Gestern, 14:14
Mammons teuflisches Grinsen machte es Hope nicht leichter, den Gedanken wieder loszuwerden, den sie selbst überhaupt erst ausgesprochen hatte. Vielleicht würde sie tatsächlich gar nichts tun können, wenn einer dieser Menschen wirklich vor ihr stünde. Vielleicht würde ihre ganze Wut in dem Moment einfach verschwinden und nur noch das Mädchen übrig bleiben, das früher gelernt hatte, stillzuhalten und abzuwarten. Doch genauso wenig konnte sie ausschließen, dass das Gegenteil geschah. Dass Jahre voller Angst, Hilflosigkeit und unterdrückter Wut plötzlich einen Ausgang fanden und sie tatsächlich nicht wusste, wann genug war.
Mammons Aufforderung, es einfach auszuprobieren, ließ ihre Finger sich fester um den Taschenriemen schließen. Er sagte es beinahe so beiläufig, als müsste sie lediglich herausfinden, ob ihr ein bestimmtes Getränk schmeckte. Hope erwiderte nichts darauf, doch allein die Tatsache, dass sie das Angebot noch immer nicht vollständig von sich wies, beunruhigte sie. Seine anschließende Begeisterung für Folter tat ihr Übriges. Die Dunkelhaarige hob den Blick wieder zu ihm, als er von Flehen und Schreien sprach, und etwas in seinem Gesicht erinnerte sie sehr deutlich daran, dass sie hier nicht mit einem Menschen diskutierte, der bloß einen etwas morbiden Geschmack besaß. Für Mammon war das offenbar tatsächlich Unterhaltung. Kein moralischer Abgrund, keine Grenze, die überschritten wurde, sondern etwas, mit dem er aufgewachsen war. Als er ihr schließlich erklärte, dass sie ohnehin nicht darüber zu bestimmen habe, ob er dabei zusah, weil es sein Club, sein Keller und damit seine Regeln waren, sank ihr Blick langsam zur Seite.
Ein unangenehmes Gefühl legte sich in ihren Magen. In ihrer Vorstellung hatte ausgerechnet dieser Raum für einen kurzen Moment bedeutet, endlich selbst entscheiden zu können: Wann eine Tür geschlossen blieb, wer einen Schlüssel besaß und wann etwas aufhörte. Mammons Worte nahmen dieser Vorstellung einen Teil ihres Reizes, weil selbst dort letztlich wieder jemand anderes bestimmen würde, welche Regeln galten. Nicht einmal in ihrer eigenen Rache wäre die Kontrolle vollständig ihre. Hope presste die Lippen kurz aufeinander und sagte nichts mehr dazu. Sie wusste ohnehin nicht, ob sie überhaupt jemals den Mut – oder die Grausamkeit – besitzen würde, Mammons Angebot wirklich anzunehmen.
Viel stärker beschäftigte sie dagegen, was er anschließend über ihren Körper behauptete. Hope sah ihn zunächst nur irritiert an, während Mammon mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes sprach, der offenbar keinerlei Zweifel daran kannte, körperliche Reaktionen richtig lesen zu können. Vielleicht konnte er das sogar. Vielleicht hatte er recht damit, dass ihr Körper seine Berührungen nicht ausschließlich als unangenehm empfunden hatte. Genau diese Möglichkeit hatte Hope im Fahrstuhl selbst bereits erschreckt.
Aber je länger er redete, desto deutlicher wurde ihr, dass er auf eine Frage antwortete, die sie ihm überhaupt nicht gestellt hatte. „Ich… ich habe doch gar nicht gesagt, dass…“ Sie brach ab. Schon der Versuch, es auszusprechen, ließ erneut Wärme in ihre Wangen steigen. Ihr Blick flüchtete zur Etagenanzeige und für einen Moment bewegten sich ihre Lippen lautlos, als müsste sie erst eine Formulierung finden, bei der sie nicht am liebsten im Boden versinken wollte. „Dass mein Körper… also… dass er nicht darauf reagiert hat.“ Hope schluckte und hob den Blick nur kurz wieder zu Mammon. Allein dieses indirekte Eingeständnis fühlte sich viel zu intim an. Es bedeutete, anzuerkennen, dass diese Wärme, das Ziehen in ihrem Bauch und jene erschreckend intensive Wahrnehmung seiner Finger nicht ausschließlich Angst gewesen waren. „Aber das… das war doch nicht meine Frage“, fügte sie leiser hinzu. Ihre Stirn legte sich leicht zusammen, während sie versuchte, ihre eigenen Gedanken überhaupt zu ordnen. „Ich wollte wissen, ob… ob das automatisch heißt, dass ich es auch wollte.“ Das letzte Wort kam kaum hörbar über ihre Lippen.
