19.09.2026, 22:34
Mittlerweile kam Syrena ihm vor, wie diese kleine Äffchen, die man mit einem Aufziehmechanismus am Rücken aufzog und diese dann für eine bestimmte Zeit und möglichst nervtötend in einem schnellen Rhythmus mit zwei kleinen Becken aufeinander schlugen. Bei diesem sogenannten Spielzeug gab es keine andere Option, als es zu nehmen und mit voller Wucht gegen die Wand zu werfen. Der Wunsch, dies auch bei der Hexe zu machen, wurde bei Antares beinahe übermächtig. Und ja, es war gerade alles andere als angenehm, dass er nicht mehr über seine Magie verfügte. Er wollte sie auch wieder zurück. Doch im Gegensatz zu der Jüngeren, war sie nicht sein Lebensinhalt. Er konnte durchaus auch mal für kurze Zeit darauf verzichten, wenn dies gleichzeitig bedeutete, auch den Fluch los zu werden. Er fühlte sich so viel freier und hätte er auch nur eine Ahnung davon gehabt, dass Syrena ihn gerade mit jemandem verglich, der das Gefühl hatte der Todesstrafe entronnen war, würde dies erschreckenderweise dazu führen, dass er ihr zustimmen hätte müssen. Auch hier draußen atmete er die stickige Stadtluft fiel tiefer ein als sonst. Sein Gang war nicht übertrieben und doch aufrechter. Die Schulter wieder nach hinten gerichtet und den Kopf erhoben. Nicht, dass er die restliche Zeit wie ein verkrüppelter Bruder von Quasimodo durch die Straßen von Los Angeles lief. Er ließ sich auch sonst den Fluch kaum anmerken, solange er genügend Kraft und magische Energie hatte, sich dagegen zu wehren. Doch alleine die Tatsache, dass er sich immer wieder zurückziehen musste und in die Einsamkeit fliehen, hatte ihn verändert. Alleine zu sein, gab einem viel Zeit um nachzudenken. Darüber was geschehen war. Hätte er Amy anderweitig retten können? Das seine Großmutter ihre Drohung wahr gemacht hätte, daran bestand kein Zweifel. Sie hätte Amy etwas angetan. Und dann wäre sein Schuld daran vermutlich noch größer als sie es jetzt schon war. Dann hätte er nämlich egoistisch gehandelt. Das was Syrena für eine solche Tat hielt, war genau das Gegenteil gewesen. War es durchdacht und von langer Hand geplant? Mitnichten. Doch noch immer war er der festen Überzeugung, es war die beste Lösung. Die Einzige, die wirkte. Eine, die Amys Leben hätte retten sollen.
Doch nun zurück zu der Situation, in der Syrena nichts anderes tat, als natürlich wieder an seinem Auto herum zu mäkeln. Natürlich gefiel es ihr nicht. Kein Auto der Welt hätte Madame zufrieden gestellt. Zu groß, zu klein, zu unauffällig, zu auffällig und wenn am Ende schlichtweg die Farbe nicht stimmte. Aber, ähnlich wie bei diesen aufziehbaren Musikäffchen gab auch Antares die Hoffnung noch nicht ganz auf, dass selbst die Hexe irgendwann mal verstummte. Er selber ließ sich von ihr allerdings auch nicht den Mund verbieten. Zweimal hatte sie es ihm nun schon angedroht. Einmal drinnen, als das Mädchen sie umarmte und jetzt gerade wieder, als diese wie eine Klette an Syrens Hand hing und er das schlichtweg amüsant fand. Noch erwiderte er nichts, doch das sparte sich der Dunkelhaarige alles auf und würde es bei passender Gelegenheit einmal anbringen. "Liebes, ich brauche das Auto nicht wegen der Rückbank. Da weiß ich ganz andere Plätze an denen ich Frauen verführen kann." Mit einer hochgezogenen Augenbraue, die wohl mehr ausdrücken sollte, als seine Worte, sah er Syrena an. Hoffnungen sollte sie sich aber nicht machen, denn wenn sie die letzte Frau auf Erden war, würde die Menschheit aussterben. Näher ging er vor den Ohren der unschuldigen Zwölfjährigen nun aber nicht auf das Thema ein, sondern setzte sich selbst hinters Steuer. Die Tasche mit den Klamotten und dem restlichen Zeug, welches Maisie aus ihrer Wohnung rettete, lag hinten im Kofferraum. Ob