![]() |
|
old grudges & nine lives - Druckversion +- Slayertime (https://slayertime.de) +-- Forum: Los Angeles (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=103) +--- Forum: Los Angeles (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=104) +---- Forum: Bars, Clubs & Restaurants (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=105) +----- Forum: Valen & Vice (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=202) +----- Thema: old grudges & nine lives (/showthread.php?tid=2297) |
RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 06.10.2026 Nachdem Lexington schwieg, saß auch Syrena eine Weile da und ließ ihre Gedanken endlich etwas länger zu. Ihr Auftrag für Wolfram & Hart hatte lediglich darin bestanden, Ashcroft zu beobachten. Jetzt saß sie angeschossen im Loft eines verhassten Mannes und plante die Zukunft eines Mädchens, das sich an sie klammerte, als gehörten sie zusammen. Wie sollte sie Maisies Eltern begegnen, falls diese tatsächlich nichts von der Bedrohung wussten? Würden sie ihr glauben, Maisie sofort zurückfordern? Und falls sie selbst am Handel beteiligt waren, würde Syrena sicher kein freundliches Gespräch führen, doch wie sehr würde es ihr dann gelingen, sich zurückzunehmen? Ihnen nicht das Genick zu brechen? Dazu kam Dhakiya. Sie verlangte ihrer Mentorin nicht bloß Unterkunft ab, sondern Verantwortung für ein verfolgtes Kind und die Förderung ihrer Magie. Stimmte Dhakiya zu, würde Syrena tief in ihrer Schuld stehen. Was bot man einer Frau an, die sich selbst nehmen konnte, was sie benötigte? Geld? Einen Gefallen, dessen Gegenleistung sie noch nicht einmal kannte? Und wie lange? Wochen, Monate, für immer? Vor allem ärgerte Syrena, wie persönlich ihr das längst geworden war. Maisies Umarmungen, ihre Hand, dieses vorbehaltlose Vertrauen – viel zu viel Nähe für jemanden, der andere gewöhnlich sorgfältig auf Abstand hielt. Maureen hätte wenig Verständnis dafür aufgebracht. Syrena hatte gelernt, sich Menschen vom Leib zu halten, bevor sie ihr eine emotionale Schwäche nachweisen konnten. Bei diesem Mädchen war ihr das gründlich misslungen. Der Auftrag und ihre eigene Entscheidung, Maisie zu helfen, ließen sich nicht mehr trennen. Antares' unvermitteltes „Scheiße“ unterbrach sie. Die Hexe beobachtete, wie er zur Bar schlurfte, eine Hand hob und schließlich doch einen Schlüssel benutzen musste. Er holte einen bläulichgrünen Trank und zwei Gläser hervor, füllte jedoch nur seines. „Soll das ein Angebot sein oder eine ausgesprochen subtile Vergiftungsdrohung?“ Syrena musterte den Inhalt, schenkte sich kurzerhand selbst ein und stellte das Glas vorerst unberührt neben sich. Bei Lexington war Vorsicht angebracht. Seine nächste Tirade ließ ihren Ärger aufflammen. Verblendet, eingebildet, Miststück – und schon wieder ihre Undankbarkeit! „Lexington, wenn du dieses verdammte Dankeschön unbedingt brauchst, solltest du dir jemanden suchen, der bereit ist, es dir zu geben. Ich habe keine Lust, diese Diskussion ein viertes Mal zu führen!“ Herrgott, sie hatte ihren Standpunkt oft genug erklärt. Für eine weitere Runde fehlten ihr Geduld und auch Kraft. Dass er wegen Maisie hier war, ließ sich nach seinem Eingreifen in der Gasse und dem Münzzauber kaum bestreiten. „Ich habe auch nie behauptet, dass dir Maisie gleichgültig wäre.“ Ein Heiliger wurde er deshalb noch lange nicht und erst recht niemand, der sich moralisch über sie stellen durfte. Seine Frage nach Dhakiya verdiente eine richtige Antwort. Die Hexe schätzte, je aufrichtiger sie sich ihm gegenüber verhielt, desto weniger Steine würde er ihr dabei in den Weg legen. Und letztlich kam es der Kleinen schließlich zugute. „Meine Mutter hat Dhakiya damals als Lehrerin für mich engagiert“, fuhr sie daher fort. Dhakiya Magoro genoss als Voodoo-Priesterin unter Louisianas Hexen einen beinahe legendären Ruf und Maureen war es um Syrenas Ausbildung, nicht um eine Bezugsperson gegangen. „Sie verlangte Disziplin. Wenn ein Zauber nicht funktionierte, ließ sie mich herausfinden, weshalb, statt einfach immer mehr Kraft daraufzuwerfen.“ Sie ließ Syrena Übungen wegen kleinster Fehler wiederholen, nahm aber auch Fragen nach dunklerer Magie ernst, lehrte sie, diese zu nutzen, und bewahrte Syrena davor, selbst von schwarzer Magie beherrscht zu werden. Etwas, auf das ihre Mutter nie geachtet hatte. Durch Dhakiya hatte Syrena unter anderem ihre Faszination für Nekromantie entwickelt. Und anders als Maureen verlangte Dhakiya nicht nur Ergebnisse, sondern Verständnis. Sie hatte Syrenas Begabung weder gefürchtet noch verhätschelt, und selbst ihre schärfsten Zurechtweisungen waren nachvollziehbar gewesen. „Wir haben noch Kontakt, wenn auch nur noch sporadisch, aber wir stehen uns nach wie vor nahe.