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Was bleibt - Lilith - 26.08.2026


Es wirkte nicht. Eine Dosis, die drei erwachsene Männer auf die Intensivstation würde befördern können – das waren Mammons Worte gewesen, als er ihr die Tabletten übergeben hatte. Sie hatten sie allein gelassen, er und Kisai, kurz nachdem auch Medea gegangen war, und Lilith hatte nicht allzu lange gezögert, ehe sie sie einnahm. Zu unterträglich war ihr Zustand, ihr Körper permanent zerrissen zwischen der Erschöpfung, die ihren Geist nach unten zu ziehen schien, und der reinen, brutalen Energie, die verhinderte, dass sie Ruhe fand.
Aber die Tabletten wirkten nicht. Das Zittern ihrer Gliedmaßen ließ nicht nach, ihr Herz pochte weiterhin wutentbrannt gegen das Innere ihres Brustkorbes. Zu deutlich spürte sie noch immer die Hitze der gleißenden, überschüssigen Magie, unter jeder einzelnen Flamme, die ihre Haut zierte, sodass auch jeder direkt sah, wie sehr sie diesmal gegen die Regeln verstoßen hatte. Sie glühte. Innerlich, durch die immense Hitze, aber auch sichtbar. Und auch nur eine Sekunde länger im Bett zu verweilen, nachdem sie sich schon unzählige Male zwischen den seidenweichen Laken von der einen zur anderen Seite und wieder zurückgewälzt hatte, war einfach keine Option.
Ihr Körper zwang sie förmlich dazu, aufzustehen.

Sie warf die Decke zur Seite und erhob sich. Ihr Bein war nicht mehr gebrochen, dennoch waren beide ungewöhnlich instabil aufgrund des Zitterns, das sie unentwegt begleitete. Ein paar Schritte, langsam, aber gleichzeitig hastig, irrer Widerspruch, der sie aktuell war. Alles an ihr, ihr Leben, ihr Zustand, ihr Körper… ein einziger Gegensatz.
Sie verließ ihr Schlafzimmer und ging hinaus in den Wohnbereich des Penthouses. Am Türrahmen musste sie kurz innehalten, Luft holen, ihrem Herz, das ihren Körper – ihren sterblichen Körper, neuerdings – nun tatsächlich am Leben halten musste, eine kurze Pause gönnend. Wie lange es das hier wohl noch durchhalten würde?
Ihrer aller Theorie war gewesen, dass die Magie sich verflüchtigen würde, wenn sie nur lange genug wartete. Irgendwann… und im besten Fall betäubte sie sich bis dahin. Nun, das hatte nicht funktioniert. Und das ‚Abwarten‘ gestaltete sich ebenfalls schwierig, ganz besonders wenn sie innerlich bereit war, direkt die Wand hinaufzukriechen.
Sie durchquerte den Sitzbereich im Wohnzimmer, ohne wirkliches Ziel, ohne wirklichen Plan, außer, dass sie weg musste. Weg von ihrem Bett, weg von allem, das sie festhielt. Nach draußen.
Plötzlich stand sie vor der Glasfront, die den Blick nach unten auf den Club freigab. Unfreiwillig hielt sie inne, ihr Blick kurz verloren im Bild, das das Valen unter ihr abgab. Es war voll, es war mitten in der Nacht, aber die Besucher feierten noch ausgelassen. Musik, wechselnde Beleuchtung, tanzende Menschen, die vor ihren Augen zu einer breiten Masse verschwommen, während sie realisierte, wie sehr sie dort nicht hingehörte. Nicht mehr.
Es war ein seltsam bizarres Gefühl, dass alles auf der Welt genauso weiter funktionierte wie immer. Nur sie stand hier, barfuß, in ihrer Nachtwäsche. Unfähig, dorthin zurückzukehren, unfähig schon, überhaupt irgendwie zu funktionieren.

Aber so konnte sie auch nicht nach draußen gehen. Nicht, weil es sie persönlich störte, sondern vielmehr weil das irritierende Glühen wie ein Scheinwerfer auf sie zeigte und die Tatsache, dass sie Nutznießerin einer verbotenen Engelsheilung geworden war, schreiend in die Welt hinaus trug.
Aber ihre Kleidung, die, die Kisai vor ein paar Tagen aus ihrem eigenen Penthouse geholt hatte, wäre niemals ausreichend, um die Auswirkungen zu verbergen. Nicht groß genug, nicht bedeckend genug… sie brauchte etwas anderes.
Und so landete sie in Mammons Kleiderschrank, vor dem Teil, der überraschend viele Mäntel beherbergte dafür, dass sie sich in Südkalifornien befanden. Aber umso besser für sie.
Lilith nahm nicht den erstbesten, den sie greifen konnte, sondern wählte bewusst einen besonders schweren, schwarzen; lang war er allein schon deshalb an ihr, weil Mammon sie körperlich ein wenig überragte und sie aktuell keine Schuhe trug. Sie zog ihn sich über und wollte sich umwenden zum Gehen, als sie aus dem Augenwinkel einen Blick auf ihre eigene Erscheinung im Spiegel erhaschte. Sie erkannte sich kaum wieder: Ein Schatten nur noch dessen, wofür sie vor wenigen Tagen noch stand – Macht, Herrschaft, Eleganz, Anmut und Überlegenheit.
Und inzwischen ein schwarzer Mantel, der zwanghaft versuchte, weißes Licht zu verbergen.