sie die Wohnung nun für immer verließ? Madame Superschlau neben ihm behauptete ja immer noch, das wäre kein Grund sich darüber Gedanken zu machen. Er selber hatte leider bereits weitaus schlechtere Erfahrungen gemacht. Im Gegensatz zu Syrena war er auch schon länger an der Sache mit den verschwundenen Kindern dran. Und die Eltern, die angeblich nur eine ausgedehnte Shoppingtour machten, traten hier nicht zum ersten Mal auf. In manchen Fällen wollten die Eltern die Kinder nicht rausrücken, diese fanden dann ein sehr endgültiges Ende. Andere, wie vielleicht auch die von Maisie, gaben den Weg schlichtweg frei und bauten sich mit dem Geld ein neues Leben auf. Diesen Exemplaren wünschte Antares stets die Pest an den Hals. Da es aber unmöglich war mit Syrena eine vernünftige Unterhaltung zu führen, unterließ er es und konzentrierte sich stattdessen auf den Verkehr. Also die anderen Autos.
Das Schweigen von der Beifahrerseite war verdächtig. Heckte sie etwas aus oder tat sie ihm sogar den Gefallen und war in der Zwischenzeit verblutet? Leider wurde Antares enttäuscht, als er einen kurzen Seitenblick zu ihr warf. Stattdessen bemerkte er ihren Blick auf seine Halskette. Das hätte sie jetzt nicht unbedingt sehen müssen, doch da es ihm selbst erst bei einem Blick in den Rückspielgel auffiel, ergab sich keine Gelegenheit die Kette zu verbergen. "Mach dir keine großen Hoffnungen." Ließ er sie wissen. Konnte ja nicht angehen, dass sie glaubte, erneut über ihn gesiegt zu haben.
Zum Glück für alle Beteiligten setzte ihr nervtötendes Gemaule wieder ein, als sie in die Lagerhalle fuhren und sich das Tor schloss. "Weil du allwissend bist und mich vollkommen durchschaust?" Gab es einen Hieb zurück, der hoffentlich dafür sorgte, dass sie die Klappe hielt. Denn eigentlich hätte sie mit dem Packen von Maisies Tasche beschäftigt sein sollen und nicht sein Telefonat mithören. Daher ging er auf die Erwähnung seiner Nebengeschäfte gar nicht ein. Ging sie schließlich einen Dreck an, mit was er sich einen Großteil seines Geldes verdiente. Klar zahlte sein Chef nicht schlecht, doch alleine auf diesen angewiesen zu sein, kam für den Hexer auch nicht in Frage.
Doch natürlich hielt die Funkstille genauso lange an wie es dauerte, die Treppe nach oben zu gehen und die Wohnungstüre zu öffnen. Als würde sie mit dem Übertreten der Schwelle eine Sprengfalle auslösen, sah sich Syrena erst misstrauisch um. Was hatte sie erwartet? Eine Hundehütte? Als sie dann den Spruch auf dem Bild in Eingangsbereich las, wollte sie ihn schon wieder foppen, doch der Dunkelhaarige lächelte nur süffisant. "Das ist ein Fluch, damit du niemals meine Wohnung ohne Erlaubnis betreten kannst." Im Anschluss daran ließ er Maise den Vortritt und zum ersten Mal, stellte Syrena eine Frage an ihn, die es verdiente, das man darüber nachdachte. "Es gibt ein paar Leute." Ließ er sie daher ehrlich wissen. "Aber niemand kommt ohne Einladung hierher. Das die Magie momentan nicht funktioniert weiß keiner. Und so manche, die es bereits früher versuchten, kamen danach kein zweites Mal. Außerdem..." Er ließ der Dame den Vortritt und schloss nachdem sie endlich in seiner Wohnung stand, die Türe. Scheuchte sie gleich darauf aber noch ein paar Schritte zur Seite und öffnete eine Türe, hinter der man eine Garderobe oder dergleichen vermuten konnte. Stattdessen zeigte ein beleuchteter Innenraum an einem dafür extra angefertigten Regal, alle möglichen Arten von Schusswaffen. "Bin ich für den Notfall auch ausgerüstet." Ein weiterer Beweis dafür, dass sich Antares nicht alleine auf seine Magie verließ. Er liebte sie, schließlich war sie ein Teil von ihm als Hexer. Aber manche Gesellen wollten mit handfesteren Dingen überzeugt werden.