Vielleicht bestand das Problem tatsächlich nicht darin, dass Mammon ihren Körper falsch gelesen hatte. Vielleicht bestand es vielmehr darin, dass er glaubte, damit automatisch auch sie gelesen zu haben. Ihr Körper konnte auf seine Nähe reagieren, vielleicht sogar auf eine Art, die Mammon aus Erfahrung sehr genau kannte, und trotzdem wusste Hope noch immer nicht, ob sie ihn hätte küssen wollen. Ob sie mehr gewollt hätte. Ob sie überhaupt hätte entscheiden können, solange sie gleichzeitig zwischen Anziehung, Angst und Erinnerungen festhing. Dass all diese Dinge gleichzeitig existieren konnten, machte die Antwort für sie selbst nicht einfacher.
Sein selbstzufriedenes „Gern geschehen“ brachte Hope schließlich für einige Sekunden vollständig aus dem Konzept. Ihre Augen wurden etwas größer und ihr Mund öffnete sich bereits, als wolle sie ihm sofort widersprechen. Doch kein Wort folgte. Stattdessen schloss sie die Lippen wieder, während sich die Röte in ihrem Gesicht nur noch vertiefte.
Ihr Blick wich hastig aus und eine Hand hob sich beinahe unbewusst ein Stück in Richtung ihres Halses, verharrte jedoch auf halbem Weg, bevor Hope sie wieder sinken ließ. Gerade weil sie nicht ehrlich behaupten konnte, dass wirklich jede Sekunde seiner Berührung ausschließlich unangenehm gewesen war, fehlte ihr plötzlich jede passende Erwiderung. Sie hasste, wie zufrieden Mammon damit wirkte. Fast noch mehr hasste sie, dass irgendein kleiner, verwirrter Teil von ihr nicht einmal vollständig wusste, ob er mit seinem überheblichen Dank tatsächlich vollkommen danebenlag.
Als der Fahrstuhl schließlich langsamer wurde und kurz darauf zum Stillstand kam, löste sich etwas in Hopes Brust, noch bevor sich die Türen vollständig geöffnet hatten. Das gedämpfte Geräusch des Clubs drang zuerst zu ihr herein, ein tiefer Bass, der mehr durch den Boden und ihre Beine zu spüren war als wirklich gehört wurde, darüber Stimmen, Gelächter und das helle Klirren von Gläsern. Dann schob sich warme Luft in die Kabine, schwer von Parfüm, Alkohol und jener kaum greifbaren Mischung aus Menschen, Wärme und Nacht, die vollkommen anders roch als das abgeschlossene Penthouse über ihnen.
Hope atmete tiefer ein. Erst jetzt bemerkte sie, wie flach sie zuvor noch geatmet hatte. Ihre Beine fühlten sich weiterhin etwas weich an, und an Hals, Hüfte und Unterlippe schien ihr Körper Mammons Berührungen noch immer viel deutlicher gespeichert zu haben, als ihr lieb war, doch allein der offene Raum vor ihr ließ die Enge des Fahrstuhls weniger bedrohlich erscheinen. Menschen bewegten sich hintereinander durch Licht und Schatten, dunkle Flächen wurden von Gold durchbrochen, irgendwo spiegelte sich das Licht in Glas und Metall, während die Musik wie ein gleichmäßiger Puls durch den Raum lief.
Hope blieb einen Augenblick an der Schwelle stehen und ließ ihren Blick langsam über den Club wandern. Für einen kurzen Moment verstand sie zumindest, weshalb dieser Ort Lamias Aufmerksamkeit bekommen hatte. Alles daran wirkte beinahe darauf ausgelegt, Begierden zu wecken – luxuriös, dunkel, ein wenig übertrieben und gleichzeitig so selbstverständlich sündhaft, dass Hope unwillkürlich wieder an den Mann neben sich dachte. Doch diesmal wollte sie nicht wissen, was Lamia hier gesehen oder empfunden hatte. Hope trat schließlich aus dem Fahrstuhl und ließ den Blick noch einmal durch den Raum gleiten. Sie wollte diesen Ort selbst kennenlernen. Mit ihren eigenen Augen, ihren eigenen Eindrücken und vielleicht zum ersten Mal herausfinden, was von all dem eigentlich sie selbst faszinierte.
