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RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 17.09.2026 Eine ganze Weile kam von Antares hinter ihr nichts. Keine Spitze, kein trockenes Nachtreten, nicht einmal ein demonstratives Augenrollen, das sie zwar nicht sehen, aber beinahe hören konnte. Was war da los? Hatte das Katerchen etwa genug? Syrena hatte den kurzen Bruch in seinem Gesicht durchaus bemerkt und wusste, dass ihre Worte getroffen hatten. Das verschaffte ihr Genugtuung; sie hatte schließlich treffen wollen. Nur gefiel ihr weniger, womit. Ausgerechnet Amy stand dadurch wieder zwischen ihnen, obwohl sie längst nicht mehr da war – und erst recht nicht bei ihm! Wenn ihn die Wahrheit störte, hätte er sich damals anders verhalten sollen! Dass Antares’ Abscheu gegen das, was mit dem Mädchen geschehen sollte, keineswegs gespielt war, machte ihn nur lästiger. Jedes ehrliche Stück Menschlichkeit erschwerte es, ihn als vollständig charakterlosen Mistkerl anzusehen. Als Antares nach der Angst des Mädchens griff, spürte Syrena die Magie sofort. Ihr Blick wanderte langsam zu ihm. Ausgerechnet der Mann, der ihr eben noch erklärt hatte, wie beschissen es sich anfühlte, wenn jemand einem den eigenen Willen mit Magie aufzwang. „Der Zweck heiligt bei dir offenbar die Mittel“, murmelte sie so leise, dass das Mädchen den Bezug nicht verstehen konnte. Antares nahm ihrer Angst nur die schärfste Spitze; deshalb griff Syrena nicht ein. Wie beruhigend. Fremden Willen mit Magie zu beeinflussen war offenbar nur dann verwerflich, wenn Antares Lexington nicht derjenige war, der es tat. Bei seinem „Was die nette Dame damit sagen möchte…“ drehte Syrena sehr langsam den Kopf zu ihm. Wenn Blicke töten könnten, hätte er wohl eines seiner neun Leben unwiderruflich verloren. Und natürlich funktionierte sein Trick. Kaum pfuschte der Kater ein bisschen an der Angst eines Kindes herum, galt das plötzlich als soziale Kompetenz. Auf sein „Bitte, nach dir“ bekam er beim Vorbeigehen daher nur: „Bild dir nichts darauf ein. Du hast geschummelt.“ Kaum hatte Syrena die Wohnung betreten, stimmte etwas nicht. Antares’ Einfluss auf das Mädchen wurde schwächer, gleichzeitig flackerte die Resonanzmünze merklich in ihrer Tasche und wurde dunkler. Auch das alte Echo ihrer eigenen Magie an ihm wurde dünner. Instinktiv tastete Syrena nach ihrer Kraft. Ein roter Faden zuckte zwischen zwei Fingern auf und starb wieder. Das wurde ja immer besser. Ihr Blick glitt durch den Raum: Abgelebte Möbel, abblätternde Farbe, ein verdreckter Teppich, ein alter Pizzakarton auf dem Tisch. Syrena kannte Armut nicht aus ihrer Kindheit. Trotzdem stieß etwas an eine tiefe Stelle in ihrem Herzen, die sie ungern berührte: Räume, in denen Erwachsene ein Kind zu etwas gedrillt hatten, ohne Rücksicht darauf, was es brauchte, während sie ihm die Verantwortung dafür überließen, ihren Erwartungen zu entsprechen. Zuneigung, Stolz, Wärme und vor allem bedingungslose Liebe hatten daneben keinen Platz mehr gehabt. Bei ihr hatte es an nichts Materiellem gefehlt. An anderem dafür reichlich. Also verwandelte sie das unangenehme Stechen in ihrer Brust in Aufmerksamkeit und suchte mit den Augen nach Hinweisen darauf, ob hier jemand geplant gegangen oder plötzlich verschwunden war. Die Augen des Mädchens gingen zwischen ihnen hin und her und blieben immer wieder bei Syrena hängen. Warum ausgerechnet sie? Antares sah wenigstens nicht aus, als käme er gerade aus einer Schießerei. Dann brachte das Mädchen etwas Licht ins Dunkel. „Ich heiße Maisie Bell.“ Nicht mehr zwölf. Nicht mehr irgendeine Signatur. Und dann kam die nächste Antwort. „Meine Eltern sind bereits den zweiten Tag weg. Sie kommen aber bestimmt bald wieder.“ Zwei Tage waren schlimm genug, bewiesen aber nichts. Ashcroft beschäftigte bewaffnete Männer und Magier; den Eltern konnte genauso gut etwas zugestoßen sein. Syrena analysierte die Lage jedenfalls nüchterner als dieser offenbar völlig an einer Impulskontrollstörung leidende Kater. Dass Antares hörbar Luft einsog, störte sie noch nicht, allerdings das, was er danach einfach völlig kopflos raushaute. „Sie haben sie hier zurückgelassen, damit man sie abholt, wie Schlachtvieh.“ Die Hexe fuhr zu ihm herum und ihr entglitt – genauso impulsiv – ein messerscharfes „Shh!“. Syrenas Augen funkelten wütend und ein bisschen war auch wieder die übliche Abscheu in ihrem Blick zu erkennen, mit dem sie Antares nun bedachte. Sie musste sich verdammt zusammenreißen, um weiterhin in gedämpfter Stimme mit diesem Kater im Porzellanladen zu sprechen. „Wenn du ihre Angst gerade mühsam weggezaubert hast, wäre es vielleicht klug, sie nicht im nächsten Satz wieder zurückzuholen. Sonst war deine Magie wirklich für die Katz.“ Das letzte Wort kam mit einem merklich ironischen Unterton hervor. Doch danach wurde ihr Blick hart, es war schließlich wichtig, sich nun erst einmal auf die harten Fakten zu konzentrieren. Einer von ihnen musste das ja. „Das wissen wir nicht. Zwei Tage allein sind schlimm genug, aber wir wissen nicht, warum ihre Eltern fort sind. Es könnte ihnen genauso gut etwas passiert sein. Und vielleicht diskutieren wir deine charmanten Theorien nicht direkt vor ihr.“ Dann tat Syrena etwas, über das sie nicht nachdachte. Sie ging vor Maisie in die Hocke. Der Schmerz im rechten Oberschenkel schoss heiß nach oben und sie bereute es sogleich wieder; ihr Gesicht entgleiste kurz, doch sie blieb unten. Warum zur Hölle hockte sie jetzt eigentlich hier? Ihre Stimme blieb nüchtern, beinahe mechanisch. „Haben sie dir gesagt, wohin sie gehen? Haben sie sich seitdem gemeldet? Ist das schon einmal passiert?