“ Einen Augenblick unterbrach sie sich selbst um ihre Worte wohlüberlegt zurecht zu legen. „Dhakiya ist keine Heilige, Lexington. Falls du eine gutherzige Ersatzgroßmutter suchst, muss ich dich enttäuschen. Aber sie weiß, was sie tut. Und sie ist niemand, der sich von einem Mann wie Ashcroft einschüchtern lässt.“ Dhakiya arbeitete immerhin weder für Wolfram & Hart noch für Ashcroft, sondern für sich selbst. Und auch ihre emotionale Nähe zu Syrena bedeutete nicht, dass man über sie verfügen durfte. Maisies Einfluss konnte auch Dhakiyas Magie dämpfen; wie stark dieser Einfluss ausfallen würde, konnte die Hexe nicht abschätzen, doch da Dhakiya noch mächtiger war als sie, vermutete Syrena, dass Dhakiya in Maisies Anwesenheit mehr magische Kraft zur Verfügung stehen würde. „Du gehst ständig davon aus, dass Schutz nur aus Zaubern besteht. Dhakiya hat Erfahrung, Verstand und ein Leben außerhalb von Ashcrofts unmittelbarem Umfeld. Das ist fürs Erste erheblich mehr, als wir diesem Mädchen hier bieten können. Außerdem hat sie sich dort ein Netzwerk aufgebaut, von dem ich durchaus schätze, dass es größer ist als das von Ashcroft.“ Kontakte waren schließlich oft alles, gerade wenn Magie versagte. Wie viele davon heute tatsächlich verfügbar waren und welche Vorkehrungen möglich wären, musste Dhakiya selbst beurteilen. „Natürlich kann ich dir nicht versprechen, dass dort überhaupt nichts passieren wird. Das kann niemand.“ Als er wieder davon ausging, dass Maisie ihre Eltern verlieren würde, verfinsterte sich ihre Miene. Erfahrung ersetzte keine Beweise. „Du hast eine Vermutung, Lexington. Keine Beweise.“ Vielleicht waren die Eltern beteiligt, vielleicht wurden sie bedroht und waren feige untergetaucht. Beides war möglich. „Und solange wir nicht wissen, was mit ihren Eltern passiert ist, werde ich Maisie ganz sicher nicht erklären, dass sie sie niemals wiedersieht.“ Bei seiner Forderung nach einem Vorgehen ohne krumme Geschäfte schnaubte sie. Ausgerechnet er! „Was genau fällt bei dir eigentlich unter ‚krumme Dinger‘? Dealereien und gefälschte Ausweise scheinen ja offenbar noch in Ordnung zu sein.“ Sie lächelte bissig, wurde dann jedoch wieder ernst. Syrena wusste durchaus, auf welch fragwürdigem Boden sie sich selbst bewegte. Der Unterschied bestand allerdings darin, dass sie aus ihren Geschäften kein Geheimnis machte und schon gar nicht versuchte, daraus eine moralische Überlegenheit abzuleiten. Was Maisie betraf, sollte Lexington sich dennoch eines klarmachen. „Ich habe nicht vor, Maisie an irgendwen zu verkaufen, für einen Auftrag einzusetzen oder sie bei Wolfram & Hart abzuliefern, falls du darauf hinauswillst.“ Seine moralische Absolution brauchte sie nicht, ganz besonders nicht von ihm. Mit seiner Abrissbirne erwischte er allerdings einen empfindlichen Punkt. „Ich habe sehr wohl bemerkt, wie sie mich ansieht! Nur weil ich sie nicht bei jeder Gelegenheit in den Arm nehme und ihr irgendwelche rührseligen Geschichten erzähle, heißt das nicht, dass ich blind bin!“ Er hielt ihr ausgerechnet das vor, womit sie seit Maisies erster Umarmung kämpfte. Maureen hatte ihr beigebracht, Gefühle zu kontrollieren und Schwäche zu verstecken, nicht mit kindlicher Zuneigung umzugehen. Maisies vorbehaltlose Nähe überforderte sie, ja. Sie wusste oft nicht einmal, wohin mit ihren Händen, wenn das Mädchen sie unvermittelt umarmte. Und jetzt sollte ausgerechnet Lexington entscheiden dürfen, was diese Unsicherheit über ihre Gefühle aussagte? „Man kann sich übrigens auch um jemanden kümmern, ohne ihm ständig über den Kopf zu streicheln.“ Widerwillig erkannte sie trotzdem, wie selbstverständlich Antares Maisie tröstete. Er musste dafür offenbar keine inneren Widerstände überwinden, sie wusste nur noch nicht, ob sie ihn dafür bemitleiden oder beneiden sollte. „Wie großzügig von dir, mir die organisatorische Arbeit zu überlassen, während du dich zum alleinigen Experten für Kinderseelen ernennst.“ Trotzdem verstand sie, was er eigentlich wollte. Maisie musste erfahren, was auf sie zukam, ohne dass man sie belog oder mit ungesicherten Behauptungen ängstigte. Bei manchen Fragen war Antares vermutlich der bessere Ansprechpartner. „Du kannst selbstverständlich mit ihr reden. Aber wir werden uns vorher darüber einig, was wir ihr überhaupt sagen können.“ Ob sich Antares dann auch morgen noch daranhalten würde, während sie morgen, an einem eigentlich völlig regulären Arbeitstag bei Damon ihren Bericht zu ihrer Observation abgab? Bei dem Gedanken wurde ihr leicht flau im Magen. Fast schon gedankenverloren begann die Hexe über ihren Rock zu reiben um die kleinen Schmutzflecken zumindest etwas zu beseitigen. Der Taxifahrer würde nachher denken, sie sei hier aus irgendeinem miefigen Loch entsprungen. Abgesehen natürlich von den zwei Schusswunden und ihrer zerfetzten Jacke… machte das jetzt noch einen Unterschied? Doch alte Impulse konnte man einfach so schlecht ablegen. „In einem Punkt hast du recht. Viel Zeit haben wir nicht.