.
Kurz blieb das Hühnchenstück auf halber Höhe zwischen seinem Mund und der Box hängen, als er die Essstäbchen nicht weiter bewegte. Antares machte Maisie keinen Vorwurf. Sie war zu naiv um die Tragweite zu erkennen und wusste nichts von seiner Vergangenheit. Außerdem wollte sie ihrer Freundin gefallen. Diese nutzte das natürlich schamlos aus und fragte weiter. Kurz nickte der Dunkelhaarige, als ihn der Blick des Mädchens traf. Er hatte nichts zu verbergen und schließlich interessierte Syrena sich ja ohnehin für nichts, was ihn betraf. Was sich allerdings schlagartig änderte, als sie seinen Bericht mit den kindlichen Wortend er Zwölfjährigen hörte. Langsam, ohne Hast und vor allem frei von Reue oder gar Scham, wanderte sein Blick weiter zu dem von Syrena. "Was? Dachte du bist allwissend?" Und war das vorhin noch halb im Scherz gemeint, wenn man bei der Hexe von so etwas überhaupt sprechen konnte, troff es nun vor Sarkasmus. Sie hatte nie gefragt und er nie etwas gesagt. Und seit wann interessierte sie das? Seine unausgesprochene Frage wurde dann auch schon wieder von der Abrissbirne der Emotionen beantwortet. Natürlich ging sie von ihrer Version aus. Diejenige, die alle Welt kannte. Und obwohl Antares nun selbst die Zähne so fest aufeinander biss, dass man sehen konnte wie sich seine Wangenknochen etwas anhoben, schwieg er. Genau diese Version blieb auch die Offizielle. Unter Folter würde er der hier anwesenden Hexe nicht die Wahrheit erzählen. Sollte sie ihn weiterhin hassen und verabscheuen. Ihren Fluch nahm sie auch nicht zurück, wenn sie wüsste, warum er so gehandelt hatte, wie er es tat. Denn sie sah in ihm den Bösewicht in dieser Geschichte. Und damit konnte und würde Antares weiterleben können. Lieber hasste sie ihn und er musste sich nicht weiter damit auseinander, alsdass er ihr am Ende, Gott bewahre, die Wahrheit erzählte.
Als Maisie meinte, er war traurig, als er von Amy erzählte, blickte der Dunkelhaarige zu dem Mädchen und konnte sich gerade noch ein hörbares Ausatmen verkneifen. Es war nicht gerade angenehm, wenn jemand anderes ihn lesen konnte, wie ein offenes Buch. Für gewöhnlich war das andersherum und er hatte dies zeitlebens zum Vorteil genutzt. Zu wissen ob der Gegenüber tatsächlich furchtlos war oder nur ein guter Schauspieler, war eine solide Basis. Jetzt aber selbst auf dem Seziertisch zu liegen, fühlte sich nicht so prickelnd an. Allerdings konnte er Maisie keinen Vorwurf machen. Sie hatte zum Einen seine Fähigkeiten nicht absichtlich gestohlen und zum Anderen konnte sie damit nach der kurzen Zeit wahrlich noch nicht sensibel genug umgehen. Wobei er sich eingestehen musste, sie machte ihr Sache wirklich gut. Wenn man mal überging, wem sie hier diese sensiblen Informationen zuspielte.
Als Syrena mit ihrer bekannten und einfach nur lächerlichen Art darauf reagierte, sah Antares sie schweigend an. Anwältin war wahrlich nicht der richtige Beruf für sie. Sprengmeisterin wäre der wohl sensiblere Job. Aber gut, was erwartete er auch von jemandem, die einen Stein anstelle eines Herzens hatte? Als sie ihm dann nonverbal klarmachen wollte, später darüber zu sprechen, schüttelte der Hexer nur mit dem Kopf. Eher küsste er eine Kröte auf den Hintern, bevor er ihr auch nur ein Wort seiner wahren Beweggründe verriet.
Zum Glück, oder sollte man sagen zu Maisies Vorteil, schwenkten sie wieder auf ein Thema um, welches zu ihren Gunsten war. Wenngleich auch jetzt wieder dieser unterschwellige Ton in der Stimme der Hexe lag, als sie so tat, als könnte sie nicht glauben, dass er noch etwas anderes tat als Cocktails mixen. Achso halt, er vergaß. Sie hielt ihn genau für so jemanden. Die eigenen Moralvorstellungen krebsten irgendwo auf Höhe der Kanalisation herum aber immer noch mit Dreck nach Anderen werfen, darin war Syrena wahrlich geübt darin. "Und zu deiner großen Bestürzung kann ich dir sagen, dass dein Fluch dabei sehr hilfreich ist." Bestätigte er daher nur mit diesen wenigen Worten und ließ die Brünette in ihrem eigenen Saft schmoren. Erschreckenderweise waren sie sich aber größtenteils einig, wenn es darum ging, die Zwölfjährige in Sicherheit zu bringen. Die Stadt kam nicht in Frage und was den County anging, musste er sich leider auf Syrena verlassen, inwieweit der Einfluss dieses Ashcroft war. Wenn Antares raten müsste, sehr weit. Da würde es vermutlich auch nicht ausreichen, sie in Kalifornien zu verstecken. Und als hätte Syrena nun die Begabung gelernt, Gedanken zu lesen, sprach sie genau das nun aus. Der Dunkelhaarige schwieg, was in ihrer Beziehung so etwas wie eine Zustimmung war. "Die Münze muss zerstört werden." Kein Befehl, darauf reagierte Syrena ja ohnehin nur wieder mit Stresspusteln, sondern eine einfache Feststellung. "Damit niemand mehr die Signatur von Maisie aufnehmen kann." Das musste nicht jetzt sein, da sie in der Gegenwart des Mädchens ohnehin ihre Kraft verloren hatte aber sobald ein möglicher Fluchtversuch anlaufen würde. Und ja, Antares war durchaus gewillt, jede mögliche Gewalt einzusetzen um sie Syrena aus den Fingern zu reißen, sollte diese anderer Meinung sein. Aber dies wurde nicht jetzt vor dem Kind diskutiert. Ein kurzer Blick zu seiner Gegenüber sollte genügen, damit diese wusste, wie ernst es ihm mit dieser Feststellung war.