“ Maisie antwortete stockend, ihre Eltern hätten nur etwas erledigen wollen, sich seitdem nicht gemeldet und seien noch nie so lange fort gewesen. Währenddessen kam sie zögerlich näher. Syrena begriff erst, was geschah, als sich zwei schmale Arme vorsichtig um sie legten. Ihr ganzer Körper erstarrte. Die Hände blieben nutzlos in der Luft hängen, ihre Augen blinzelten irritiert. Zu nah! Zu weich! Zu viel Vertrauen! Das Mädchen redete weiter, doch Syrena bekam nur noch Bruchstücke mit. Dann hob Maisie auch noch unbeholfen eine Hand und wischte mit dem Ärmel über das Blut unter Syrenas Nase. Was zur Hölle tat sie da?! Für einen Herzschlag fehlte selbst Syrena eine bissige Antwort und ihre Reaktion war lediglich ein erneutes, beinahe hilfloses Blinzeln. Genau da verschwand die Magie vollständig. Die Münze erlosch und als Syrena erneut nach ihren roten Fäden griff, antwortete nichts. Vor allem aber war das Echo ihres Fluches an Antares fort. Nicht schwächer. Weg, vollkommen weg! Syrenas Blick hob sich über Maisies Schulter zu ihm. Das Mädchen unterdrückte Magie nicht bloß. In ihrer unmittelbaren Nähe schien deren Wirkung vollständig auszusetzen. Vielleicht ohne dass Maisie überhaupt wusste, was sie tat. Damit stand Syrena angeschossen in einer fremden Wohnung und hatte im Ernstfall kaum mehr zur Verfügung als Hände, Füße und schlechte Laune. Als Maisie sie wieder losließ, richtete sie sich auffällig zügig auf und brachte auch körperlich wieder Abstand zwischen sich und Maisie. Es gefiel ihr nicht, dass sie sich so völlig magielos in ihrer Gegenwart fühlte. Es war ein wirklich unangenehmes Gefühl von… Machtlosigkeit. Und auch die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Umarmung war ihr entschieden zu hoch. Ihr Blick fiel auf den Pizzakarton. „Hast du heute etwas gegessen?“ Großartig. Jetzt fragte sie Kinder auch noch nach ihrem Abendessen. Maisie schüttelte den Kopf. Die Pizza war tatsächlich von vorgestern! Zwei Tage, zwölf Jahre alt und kein Essen außer den Resten von vorgestern. Warum die Eltern fort waren, änderte daran nichts. Würde sie die Mutter sehen, wäre in ihren Augen eine harte Ohrfeige angebracht. Oder irgendein wunderbarer Fluch, bei dem sie den Eiter einer immer wieder neu aufplatzenden, richtig fetten Warze im Gesicht schmecken müsste. Ganz hatte sich die Hexe noch nicht entschieden. „Was machen wir mit ihr?“ Syrena sah Antares an, als hätte er gefragt, wo man einen gefundenen Koffer abgab. „Mit ihr? Sie ist ein Kind, kein verlorenes Gepäckstück.“ Hierlassen konnten sie Maisie ja trotzdem nicht. Ashcroft wusste von ihr, seine Leute suchten die Münze, und diese Wohnung war damit nicht sicher. Früher oder später konnten sie hier auftauchen. Ausgerechnet jetzt musste der Kater einmal praktisch verwendbar sein. Syrena trat näher zu Antares – natürlich nur so nah, wie es unbedingt nötig war – und senkte die Stimme. „Kennst du einen Ort, an dem Ashcroft sie nicht findet?“ Dann wandte sie sich wieder Maisie zu, blieb diesmal ganz bewusst aufrecht stehen und weiterhin auf Abstand von ihr. „Es gibt Leute, die nach dir suchen.“ Sie machte eine kurze Pause und überlegte, doch sie konnte einfach nicht kindgerecht sprechen. Sowas war albern! So wirkte es eher, als würde sie mit einem Mandanten reden, darin war sie geübt. Mit ihr hatte schließlich auch niemals jemand wie ein Kind gesprochen, als sie eins gewesen war. „Keine netten. Wir möchten verhindern, dass sie dich finden.“ Maisies Augen weiteten sich etwas. „Du kommst erst einmal an einen sicheren Ort, bis wir wissen, wo deine Eltern sind. Wir erklären dir unterwegs, was wir wissen.“ Dann sah Syrena wieder zu Antares. Ihre Magie war immer noch verstummt, die Münze ebenfalls, und ihr Fluch war in Maisies Nähe nicht einmal mehr zu spüren. „Also? Du wolltest unbedingt mitkommen. Sei nützlich.“ RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 18.09.2026 Obwohl man sich ja schon länger kannte, lernte Antares Syrena jetzt erst so richtig kennen. Und ihm war immer weniger begreiflich, was Amy an dieser Person für gut befunden hatte. Sicher, sie waren verwandt, doch das war kein Grund. Amy allerdings hatte so ein gutes Herz, dass sie selbst in der Hexe hier irgend etwas gutes sah. Und sei es nur die Art, wie sie die Nase über etwas rümpfen konnte. Er selber lernte die Person vor sich aber in der kurzen Zeit, in der sie nun zusammenarbeiten mussten, immer besser kennen. Und was er da sah, gefiel ihm überhaupt nicht. Es schien, jedes Mal, wenn Syrena nicht die Oberhand über etwas hatte, wurde sie zu einem zickigen Miststück. Oder vielleicht war sie das auch immer und ihm fiel es in diesem Zusammenhang einfach nur verstärkt auf. Sicher war, dass diese Frau jemand war, die er nicht gerne um sich hatte. Sie biss und trat, wann immer es die Gelegenheit ergab. Als sie ihn bezüglich des Zaubers anpampte, sah der Dunkelhaarige sie einfach nur an. Es war immerhin ein Unterschied, ob man jemandem einen Fluch aufzwang, der ihn für den Rest seines Lebens begleiten würde, oder jemandem half, seine Angst zu überwinden. Aber es war klar, dass Syrena den Unterschied nicht erkannte. Antares vermutete, wenn ihr jemand aus Höflichkeit die Türe aufhielt, würde sie diesen bereits anraunzen, weil er darüber entschied, dass sie die Türe schließlich auch selbst aufmachen konnte. Und stand welche Gottheit auch immer, demjenigen bei, der es sich erlaubte, ihr im Büro einen Kaffee mitzubringen über den sie nicht selbst entscheiden konnte! Kurz gesagt, Syrena konnte man es nie Recht machen. Als er an ihr vorbeiging, meinte Antares nur leise. "Alles gut, das nächste Mal machen wir es wieder auf deine Weise. Wir prügeln die Kleine nieder und schleifen sie an ihren Haaren zurück in ihre Wohnung. Macht sicherlich einen viel besseren ersten Eindruck." War ja nicht so, dass er sich von der Jüngeren irgend etwas sagen ließ. Zumindest nicht von derjenigen, von der Antares bisher glaubte, sie wäre hier die Gefährlichere. Doch als die Türe ins Schloss fiel, hielt er einen Moment inne. Was war hier los? Er spürte, wie er die Verbindung zu Maisie verlor, seine Magie wirkte nicht mehr. Doch der Schrecken, sie könnte nun gleich ausflippen, weil zwei Fremde vor ihr standen, von denen eine aussah, als hätte sie mit einem Gorilla gekämpft und verloren, blieb aus. Nicht nur, weil dieser erwartete Schrecken nicht eintrat. Antares fühlte etwas anderes. Nämlich ... nichts! Dieser ständige, leichte Druck auf der Brust, der ihn zwar nicht wirklich beeinträchtigte doch stets daran erinnerte, dass es da einen Zauber gab, gegen den er so gut wie machtlos war, war weg. Verdattert horchte der Hexer in sich hinein aber es blieb dabei. Der Fluch war weg. Für einen kleinen Moment fühlte es sich komisch an, die Anwesenheit des Katers nicht mehr zu spüren. Aber dieser Moment verpuffte wahrlich sehr schnell. Er war frei von Syrena Zwängen. Unmerklich und doch sichtbar, richtete sich Antares etwas weiter auf. Seit vier Jahren, war er endlich wieder er selbst und das war wunderbar. Darüber, ob das nur vorübergehend war, denn ganz offensichtlich hatte die Zwölfjährige etwas damit zu tun, dachte er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nach. Es fühlte sich viel zu gut