Er schloss die Türe wieder, ließ Syrena einfach stehen und ging in den Wohnbereich des Lofts. Mit der Schulter gegen den Türstock gelehnt und die Arme vor der Brust verschränkt betrachtete er das Mädchen, welches mit ihrem Stofftier im Arm so viel Jünger aussah. Sie tat ihm schrecklich leid. Niemand sollte so etwas durchmachen müssen. Es waren auch Momente wie dieser, in denen sich der Dunkelhaarige so oft fragte, was Amy und er doch für ein Team hätten werden können. Sie zwei gegen die Ungerechtigkeit dieser Stadt. Er war sich sicher, seine Freundin hätte die unschuldigen Kinder mit Feuereifer befreien wollen. Aber statt einer liebevollen Frau an seiner Seite, hatte er nur diese Viper, die ihm in dem Moment nun wieder etwas in die Hand drückte und Befehle erteilte.
"Hier drinnen ist auch nichts, was für ein Kind bestimmt ist." Gab er als Gegenargument auf ihre Behauptung. Bloß gut, dass die Tage keine Lieferung bestellt war, sonst hätte Madame noch ganz andere Dinge im Kühlschrank gesehen. Den Flyer in der Hand haltend, sah er ungeniert zu, als Syrena ihre Jacke auszog. War ja nicht so, dass sie zumindest äußerlich abstoßend anzusehen wäre. Wenn man sich den ganzen Rest wegdenkt und wahrlich nichts weiter übrig ließ als den Anblick, naja... Aber es ging einfach nicht, den Rest zu ignorieren. Als Maisie fragte ob es wehtat, musste sich der Ältere auf die Zunge beißen um nicht zu erwidern, dass jemand, der kein Herz besaß, keine Schmerzen empfinden konnte. Doch das würde das Mädchen nur verwirren und ihr zuliebe ließ er den bissigen Kommentar bleiben. Er schnaubte nur amüsiert, als Syrena das Stofftier angeboten wurde, zog sein Handy aus der Hosentasche und rief im Club ab. Mit wenigen Sätzen organisierte er eine Vertretung für heute Abend, denn er würde diese Wohnung ganz sicherlich nicht unbeaufsichtigt lassen. Dann folgte die Bestellung bei dem Lieferservice. Wobei er nicht nachfragte, was Syrena haben wollte, er bestellte wirklich nur Nudeln für die Maise und etwas für sich selbst. Allerdings könnte es sein, dass er sich bei der Menge, die ein zwölfjähriges Kind essen konnte, etwas verschätzte. Er legte gerade auf, als Syrena auf ihn zukam. Das Miststück konnte ihm nicht mal in die Augen sehen. Von einer undefinierbaren Wut gebackt, hob er seine Hand und legte ihr seine Finger ums Kinn um sie so zu zwingen, ihn anzusehen. "Damals konntest du mir auch ins Gesicht sehen, als du den Fluch ausgesprochen hast. Und jetzt, wenn du meine Hilfe brauchst, hast du nicht das Rückgrat dazu?" Er hielt ihrem Blick stand und ja, es war die Situation ausnutzend, dass sie ihn in der Gegenwart des Mädchens nicht sofort in Stücke reißen konnte. Aber irgend jemand musste dieser verzogenen Göre auch mal die Grenzen aufzeigen. Und sei es nur dadurch, dass er sie gegen ihren Willen zwang, ihn anzusehen. "Die Kanalisation in die du hingehörst, ist die Straße runter und Richtung Meer." Er ließ ihr Kinn mit einem Ruck los. "Die Türe links. Und im Badezimmerschrank ist ein erste Hilfe Kasten. Der wird es tun."