RE: Was bleibt - Mammon - 31.08.2026

Sie waren sich alle einig gewesen. Warten… warten… warten… Nicht gerade seine Kernkompetenz. Doch was blieb ihnen auch anderes übrig? Keiner der Anwesenden hatte eine bessere Idee gehabt. Wie auch? Keinen von ihnen war jemals bekannt, dass das vorher schon einmal passiert war. Wie hätte man da auch etwas Brauchbares an Wissen finden können? Da war es doch nur logisch, dass abwarten erst einmal die beste Option war. Abwarten… oder wie die Erdlinge gern zu sagen pflegten, Abwarten und Tee trinken. Wieso eigentlich Tee trinken? Was war bitte an warmen Wasser mit Geschmack denn so tolles dran, dass man das trinken sollte, wenn man abwartete? Nope, er verstand es einfach nicht. Wäre es nicht viel besser, wenn man sagen würde, abwarten und Alkohol trinken oder Sex haben oder sonst irgendwie… Spaß haben? Klang für Mammon wirklich logischer als Tee zu trinken.
Aus diesem Grund hatte sich Mammon auch nicht dafür entschieden, Tee zu trinken, sondern sich anderweitig abzulenken. Er war nicht der Typ, der nach dieser ganzen Sache einfach in seinem Bett liegen würde und grübeln würde. Oh nein, so verarbeitete ein Mammon das Ganze einfach nicht. Was er stattdessen tat? Nun, Mammon hatte, nachdem er Lilith in ihrem Zimmer zurückgelassen hatte mit dem Hammertabletten, sich nach unten in seinen Club begeben und erstmal getrunken. Er hatte versucht all diese hässlichen Gedanken zu ersaufen, spielte das eine oder andere Lied am Klavier und lenkte sich auch durchaus mit Tanzen oder anderen Annehmlichkeiten ab. Eigentlich war auch Sex eine wunderbare Ablenkung, aber wenn er Fred zu sich zitieren würde dann… dann würde sie vielleicht Fragen stellen, auf die er nicht antworten wollte. Somit war das keine sonderlich gute Idee und er verwarf sie. Der Alkohol und die Musik mussten es allein schaffen, ihn abzulenken.

Aber irgendwann hatte jemand Ungeschicktes sein Glas auf Mammons Kleidung ausgeschüttet und dies war definitiv ein Grund für ihn, zurück in sein Penthouse zu fahren. Zum Glück war der Weg zu seinem begehbaren Kleiderschrank nicht weit. Er musste nur hinter die Bar zu seinem Aufzug und mit diesem nach oben in sein Penthouse fahren. Gedacht, getan und so dauerte es nicht lange, bis die Türen des Aufzugs oben aufgingen und er leicht fluchend schon einmal sein Sakko auszog. Ohne auch nur hinzuschauen, führten ihn seine Füße automatisch in Richtung seines Schlafbereichs. Er war so vertieft damit sich darüber zu ärgern, dass dieser Tollpatsch ihn mit dessen Getränk ‘beglückt’ hat, dass er noch nicht einmal bemerkte, dass da jemand in seinem Begehbaren Kleiderschrank war, als Mammon die 2 Stufen hoch in sein Schlafbereich stieg und er sein Sakko auf den Stuhl warf. Echt… so ein Idiot! Doch dann ging sein Blick zum offenen begehbaren Kleiderschrank und erst jetzt bemerkte er, dass sich darin jemand befand. Mit zusammengezogenen Augenbrauen trat er in diesen und sah schließlich überrascht, wer sich da an seinen Klamotten zu schaffen machte. “Nicht, dass ich es doch insgeheim wusste, dass du meinen Geschmack gut findest, aber was in Dads Namen machst du außerhalb deines Zimmers?” Wollten sie nicht alle irgendwie… abwarten? “Und die noch viel wichtigere Frage ist… was hast du mit meinem Mantel vor?” Wie er fand, eine sehr berechtigte Frage.


RE: Was bleibt - Lilith - 02.09.2026

Sie stand noch halb vor dem Spiegel, ihr Blick fast gefesselt vom bemitleidenswerten Anblick, den die Person abgab, dir ihr von dort entgegen starrte. Sie zog den Mantel etwas enger um ihren Körper, um das Licht zu verdecken einerseits, gleichzeitig aber auch… weil er sie verdeckte.
Und das hatte nichts mit ihrer Kleidung zu tun – Lilith konnte kaum weniger darauf geben, ob und wie sie gekleidet war. Das bedeutete nicht, dass sie sich nicht für Mode interessierte, im Gegenteil: Sie war kreatives Mittel, konnte ein Statement sein, eine Waffe, oder ein Spielzeug, wenn man mit ihr Vorgaben und Normen brach. Aber sie nutzte sie nicht als Krücke, so wie die Erdlinge das taten. Sie brauchte sie nicht, weder um ihren Körper zu bedecken, noch um sich zu schützen. Ihr Auftreten, ihre Ausstrahlung… all das hatte nichts mit ihrer Kleidung zu tun. Es war in ihrem Wesen, ihrer Aura, ihrem Selbst.
Und davon war nichts mehr übrig. Das, was hier noch stand, war eine blasse, kränklich anmutende Hülle, gefüllt mit Magie, die ihr nicht gehörte und die sie nicht loswerden konnte. Das musste sie verdecken. Weil es zu sehen, es anzuerkennen… das war schwerer als alles, was sie jemals zuvor erlebt hatte. Die Gefühle, die sie dazu hatte…
Nun, sie konnte sie nicht benennen, natürlich. Aber es waren viele, und sie fraßen sich durch ihren Bauchraum als hätten sie einen Anspruch auf ihren Körper. Und der... war derzeit schon ziemlich überfüllt.