“ Anders als bei ihren vorigen Worten lag diesmal kein Spott in ihrer Stimme, wenngleich ihr dieses Zugeständnis bereits schmerzte. Morgen mussten sie handeln, auch wenn weder Dhakiyas Zusage noch Reisedokumente garantiert waren. Abwarten war keine Lösung. Syrena fuhr sich über die Stirn; der verletzte Arm schmerzte immer noch. Auf seinen letzten Satz erwiderte sie zunächst nichts. Stattdessen griff Syrena nach dem Glas und betrachtete die eigenartige Farbe, bevor sie vorsichtig kostete. Dunkle Beeren, herber Rotwein, Rauch und eine angenehme Würze. Der Geschmack passte auf ärgerlich präzise Weise zu ihren Vorlieben. Misstrauisch sah sie über den Glasrand zu Lexington, bevor sie das Glas wieder auf dem Tisch abstellte. Seine Worte über Maisie ließen sich damit allerdings nicht abschütteln. Vielleicht würde Maisie sie beide eines Tages für den Verlust ihrer vertrauten Welt verantwortlich machen. Syrena sah zur Schlafzimmertür. „Vielleicht wird sie uns irgendwann dafür hassen.“ Es war eine ausgesprochen bittere Ironie, dass ausgerechnet Syrena bereit war, den Hass eines anderen Menschen auf sich zu nehmen, wenn sie ihn dadurch vor einer größeren Gefahr bewahren konnte. Denn damit folgte sie unwissentlich demselben Grundsatz, nach dem Antares einst gehandelt hatte. Lieber von Amy verachtet werden, als sie einer Bedrohung auszusetzen, vor der er sie anders nicht zu schützen gewusst hatte. Doch Syrena kannte nur den vermeintlichen Verrat und das Leid, das er ihrer Cousine zugefügt hatte. Dass hinter seinem Verhalten etwas anderes als Rücksichtslosigkeit stecken könnte, kam ihr nicht einmal in den Sinn. Und vermutlich hätte sie jeden für verrückt erklärt, der eine solche Möglichkeit auch nur angedeutet hätte. Sie sah wieder zu Antares. „Aber wenn die Alternative darin besteht, dass Ashcroft sie in die Finger bekommt, kann ich damit leben.“ RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 06.10.2026 Die schnippische Frage, ob Antares versuchen wollte, Syrena zu vergiften, überging der Hexer geflissentlich. Es gäbe weitaus subtilere Wege, da würde er ihr nicht einen seiner mühevoll gebrauten Tränke anbieten. Da hätte es auch ein Glas Leitungswasser getan. Einer von ihnen Beiden musste zwischendurch allerdings mal der Erwachsene sein. Erschreckend, dass die Wahl auf ihn fiel. Außer keifen und ihren Standpunkt klarmachen, kam von der jüngeren Hexe aber leider nichts. Sie verstand es wirklich nicht, oder wollte es nicht verstehen. Antares brauchte von ihr keine Dankbarkeit. Es ging rein um die Tatsache, dass sie nicht in der Lage war, Hilfe anzunehmen. Aber er hörte auf, ihr das gegen die Stirn zu klatschen. Da konnte er auch versuchen, einen wild gewordenen Stier mit den bloßen Händen wieder abbremsen zu wollen. Das war genau so ein Ding der Unmöglichkeit. Diese Eigenschaft war ein Teil von Syrenas hässlichem Charakter. Sie bestimmte über andere, hielt sich für so viel besser und nur ihre Entscheidungen waren die Richtigen. Sie durfte einen Fluch aussprechen, wenn er sie aber anfasste, sprach sie eine Morddrohung gegen ihn aus. Was das betraf, war Syrena zwar hübsch anzusehen, doch ihr Inneres war einfach nur hässlich. Wenigstens erkannte sie an, dass er wegen der schlafenden Zwölfjährigen hier war und es ehrlich mit ihr meinte. Er macht sich wegen dem Mädchen gerade so viele Gedanken, wie schon sehr lange nicht mehr wegen irgendetwas. Aber Maisie war auch nicht irgendwer. Sie war nun die Schutzbefohlene von ihnen beiden. Und so war seine Frage bezüglich der Person zu der sie das Mädchen schicken wollten, auch von ehrlichem Interesse. Als Syrena ihm darauf antwortete, verwunderte ihn das ernsthaft. Er hatte wieder mit einer schnippischen, selbstgefälligen Antwort gerechnet, dass sie das schließlich alles besser wusste und er sich nicht einmischen brauchte. Doch was sie berichtete, klang zumindest ehrlich. Er hatte keine Beweisen und konnte nicht nachprüfen, ob sie ihm nun die Story vom Pferd erzählte, oder ausnahmsweise mal ehrlich blieb. Der Teil in ihm, der sich allerdings noch nicht gänzlich dem Sarkasmus verschrieben hatte und ein winziges Überbleibsel des Antares war, der an Amys Seite lachen und lieben konnte, wollte glauben, was er hörte. Wenn es die Mentorin von Syrena war, handelte es sich um eine fähige Person. Denn trotz all ihrer Unterschiede und vollkommen konträren Meinungen, erkannte Antares sehr wohl an, einer ansonsten sehr mächtigen Hexe gegenüber zu sitzen. Diese Frau hatte zwar keine Skrupel und musste im Duden nachschlagen wie man Mitgefühl schreibt, doch ihre Macht war sehr beeindruckend. Ihre