Damit wandte er sich von ihr ab und ging zu Maisie ins Wohnzimmer. Sie konnte von ihrer Position vom Sofa aus nichts gesehen haben und so fragte Antares sie nun in vollkommen veränderten, freundlichen Tonfall ob sie Durst hatte.
Um sich die Zeit zu vertreiben, bis das Essen kam, zeigte er der Kleinen das Schlafzimmer. Erlaubte ihr dort ihre Sachen auszupacken und Antares nahm zwei Wolldecken aus einer Truhe an der Seite von der sie sich aussuchen konnte, auf welche sie sich drauflegen wollte und welche sie zum Zudecken nahm. Auch für ihn war dies eine vollkommen neue Situation. Bisher hatte er die Kinder nur vom Ort des Geschehens weggelockt. Hin zu einem Ort, an dem er mit Anderen zusammen eine Art Auffangstation gründete. Wohin die Kids vermittelt wurden, betraf ihn nicht mehr. Absichtlich hatte Antares bisher diese Grenze für sich gezogen um emotional nicht noch weiter involviert zu werden. Nun jedoch stand er mit einer davon in seinem Schlafzimmer.
Zurück im Wohnzimmer, krabbelte Maisie wieder mit ihrem Kuscheltier auf das Sofa, Antares brachte ihr ein Glas Wasser und packte gerade ein Kartenspiel aus um mit ihr eine kindliche Version davon zu spielen, als es an der Türe klingelte. Maisie war so darauf konzentriert, ihre Karten in der Hand zu verteilen, dass Antares ihr ein Lächeln schenkte und die Lieferung an der Türe entgegen nahm.
"So, bitteschön. Das Abendessen ist angerichtet." Meinte er vergnügt, als er zurück kam und die Zwölfjährige legte sehr bedacht ihre Karten auf den Tisch. Natürlich mit der Rückseite nach oben, damit man nicht sehen konnte, welchen Wert diese hatten. "Ich glaube du hast später keine Chance gegen mich." "So? Aber da könntest du schon Recht haben, ich habe schon lange nicht mehr gegen jemanden gespielt, die so gut ihre Karten in der Hand mischen konnte." Er hörte sich so vollkommen anders an, als er je in Syrenas Gegenwart sprach. Freundlich, vergnügt, lustig. Und er wurde damit belohnt, dass Maisie kurz gluckste. Er schob ihr die drei Nudelboxen entgegen und das Mädchen bekam große Augen. "Wer soll das alles essen?" Antares setzte sich in den Sessel und hatte ebenfalls eine Box in der Hand allerdings nur mit gebratenen Hähnchenstücken. Wer brauchte schon Nudel? Er fischte gerade mit den Stäbchen eines davon heraus. "Na du. Hast du keinen Hunger?"
Da kam Syrena zurück und Maisie ganzes Gesicht schien aufzuleuchten. "Du musst mir beim essen helfen." Freudestrahlend hielt sie der Hexe das übrige Paar Essstäbchen entgegen.