Lilith hatte gerade unter Mühe ihren Blick von ihrem eigenen Spiegelbild losgerissen, als plötzlich Mammon vor ihr stand, im Hemd, ohne Jackett… aber er war allein. Natürlich musste er ihr Handeln zunächst mit einer provokanten Bemerkung kommentieren – das war ihr Umgangston miteinander, damit fühlten sie sich wohl. Es war wie ein Ping-Pong-Spiel, normalerweise, und in der Regel hätte sie ihm schon einen Konter an den Kopf geworfen, noch bevor er den Satz vollkommen beendet hatte.
Jetzt nicht. Ihr Blick wandte sich nur langsam zu ihm, träge und unfokussiert, fast als wäre ihr Geist zu langsam darin, seine Worte überhaupt zu verarbeiten. Eine kurze Sekunde huschte etwas über ihr Gesicht, das eventuell ihrer üblichen Reaktion geähnelt hätte… aber dann war es verschwunden, geschluckt von jener Kraftlosigkeit, die ihren gesamten Körper eingenommen hatte. Die Müdigkeit hatte jede Vehemenz aus ihrer Haltung getilgt; ihre Augen waren schwer, gerötet… nicht einmal einen halbwegs genervten Gesichtsausdruck konnte sie noch für ihn erübrigen.
Aber die Unruhe, die war konstant da. In ihrem Blick, wenn man etwas genauer hinsah, hinter dem ersten Eindruck: Da war die prickelnde Energie, die unter ihrer Haut entlang raste, so unentbrannt, das man wahrscheinlich auch von außen fast spüren konnte; die nervösen Gesten, mit denen ihre Finger sich immer wieder in den Saum des Mantels krallten und ihn dann wieder losließen; ihr Stand, der nie ganz still war, sondern geprägt von einer permanenten Verlagerung ihres Gewichts, von einem auf das andere Bein.
Sie hätte sich gern irgendwo angelehnt, hielt es aber nicht länger als ein paar Sekunden an einer Stelle aus. Rastlos und widersprüchlich, als würde etwas in ihr unentwegt nach Bewegung schreien, während ihr Körper nichts mehr wollte als einfach zu kapitulieren.
Ihre Hände zitterten, als sie den Mantel kurz losließ, dann wieder griff und ihn erneut enger um ihren Brustkorb zog… eine Bewegung so ungewöhnlich fremdartig für ein Wesen, das keinerlei Schamgefühl besaß. Ihr Kiefer zitterte, als sie versuchte zu einer Antwort anzusetzen.
„Ich muss… raus“, war die schlichte Erwiderung, die sie ihm gab. Definitiv nicht die Erklärung, die er sich vermutlich erhofft hatte, aber offen gestanden fehlten Lilith die Worte, um zu beschreiben, wie sie sich aktuell fühlte und warum sie es nicht mehr ausgehalten hatte in dem Raum, der sich zuletzt mehr anfühlte wie ein Gefängnis als ein Schlafzimmer.
Wozu sie den Mantel brauchte, war offensichtlich, nicht?
„Und ich gebe einen verdammten Dreck auf seinen Namen“


RE: Was bleibt - Mammon - 03.09.2026

Das war ihr beider normaler Umgangston und bevor Mammon seine Schwester genauer betrachtete, waren ihm diese Bemerkungen rausgerutscht. So war es schließlich immer gewesen und so fühlte es sich eben am normalsten an. Aus Gewohnheit hatte Mammon sich auch schon darauf eingestellt, dass sie ihm durchaus ins Wort fiel, um ihm etwas Verbales entgegen zu schmettern, aber… aber es blieb aus. Gerade dieses nicht kontern, dieses erstmals schweigen, ehe man sprach, war ungewöhnlich und verdammt ungewohnt und machte ihm nur gerade wieder klar, dass hier nicht seine ‘gnadenvolle’ Schwester stand, sondern sie es zwar äußerlich war, aber innerlich doch… anders. Ein Umstand, mit dem Mammon ehrlicherweise noch überfordert war. Nie hätte er gedacht, dass er sich die Lilith zurück wünschte, die er kannte. Eben diese überhebliche, eingebildete, freche und sich für klüger haltende Schwester. Eben diejenige, die er einerseits nicht leiden konnte, andererseits aber auch nicht wirklich ohne sie sein wollte. Naja, lange Abwesenheiten mal abgesehen. Fakt war einfach, dass er seine Schwester nicht missen wollte und auch wenn er es niemals offen zugeben würde, er so ziemlich alles für sie tun würde, wenn sie seine Hilfe brauchte, natürlich vorausgesetzt, dass auch er etwas davon hatte oder es etwas war mit dem er sie später aufziehen konnte. Doch Lilith so zu sehen… so unruhig und kraftlos, so als wäre sie dabei, sich aufzugeben und nicht zu kämpfen. Ehrlich? Das war selbst für den Teufelssohn, wie ein Stich ins Herz. Ungünstig nur, dass er mit diesem Gefühl nichts anfangen konnte und dies ihn auch überforderte. Er war definitiv nicht gut in so etwas. Sticheleien, sich anmotzen, Spielchen spielen, andere vorführen, foltern, quälen, andere deutlich machen, wer man war. Ja, das waren alles Dinge, mit denen er etwas anfangen konnte, aber das hier? Das lag weit außerhalb seiner Komfortzone und seines Wissens, wie man damit umging.