Einwände, Maisie betreffend und ihr Unwissen darüber, waren leider berechtigt. Selten hatte die Brünette daher in dem Wohnungseigentümer einen so aufmerksamen Zuhörer wie bei dem Part, als sie über die Frau in Südamerika berichtete. Selbst als ausgerechnet Syrena davon anfing ihn zu tadeln, dass man nicht alles mit Magie lösen konnte, atmete der Dunkelhaarige nur einmal tief durch. Sie nörgelte die ganze Zeit herum, dass Maisie hier nicht sicher war, weil sie beide nicht ausreichend zaubern konnten aber nun war es ja sein falsches Denken, Magie über alles zu stellen. Irgendwann, so ein kurzer Seitengedanke, nahm er Syrenas Gebrabbel auf, damit er es ihr um die Ohren hauen konnte und sie mal erkannte, wie sie sich praktisch mit jedem Satz selbst widersprach. Aber das würde voraussetzen, dass sie sich widersahen und das geschah nicht. Also blieb dieses Unterfangen nur ein Plan hinter seiner Stirn. "Ich will keine Großmutter." Alte Frauen konnten sich nicht verteidigen, wäre noch ein Zusatz-Satz gewesen, den sein eigentliches Ich gerne anbrachte. Nicht aber bei dieser Gesprächspartnerin. Diese verstand auch keinen Spaß, wenn man ihn ihr ins Gesicht klatschte. Daher verkniff er sich das und blieb bei den Fakten. Diese alleine waren am Ende ja auch wichtig. Er dachte über das nach, was er gehört hatte. Die Frage nach dem Warum schlich sich sein. Warum sollte diese Mentorin dies tun wenn der Kontakt nur sporadisch war? Aber vielleicht war diese Verbindung etwas anderes. Antares selbst hatte als Drillsergeant nur seine Großmutter gehabt. Erschreckenderweise hatten, sie diesbezüglich sogar eine Gemeinsamkeit in der Vergangenheit. Ihm hing heute noch der Spruch nach, dass ein Salem-Hexer für sich selbst nur das Beste aussuchte und sich über alle anderen definierte. Die Zaubersprüche wurden auswendig gelernt, seine Fähigkeiten bereits in der Früh beim Frühstück trainiert. Ob er wollte oder nicht, musste er hinter die Fassade seiner Großmutter blicken, hinter der sie ein bestimmtes Gefühl für ihn verborgen hielt. Seinen Vater galt es stolz zu machen, ob nun in der Schule oder mit seinem magischen Erbe. Nur das zählte. Zuneigung und Liebe suchte man vergebens. Diese Nebenprodukte gewöhnlicher Menschen, lenkten nur ab. Traurigkeit oder Tränen wurden verboten. Ein Salem-Hexer definierte sich über alle. Alleine, wenn er an den Satz dachte, könnte Antares schreien. Denn genau diese Einstellung war an allem schuld. Sicherlich hatte er viel davon mitgenommen. Seinen Ehrgeiz und sein Können darin, sich bestmöglich zu präsentieren. Aber auch, sein wahres Ich hinter einer Maske zu verbergen. Dafür hätte es Syrenas Fluch gar nicht benötigt. Die erste und einzige Person, bei er er wirklich mal 'Mensch' sein konnte, die ihn nicht nach seinem Können bewertete, die irgendwelche lustigen Dinge tat und darüber lachen konnte als wäre dies das normalste der Welt, war Amy. Sie zeigte ihm, was Liebe war. Zuneigung, Vertrauen und einfach das Gefühl so sein zu dürfen, wie man sich gerade fühlte. Spontan irgendwo hin zu gehen, was gar nicht geplant war. Die Schuhe auszuziehen und am Morgen über das noch taufeuchte Gras des Parks spazieren. Sich bei bei einem Sturm auf den Balkon stellen und mit voller Kraft gegen den Wind anschreien. All das waren Ideen, die Amy hatte. Einfach so. Und er ließ sich von ihr mitreißen. Denn ja, er stand auch bis auf die Unterwäsche durchnässt auf diesem Balkon und schrie irgendwelchen Unsinn gegen den Sturm. So lange, bis sie beide kein Wort mehr herausbrachten. Da war keine Coolness, kein Bild, welches er nach außen hin wahren musste. Er war schlichtweg der verliebte Kerl an Amys Seite. Und sie war sein ganzer Lebensinhalt. Schnell konzentrierte Antares sich wieder auf das, was Syrena ihm über ihre Mentorin erzählte. Warum er heute Abend gedanklich immer wieder zu Amy abdriftete, konnte sich der Hexer nicht erklären. Lag es daran, weil diejenige, die den Fluch über ihn sprach, wieder in sein Leben getreten war? Oder weil Amy sich Maisie ohne nachzudenken angenommen hätte? Antares fand dafür keine Erklärung. Und daher war es wichtiger, sich auf das zu konzentrieren, auf was er zumindest einen kleinen Einfluss haben konnte. "Mir ist nur wichtig, dass Maisie in Sicherheit ist. Und so wie du diese Dhakiya beschrieben hast, ist sie das Beste was wir im Moment gegen Ashcrofts Einfluss aufzufahren haben." Es hätte jetzt noch der Zusatz angefügt werden müssen, sie sollte nur nicht eine zweite Syrena aus ihr machen, aber Maisie war keine Hexe. Sie hatte nur besondere Fähigkeiten. Und auch wenn es sich nicht nett anhörte, doch auch diese mussten beherrscht werden. Die Kleine musste lernen, damit umgehen zu können, damit sie eben mal nicht aus Versehen irgend eine Gabe übernahm und damit eine