Doch nun zurück zu der Situation, in der Syrena nichts anderes tat, als natürlich wieder an seinem Auto herum zu mäkeln. Natürlich gefiel es ihr nicht. Kein Auto der Welt hätte Madame zufrieden gestellt. Zu groß, zu klein, zu unauffällig, zu auffällig und wenn am Ende schlichtweg die Farbe nicht stimmte. Aber, ähnlich wie bei diesen aufziehbaren Musikäffchen gab auch Antares die Hoffnung noch nicht ganz auf, dass selbst die Hexe irgendwann mal verstummte. Er selber ließ sich von ihr allerdings auch nicht den Mund verbieten. Zweimal hatte sie es ihm nun schon angedroht. Einmal drinnen, als das Mädchen sie umarmte und jetzt gerade wieder, als diese wie eine Klette an Syrens Hand hing und er das schlichtweg amüsant fand. Noch erwiderte er nichts, doch das sparte sich der Dunkelhaarige alles auf und würde es bei passender Gelegenheit einmal anbringen. "Liebes, ich brauche das Auto nicht wegen der Rückbank. Da weiß ich ganz andere Plätze an denen ich Frauen verführen kann." Mit einer hochgezogenen Augenbraue, die wohl mehr ausdrücken sollte, als seine Worte, sah er Syrena an. Hoffnungen sollte sie sich aber nicht machen, denn wenn sie die letzte Frau auf Erden war, würde die Menschheit aussterben. Näher ging er vor den Ohren der unschuldigen Zwölfjährigen nun aber nicht auf das Thema ein, sondern setzte sich selbst hinters Steuer. Die Tasche mit den Klamotten und dem restlichen Zeug, welches Maisie aus ihrer Wohnung rettete, lag hinten im Kofferraum. Ob sie die Wohnung nun für immer verließ? Madame Superschlau neben ihm behauptete ja immer noch, das wäre kein Grund sich darüber Gedanken zu machen. Er selber hatte leider bereits weitaus schlechtere Erfahrungen gemacht. Im Gegensatz zu Syrena war er auch schon länger an der Sache mit den verschwundenen Kindern dran. Und die Eltern, die angeblich nur eine ausgedehnte Shoppingtour machten, traten hier nicht zum ersten Mal auf. In manchen Fällen wollten die Eltern die Kinder nicht rausrücken, diese fanden dann ein sehr endgültiges Ende. Andere, wie vielleicht auch die von Maisie, gaben den Weg schlichtweg frei und bauten sich mit dem Geld ein neues Leben auf. Diesen Exemplaren wünschte Antares stets die Pest an den Hals. Da es aber unmöglich war mit Syrena eine vernünftige Unterhaltung zu führen, unterließ er es und konzentrierte sich stattdessen auf den Verkehr. Also die anderen Autos.
Das Schweigen von der Beifahrerseite war verdächtig. Heckte sie etwas aus oder tat sie ihm sogar den Gefallen und war in der Zwischenzeit verblutet? Leider wurde Antares enttäuscht, als er einen kurzen Seitenblick zu ihr warf. Stattdessen bemerkte er ihren Blick auf seine Halskette. Das hätte sie jetzt nicht unbedingt sehen müssen, doch da es ihm selbst erst bei einem Blick in den Rückspielgel auffiel, ergab sich keine Gelegenheit die Kette zu verbergen. "Mach dir keine großen Hoffnungen." Ließ er sie wissen. Konnte ja nicht angehen, dass sie glaubte, erneut über ihn gesiegt zu haben.
Zum Glück für alle Beteiligten setzte ihr nervtötendes Gemaule wieder ein, als sie in die Lagerhalle fuhren und sich das Tor schloss. "Weil du allwissend bist und mich vollkommen durchschaust?" Gab es einen Hieb zurück, der hoffentlich dafür sorgte, dass sie die Klappe hielt. Denn eigentlich hätte sie mit dem Packen von Maisies Tasche beschäftigt sein sollen und nicht sein Telefonat mithören. Daher ging er auf die Erwähnung seiner Nebengeschäfte gar nicht ein. Ging sie schließlich einen Dreck an, mit was er sich einen Großteil seines Geldes verdiente. Klar zahlte sein Chef nicht schlecht, doch alleine auf diesen angewiesen zu sein, kam für den Hexer auch nicht in Frage.