Kam da jetzt noch etwas von ihr oder sollte er vielleicht nochmal das Wort ergreifen? Ihr vielleicht nochmal deutlicher sagen, dass sie sich gerade in seinem begehbaren Kleiderschrank befand, wo die Klamotten nur für Männer vorgesehen waren? Nicht, dass ihr ein Hosenanzug nicht stand, aber seine Größe war eben, wie man ja jetzt an ihr schon sehen konnte, eindeutig zu groß. Doch zum Glück erlöste Lilith ihn schließlich von seinem verzweifelten Versuch zu überlegen, was er jetzt tun sollte. Sie redete. Moment… das waren ihre Worte? Sie musste raus? Fragend zogen sich seine Augenbrauen zusammen und sein Blick wanderte von Lilith nach links und rechts neben sich und dann wieder zu ihr. “Also dafür, dass du… raus musstest, hast du nicht gerade die beste Wahl getroffen.” Wenn man raus wollte, dann ging man doch an die frische Luft und der kürzeste Weg zur frischen Luft wäre von ihrem Zimmer einige Schritte geradeaus gewesen und schon hätte sie die Schiebetür zur Terrasse öffnen können und wäre eben… draußen. Somit verstand er ihre Wortwahl absolut nicht. Ok, das mit dem Namen wiederum schon. Das war unklug von ihm gewählt, ja, das musste er zugeben. Seine Hände hoben sich leicht als Zeichen, dass er nicht unbedingt da war, um sie zu ärgern, was ja normalerweise der Fall wäre. So entschied sich Mammon, nichts weiter auf die Namenssache zu erwidern und ließ seine Hände wieder langsam sinken. In dieser Hinsicht wohl auch die beste Wahl. “Gut, dann bleiben wir bei den ursprünglichen Fragen.” Schlug Mammon nun vor. “Und, was du mit ’ich muss raus’ eigentlich meinst, denn ich kann mir ehrlicherweise nicht vorstellen, dass du damit meinen Ankleidebereich angedeutet hast.” Musste er dann zugeben. “Wenn du willst, können wir das Ganze hier auch einfach auf die Terrasse mit nem Glas guten Scotch verlagern.” Trinken war schließlich immer eine gute Idee, wie er fand.


RE: Was bleibt - Lilith - 06.09.2026

Mammon verstand nicht. Er nahm ihre Aussage so wörtlich, dass es beinahe bizarr schien – selbstverständlich hatte sie sich nicht auf seinen Kleiderschrank bezogen, als sie von ‚raus‘ gesprochen hatte. Außerdem hatte sie ja auch nicht von der Vergangenheit geredet, sondern von etwas, das noch immer im Begriff war, zu geschehen; und es war nun wahrlich offensichtlich genug, dass sie noch an der Umsetzung ihres Vorhabens arbeitete.
Genau das frustrierte sie oftmals im Umgang mit ihm so sehr: Wie naiv und unwissend er schien in Bezug auf solch alltägliche Dinge, Umgangsfloskeln, Formulierungen hier auf der Erde, weil er so lange Zeit keinen Fuß hinaus gesetzt hatte aus seinem sicheren Kosmos zuhause. Und manchmal brachte sie weniger Geduld dafür auf, diese Lücken zu kompensieren.
Oder aber… er wollte nicht verstehen. Weil es leichter war, den Weg zu gehen, den er kannte: Die nüchterne Wörtlichkeit auf die Sachebene zu bringen, anstatt die Implikationen dessen, was sie wirklich sagte – was sie meinte, was es bedeutete, dass sie nicht dort bleiben konnte – zu realisieren. Dass ihr Plan, den sie alle gemeinsam in Ermangelung besserer Optionen geschlossen hatten, offensichtlich nicht funktionierte.
Was auch immer es war – heute hatte sie keinerlei Energie übrig dafür, frustriert oder genervt von ihm zu sein. Sie konnte sich auch nicht aufregen oder ihm den Schlagabtausch bieten, den er ganz deutlich gern von ihr gehabt hätte, egal in welcher Intensität. Jede seine Aussagen boten ihr einen so leichten Einstieg… aber sie hatte es einfach nicht in sich. Nicht, solange ihre Arme und Beine schwer schienen wie Blei, während ihr Herz raste und ihre Muskeln unter ihrer Haut zuckten.