Apokalypse herauf beschwor. Oder für den Rest ihres Lebens auf der Flucht war, weil sie von sämtlichen Bundesbehörden gesucht wurde. "Wenn du deiner Mentorin vertraust, für Maisie da zu sein, reicht mir das." So, mehr Zuspruch bekam sie nun wirklich nicht von ihm. "Ich will von dir auch kein Versprechen, welches du nicht halten kannst. Niemand ist absolut sicher. Das ist Maisie hier aber auch nicht. Noch weniger als so weit entfernt. In Südamerika muss Ashcroft Ressourcen aufbringen, auf die er hier schon zurückgreifen könnte. Das dauert. Selbst ein so einflussreicher Mann wie er, erstellt keine Armee über Nacht. Und wenn deine Mentorin so viel Einfluss bereits vorweisen kann, ist sie vorbereitet und kann entsprechend handeln." So der Plan. Es war alles nur ein Plan. Keine Gewissheit. Und doch das einzige was sie momentan tun konnten. Maisies Zukunft von seinem Sofa aus entscheiden. Wie gut, dass Syrena hier diejenige war, die immer noch wusste, wie man ein ernstes Thema mit divenhaften Allüren würzen konnte. Denn natürlich gefiel es ihr wieder nicht, dass er die Eltern unter Generalverdacht stellte und als nächstes wollte sie von ihm wissen, was sie nicht tun sollte. "Mich mit einem Müllcontainer erschlagen und mit Maisie abhauen." War das bildlich genug für die Hexe? Bei ihrer nächsten Ausführung, sah er ihr in die Augen. Aus dem einzigen Grund, weil er wissen wollte, wie ehrlich sie das meinte. Er mochte gerade nicht über die vollumfänglichen Fähigkeiten verfügen, auf die er sonst zurückgreifen konnte, aber er wollte, dass sie ihm ins Gesicht sah und ihn anlügen musste, wenn dem so sei. Aber dem war nicht so. Woher er das wusste? Antares konnte es nicht bezeichnen. Nicht mit dem Finger darauf deuten und noch weniger erklären. Aber er glaubte Syrena. "Gut." Hörte sie daraufhin nur von ihm. Mehr gab es dazu also nicht mehr zu klären. Der Hexer nippte nochmal von seinem Getränk als sich seine Gegenüber erneut darüber ausließ, wie falsch er doch angeblich mit allem lag und wieder ausreichend viele Worte fand, sich und ihr Verhalten zu erklären. Sie machte nichts falsch und bla, bla, bla. Antares hörte gar nicht mehr richtig zu. Er musste wirklich aufhören, zu versuchen, ihr den Spiegel vorzuhalten. Sie zerschmetterte diesen jedes Mal in tausend Stücke und erwartete, dass er sich an den Scherben schnitt. Nein, da beließ er sie lieber in ihrer Syrena-Galaxie und konnte das tun, von dem er überzeugt war, es handelte sich um die richtige Herangehensweise. Und natürlich sollte er dem Mädchen ja nichts erzählen, was er nicht vorher von Syrena schriftlich und am besten noch von einem Notar abgesegnet vorgelegt bekam. Im groben Grundsatz hatte sie Recht, wie er eingestehen musste. Daher schwieg er auch und brach nicht wieder eine Grundsatzdiskusion vom Zaum. So viel wie nötig aber so wenig wie möglich sagen. Damit konnte auch er arbeiten. Allerdings entwickelte das angefangene Thema eine schreckliche Eigendynamik. Ihm war klar, er hatte dies zur Sprache gebracht. Aber warum? Was war nur los? Klar, er war müde aber warum kam ihm gerade dieser Aspekt jetzt in den Sinn? Maisie könnte sie beide dafür verantwortlich machen, was geschah. Nicht Ashcrofts Häscher oder die Machenschaften in die sie verstrickt worden wäre. Davon bekam sie nichts mit und sie würde sich einreden, das alles doch gar nicht so schlimm gekommen wäre, wie sie beide behaupteten. Und dann blieben nur sie beide. Syrena aber erwähnte etwas, dass Antares mehr wehtat, als hätte sie ihm einen Dolch ins Herz gerammt. Maisie konnte wütend auf sie beide sein, solange sie am Ende in Sicherheit war. Mit etwas mehr Schwung als notwendig, stellte er das Glas auf den Tisch zurück und stand ruckartig auf. Er wandte sich von der noch Sitzenden ab und dreht sich zu der Glasfront, an der noch immer die Jalousien heruntergelassen waren. Durch die dünnen Lamellen hindurch, sah er auf den Hafen hinaus. Es war besser, sich nun auf etwas banales zu konzentrieren, denn vor der Hexe die Nerven zu verlieren, war das Letzte was er wollte. Er atmete möglichst geräuschlos tief durch und schloss die Augen. Maisie war nicht Amy. Niemand würde jemals Amy ersetzen können. Und es war auch nicht die Tatsache, dass die Zwölfjährige ihn hassen könnte für das, was sie hier mit ihr vorhatten. Es würde wehtun, klar. Aber genau wie Syrena es beschrieb, war dies ein notwendiges Übel. Damit kam er klar. Aber es war der beinahe wortgenaue Hinweis auf Amy, welche die Hexe verwendete. Wusste sie es? War dies ihre finale Bosheit ihm gegenüber? Zuzutrauen war es ihr. Aber hätte sie sich mit solchen banalen Nebenbenennungen zufrieden gegeben? Syrena konnte seine wahren Beweggründe nicht wissen, warum er damals so gehandelt hatte. Antares hatte es nie jemandem verraten. Hier