Doch natürlich hielt die Funkstille genauso lange an wie es dauerte, die Treppe nach oben zu gehen und die Wohnungstüre zu öffnen. Als würde sie mit dem Übertreten der Schwelle eine Sprengfalle auslösen, sah sich Syrena erst misstrauisch um. Was hatte sie erwartet? Eine Hundehütte? Als sie dann den Spruch auf dem Bild in Eingangsbereich las, wollte sie ihn schon wieder foppen, doch der Dunkelhaarige lächelte nur süffisant. "Das ist ein Fluch, damit du niemals meine Wohnung ohne Erlaubnis betreten kannst." Im Anschluss daran ließ er Maise den Vortritt und zum ersten Mal, stellte Syrena eine Frage an ihn, die es verdiente, das man darüber nachdachte. "Es gibt ein paar Leute." Ließ er sie daher ehrlich wissen. "Aber niemand kommt ohne Einladung hierher. Das die Magie momentan nicht funktioniert weiß keiner. Und so manche, die es bereits früher versuchten, kamen danach kein zweites Mal. Außerdem..." Er ließ der Dame den Vortritt und schloss nachdem sie endlich in seiner Wohnung stand, die Türe. Scheuchte sie gleich darauf aber noch ein paar Schritte zur Seite und öffnete eine Türe, hinter der man eine Garderobe oder dergleichen vermuten konnte. Stattdessen zeigte ein beleuchteter Innenraum an einem dafür extra angefertigten Regal, alle möglichen Arten von Schusswaffen. "Bin ich für den Notfall auch ausgerüstet." Ein weiterer Beweis dafür, dass sich Antares nicht alleine auf seine Magie verließ. Er liebte sie, schließlich war sie ein Teil von ihm als Hexer. Aber manche Gesellen wollten mit handfesteren Dingen überzeugt werden.
Er schloss die Türe wieder, ließ Syrena einfach stehen und ging in den Wohnbereich des Lofts. Mit der Schulter gegen den Türstock gelehnt und die Arme vor der Brust verschränkt betrachtete er das Mädchen, welches mit ihrem Stofftier im Arm so viel Jünger aussah. Sie tat ihm schrecklich leid. Niemand sollte so etwas durchmachen müssen. Es waren auch Momente wie dieser, in denen sich der Dunkelhaarige so oft fragte, was Amy und er doch für ein Team hätten werden können. Sie zwei gegen die Ungerechtigkeit dieser Stadt. Er war sich sicher, seine Freundin hätte die unschuldigen Kinder mit Feuereifer befreien wollen. Aber statt einer liebevollen Frau an seiner Seite, hatte er nur diese Viper, die ihm in dem Moment nun wieder etwas in die Hand drückte und Befehle erteilte.
"Hier drinnen ist auch nichts, was für ein Kind bestimmt ist." Gab er als Gegenargument auf ihre Behauptung. Bloß gut, dass die Tage keine Lieferung bestellt war, sonst hätte Madame noch ganz andere Dinge im Kühlschrank gesehen. Den Flyer in der Hand haltend, sah er ungeniert zu, als Syrena ihre Jacke auszog. War ja nicht so, dass sie zumindest äußerlich abstoßend anzusehen wäre. Wenn man sich den ganzen Rest wegdenkt und wahrlich nichts weiter übrig ließ als den Anblick, naja... Aber es ging einfach nicht, den Rest zu ignorieren. Als Maisie fragte ob es wehtat, musste sich der Ältere auf die Zunge beißen um nicht zu erwidern, dass jemand, der kein Herz besaß, keine Schmerzen empfinden konnte. Doch das würde das Mädchen nur verwirren und ihr zuliebe ließ er den bissigen Kommentar bleiben. Er schnaubte nur amüsiert, als Syrena das Stofftier angeboten wurde, zog sein Handy aus der Hosentasche und rief im Club ab. Mit wenigen Sätzen organisierte er eine Vertretung für heute Abend, denn er würde diese Wohnung ganz sicherlich nicht unbeaufsichtigt lassen. Dann folgte die Bestellung bei dem Lieferservice. Wobei er nicht nachfragte, was Syrena haben wollte, er bestellte wirklich nur Nudeln für die Maise und etwas für sich selbst. Allerdings könnte es sein, dass er sich bei der Menge, die ein zwölfjähriges Kind essen konnte, etwas verschätzte. Er legte gerade auf, als Syrena auf ihn zukam. Das Miststück konnte ihm nicht mal in die Augen sehen. Von einer undefinierbaren Wut gebackt, hob er seine Hand und legte ihr seine Finger ums Kinn um sie so zu zwingen, ihn anzusehen. "Damals konntest du mir auch ins Gesicht sehen, als du den Fluch ausgesprochen hast. Und jetzt, wenn du meine Hilfe brauchst, hast du nicht das Rückgrat dazu?" Er hielt ihrem Blick stand und ja, es war die Situation ausnutzend, dass sie ihn in der Gegenwart des Mädchens nicht sofort in Stücke reißen konnte. Aber irgend jemand musste dieser verzogenen Göre auch mal die Grenzen aufzeigen. Und sei es nur dadurch, dass er sie gegen ihren Willen zwang, ihn anzusehen. "Die Kanalisation in die du hingehörst, ist die Straße runter und Richtung Meer." Er ließ ihr Kinn mit einem Ruck los. "Die Türe links. Und im Badezimmerschrank ist ein erste Hilfe Kasten. Der wird es tun."