Während Syrena dachte, wollte Antares dieses seltene Naturphänomen nicht unterbrechen und angelte sich nochmal eines der letzten Hühnchenstücke aus der Box. Aufmunternd sah er zu Maisie hinüber, zog eine Grimasse und versuchte die Kleine so etwas aufzumuntern. Er tippte sich mit den Fingern gegen die Schläfe, was dieses Mal ausnahmsweise nicht heißen sollte, jemand war verrückt, sondern er wollte verdeutlichen, dass Syrena nachdachte. Hatte er Maisie doch eben noch versichert, wenn diese sich was in den Kopf setzte, geschah es auch. Er fühlte sich so hilflos, nicht zu wissen, wie es der Gegenüber ging. So fühlte sich das also für normale Menschen an? Kein Wunder, dass diese sich nicht verstanden und so oft aneinander vorbei redeten. Auch Maisie tat ihm jetzt nur den Gefallen und lächelte kurz.
Seufzend verspeiste er sein Abendessen und sah dann wieder zu Syrena hinüber, die ihre Stimme wiederfand. "Nicht vielleicht." Es war keine Drohung. Keine Abwertung. Eines der wenigen Male, in der er mit ihr Übereinstimmte und von einer Anwältin mit solch einflussreichen Kontakten und einer Person, die ein Vielleicht auch von seiner Seite aus nicht akzeptiert hätte, erwartete Antares keine Antwort, die ein Vielleicht beinhaltete. Es sollte ein Ansporn für die Jüngere sein aus dieser möglichen Lösung etwas zu machen, dass sich baldmöglichst umsetzen ließ.
Wobei er im nächsten Moment glaubte, in den Hühnchenstücken war irgend eine verbotene Substanz drinnen. Hatte er gerade einen Hirnschlag erlitten oder lächelte Syrena da etwa? Die Beleidigung in seine Richtung, ging dabei vollkommen unter, so beeindruckt war er von dem, was er hier sah. War das Syrenas menschlicher Zwilling oder was passierte hier gerade?
"Wow..." Murmelte er leise und ehrlich beeindruckt. Das er das noch erleben durfte. Er war Zeuge eines einmaligen Ereignisses geworden. Nicht nur, dass sie dem Mädchen eben zusicherte in Erfahrung zu bringen, wo die Eltern waren, wo Madame doch bis vorhin noch der Meinung war, dies wäre ein vernachlässigbares Thema. Nun auch noch das!
Da dauerte es sogar einen Moment, bis ihm ihr nun wieder gewohnt vernichtender Blick auffiel, der auf seinem verletzten Handgelenk lag. Russisch Roulette, kam es ihm wieder in den Sinn. Und dennoch bereute er seine Tat von eben keinesfalls.
Nickend stimmte er ihrem Vorschlag zu, das morgen Früh der Anruf gemacht wurde, der über Maisies Schicksal entschied. Das sie heute Nacht hierbleiben würde, war ihm klar und ihm stand eine Nacht auf dem Sofa bevor. Aber ja, er war bereit dieses Opfer zu bringen, selbst wenn er nicht in der Gestalt eines Katers hier nächtigen würde.
Und ganz offensichtlich waren die beiden Erwachsenen kurzzeitig mehr damit beschäftigt gewesen, sich mit Blicken zu erdolchen, denn es war Maisie, die sich mit dem Stofftier unter den Arm geklemmt, die Nudelbox in der einen Hand und in der Anderen die Stäbchen ausbalancierte zum Fenster wandte. "Seht ihr das auch?" Vor der Scheibe saß eine Taube, die ins Zimmer blickte. "Als würde sie mich anstarren." Und als Maisie den Kopf zur Seite neigte, tat die Taube es ihr gleich. "Schaut mal!" Gluckste sie. Der Einzige, der das nicht so lustig fand, war Antares. "Das... das ist bestimmt nur Zufall. Vielleicht ist sie aus einem Zirkus weggeflogen." Doch das Mädchen neigte den Kopf nun in die andere Richtung und auch jetzt folgte das Tier ihren Bewegungen.