ging es nur um das Mädchen, welches er erst seit ein paar Stunden kannte. Aber sein eigentlicher Schmerz, der saß viel tiefer. Und vielleicht war es die Erschöpfung aber dieser eine Satz reichte aus um ihn beinahe auf die Bretter zu schicken. Sein Herz schlug schneller und er kämpfte die Emotionen nieder, die ihn zu überwältigen drohten. "Alles was für Maisies Sicherheit dient, ist akzeptabel." Ließ er sie nach einigen Momenten dann wissen. Fest und fernab allem, was ihn soeben überkommen hatte. Genau so redete er sich sein Vorhaben damals bei Amy auch ein. Alles für ihre Sicherheit. Weil er sie liebte... Es bedurfte noch einiger tiefer Atemzüge, bevor er die Augen wieder öffnen konnte und den Blick in die Nacht hinaus schweifen ließ. Noch immer wandte er sich nicht um, damit er sich durch nichts verraten konnte. "Die Eltern zu befragen muss hintenanstehen." Kam es nun deutlich gefasster von ihm. "Egal wie sie in die Sache verwickelt sind, muss erst Maisie außer Landes geschafft werden. Hinterher eine Erklärung liefern, sollten sie eine verdienen, ist einfacher." War das jetzt etwas, auf das Syrena als Antwort wartet? Antares dachte nicht darüber nach. Es war sein Zutun, wieder gefasster an die Sachlage heran zu gehen. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 07.10.2026 Die Hexe stieß ein belustigtes, nasales Lachen aus, als Antares ihr erklärte, dass er keine Großmutter wolle. „Beruhigend. Dhakiya sucht nämlich auch keinen Enkel“, erwiderte Syrena auf Lexingtons Einwurf hin mit einem trockenen Blick. Es hatte sie überrascht, wie aufmerksam er ihr anschließend zugehört hatte. Sogar Voodoo und Nekromantie hatte er unkommentiert gelassen. Offenbar begriff er endlich, dass sie nicht irgendeine Bekannte um ein Gästezimmer bat. Dass er ihren Vorschlag nicht nur hinnahm, sondern Dhakiya inzwischen selbst für die beste verfügbare Möglichkeit hielt, nahm Syrena, zugegeben, mit einer gewissen Befriedigung zur Kenntnis. Eine Zusage aus São Paulo hatten sie deshalb trotzdem noch nicht. Seine Überlegungen zu Ashcrofts Einfluss in Südamerika waren dagegen vernünftig. Hier kannte Ashcroft seine Leute; dort musste er sie erst in Bewegung setzen. „Genau darum geht es.“ Syrena lehnte ihren Kopf langsam nach hinten an die Sessellehne. Sein Vorschlag, was sie unterlassen sollte, nämlich ihn mit einem Müllcontainer zu erschlagen und mit Maisie zu verschwinden, entlockte ihr lediglich ein süffisantes Lächeln, ohne dass sie ihren Kopf wieder hob. Zugegeben, es war immer noch ein verlockender Gedanke. Als sie ihm versicherte, Maisie weder zu verkaufen noch Wolfram & Hart zu übergeben, musterte er sie durchdringend. Was wollte er in ihrem Gesicht finden? Seine Stimme lieferte schließlich nur ein knappes „Gut.“ Als benötigte sie sein moralisches Gütesiegel! Wenigstens war das Thema damit erledigt. Auch über das geplante Gespräch mit Maisie stritt er nicht mehr. War er dafür inzwischen zu erschöpft, oder akzeptierte er ihre Forderung wirklich einfach so? Morgen musste sie zu Wolfram & Hart und ihren Bericht bei Damon abgeben, während Maisie hier bei Lexington blieb. Und dieser Kontrollverlust ärgerte sie, doch wenigstens musste sie heute keine Grundsatzdebatte mehr darüber führen. Als Antares sein Glas mit einem unverhältnismäßig heftigen Geräusch abstellte, zuckte Syrenas Blick zu ihm und nun hob sie ihren Kopf doch wieder. Angesichts seines Zustands erschien schon das Aufstehen gewagt. Stattdessen wandte er sich ab, ging zur Glasfront und betrachtete durch die geschlossenen Jalousien den Hafen. Die Hexe wandte sich ihm zu und bedachte zunächst sein Getränk mit skeptischem Blick. Was zum Teufel war denn jetzt los? Sie hatte weder eine Drohung ausgesprochen noch ihn beleidigt. Den möglichen Hass Maisies hatte er schließlich selbst angesprochen. Syrena hatte lediglich erklärt, damit leben zu können. Dass Lexington darauf reagierte, als hätte sie ihm gerade etwas höchst Persönliches vorgeworfen, ergab für Syrena keinen Sinn. Sein ruckartiges Aufstehen passte nicht zu einer gewöhnlichen Verärgerung; sogar seine Hast wirkte eigentümlich unkontrolliert… als würde er vor etwas flüchten. Noch eben hatte er ihr selbst die emotionalen Folgen ihrer Entscheidung vorgehalten. Nun entzog er sich ihrem Blick, kaum dass sie diese Folgen akzeptierte. Syrena beobachtete seinen Rücken und versuchte, die Ursache aus dem eben Gesagten herzuleiten. Wut sah bei ihm anders aus. Sonst hätte er längst einen gehässigen Spruch parat gehabt, doch diesmal kam nichts dergleichen. Er stand vor den Jalousien, hielt Abstand und schien alle Mühe darauf zu verwenden, sich wieder zu fassen. Hatte ihn ihre Antwort an eines jener Kinder erinnert, die er früher gerettet hatte? Oder eben nicht gerettet hatte? Vielleicht hatte eines