Mammon gab die Provokationen auf. Trotz aller fehlenden Erfahrung im Lesen anderer war wohl auch bei ihm nun angekommen, dass sie ihm nichts zurückgab. Sie ließ sich erschöpft auf einen Stuhl sinken – zwei Finger auf ihre Stirn gepresst, weil ihre Gedanken ähnlich rasten wie ihr Puls, und es schwer war, einer Unterhaltung vollends zu folgen – während er seine Fragen mehr oder weniger wiederholte. Oder vielmehr… konkretisierte, gepaart mit einem Vorschlag, wie sie mit ihrem Wunsch stattdessen umgehen konnten: Einem Glas guten Scotch, draußen auf der Terrasse.
Normalerweise würde Lilith das nicht ablehnen – sie teilten die Vorliebe für schottischen Single Malt Whisky, und sie wusste daher, dass Mammon eine entsprechend hochwertige Auswahl vorrätig hatte. Eine ruhige Nacht auf der Dachterrasse, unter freiem Himmel, würde sie ebenfalls zu den deutlichen Vorzügen der Erde zählen… auch wenn sie in der Regel Tans Gesellschaft und ein wenig mehr... Körperlichkeit präferierte.
Doch allein die Vorstellung, ruhig auf der Terrasse sitzen zu müssen, brachte Lilith fast zum Schreien.
Sie stand wieder auf, hielt sich mit einer Hand aber noch an der Lehne des Stuhls fest, um ihren Stand zu stabilisieren, während die andere zum wiederholten Male unruhig den Saum des Mantels hoch- und wieder runter fuhr.
„So spät… ist es doch noch gar nicht“, entgegnete sie stattdessen, während sie nun an ihm vorbeiging, hinaus in den Wohnbereich. Der war dunkel, weil sie bis vor Kurzem noch versucht hatte zu schlafen und er gar nicht hier gewesen war. Das wechselnde Licht des Clubs warf hin und wieder farbige Reflexe durch den Raum, aber Geräusche drangen keine zu bis nach oben.
Tatsächlich hatte Lilith keine Ahnung, wie spät es wirklich war, aber ein einziger Blick auf die Glasfront bestätigte ihr, was sie eben noch selbst beobachtet hatte und eigentlich wusste – die Tanzfläche war noch gut gefüllt. Der Anblick des unruhigen Gedränges dort unten machte ihr nur noch einmal deutlich, dass sie dringend hinaus musste.
„Was tust… du schon hier?“ Dass das wieder keine Antwort auf seine Frage war, das war ihr bewusst. Aber wenn sie ihn vielleicht einfach daran erinnerte, dass es unterhaltsamere Dinge gab, als sich mit ihr zu beschäftigen, dann würde sich die Notwendigkeit einer Erklärung vielleicht… in Luft auflösen? Zumindest in der Theorie.


RE: Was bleibt - Mammon - 10.09.2026

Vielleicht war es irgendwo eine Mischung von beiden. Einerseits das Unwissend, was es mit diesen alltäglichen Dingen zu tun hatte und weil er es zum Teil auch nicht wollte. Ja, Mammon war nun schon gut ein Jahr hier unter den lebenden Menschen und ja, hier liefen viele Dinge anders. Hier hatte ihn niemand gekannt, also die Menschen und hier auf Erden musste er erst einmal seinen Platz finden. Nach einem Jahr konnte man nun wahrlich nicht erwarten, dass er alles schon wusste oder verstand und ja, es war auch hier bei den Erdlingen durchaus möglich, immer wieder in alte Muster zu fallen, die er in der Hölle pflegte. Wieso also an sich arbeiten, wenn man auch mit Gewohntem durchaus oft durchkam? Doch ehrlicherweise wollte er sie verstehen, nur konnte er diese Leistung im Moment eben noch nicht so erbringen, wie sie es vielleicht brauchte. So war es eben auch durchaus logisch gewesen, dass Mammon eben so reagierte, wie er hier reagiert hatte.

Dennoch war auch ihm klar geworden, dass Lilith noch immer nicht die Lilith war, die er kannte, mal hasste und mal schätzte. Das hier vor ihm war äußerlich definitiv seine Schwester, aber von ihrer Körperhaltung, ihrem Reden bis hin zu ihrer Einstellung hatte das wirklich nicht viel mit ihr zu tun gehabt. Mammon bemühte sich wirklich sehr und ein besorgter Gesichtsausdruck huschte unkontrolliert über sein Gesicht. Lilith ging es nicht gut, das sah man ihr deutlich an. Wie sie ihre Finger gegen ihre Stirn presste, wie sie sich erschöpft auf den Stuhl fallen ließ… lagen sie vielleicht doch mit ihrer Theorie falsch? Doch welche Alternative hatten sie? Sollte er zu ihr gehen und sie irgendwie… stützen? Schließlich hatte sich seine Schwester wieder erhoben gehabt, jedoch sah ihr Stand alles andere als stabil aus. Diese ganze Situation überforderte Mammon massiv!
Doch anstatt auf seine Fragen zu antworten oder irgendwie auf seinen Vorschlag mit der Terrasse einzugehen, bemerkte sie nur, dass er hier war, obwohl es doch noch gar nicht so spät war. Irritiert über ihre Worte, sah Mammon sie an. Lilith hatte einen kompletten Themenwechsel vollzogen und anscheinend vergessen, das vorher in irgendeiner Weise anzukündigen.