Damit wandte er sich von ihr ab und ging zu Maisie ins Wohnzimmer. Sie konnte von ihrer Position vom Sofa aus nichts gesehen haben und so fragte Antares sie nun in vollkommen veränderten, freundlichen Tonfall ob sie Durst hatte.
Um sich die Zeit zu vertreiben, bis das Essen kam, zeigte er der Kleinen das Schlafzimmer. Erlaubte ihr dort ihre Sachen auszupacken und Antares nahm zwei Wolldecken aus einer Truhe an der Seite von der sie sich aussuchen konnte, auf welche sie sich drauflegen wollte und welche sie zum Zudecken nahm. Auch für ihn war dies eine vollkommen neue Situation. Bisher hatte er die Kinder nur vom Ort des Geschehens weggelockt. Hin zu einem Ort, an dem er mit Anderen zusammen eine Art Auffangstation gründete. Wohin die Kids vermittelt wurden, betraf ihn nicht mehr. Absichtlich hatte Antares bisher diese Grenze für sich gezogen um emotional nicht noch weiter involviert zu werden. Nun jedoch stand er mit einer davon in seinem Schlafzimmer.
Zurück im Wohnzimmer, krabbelte Maisie wieder mit ihrem Kuscheltier auf das Sofa, Antares brachte ihr ein Glas Wasser und packte gerade ein Kartenspiel aus um mit ihr eine kindliche Version davon zu spielen, als es an der Türe klingelte. Maisie war so darauf konzentriert, ihre Karten in der Hand zu verteilen, dass Antares ihr ein Lächeln schenkte und die Lieferung an der Türe entgegen nahm.
"So, bitteschön. Das Abendessen ist angerichtet." Meinte er vergnügt, als er zurück kam und die Zwölfjährige legte sehr bedacht ihre Karten auf den Tisch. Natürlich mit der Rückseite nach oben, damit man nicht sehen konnte, welchen Wert diese hatten. "Ich glaube du hast später keine Chance gegen mich." "So? Aber da könntest du schon Recht haben, ich habe schon lange nicht mehr gegen jemanden gespielt, die so gut ihre Karten in der Hand mischen konnte." Er hörte sich so vollkommen anders an, als er je in Syrenas Gegenwart sprach. Freundlich, vergnügt, lustig. Und er wurde damit belohnt, dass Maisie kurz gluckste. Er schob ihr die drei Nudelboxen entgegen und das Mädchen bekam große Augen. "Wer soll das alles essen?" Antares setzte sich in den Sessel und hatte ebenfalls eine Box in der Hand allerdings nur mit gebratenen Hähnchenstücken. Wer brauchte schon Nudel? Er fischte gerade mit den Stäbchen eines davon heraus. "Na du. Hast du keinen Hunger?"
Da kam Syrena zurück und Maisie ganzes Gesicht schien aufzuleuchten. "Du musst mir beim essen helfen." Freudestrahlend hielt sie der Hexe das übrige Paar Essstäbchen entgegen.