an. Allerdings sollte er sich mit Freudensprüngen noch etwas zurück halten, denn sie hatten immer noch einen Auftrag und der stand vor ihnen und erklärte gerade, das sie zwei Tage alleine gelassen wurde. Seine Freude wurde von der Wut verdrängt, was er auch hören ließ. Doch natürlich drehte sich Mutter Theresa für Arme zu ihm herum und raunzte ihn erneut an. Klar, er machte ihr Angst. So wie sie aussah war ja vollkommen in Ordnung. Aber der Dunkelhaarige hatte gelernt, es war besser, die Luft nur einmal scheppern zu lassen. Und zwar durch die keifenden Worte der Hexe. Mit was er aber mal so gar nicht gerechnet hatte, war ihre nächste Reaktion. Brach sie jetzt zusammen oder was sollte das werden? Syrena ging in die Knie und ließ sich auch noch freiwillig von dem Mädchen umarmen? Und das lebte im Anschluss dann auch noch? Sicherlich nur, weil auch die Hexe bezüglich ihrer Magie brach lag. Sah auch aus, als würde sie sich gleich auf den Boden hier verteilen. Was zwar nicht mehr dazu beitragen konnte, die Einrichtung zu ruinieren, aber dennoch ein großer Beitrag für die Menschheit wäre. Maisie war nichts anderes als freundlich, angesichts dessen, dass zwei Fremde sie überfallen hatten. Als sie dann auch noch mit dem Ärmle ihres ohnehin nicht passenden Pullovers das Blut aus dem Gesicht der Hexe wegwischte, die sie normalerweise mit einem Fingerschnipp umbringen könnte, glaubte Antares endgültig in ein Paralleluniversum eingetreten zu sein. Allerdings war das Nächste, was die Person, die aussah wie Syrena, sich aber benahm wie deren Zwillingsschwester die ein Herz besaß, an ihn herantrug, dankenswerter Weise ausschlaggebend, dass Antares sicher sein konnte, es war alles beim Alten. Nur etwas anders. "Stimmt, du hast Recht." Nickte er Syrena zu. "Ich habe erst neulich einen Artikel im 'Eltern des Monats' Magazin gelesen. Sein Kind zurückzulassen ist eine neue und sehr beliebte Erziehungsmethode. Wir brauchen uns also um nichts zu sorgen." Und ja, man musste aufpassen, dass man auf dem Sarkasmus nicht auszurutschen drohte, der aus diesen Worten heraustroff. Das Einzige, mit dem sie leider Recht hatte, war die Tatsache, es war nicht klug so etwas vor Maisie zu besprechen. Gegessen hatte sie seither auch nichts, was Antares hörbar ausatmen ließ. War sicherlich auch vollkommen okay! Aber er verkniff sich jeglichen Kommentar. Im Gegensatz zu Syrena, die sich scheinbar einen Spaß daraus machte, sämtliche Spitzen, die sie fand, gegen ihn abzuschießen. Aber was zum Geier war mit ihr los? Seit wann war sie es, die für das Kind Partei ergriff? Noch dazu, da diese ihr das Wertvollste nahm, das sie besaß und das war bei der Brünetten wahrlich nicht mal das viele Geld. Aha! Er sollte sich nun nützlich machen. Sie war doch diejenige, die alles unter Kontrolle halten wollte. Was war ihr Plan? Er sollte etwas organisieren und dann fand man seine Leiche in Einzelteile zerlegt über die nächsten Monate verteilt an verschiedenen Orten in der Stadt? Aber gut, der Triumph, dass Miss 'Ich schnauze alles an was bei drei nicht auf den Bäumen ist', ausgerechnet seine Hilfe brauchte, war dann doch zu überragend. Erneut machte er ihr übertrieben den Diener. "Ihr Wunsch ist mir Befehl." Im Anschluss daran wandte er sich an Maisie. "Wenn du noch etwas mitnehmen möchtest, dann pack mit deiner neuen Freundin hier alles zusammen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie lange wir wegbleiben." Hilfesuchend sah die Kleine daraufhin zu Syrena und Antares überließ es ihrem neu entdeckten Gewissen oder wie man das bei ihr nannte, was sie damit machte. Er selber drehte sich von den Beiden weg, griff in seine Hosentasche und zog ein brandneues, stylisches Klapphandy heraus. Mit einer gekonnten Bewegung aus dem Handgelenk, öffnete er es und betätigte eine Schnellwahltaste. Es dauerte nicht lange, da ging am anderen Ende der Leitung jemand ran. "Carlos? Hier ist Joshua. Bring Eleanor her." Der Andere schien etwas zu erwidern, worauf sich Antares Tonfall veränderte. Er wurde gefährlicher. "Noch ein Wort und wir haben das letzte Mal Geschäfte miteinander gemacht. - Gut, das wollte ich hören. Schreib dir die Adresse auf." Im Anschluss daran legte er auf und sah sich zu den beiden Frauen um, ob diese sich mittlerweile bis an die Zähne bewaffnet hatten um ihn gleich zu meucheln oder alles zusammen rafften, was Maisie mitnehmen möchte. Zum Glück dauerte es auch nicht lange, dann konnte man den satten Ton eines geschmeidig schnurrenden V8 Motors hören. "Ihre Kutsche ist da, Madame." Und ja, Antares ging volles Risiko, als er die Wohnungstüre öffnete und damit beiden, auch Syrena den Vortritt gewährte. Sie vor sich zu haben, war zumindest soweit von Vorteil, dass sie ihm nicht in den Rücken fallen konnte. Die ganze Zeit jedoch konnte er sich das amüsierte Schmunzeln nicht verkneifen, denn Maisie ließ Syrenas Hand scheinbar gar nicht mehr los. Etwas, dass er der Hexe sehr wohl gönnte. Hoffentlich bekam sie Druckstellen oder besser noch, Brandblasen an den Stellen. Von zu viel Freundlichkeit! An der Straße parkte ein dunkelblauer Mustang Shelby GT500. Das er für diesen Wagen einen bekannten Filmnamen adaptierte war Antares gelinde gesagt vollkommen egal. In der illegalen Rennszene der Stadt war dieses Auto wahrlich nicht unbekannt. Während er es den Frauen überließ einzusteigen und nur den Beifahrersitz nach vorne klappte, damit Maisie hinten einteigen konnte, drückte er dem Latino, der den Wagen brachte einen Schein in die Hand und verabschiedete sich mit ein paar knappen Worten. Mögliches Gepäck wurde im Kofferraum verstaut. Als der Hexer hinter das Lenkrad stieg und die Türe schloss, sah er über den Rückspiegel zu dem Mädchen. Syrena hatte ja die Bemutterung übernommen, da brauchte er nicht auch noch groß etwas sagen. Allerdings konnte er nicht niederringen, wie leid ihm die Kleine tat. Vermutlich Waise oder schlichtweg zurück gelassen, musste sie jetzt erstmal damit klar kommen, dass der Alltag, wie sie ihn kannte, vorbei war. Etwas anderes fiel ihm dabei auch auf. Der magische Stein, den er an einer Kette um den Hals trug um seine eigene Magie zu verstärken und damit gegen den Fluch anzukommen, war fast weiß geworden. Nicht mehr dunkel, beinahe schwarz, wie üblich. Einen kurzen Moment sorgte Antares sich, das die Magie daraus endgültig verloren gegangen sein könnte und er seinen Chef erneut um einen Gefallen bitten musste. Doch darüber wollte er sich erst dann Gedanken machen, wenn es tatsächlich so war. Die anschließende Fahrt durch die Stadt war rasant, wenngleich nicht auffällig oder gar riskant. Antares liebte es schlichtweg, den Wagen auszufahren. Der Weg führte über einige Umwege, um mögliche Verfolger loszuwerden in Richtung des Industriegebiets am Hafen. Dort fuhr er das Auto in eine Lagerhalle, deren Tor sich automatisch hinter ihnen schloss und er ging den Beiden eine Stahltreppe hinauf voran. Oben angekommen, schloss er die Türe zu einem Loft auf. "Geh ruhig rein, Maisie. Hier bist du sicher." Sprach er der Zwölfjährigen gut zu. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 19.09.2026 Wie absurd war bitte sein Vergleich zwischen seiner Empathiemagie und dem Niederprügeln eines Kindes?! Gab es einen größeren Beweis für sein Schwarz-Weiß-Denken? Nicht, dass sie selbst darin völlig talentfrei gewesen wäre… Doch es ging hier gerade nicht um sie, sondern um diesen völlig doppelmoralischen Kater. „Beeindruckend. Zwischen subtiler Gefühlsmanipulation und Körperverletzung existiert in deinem Kopf tatsächlich nichts.“ Ein leises, beinahe nasales Lachen entwich Syrena. „Und da behauptest du, ich hätte Probleme mit Nuancen.“ Natürlich wusste sie, dass sein Griff nach Maisies Angst nicht dasselbe gewesen war wie ein jahrelanger Fluch oder körperliche Gewalt. Genau deshalb ging ihr seine Reaktion auf die Nerven. Antares hatte ihr eben noch eine Moralpredigt darüber gehalten, wie es sich anfühlte, wenn jemand mit Magie über einen bestimmte, und kaum passte es in seine Vorstellung von Hilfe, wurde der Grundsatz plötzlich erstaunlich dehnbar. Maisies Einfluss hatte inzwischen sämtliche Magie im Raum erstickt. Neu war etwas anderes: Antares’ Reaktion darauf. Es war kaum mehr als ein unmerkliches Aufrichten, als hätte jemand eine Last von Antares’ Schultern genommen, die für ihn längst zum Normalzustand geworden war. Syrena betrachtete ihn eine Spur länger, als ihr lieb war. So also sah er aus, wenn ihr Fluch schwieg. Vier Jahre. Zum ersten Mal bekam diese Zeitspanne etwas Körperliches. Nicht genug für Bedauern oder gar eine Entschuldigung, aber genug, dass sie einen kurzen Augenblick innehielt. Dann richtete er sich noch ein wenig freier auf und Syrenas Mundwinkel verzog sich. Er musste ja nicht gleich aussehen, als hätte man ihm eine lebenslange Haftstrafe erlassen. Das könnte ihm so passen! Viel interessanter war ohnehin Maisie. Eine Zwölfjährige, die bereits unbewusst aktive Magie dämpfte, Artefakte ausschaltete und sogar einen Fluch zum Verstummen brachte, war für jemanden wie Ashcroft unbezahlbar. Syrena sah sie an und zum ersten Mal ergab dieses widerwärtige Wort Potential in seiner ganzen Tragweite Sinn. Wenn Maisie irgendwann lernte, diese Fähigkeit bewusst einzusetzen, könnte sie Schutzzauber brechen, Hexen entwaffnen, magische Gefängnisse neutralisieren und Dinge lahmlegen, deren Existenz sie selbst noch gar nicht verstand. Eine wandelnde Waffe gegen Magie. Genau deshalb würde Ashcroft nicht aufgeben. Antares’ anschließender Sarkasmus über ein angebliches „Eltern des Monats“-Magazin holte sie mit ihren Gedanken zurück. Die Hexe sah ihn kühl an. „Du kannst Sarkasmus noch so dick auftragen. Er ersetzt trotzdem keine Fakten.“ Zwei Tage allein, kein Essen, keine Nachricht – das war schlimm genug. Aber sie würde nicht aus bloßer Wut eine Vermutung zur Wahrheit erklären. Dass Antares sie danach ansah, als hätte er gerade ein Naturwunder beobachtet, entging ihr ebenfalls nicht. Syrena wusste genau, worauf dieser Blick zielte: Auf Maisies Umarmung, ihr völliges Einfrieren und dieses absurde hilflose Blinzeln. Ihre Augen verengten sich. „Ein einziges Wort, Lexington.“ Mehr musste sie nicht sagen. Als er daraufhin mit einem übertriebenen „Ihr Wunsch ist mir Befehl“ den Diener spielte, hob Syrena das Kinn. „Gewöhn dich schon mal daran.“ Dass er Maisie im nächsten Atemzug ausgerechnet mit ihrer „neuen Freundin“ losschickte, brachte ihm erst einen Blick und dann ein langsames Augenrollen ein. Maisie sah allerdings bereits hilfesuchend zu ihr. Wunderbar! Jetzt hatte sie offenbar jemanden adoptiert, ohne gefragt worden zu sein. Syrena folgte Maisie in das kleine Zimmer und stand dort zunächst ausgesprochen nutzlos zwischen Dingen, die eindeutig einem zwölfjährigen Mädchen gehörten. Was packte man ein, wenn niemand wusste, wie lange man fortblieb? Also organisierte sie, vollkommen nüchtern und ohne eine Gefühlsregung in ihrem Gesicht. „Kleidung, Zahnbürste. Medikamente, falls du welche brauchst. Etwas, das dir wichtig ist.“ Während Maisie Sachen zusammensuchte, beobachtete Syrena sich beinahe von außen. Stellte sie hier gerade Fluchtgepäck für Kinder zusammen?! Maisie zog schließlich ein altes, fleckiges und zerschlissenes Kuschel-Faultier hervor. Das Fell war stumpf, eine Naht am Arm notdürftig repariert. Das Ding sah aus, als hätte es mehr schlechte als gute Jahre erlebt. Maisie drückte es kurz an sich, dann zögerte sie. „Das brauche ich eigentlich nicht.“, murmelte sie. Syrena sah erst das Faultier, dann sie an – und seufzte. Und so emotional abgestumpft die Hexe auch war, so merkte sie, dass es Maisie etwas zu bedeuten schien. „Nimm es mit“, lautete daher ihr nüchternes Urteil. Nützlich und wichtig waren schließlich zwei vollkommen verschiedene Dinge. Aus dem anderen Raum hörte sie Antares telefonieren. „Carlos? Hier ist Joshua.“ Syrenas Augenbraue hob sich augenblicklich und sie horchte noch einmal etwas bewusster. Joshua? Das war interessant… Als Antares’ Ton sich plötzlich veränderte und aus seinem üblichen Sarkasmus eine gefährliche Schärfe wurde, hörte sie noch genauer hin. „Noch ein Wort und wir haben das letzte Mal Geschäfte miteinander gemacht.“ Geschäfte. Offenbar mixte der Kater nicht nur Cocktails, was? Wie konnte es auch anders sein? Innerlich lachte die Hexe schallend auf. Was genau trieb Antares Lexington eigentlich noch, wenn er gerade keine Drinks servierte oder sich auf vier Pfoten durch Hinterhöfe bewegte? Wenig später hörte sie einen satten Motor. Draußen wartete ein dunkelblauer Shelby GT500, und Syrena blieb einen Moment davorstehen. Laut, eng, auffällig – praktisch das Gegenteil der geräumigen, diskreten Limousinen, die sie bevorzugte. „Eleanor? Du gibst deinem Auto Frauennamen? Und das mit einer Rückbank, die den Namen kaum verdient?