Mammon war so perplex darüber, dass er ohne ein Wort zu sagen oder ohne sich auch nur zu bewegen, bis auf seinen Kopf, der ihr nachsah, Lilith an sich vorbei gehen ließ. Erst als Lilith von seinem Ankleidebereich über seinen Schlafbereich in den Wohnbereich gegangen war, befolgten endlich auch Mammons Beine wieder seine Befehle und er folgte nun auf gleichem Wege Lilith, bis er schließlich neben ihr stand und ebenso einen Blick runter in den Club warf. Lilith hatte Recht damit, dass es noch gar nicht so spät war und normalerweise wäre er ja auch noch da unten, wenn da nicht dieser Trottel gewesen wäre. Ja, genau deswegen war er ja hier, um sich ein neues Sakko zu holen. “Sagen wir so… so ein Tollpatsch dachte sich, dass sein Getränk super auf meinem teuren Sakko aussehen würde. Spoiler, tut es nicht!” Brummte Mammon. “Ich wollte mir eigentlich nur ein neues Sakko holen, aber…” Nun sah er zu Lilith und plötzlich fiel ihm auf, was sie hier eigentlich versuchte. “Hey!” Meinte er plötzlich empört. “Versuche gar nicht vom eigentlichen Thema abzulenken!” Ja, ihm war es aufgefallen, zwar spät, aber besser als nie. Mammon drehte sich nun komplett zu seiner Schwester herum. “Also Klartext! Was hast du vor?”


RE: Was bleibt - Lilith - 12.09.2026

Sie spürte seine Überforderung mit der Situation. Es war in seiner Haltung, der Art, wie er seine Worte wählte, wie er sie musterte und jede ihrer Bewegungen verfolgte. War das Sorge in seinem Blick? Ganz genau konnte Lilith es nicht sagen, es war zu lange her, dass er sich zuletzt um sie gesorgt hatte – Hunderte von Jahren definitiv. Aber heute Abend spürte sie es deutlich, den gesamten Abend schon, von der Heilung über ihr Gespräch danach… bis jetzt. Es war ein seltsames Gefühl – in dieser Position zu sein einerseits, angewiesen auf andere… auf Hilfe. Aber auch die Situation an sich… und dass sie nun auch Gefühle dazu hatte, wenn er seine Provokationen unterließ, weil es ihr offensichtlich nicht gut ging. Wenn er so vehement nachfragte, obwohl sie ihm Auswege aus dieser Unterhaltung bot.
Es drückte irgendwie auf ihren Brustkorb, dass es eine Bedeutung hatte. Aber aktuell passierte sonst einfach zu viel in ihrem Körper, als dass Lilith die Kapazität hätte aufbringen können, ihre Gefühle zu sortieren, selbst wenn sie gewollt hätte. Es war am besten, sie einfach zu ignorieren und zu warten, bis sie vorbei gingen – das hatte Mammon ihr ja auch neulich erst empfohlen.
Inzwischen war sie im Wohnbereich, nahe der Wandverglasung mit dem Blick ins Valen. Der Welt, die sich unaufhörlich weiterbewegte, selbst wenn sie kein Teil mehr davon war.
Obwohl Lilith nicht sonderlich schnell ging, dauerte es einen ganzen Moment, bis Mammon ihr gefolgt war – Unsicherheit in seinen Schritten, in jeder seiner Handlungen. Aber immerhin ging er direkt auf ihre Frage ein und erzählte, dass er sich hatte umziehen wollen, weil seinen Sakko befleckt worden war.
„Du hättest ihn… einfach ausziehen können“, gab sie neutral zurück. Gemessen an den Maßstäben des Clubs war die Nacht noch nicht so weit fortgeschritten, ja, aber es war auch nicht früh. Und ein hochwertiges Hemd, ein paar Knöpfe geöffnet, die Ärmel hochgeschoben – vermutlich hätte es sogar besser ausgesehen, und es war der Uhrzeit nicht unangemessen.
Aber entgegen ihres ersten Eindrucks ließ Mammon sich doch nicht in eine Unterhaltung über seine Garderobe ziehen, sie im Idealfall damit endete, dass er korrigierte, was er korrigieren wollte und dann zurück in den Club ging. Er bemerkte ihre Absicht, und Lilith musste unwillkürlich schmunzeln, als er sie so offensichtlich zur Rede stellte. Mammon war oftmals so ratlos in diesen subtilen Vorgängen, dass sie nicht anders konnte als eventuell ein klein wenig stolz zu sein, wenn er einen ihrer Tricks entlarvte – allerdings war sie derzeit natürlich auch weit entfernt von ihrer regulären Form.
Er fragte erneut, was sie vorhatte, und diesmal gab sie nach… auch wenn ihn das vermutlich ebenso wenig zufriedenstellen würde wie ihre vorherigen Antworten.
„Ich hab es… dir doch gesagt. Ich muss… raus“ Die Geschichte mit dem Mantel sparte sie sich zu erklären, Mammon war nicht dumm. Er würde schon selbst schlussfolgern können, dass sie mit den Zeichen weißer Magie in ihrem Körper draußen nicht hausieren gehen sollte.
„Und nicht… auf die Terrasse. Ich würde mir… selbst nicht trauen dort.“ Jede Minute mehr der kribbelnden Energie unter ihrer Haut, und sie würde vielleicht vom Dach springen. Einfach nur damit es endlich aufhörte.