dieser Kinder ihm später Vorwürfe gemacht. Womöglich kannte er das Gefühl, für eine Rettung statt Dankbarkeit Ablehnung zu ernten, und hatte sich nie damit abgefunden. Das wäre wenigstens eine Erklärung gewesen. Aber weshalb hätte ihn ihre Bemerkung dann so unvermittelt aus der Bahn geworfen? Oder steckte ein Erlebnis dahinter, von dem Syrena überhaupt nichts wusste? An Amy dachte Syrena ebenfalls, verwarf den Gedanken jedoch sofort. Was hatte sein Verrat an ihrer Cousine mit Maisies Sicherheit zu tun? Irritierend war vor allem, dass sie die Ursache nicht einmal annähernd eingrenzen konnte. Die Hexe kannte den Unterschied zwischen aufgesetztem Zorn und einem Gefühl, das einen Menschen unvorbereitet überfiel. Lexington gab sich normalerweise jede Mühe, ersteres zu zeigen und letzteres zu verbergen. Diesmal hatte sie den Wechsel beobachtet, ohne den Auslöser zu begreifen. Und statt Genugtuung empfand sie darüber eine äußerst lästige Neugier. Eine boshafte Nachfrage lag ihr durchaus auf der Zunge, doch sie behielt sie in diesem Moment für sich. Wenn er sie unbedingt mit Schweigen abstrafen wollte, sollte er doch. Ihre eigene Vergangenheit ging ihn schließlich genauso wenig etwas an. Doch dass sie diese Großzügigkeit überhaupt aufbrachte, ärgerte sie schon wieder. Als er schließlich erklärte, alles, was Maisies Sicherheit diene, sei akzeptabel, klang seine Stimme wieder fest. Doch er wandte sich weiterhin nicht zu ihr um. Syrena nahm die Worte zur Kenntnis, ohne ihren Tonfall zu kommentieren. Offenbar hatte er Mühe gebraucht, seine Fassung zurückzugewinnen. Erst sein Vorschlag, die Suche nach Maisies Eltern zurückzustellen, brachte sie wieder zu einer Frage, die sich wenigstens sachlich beurteilen ließ. Ursprünglich hatte sie zuerst nach den Eltern suchen wollen. Doch Ashcroft würde nicht warten, bis sie alle Antworten hatten. Sie sah noch einmal zur geschlossenen Schlafzimmertür, ehe sie antwortete. „Ja. Ihre Sicherheit geht vor. Die Suche nach ihren Eltern darf uns nicht unnötig aufhalten. Aber bevor wir sie außer Landes bringen, werden wir Maisie zumindest fragen, was sie selbst weiß.“ Damit änderte sie ihre Prioritäten, nicht ihr Urteil über die Eltern. Ein weiterer Punkt beschäftigte sie dabei. Sie planten bereits ihre Zukunft, ohne Maisie überhaupt gefragt zu haben. „Wir sollten Maisie morgen allerdings auch fragen, was sie selbst davon hält, ihre Heimat für eine Weile zu verlassen.“ Natürlich konnte eine Zwölfjährige nicht allein über diese Gefahr entscheiden. Doch ihre Antwort würde zeigen, was sie zurückließ und was sie am meisten beschäftigte. Möglicherweise irrten sie beide mit ihren Annahmen. Was Dhakiya anging, war Syrena weiterhin zuversichtlich. Ihre Mentorin würde nicht begeistert sein, unvermittelt in eine derart gefährliche Angelegenheit hineingezogen zu werden. Vielleicht würde Dhakiya Bedingungen stellen, aber selbst dann traute Syrena ihr zu, eine Lösung zu finden. Viele Kontakte zu haben war eben nicht dasselbe, wie jemandem zu vertrauen. Dhakiya würde sie gleich am nächsten Tag anrufen. „Wir kommen heute ohnehin nicht weiter. Morgen kümmern wir uns um den Rest.“ Syrena erhob sich trotz des Schwindels und nahm die Münze aus der Tasche. Magisch war sie harmlos, doch unversehrt würde sie das Ding nicht mitnehmen. Sie bündelte einen Rest roter, telekinetischer Energie. Selbst das fiel ihr unter Maisies dämpfendem Einfluss schwer. Metall knirschte und brach. Der Oberarm schmerzte, als mehrere Bruchstücke in ihre Hand fielen. Einige steckte sie ein, die anderen legte sie sorgfältig getrennt auf den Tisch. „Die entsorgst du. Möglichst nicht alle an derselben Stelle.“ Sie zupfte an der beschädigten Jacke und musterte missmutig ihren Rock. Das Taxi würde ein Vergnügen werden. Schließlich glitt ihr Blick zur Schlafzimmertür. Dort drinnen schlief Maisie, vermutlich ohne zu ahnen, wie viel sie morgen erwartete. Syrena wollte nicht, dass das Mädchen aufwachte und sich plötzlich von ihr verlassen glaubte. Sie sah zu Antares und brauchte einige Sekunden, um das auszusprechen, was ihr gerade ein inneres Bedürfnis war. „Und Lexington? Wehe du sagst ihr, ich sei einfach verschwunden, wenn sie morgen früh wach wird.“ Dass sie damit wieder automatisch eine Drohung formuliert hatte, merkte sie schon gar nicht mehr. Doch ihre Stimme passte nicht dazu, denn sie klang ungewöhnlich warm und versöhnlich. Reflexartig hob sich ihr linker Mundwinkel zu einem kaum angedeuteten, schiefen Lächeln. Dann drehte sie sich zur Tür, öffnete diese betont leise und schloss sie genauso hinter sich wieder. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 10.10.2026 Es war gut, dass die Jalousien heruntergelassen waren. So blieb ihm zwar der freie Blick, wegen dem er dieses Loft ehrlich gesagt auch gekauft hatte, größtenteils versperrt. Aber gleichzeitig konnte die Hexe hinter ihm auch sein Konterfrei nicht sehen. Durch den schmalen Spalt, welches zwischen den einzelnen Rippen noch frei blieb, glich es einem Puzzle, würde man sich wirklich die Arbeit machen. Und der Hexer bezweifelte, dass Syrena dies tat. Er selber aber hatte genügend damit zu tun, seine aufkommenden Gefühle vor eben jener zu verbergen. Die Arme hatte er vor der Brust verschränkt, um wenigstens einen kleinen Teil seiner Gesamtablehnung ihrer Person gegenüber aufrecht halten zu können. Und es half ihm gleichzeitig Stabilität zu wahren. Welche Faktoren nun dazu führten, konnte Antares nicht abschließend erklären. Er ärgerte sich selbst darüber, vor seiner Nemesis nicht die Kontrolle behalten zu können. Aber Amy war sein wunder Punkt. Und würde es vermutlich immer sein. Die schlafende Zwölfjährige in seinem Bett kam dem, was er mit dieser Hexe hatte, erschreckend nahe. Nicht was die Zuneigung betraf, diese konnte der Hexer immerhin zum Glück noch niederringen. Das hier war nicht seine Freundin, sondern nur ein Kind. Aber eines, das ihn auch nicht mehr gänzlich unberührt ließ. Sie beide schwangen sich dazu auf, über die Zukunft der Kleinen zu entscheiden. Beide in dem Glauben, das Beste für sie zu wollen. Und genau das hatte er schon einmal angenommen. Vielleicht war es diese erschreckende Ähnlichkeit zu diesem bestimmten Sachverhalt, was ihn nun überforderte. Da war es besser, er nahm den letzten Rest seiner Kraft, die er noch hatte, und benutzte sie dafür abzulenken und das Bild des Unnahbaren aufrecht zu halten. Die Suche nach den Eltern wurde hinten angestellt. Man konnte diese Individuen, das war das Freundlichste, was er im Moment für diese Leute finden konnte, immer noch im Nachhinein informieren. Sollte er sich wirklich geirrt haben und sie waren genauso Opfer dieses Unterfangens geworden, würde sich der Dunkelhaarige offiziell bei ihnen für etwas entschuldigen, von dem sie gar keine Ahnung hatten. Dann würde er sich dankbar vom Gegenteil überzeugen und ihnen bereitwillig zwei Tickets nach Südamerika bezahlen, damit sie dort mit ihrer Tochter wieder vereint werden konnten. Allerdings bezweifelt Antares, dass es zu so einer Szenerie kam. Dies jedoch behielt er für sich. Ihm fehlte die Kraft für eine erneute Streitrunde mit der Hexe hinter ihm. Es war schon erschreckend zustimmend von ihr, dass sie seinem Vorschlag nicht gleich wieder in seine Einzelteile zerlegte, sondern auf ihre Weise zustimmte. Der Einwand, man sollte Maisie erst fragen, was sie von all dem hielt, wäre beinahe mit einem belustigten Schnauben beantwortet worden. Jetzt fiel ihr das ein? Als alles im Grunde schon verplant war? Aber leider, es tat regelrecht weh, dies eingestehen zu müssen, gab Antares zu, man sollte dem Mädchen wenigstens eine Chance geben, alles zu verstehen. Aber was, wenn sie sich dagegen wehrte? Wenn sie hierbleiben wollte, bei ihren Rabeneltern? Würde Syrena sie dann auch gegen ihren Willen in den Flieger setzen? Fragen, die ihn beunruhigten, jedoch für heute Abend keine Antwort mehr finden würden. Genau wie es die Brünette nun anmerkte. Sie kamen nicht weiter. Er hörte, wie sie aufstand und veränderte dennoch nichts an seiner Haltung. Weiterhin blieb Antares mit dem Rücken zu ihr stehen und sah durch zwei der Lamellen nach draußen in den dunklen Hafen. Ein Kreuzfahrtschiff schien dort vor Anker zu liegen. So oft hatte er sich schon gedacht, wie es wohl wäre, eine Reise mitzumachen. Doch bisher hatte es sich nie ergeben und seit er verflucht wurde, hatte das Ganze, aufgrund dem vielen Wasser welches man um sich herum hatte, auch seinen Reiz verloren. Sein Fokus verlagerte sich etwas, als er in der Spiegelung der Glasscheibe die roten Magiefäden sehen konnte, mit denen Syrena die Münze zerstörte. Er hörte das Knacken und ihre anschließenden Worte, dass er den Müll wegräumen durfte. War er ihr Buttler oder was? Aber Antares schwieg. Er war zu müde, daher sah sie ihn nur einmal nicken, falls sie in seine Richtung sah. Dann war die Münze nun also wahrlich nicht mehr vorhanden. Ein befriedigendes Gefühl. Selbst wenn er auf den momentanen Zustand gerne verzichtet hätte. Aber es war das Opfer wert gewesen. Er dachte schon, alles war gesagt, als ein erneuter Befehl an ihn herangetragen wurde. Antares schluckte, denn dieses Mal fiel es ihm wirklich schwer, nichts darauf zu erwidern. Doch noch rechtzeitig fiel ihm auf, dass Syrena bei diesen Worten nicht die gleiche Schärfe verwendete, wie sie es den ganzen Abend über getan hatte. War es ihre Erschöpfung oder verfügte diese Hexe doch über ein schlagendes Herz? Auch diese Frage blieb unbeantwortet und als die Hexe das Loft verlassen hatte, schloss Antares erschöpft die Augen. |