“ Ihr Blick wanderte zu Antares. Was hatte sie eigentlich anderes von ihm erwartet? Maisie hielt währenddessen noch immer ihre Hand und klebte daran wie eine Klette. Syrenas erster Impuls war derselbe wie zuvor: Lösen! Abstand! Luft zum Atmen! Stattdessen ließ sie ihre Finger, wo sie waren, wenngleich es sie eine große Überwindung kostete. Maisie brauchte offenbar genau diese alberne Form von Sicherheit. Großartig. Jetzt hielt sie auch noch Händchen. Als sie Antares’ deutlich zu amüsiertes Schmunzeln bemerkte, drehte sie nur den Kopf. „Wehe...“ Im Wagen wurde es nicht besser. Maisie saß hinten, Antares am Steuer und Syrena musste ausgerechnet neben ihm auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Der Innenraum war eng genug, dass Maisies Nullfeld weiterhin wirkte. Keine Telekinese, keine Magie, nichts. Antares dagegen wirkte geradezu unerträglich entspannt. Zum ersten Mal seit vier Jahren fuhr er offenbar ohne den Druck ihres Fluches, während Syrena angeschossen, magielos und vollständig auf seine Fahrkünste angewiesen war. Ein Albtraum mit Ledersitzen. Ihr Blick fiel irgendwann auf den Stein an seiner Kette. Er war fast weiß und normalerweise hatte sie die fremde Magie darin deutlich gespürt, jene Kraft, die ihm half, ihrem Fluch zu widerstehen. Jetzt schien auch sie beinahe verschwunden. Damit war zumindest klar, dass Maisies Einfluss nicht bei aktiven Zaubern endete, sondern auch gebundene Magie und Artefakte erfasste. Antares fuhr schnell, aber nicht dumm. Die Umwege waren zu gezielt, die Spurwechsel zu bewusst, als dass es bloß um Spaß gegangen wäre. Er prüfte, ob ihnen jemand folgte. Syrena bemerkte es und hasste, dass sie schon wieder etwas anerkennen musste. Zu Syrenas Ärger lieferte seine Fahrweise ihr nicht einmal einen vernünftigen Anlass, ihn dafür zu verspotten. Warum konnte dieser Mann nicht wenigstens in einer einzigen Sache vollständig unbrauchbar sein? Als der Shelby schließlich in eine Lagerhalle im Industriegebiet einbog und das Tor sich hinter ihnen schloss, sah Syrena sich langsam um. Beton, Stahl, abgeschirmte Zufahrt. „Natürlich besitzt du einen geheimen Unterschlupf in einer Lagerhalle für deine krummen Nebengeschäfte.“ Der seltsame Telefonanruf fiel ihr wieder ein. Sie schüttelte leicht den Kopf. „Warum überrascht mich das nicht einmal?“ Die Stahltreppe hinauf erwartete Syrena ein dunkles, schäbiges Loch. Stattdessen öffnete Antares die Tür zu einem erstaunlich geschmackvollen Loft. Backstein, dunkles Leder, Metall, große Fenster, eine vernünftige Küche. Syrena blieb kurz im Eingang stehen. Bei einer Frau in seinem Leben und dieser Wohnung hatte er immerhin ausnahmsweise mal Geschmack bewiesen. Dann fiel ihr das Bild im Flur auf. GOOD PEOPLE. GOOD PLACES. Syrena las die Worte, sah zum Bild und anschließend zu Antares. „Ist das Satire?“ Sie wartete nicht einmal auf seine Antwort und ihr Gesichtsausdruck troff vor Zynismus. „Ich frage nur wegen des offensichtlichen Widerspruchs zwischen Einrichtung und Bewohner.“ Als Antares Maisie versicherte, sie sei hier sicher, wurde Syrena wieder ernst. „Wer weiß, dass das hier dir gehört?“ Ihr Blick wanderte bereits zu Fenstern und Eingang. Magische Schutzmaßnahmen konnten sie mit Maisie ohnehin vergessen. Entscheidend war, wie verborgen dieser Ort tatsächlich war. Maisie hatte sich inzwischen auf das Sofa gesetzt, eine Decke um sich gezogen und das zerschlissene Faultier an die Brust gedrückt. Das Bild wirkte absurd friedlich. Syrena marschierte dagegen ohne jede Hemmung in Antares’ Küche und öffnete seinen Kühlschrank. Sie lehnte sich leicht an die offene Tür und verlagerte ihr Gewicht auf ihr unverletztes Bein. Bier, Soßen, irgendetwas Undefinierbares in einem Einmachglas, was sie nicht weiter erforschen wollte. Sie starrte einen Moment hinein, bevor sie ihn mit Schwung wieder schloss. „Natürlich.“ Dann entdeckte sie einen Lieferflyer am Kühlschrank und zog ihn heraus. GOLDEN PAGODA – Chinese Kitchen & Delivery. Sie hielt Antares den Zettel hin. „Ruf beim Golden Pagoda an. Bestell genug, dass sie tatsächlich satt wird.“ Es war ein Befehl, keine Bitte. Niemals, wirklich niemals würde sie ihn um etwas bitten! Ihr Blick glitt noch einmal demonstrativ in den Kühlschrank. „Hier drin findet sich jedenfalls nichts, was ich einem Kind freiwillig geben würde.“ Während Antares sich darum kümmern durfte, zog Syrena endlich ihre ruinierte Lederjacke aus. Der Anblick des zerschossenen, blutverschmierten Versace-Leders tat beinahe körperlich weh. Einen Moment strich ihr Blick über die beschädigte Stelle, fast wehmütig. Dann legte sie das gute Stück vollkommen selbstverständlich auf Antares’ Ledersofa. Keine Unterlage, keine Rücksicht. Wenn sein Sofa Blut abbekam, konnte er das als Kollateralschaden verbuchen. Und wenn er seine Wohnung für seine Geschäfte nutzte, vielleicht sogar von der Steuer absetzen. Nachdem sie ihre Jacke ausgezogen hatte, konnte man zum ersten Mal erkennen, wie tief die Schusswunde an ihrem Arm war. Maisies Gesicht verzog sich schmerzhaft, als sie dies erblickte. „Tut… tut es sehr weh Syrena?“ In ihrer Stimme schwang große Besorgnis mit und sie drückte in tröstender Geste erneut ihr Kuscheltier an sich. Doch dann überlegte sie und hielt es ihr schließlich hin. „Du kannst ihn haben, Emile tröstet mich auch immer, wenn mir was weh tut.“ Die Hexe sah einige Zeit auf das Faultier, was sie freundlich lächelnd anschaute, als könnte es kein Wässerchen trüben. Die Sekunden kamen ihr dabei wie Minuten vor. Dann schluckte sie und blinzelte kurz. „Nein… nein danke.“ Ihre Stimme war merkwürdig brüchig, ihre Mimik wurde einen Tacken weicher. Verdammte Scheiße, was war das?! Sie räusperte sich so hart, dass es in ihrer Kehle schmerzte. Dann wurde ihr Gesicht wieder unbeweglich und sie zuckte mit den Schultern. „Kollateralschaden, sowas passiert.“ Die Mauer war beruhigend, oh wie beruhigend sie gerade wieder war. Dann ging sie den Flur entlang, in dessen Richtung sie das Badezimmer vermutete und sah Antares nicht mehr an. „Ich brauche was zum Desinfizieren und Verbinden.“ Ihre Stimme war wieder sachlich. Unter Stoff und getrocknetem Blut steckten noch immer zwei Kugeln in ihr, und sobald sie weit genug von Maisie entfernt war, würde sie sich selbst darum kümmern. Antares musste sich bloß nicht einbilden, dass sie ihn dafür brauchte. Syrena sah sich kurz um, jedoch nur soweit, dass sie seine Schuhe auf dem Boden fixieren konnte. „Dein Bad ist wo?“ RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 19.09.2026 Mittlerweile kam Syrena ihm vor, wie diese kleine Äffchen, die man mit einem Aufziehmechanismus am Rücken aufzog und diese dann für eine bestimmte Zeit und möglichst nervtötend in einem schnellen Rhythmus mit zwei kleinen Becken aufeinander schlugen. Bei diesem sogenannten Spielzeug gab es keine andere Option, als es zu nehmen und mit voller Wucht gegen die Wand zu werfen. Der Wunsch, dies auch bei der Hexe zu machen, wurde bei Antares beinahe übermächtig. Und ja, es war gerade alles andere als angenehm, dass er nicht mehr über seine Magie verfügte. Er wollte sie auch wieder zurück. Doch im Gegensatz zu der Jüngeren, war sie nicht sein Lebensinhalt. Er konnte durchaus auch mal für kurze Zeit darauf verzichten, wenn dies gleichzeitig bedeutete, auch den Fluch los zu werden. Er fühlte sich so viel freier und hätte er auch nur eine Ahnung davon gehabt, dass Syrena ihn gerade mit jemandem verglich, der das Gefühl hatte der Todesstrafe entronnen war, würde dies erschreckenderweise dazu führen, dass er ihr zustimmen hätte müssen. Auch hier draußen atmete er die stickige Stadtluft fiel tiefer ein als sonst. Sein Gang war nicht übertrieben und doch aufrechter. Die Schulter wieder nach hinten gerichtet und den Kopf erhoben. Nicht, dass er die restliche Zeit wie ein verkrüppelter Bruder von Quasimodo durch die Straßen von Los Angeles lief. Er ließ sich auch sonst den Fluch kaum anmerken, solange er genügend Kraft und magische Energie hatte, sich dagegen zu wehren. Doch alleine die Tatsache, dass er sich immer wieder zurückziehen musste und in die Einsamkeit fliehen, hatte ihn verändert. Alleine zu sein, gab einem viel Zeit um nachzudenken. Darüber was geschehen war. Hätte er Amy anderweitig retten können? Das seine Großmutter ihre Drohung wahr gemacht hätte, daran bestand kein Zweifel. Sie hätte Amy etwas angetan. Und dann wäre sein Schuld daran vermutlich noch größer als sie es jetzt schon war. Dann hätte er nämlich egoistisch gehandelt. Das was Syrena für eine solche Tat hielt, war genau das Gegenteil gewesen. War es durchdacht und von langer Hand geplant? Mitnichten. Doch noch immer war er der festen Überzeugung, es war die beste Lösung. Die Einzige, die wirkte. Eine, die Amys Leben hätte retten sollen. Doch nun zurück zu der Situation, in der Syrena nichts anderes tat, als natürlich wieder an seinem Auto herum zu mäkeln. Natürlich gefiel es ihr nicht. Kein Auto der Welt hätte Madame zufrieden gestellt. Zu groß, zu klein, zu unauffällig, zu auffällig und wenn am Ende schlichtweg die Farbe nicht stimmte. Aber, ähnlich wie bei diesen aufziehbaren Musikäffchen gab auch Antares die Hoffnung noch nicht ganz auf, dass selbst die Hexe irgendwann mal verstummte. Er selber ließ sich von ihr allerdings auch nicht den Mund verbieten. Zweimal hatte sie es ihm nun schon angedroht. Einmal drinnen, als das Mädchen sie umarmte und jetzt gerade wieder, als diese wie eine Klette an Syrens Hand hing und er das schlichtweg amüsant fand. Noch erwiderte er nichts, doch das sparte sich der Dunkelhaarige alles auf und würde es bei passender Gelegenheit einmal anbringen. "Liebes, ich brauche das Auto nicht wegen der Rückbank. Da weiß ich ganz andere Plätze an denen ich Frauen verführen kann." Mit einer hochgezogenen Augenbraue, die wohl mehr ausdrücken sollte, als seine Worte, sah er Syrena an. Hoffnungen sollte sie sich aber nicht machen, denn wenn sie die letzte Frau auf Erden war, würde die Menschheit aussterben. Näher ging er vor den Ohren der unschuldigen Zwölfjährigen nun aber nicht auf das Thema ein, sondern setzte sich selbst hinters Steuer. Die Tasche mit den Klamotten und dem restlichen Zeug, welches Maisie aus ihrer Wohnung rettete, lag hinten im Kofferraum. Ob sie die Wohnung nun für immer verließ? Madame Superschlau neben ihm behauptete ja immer noch, das wäre kein Grund sich darüber Gedanken zu machen. Er selber hatte leider bereits weitaus schlechtere Erfahrungen gemacht. Im Gegensatz zu Syrena war er auch schon länger an der Sache mit den verschwundenen Kindern dran. Und die Eltern, die angeblich nur eine ausgedehnte Shoppingtour machten, traten hier nicht zum ersten Mal auf. In manchen Fällen wollten die Eltern die Kinder nicht rausrücken, diese fanden dann ein sehr endgültiges Ende. Andere, wie vielleicht auch die von Maisie, gaben den Weg schlichtweg frei und bauten sich mit dem Geld ein neues Leben auf. Diesen Exemplaren wünschte Antares stets die Pest an den Hals. Da es aber unmöglich war mit Syrena eine vernünftige Unterhaltung zu führen, unterließ er es und konzentrierte sich stattdessen auf den Verkehr. Also die anderen Autos. Das Schweigen von der Beifahrerseite war verdächtig. Heckte sie etwas aus oder tat sie ihm sogar den Gefallen und war in der Zwischenzeit verblutet? Leider wurde Antares enttäuscht, als er einen kurzen Seitenblick zu ihr warf. Stattdessen bemerkte er ihren Blick auf seine Halskette. Das hätte sie jetzt nicht unbedingt sehen müssen, doch da es ihm selbst erst bei einem Blick in den Rückspielgel auffiel, ergab sich keine Gelegenheit die Kette zu verbergen. "Mach dir keine großen Hoffnungen." Ließ er sie wissen. Konnte ja nicht angehen, dass sie glaubte, erneut über ihn gesiegt zu haben. Zum Glück für alle Beteiligten setzte ihr nervtötendes Gemaule wieder ein, als sie in die Lagerhalle fuhren und sich das Tor schloss. "Weil du allwissend bist und mich vollkommen durchschaust?" Gab es einen Hieb zurück, der hoffentlich dafür sorgte, dass sie die Klappe hielt. Denn eigentlich hätte sie mit dem Packen von Maisies Tasche beschäftigt sein sollen und nicht sein Telefonat mithören. Daher ging er auf die Erwähnung seiner Nebengeschäfte gar nicht ein. Ging sie schließlich einen Dreck an, mit was er sich einen Großteil seines Geldes verdiente. Klar zahlte sein Chef nicht schlecht, doch alleine auf diesen angewiesen zu sein, kam für den Hexer auch nicht in Frage. Doch natürlich hielt die Funkstille genauso lange an wie es dauerte, die Treppe nach oben zu gehen und die Wohnungstüre zu öffnen. Als würde sie mit dem Übertreten der Schwelle eine Sprengfalle auslösen, sah sich Syrena erst misstrauisch um. Was hatte sie erwartet? Eine Hundehütte? Als sie dann den Spruch auf dem Bild in Eingangsbereich las, wollte sie ihn schon wieder foppen, doch der Dunkelhaarige lächelte nur süffisant. "Das ist ein Fluch, damit du niemals meine Wohnung ohne Erlaubnis betreten kannst." Im Anschluss daran ließ er Maise den Vortritt