RE: Was bleibt - Mammon - 13.09.2026

Er und sich um die Teufelstochter und die ehemalige Rechte Hand des Teufels sorgen? Schließlich war sie diesen Posten sicher los, so ohne Gnade, zu vielen Gefühlen und abgeschwächten Fähigkeiten, oder? Aber Fakt war, ja, Mammon sorgte sich um seine Schwester und vielleicht sogar viel mehr, als er sich selbst eingestehen würde. Natürlich würde der Teufelssohn auch nicht offen zugeben, würde Lilith ihn jetzt danach fragen. Man sorgte sich einfach nicht um den Anderen! Also gestand sich Mammon dieses Gefühl des Besorgtseins auch nicht ein. Das würde ein Zeichen von Schwäche bedeuten, sowohl für ihn als auch für Lilith selbst und keiner der beiden war schwach! Nunja… Lilith war gerade zwar deutlich geschwächt und bestimmt schwächer als er selbst, aber ihr Kern, ihr Charakter strotze normalerweise nur so von Stärke und Mammon wollte nicht wahrhaben, dass dies nun anders sein sollte. Das hier war nur eine Phase und sobald die geschafft sein würde, war doch Lilith sicher wieder die Alte, oder? Mammon hoffte es, denn momentan war er mit der ganzen Situation einfach nur überfordert und das sah man ihm auch an, ohne dass man ihn kannte. Hier in seinen geschützten vier Wänden war dies ja auch möglich. Draußen in der Öffentlichkeit hätte er diese Schwäche nicht gezeigt. Hier waren sie aber unter sich und da passierte es durchaus auch mal, dass da solch ein unkontrolliertes besorgtes Gesicht zu sehen war.

Lilith schaffte es sogar, Mammon von seinen eigentlichen Fragen abzulenken, zumindest fürs Erste. Vielleicht gelang es ihr aber auch, weil es viel vertrauter war als das Gerade und Mammon sich somit wieder in seiner Komfortzone befand. Als Lilith davon sprach, dass Mammon sein Sakko einfach hätte ausziehen können, bewegte sich sein Kopf ungläubig zu ihr. Ja, selbst eine Augenbraue ging nach oben. “Ausziehen?” Wiederholte er ihre Worte, ehe er mit einer Hand an seinen Körper von oben nach unten und von unten nach oben deutete und dazu noch sprach. “Die Leute kommen wegen dem Gesamtpaket und deswegen gehört zu diesem Anzug auch ein Sakko.” Also wirklich! Das wusste Lilith doch! Vielleicht war das aber auch genau der Grund, wieso Mammon bemerkte, dass Lilith ablenken wollte. Ja, er hatte es schlussendlich bemerkt und natürlich teilte er das sofort mit und war darüber empört, dass sie so ein Ablenkungsmanöver probiert hatte und es auch fast geschafft hätte. Doch Mammon war keineswegs dumm, auch wenn es vielleicht manchmal den Anschein hatte. So fragte er sie erneut direkt, was sie vorhatte. Aber Lilith? Diese sprach erneut davon, dass sie raus musste, fügte jedoch noch hinzu, dass damit nicht die Terrasse gemeint war, weil sie sich selbst nicht traute. “Ich dachte, dass wir das schon hinter uns haben.” Meinte er dann seufzend. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Lilith so etwas tun würde. Dafür standen sie einfach über solchen Dingen und Mammon war auch fest davon überzeugt, dass dies noch immer galt, auch wenn Lilith nun keine Gnade mehr besaß.

“Und dann? Eine Runde um den Club? Den Block?” Fragte er, jedoch war nichts Spöttisches in seiner Stimme. Es blieb dabei, er war einfach mitd er Gesamtsituation überfordert. “Glaubst du, dass dir es hilft?” Auch dies war nicht vorwurfsvoll gemeint, er fragte es aus echtem Interesse. Schließlich wollte er ihr nur zu gern helfen. “Haben die Tabletten, die ich dir gegeben habe, kein bisschen geholfen?” Wenn dem so war, dann würde er wohl mal mit dem Dealer ein teuflisches Gespräch führen müssen und es würde nicht sonderlich schön für den Dealer enden. Aber das brachte sie beide jetzt natürlich nicht weiter. Fakt war, Lilith ging es schlecht und Mammon wollte ihr helfen, fühlte sich aber eher hilflos.


RE: Was bleibt - Lilith - 20.09.2026

Im Grunde war es Lilith herzlich egal, was Mammon trug oder nicht trug, egal ob hier oben oder unten im Club. In der Regel war das aber eine sehr zuverlässige Methode, um ihn von einem Thema abzulenken – er konnte endlos und mit sehr großer Vorliebe ausufernd über sich selbst sprechen, oft auch so intensiv, dass er alles Vorhergehende vergaß.
Heute funktionierte das offenbar nicht – allerdings spielte sie auch mit einem unfairen Nachteil. Sie konnte sich kaum auf etwas anderes konzentrieren als die rasende Magie in ihrem Körper. Magie, für die sie so langsam alles geben würde, wenn sie sie nur loswerden könnte. Weiße und schwarze Engelsmagie konnte und sollte nicht in einer Entität koexistieren… es war einfach zu viel. Ihr Körper konnte nicht beides halten.
“Ich dachte, dass wir das schon hinter uns haben.”
„Die Selbstmordgedanken?“ Sie lachte leise, aber bitter auf. „Nein, ich kann dir versichern, die sind noch präsent. Aus anderen Gründen vielleicht inzwischen… aber was macht das schon für einen Unterschied.“
Entwaffnende Ehrlichkeit, darauf basierte die Kommunikation zwischen ihnen meist. So sehr sie sich auch mit Vorliebe gegenseitig ausspielten, Lilith hatte normalerweise keinerlei Gründe, wirklich ernste Themen vor Mammon zu verschleiern oder zu beschönigen.
Sie ertappte sich dabei, wie sie beide Hände wieder in den Saum des Mantels krallte. Es war schwierig, den Griff wieder zu lockern, also ging Lilith ein paar Schritte, weg von der Glasfront und wieder hinein in den Raum, wo sie sich mit beiden Händen an der Rückenlehne des Sofas abstütze. Kurz war sie verleitet, dem Drang nachzugeben, sich dort hinzusetzen… aber vermutlich würde sie ohnehin nicht sitzen bleiben können.
Also versuchte sie zumindest, sich halbwegs auf Mammon und seine Fragen zu konzentrieren. Fragen dazu, was sie vorhatte.
„Ja, vielleicht. Ich weiß es nicht“, gab sie ihm nüchtern zurück. Es war die simple Wahrheit, auch wenn sie weit weg von zufriedenstellend war, weder für sie, noch für ihn. Sie hatte keinen Plan, und wenn sie wüsste, was ihr helfen würde, dann würde sie sicherlich nicht hier stehen und mit Mammon diskutieren.
„Ich weiß es nicht“, wiederholte sie, auf die Frage, ob sie glaube das würde ihr helfen. Es klang redundant und sinnbefreit, all seine Fragen so zu beantworten, aber was sollte sie sonst tun? Immerhin fragte er anschließend nach den Tabletten, und die Antwort konnte Lilith ihm geben. Sie deutete mit einer ausladenden Handbewegung der Länge nach auf ihren – zugegebenermaßen eher gebrechlich anmutenden, aber durchaus aufrecht stehenden – Körper.
„Dosis für drei erwachsene Männer. Ich stehe noch.“