Die Musik war hier draußen deutlich lauter als noch in der Kabine, der Bass vibrierte spürbar unter ihren Sohlen und zwang Hope beinahe dazu, ihre Stimme etwas anzuheben. Trotzdem blieb ihr Blick aufmerksam im Raum hängen, ehe sie schließlich wieder zu Mammon sah. „Und… was zeigst du mir zuerst?“, fragte sie, noch immer ein wenig zurückhaltend, aber mit einer Neugier, die inzwischen kaum noch zu verbergen war.
Mammons Aufforderung, es einfach auszuprobieren, ließ ihre Finger sich fester um den Taschenriemen schließen. Er sagte es beinahe so beiläufig, als müsste sie lediglich herausfinden, ob ihr ein bestimmtes Getränk schmeckte. Hope erwiderte nichts darauf, doch allein die Tatsache, dass sie das Angebot noch immer nicht vollständig von sich wies, beunruhigte sie. Seine anschließende Begeisterung für Folter tat ihr Übriges. Die Dunkelhaarige hob den Blick wieder zu ihm, als er von Flehen und Schreien sprach, und etwas in seinem Gesicht erinnerte sie sehr deutlich daran, dass sie hier nicht mit einem Menschen diskutierte, der bloß einen etwas morbiden Geschmack besaß. Für Mammon war das offenbar tatsächlich Unterhaltung. Kein moralischer Abgrund, keine Grenze, die überschritten wurde, sondern etwas, mit dem er aufgewachsen war. Als er ihr schließlich erklärte, dass sie ohnehin nicht darüber zu bestimmen habe, ob er dabei zusah, weil es sein Club, sein Keller und damit seine Regeln waren, sank ihr Blick langsam zur Seite.
Ein unangenehmes Gefühl legte sich in ihren Magen. In ihrer Vorstellung hatte ausgerechnet dieser Raum für einen kurzen Moment bedeutet, endlich selbst entscheiden zu können: Wann eine Tür geschlossen blieb, wer einen Schlüssel besaß und wann etwas aufhörte. Mammons Worte nahmen dieser Vorstellung einen Teil ihres Reizes, weil selbst dort letztlich wieder jemand anderes bestimmen würde, welche Regeln galten. Nicht einmal in ihrer eigenen Rache wäre die Kontrolle vollständig ihre. Hope presste die Lippen kurz aufeinander und sagte nichts mehr dazu. Sie wusste ohnehin nicht, ob sie überhaupt jemals den Mut – oder die Grausamkeit – besitzen würde, Mammons Angebot wirklich anzunehmen.
Viel stärker beschäftigte sie dagegen, was er anschließend über ihren Körper behauptete. Hope sah ihn zunächst nur irritiert an, während Mammon mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes sprach, der offenbar keinerlei Zweifel daran kannte, körperliche Reaktionen richtig lesen zu können. Vielleicht konnte er das sogar. Vielleicht hatte er recht damit, dass ihr Körper seine Berührungen nicht ausschließlich als unangenehm empfunden hatte. Genau diese Möglichkeit hatte Hope im Fahrstuhl selbst bereits erschreckt.
Aber je länger er redete, desto deutlicher wurde ihr, dass er auf eine Frage antwortete, die sie ihm überhaupt nicht gestellt hatte. „Ich… ich habe doch gar nicht gesagt, dass…“ Sie brach ab. Schon der Versuch, es auszusprechen, ließ erneut Wärme in ihre Wangen steigen. Ihr Blick flüchtete zur Etagenanzeige und für einen Moment bewegten sich ihre Lippen lautlos, als müsste sie erst eine Formulierung finden, bei der sie nicht am liebsten im Boden versinken wollte. „Dass mein Körper… also… dass er nicht darauf reagiert hat.“ Hope schluckte und hob den Blick nur kurz wieder zu Mammon. Allein dieses indirekte Eingeständnis fühlte sich viel zu intim an. Es bedeutete, anzuerkennen, dass diese Wärme, das Ziehen in ihrem Bauch und jene erschreckend intensive Wahrnehmung seiner Finger nicht ausschließlich Angst gewesen waren. „Aber das… das war doch nicht meine Frage“, fügte sie leiser hinzu. Ihre Stirn legte sich leicht zusammen, während sie versuchte, ihre eigenen Gedanken überhaupt zu ordnen. „Ich wollte wissen, ob… ob das automatisch heißt, dass ich es auch wollte.“ Das letzte Wort kam kaum hörbar über ihre Lippen.
Vielleicht bestand das Problem tatsächlich nicht darin, dass Mammon ihren Körper falsch gelesen hatte. Vielleicht bestand es vielmehr darin, dass er glaubte, damit automatisch auch sie gelesen zu haben. Ihr Körper konnte auf seine Nähe reagieren, vielleicht sogar auf eine Art, die Mammon aus Erfahrung sehr genau kannte, und trotzdem wusste Hope noch immer nicht, ob sie ihn hätte küssen wollen. Ob sie mehr gewollt hätte. Ob sie überhaupt hätte entscheiden können, solange sie gleichzeitig zwischen Anziehung, Angst und Erinnerungen festhing. Dass all diese Dinge gleichzeitig existieren konnten, machte die Antwort für sie selbst nicht einfacher.
Sein selbstzufriedenes „Gern geschehen“ brachte Hope schließlich für einige Sekunden vollständig aus dem Konzept. Ihre Augen wurden etwas größer und ihr Mund öffnete sich bereits, als wolle sie ihm sofort widersprechen. Doch kein Wort folgte. Stattdessen schloss sie die Lippen wieder, während sich die Röte in ihrem Gesicht nur noch vertiefte.
Ihr Blick wich hastig aus und eine Hand hob sich beinahe unbewusst ein Stück in Richtung ihres Halses, verharrte jedoch auf halbem Weg, bevor Hope sie wieder sinken ließ. Gerade weil sie nicht ehrlich behaupten konnte, dass wirklich jede Sekunde seiner Berührung ausschließlich unangenehm gewesen war, fehlte ihr plötzlich jede passende Erwiderung. Sie hasste, wie zufrieden Mammon damit wirkte. Fast noch mehr hasste sie, dass irgendein kleiner, verwirrter Teil von ihr nicht einmal vollständig wusste, ob er mit seinem überheblichen Dank tatsächlich vollkommen danebenlag.
Als der Fahrstuhl schließlich langsamer wurde und kurz darauf zum Stillstand kam, löste sich etwas in Hopes Brust, noch bevor sich die Türen vollständig geöffnet hatten. Das gedämpfte Geräusch des Clubs drang zuerst zu ihr herein, ein tiefer Bass, der mehr durch den Boden und ihre Beine zu spüren war als wirklich gehört wurde, darüber Stimmen, Gelächter und das helle Klirren von Gläsern. Dann schob sich warme Luft in die Kabine, schwer von Parfüm, Alkohol und jener kaum greifbaren Mischung aus Menschen, Wärme und Nacht, die vollkommen anders roch als das abgeschlossene Penthouse über ihnen.
Hope atmete tiefer ein. Erst jetzt bemerkte sie, wie flach sie zuvor noch geatmet hatte. Ihre Beine fühlten sich weiterhin etwas weich an, und an Hals, Hüfte und Unterlippe schien ihr Körper Mammons Berührungen noch immer viel deutlicher gespeichert zu haben, als ihr lieb war, doch allein der offene Raum vor ihr ließ die Enge des Fahrstuhls weniger bedrohlich erscheinen. Menschen bewegten sich hintereinander durch Licht und Schatten, dunkle Flächen wurden von Gold durchbrochen, irgendwo spiegelte sich das Licht in Glas und Metall, während die Musik wie ein gleichmäßiger Puls durch den Raum lief.
Hope blieb einen Augenblick an der Schwelle stehen und ließ ihren Blick langsam über den Club wandern. Für einen kurzen Moment verstand sie zumindest, weshalb dieser Ort Lamias Aufmerksamkeit bekommen hatte. Alles daran wirkte beinahe darauf ausgelegt, Begierden zu wecken – luxuriös, dunkel, ein wenig übertrieben und gleichzeitig so selbstverständlich sündhaft, dass Hope unwillkürlich wieder an den Mann neben sich dachte. Doch diesmal wollte sie nicht wissen, was Lamia hier gesehen oder empfunden hatte. Hope trat schließlich aus dem Fahrstuhl und ließ den Blick noch einmal durch den Raum gleiten. Sie wollte diesen Ort selbst kennenlernen. Mit ihren eigenen Augen, ihren eigenen Eindrücken und vielleicht zum ersten Mal herausfinden, was von all dem eigentlich sie selbst faszinierte.
Die Musik war hier draußen deutlich lauter als noch in der Kabine, der Bass vibrierte spürbar unter ihren Sohlen und zwang Hope beinahe dazu, ihre Stimme etwas anzuheben. Trotzdem blieb ihr Blick aufmerksam im Raum hängen, ehe sie schließlich wieder zu Mammon sah. „Und… was zeigst du mir zuerst?“, fragte sie, noch immer ein wenig zurückhaltend, aber mit einer Neugier, die inzwischen kaum noch zu verbergen war.