RE: Was bleibt - Mammon - 07.10.2026

Ja, normalerweise war es wirklich so einfach, Mammon von einem anderen Thema abzulenken. Über sich selbst sprechen, nun das tat er wirklich gern. Doch diesmal hatte es nur kurz funktioniert, dass Lilith ihn damit vom Wesentlichen abgelenkt bekam. Nicht, weil es sie nicht überzeugend getan hatte, sondern einfach zum einen, weil ihr Erscheinungsbild einfach zu sehr von ihrem eigentlichen abwich und weil die Sorge um seine Schwester einfach viel größer war als man meinen würde. So sehr er sich in der Vergangenheit durchaus gewisse Dinge manchmal gewünscht hätte, weil Lilith ihm wieder zu sehr auf die Nerven ging, so sehr wusste er aber auch, dass er ohne sie auch nicht sein wollte. Auch wenn der Teufelssohn es nie so offen sagen würde und es ihm selbst ja auch schwer viel sich dies einzugestehen… seine Schwester war ihm wichtig und er würde sehr viel tun, was in seiner Macht stand, um ihr zu helfen. So, wie er eben auch ihr jetzt nur zu gern helfen würde. Doch Mammon konnte es nicht und wie es schien, hatte Lilith selbst auch noch keine Idee, wie man es hinbekommen würde, dass es ihr besser ging. Was jedoch irgendwo nicht erschreckender war, war die Tatsache, dass ihre Selbstmordgedanken noch immer präsent waren. Ja, er hatte durchaus gedacht, dass sie das Thema hinter sich gelassen hätten, aber anscheinend hatte er sich dahingehend geirrt. “Dann kannst du deinen präsenten Selbstmordgedanken mal ausrichten, dass sie verschwinden können, denn meine Schwester ist viel zu stark und stolz für solche dämlichen Gedanken.” Worte, die sehr selten und durchaus schon lange her waren, dass sie aus dem Mund des Dunkelhaarigen kamen. “Und sag ihnen, wenn sie es auch nur versuchen, dich beeinflussen zu wollen, dass sie es dann mit mir zu tun bekommen.” Damit das gleich mal klar war und auch für Lilith deutlich sein würde, dass er versuchen würde, es zu verhindern. So einfach und auf solche Art und Weise wollte er ganz sicher nicht seine Schwester verlieren.

Doch, wie konnte er ihr sonst helfen? All seine Fragen beantwortete Lilith mit den Worten, die auch Mammon in den Sinn gekommen wären. Nämlich, dass sie keinerlei Ahnung hatten. Klasse! Dann waren sie im Grunde kein Schritt weiter, denn wie es schien war ihre Idee, die sie alle hatten, ja nicht gerade vielversprechend, wenn man Lilith so sah. Tja und der Höhepunkt war dann noch, dass selbst die Tabletten, die er seiner Schwester gegeben hatte, genauso wenig geholfen hatten. “Der kann was erwarten!” Sprach er scharf leise und für einen Moment ballten sich seine Hände zu Fäusten. Er selbst hatte sich, als Lilith sich von der Fensterfront entfernt hatte, es ihr gleich getan, jedoch waren es nur wenige Schritte, sodass er zwischen der Fensterfront und dem Sofa stehen geblieben war. “Ich werd Kisai losschicken, dass er noch stärkere oder gar magische Tabletten besorgt. Von mir aus soll er ruhig auch die Gefallen einfordern, die mir so manch einer schuldet.” Es gab definitiv noch stärkere Tabletten, da war sich Mammon sicher. Vielleicht mussten diese dann jedoch magischer Natur sein. Schließlich ging er nun auch zum Sofa und somit zu Lilith, jedoch drehte er sich so, dass er sich mit dem unteren Rücken dort anlehnen konnte. Seine Augen suchten ihr Gesicht und eine seiner Hände stützen sich ebenfalls auf die Rückenlehne des Sofas, welche dabei fast ihre eine Hand berührte. “Wir finden einen Weg, dass es dir bald besser geht.” Ja, daran glaubte er wirklich.