und zum ersten Mal, stellte Syrena eine Frage an ihn, die es verdiente, das man darüber nachdachte. "Es gibt ein paar Leute." Ließ er sie daher ehrlich wissen. "Aber niemand kommt ohne Einladung hierher. Das die Magie momentan nicht funktioniert weiß keiner. Und so manche, die es bereits früher versuchten, kamen danach kein zweites Mal. Außerdem..." Er ließ der Dame den Vortritt und schloss nachdem sie endlich in seiner Wohnung stand, die Türe. Scheuchte sie gleich darauf aber noch ein paar Schritte zur Seite und öffnete eine Türe, hinter der man eine Garderobe oder dergleichen vermuten konnte. Stattdessen zeigte ein beleuchteter Innenraum an einem dafür extra angefertigten Regal, alle möglichen Arten von Schusswaffen. "Bin ich für den Notfall auch ausgerüstet." Ein weiterer Beweis dafür, dass sich Antares nicht alleine auf seine Magie verließ. Er liebte sie, schließlich war sie ein Teil von ihm als Hexer. Aber manche Gesellen wollten mit handfesteren Dingen überzeugt werden. Er schloss die Türe wieder, ließ Syrena einfach stehen und ging in den Wohnbereich des Lofts. Mit der Schulter gegen den Türstock gelehnt und die Arme vor der Brust verschränkt betrachtete er das Mädchen, welches mit ihrem Stofftier im Arm so viel Jünger aussah. Sie tat ihm schrecklich leid. Niemand sollte so etwas durchmachen müssen. Es waren auch Momente wie dieser, in denen sich der Dunkelhaarige so oft fragte, was Amy und er doch für ein Team hätten werden können. Sie zwei gegen die Ungerechtigkeit dieser Stadt. Er war sich sicher, seine Freundin hätte die unschuldigen Kinder mit Feuereifer befreien wollen. Aber statt einer liebevollen Frau an seiner Seite, hatte er nur diese Viper, die ihm in dem Moment nun wieder etwas in die Hand drückte und Befehle erteilte. "Hier drinnen ist auch nichts, was für ein Kind bestimmt ist." Gab er als Gegenargument auf ihre Behauptung. Bloß gut, dass die Tage keine Lieferung bestellt war, sonst hätte Madame noch ganz andere Dinge im Kühlschrank gesehen. Den Flyer in der Hand haltend, sah er ungeniert zu, als Syrena ihre Jacke auszog. War ja nicht so, dass sie zumindest äußerlich abstoßend anzusehen wäre. Wenn man sich den ganzen Rest wegdenkt und wahrlich nichts weiter übrig ließ als den Anblick, naja... Aber es ging einfach nicht, den Rest zu ignorieren. Als Maisie fragte ob es wehtat, musste sich der Ältere auf die Zunge beißen um nicht zu erwidern, dass jemand, der kein Herz besaß, keine Schmerzen empfinden konnte. Doch das würde das Mädchen nur verwirren und ihr zuliebe ließ er den bissigen Kommentar bleiben. Er schnaubte nur amüsiert, als Syrena das Stofftier angeboten wurde, zog sein Handy aus der Hosentasche und rief im Club ab. Mit wenigen Sätzen organisierte er eine Vertretung für heute Abend, denn er würde diese Wohnung ganz sicherlich nicht unbeaufsichtigt lassen. Dann folgte die Bestellung bei dem Lieferservice. Wobei er nicht nachfragte, was Syrena haben wollte, er bestellte wirklich nur Nudeln für die Maise und etwas für sich selbst. Allerdings könnte es sein, dass er sich bei der Menge, die ein zwölfjähriges Kind essen konnte, etwas verschätzte. Er legte gerade auf, als Syrena auf ihn zukam. Das Miststück konnte ihm nicht mal in die Augen sehen. Von einer undefinierbaren Wut gebackt, hob er seine Hand und legte ihr seine Finger ums Kinn um sie so zu zwingen, ihn anzusehen. "Damals konntest du mir auch ins Gesicht sehen, als du den Fluch ausgesprochen hast. Und jetzt, wenn du meine Hilfe brauchst, hast du nicht das Rückgrat dazu?" Er hielt ihrem Blick stand und ja, es war die Situation ausnutzend, dass sie ihn in der Gegenwart des Mädchens nicht sofort in Stücke reißen konnte. Aber irgend jemand musste dieser verzogenen Göre auch mal die Grenzen aufzeigen. Und sei es nur dadurch, dass er sie gegen ihren Willen zwang, ihn anzusehen. "Die Kanalisation in die du hingehörst, ist die Straße runter und Richtung Meer." Er ließ ihr Kinn mit einem Ruck los. "Die Türe links. Und im Badezimmerschrank ist ein erste Hilfe Kasten. Der wird es tun." Damit wandte er sich von ihr ab und ging zu Maisie ins Wohnzimmer. Sie konnte von ihrer Position vom Sofa aus nichts gesehen haben und so fragte Antares sie nun in vollkommen veränderten, freundlichen Tonfall ob sie Durst hatte. Um sich die Zeit zu vertreiben, bis das Essen kam, zeigte er der Kleinen das Schlafzimmer. Erlaubte ihr dort ihre Sachen auszupacken und Antares nahm zwei Wolldecken aus einer Truhe an der Seite von der sie sich aussuchen konnte, auf welche sie sich drauflegen wollte und welche sie zum Zudecken nahm. Auch für ihn war dies eine vollkommen neue Situation. Bisher hatte er die Kinder nur vom Ort des Geschehens weggelockt. Hin zu einem Ort, an dem er mit Anderen zusammen eine Art Auffangstation gründete. Wohin die Kids vermittelt wurden, betraf ihn nicht mehr. Absichtlich hatte Antares bisher diese Grenze für sich gezogen um emotional nicht noch weiter involviert zu werden. Nun jedoch stand er mit einer davon in seinem Schlafzimmer. Zurück im Wohnzimmer, krabbelte Maisie wieder mit ihrem Kuscheltier auf das Sofa, Antares brachte ihr ein Glas Wasser und packte gerade ein Kartenspiel aus um mit ihr eine kindliche Version davon zu spielen, als es an der Türe klingelte. Maisie war so darauf konzentriert, ihre Karten in der Hand zu verteilen, dass Antares ihr ein Lächeln schenkte und die Lieferung an der Türe entgegen nahm. "So, bitteschön. Das Abendessen ist angerichtet." Meinte er vergnügt, als er zurück kam und die Zwölfjährige legte sehr bedacht ihre Karten auf den Tisch. Natürlich mit der Rückseite nach oben, damit man nicht sehen konnte, welchen Wert diese hatten. "Ich glaube du hast später keine Chance gegen mich." "So? Aber da könntest du schon Recht haben, ich habe schon lange nicht mehr gegen jemanden gespielt, die so gut ihre Karten in der Hand mischen konnte." Er hörte sich so vollkommen anders an, als er je in Syrenas Gegenwart sprach. Freundlich, vergnügt, lustig. Und er wurde damit belohnt, dass Maisie kurz gluckste. Er schob ihr die drei Nudelboxen entgegen und das Mädchen bekam große Augen. "Wer soll das alles essen?" Antares setzte sich in den Sessel und hatte ebenfalls eine Box in der Hand allerdings nur mit gebratenen Hähnchenstücken. Wer brauchte schon Nudel? Er fischte gerade mit den Stäbchen eines davon heraus. "Na du. Hast du keinen Hunger?" Da kam Syrena zurück und Maisie ganzes Gesicht schien aufzuleuchten. "Du musst mir beim essen helfen." Freudestrahlend hielt sie der Hexe das übrige Paar Essstäbchen entgegen. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 20.09.2026 Antares’ Erklärung, wofür er die Rückbank seines Wagens angeblich nicht brauchte, bekam nur einen langen, trockenen Blick. „Es wäre immerhin nicht abwegig, dass du bei horizontalen Aktivitäten genauso einfallslos bist wie bei deinen Sprüchen: Groß angekündigt, maßlos überschätzt, deutlich unbeeindruckender im Einsatz, und erschreckend schnell vorbei.“ Ihr Mundwinkel hob sich kaum und die Verachtung war ihr ins Gesicht geschrieben. Und Amy hatte sich ausgerechnet davon einmal beeindrucken lassen! Liebe musste tatsächlich blind machen – anders ließ sich dieser Aussetzer ihres Geschmacks kaum erklären. Als Antares wegen seines beinahe weißen Talismans nachlegte, sah Syrena ihn beinahe irritiert an. „Keine Sorge. Deine Schmuckprobleme interessieren mich nur, weil sie Maisies Fähigkeit bestätigen.“ Was dachte er denn? Dass sie seine verzweifelten Versuche, ihren Fluch ab zu schmälern, gerade juckt?! Wie immer nahm er sich viel zu wichtig. „Offenbar schaltet sie sogar deine magischen Stützräder aus.“ Seine Gegenfrage wegen ihrer angeblichen Allwissenheit entlockte ihr ein spöttisches Lächeln. „Damit hat es tatsächlich mal nichts zu tun. Mir reicht, dass du es nicht dementierst, Katerchen.“ Joshua, Carlos. Geschäfte, Lagerhalle. Als er den Spruch im Eingangsbereich zum angeblichen Fluch erklärte, senkte Syrena demonstrativ den Blick auf ihre Füße, die längst in seiner Wohnung standen. „Funktioniert ja hervorragend.“ Wie er auf ihre Sicherheitsfrage reagierte, nahm sie dagegen ausnahmsweise mal ernst. Einige Leute kannten die Wohnung, niemand kam ohne Einladung, niemand wusste von Maisies Fähigkeit und frühere ungebetene Besucher hatten offenbar verstanden, weshalb sie nicht wiederkommen sollten. Für heute Nacht genügte das. Hinter der unscheinbaren Tür, die er nun öffnete, verbarg sich statt einer Garderobe ein Waffenarsenal, welches die Hexe nähertreten ließ. Die Schusswaffen überging sie beinahe vollständig; ihre Aufmerksamkeit galt dagegen mehreren, sauber ausbalancierten Wurfmessern. „Sieh an.“ Ihr Kopf neigte sich leicht. „Eine vernünftige Entscheidung von dir. Ich bin erschüttert.“ Eigentlich machte sich Sy nichts aus solchen Waffen – ihre Magie war für sie dabei wesentlich zuverlässiger als irgendwelche fremden Objekte. Doch Wurfmesser ließen sich mit herrlicher, telekinetischer Präzision in vorwitzige Männerbrüste rammen. Ein wissendes, siegessicheres Schmunzeln legte sich auf ihr Gesicht, als sie an ihren letzten Fal zurückdachte, bei dem sie sie eingesetzt hatte. Ein bisschen stolz auf sich war sie gewesen, schließlich hatte sie ihrer Kreativität dabei freien Lauf gelassen und noch ein paar herrliche Muster in die verletzte Haut geritzt. Offenbar hatte er einen Decknamen, zwielichtige Kontakte, Waffen und einen schützenden Rückzugsort. Was genau tat Lexington eigentlich, wenn er nicht hinter einer Bar stand? Und hatte Amy davon gewusst? Syrenas Augen wurden schmaler. „Ich frag mich, ob Amy dich immer noch so angehimmelt hätte, wenn sie gewusst hätte, was du hier tust“, murmelte sie. Hinter ihr kam prompt eine kleine Stimme. „Wer… wer ist Amy?“ Syrena sah zu Maisie, dann mit ernstem Gesicht zu Antares und gab ihm ein kleines Nicken. „Erzähl ihr doch beim Essen, wer Amy war.“ Die Betonung saß genau dort, wo sie hin sollte. Amy war Vergangenheit – wegen ihm! Mal sehen, ob das Katerchen auch dann noch so große Töne spuckte, wenn sein Publikum zwölf Jahre alt war und sich hinter den großen Augen eine gefährliche Gutgläubigkeit schlummerte. Auf seine Feststellung, dass hier ohnehin nichts für Kinder bestimmt sei, ließ Syrena den Blick über Loft, Waffenversteck und Küche gleiten. „Das war bereits offensichtlich.“ Dass er seine Schicht ohne jedes Theater für Maisie absagte, registrierte Syrena trotzdem. Dass er ihr beim Ausziehen der Jacke zusah, bemerkte Syrena nur am Rand. Ihre ruinierte Versace-Jacke interessierte sie deutlich mehr als Lexingtons Meinung über ihren Körper. Hassen konnte er sie offenbar problemlos. Blind war er deshalb trotzdem nicht. Genau in dem Moment, in dem sich die Hexe in ihrem wohl verletzlichsten Zustand des gesamten Abends befand, legten sich seine Finger um ihr Kinn. Ihre Reaktion war unmittelbar: Hitze schoss ihr den Hals hinauf, färbte die Haut über ihrem Schlüsselbein rötlich, ihr Atem wurde schneller und die Pupillen weiteten sich. Mitten darin flammte je ein winziger roter Punkt auf. Ihre Magie wollte auf die überkochende Wut antworten – doch Maisie erstickte sie vollständig. Syrenas Hand schloss sich hart um Antares’ Handgelenk. Die Nägel gruben sich in seine Haut und inbrünstig wünschte die Hexe, sie mögen seine Haut durchschneiden. Eine unmissverständliche Grenze, die sie ihm damit setzte. „Damals konntest du mir auch ins Gesicht sehen, als du den Fluch ausgesprochen hast. Und jetzt, wenn du meine Hilfe brauchst, hast du nicht das Rückgrat dazu?“ Blinder Zorn zog sich heiß durch Syrenas Körper. Er nahm ausgerechnet den Moment, in dem Maisies Sorge sie aus dem Tritt gebracht hatte, und machte daraus Feigheit. „Bilde dir bloß nicht ein, dass Wegsehen bei dir irgendetwas mit Scham zu tun hätte.“ Ihre Stimme war leise und eiskalt, trotz des leicht verwaschenen Klangs durch die Maulsperre, die er ihr in dem Moment verpassen wollte. Die roten Punkte glimmten noch immer. „Damals habe ich dir sehr bewusst ins Gesicht gesehen, Lexington. Ich wollte, dass du in dem Moment, in dem der Fluch dich trifft, keinen einzigen Zweifel daran hast, wer ihn über dich gebracht hat.“ Die letzten Worte zischte sie beinahe. Danach erschien ein kleines, grausam zufriedenes Grinsen auf ihren Lippen. Er hatte gewusst, dass es ihre Magie gewesen war. Ihre Entscheidung, ihre Strafe für ihn. Als er sie losließ, rührte sich Syrena sich kein bisschen und lachte einmal trocken auf. „Du hältst mir seit einer Stunde Vorträge darüber, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen, und greifst mir ins Gesicht, weil dir nicht gefällt, wohin ich schaue.“ Sie trat einen Schritt auf ihn zu, bis nur noch wenige Zentimeter zwischen ihnen lagen. Sie konnte sein markantes Parfum riechen, den Schweiß, mit dem es sich bereits vermischt hatte. Dies machte ihren Adrenalinspiegel nicht unbedingt niedriger. „Und das auch nur, weil du genau weißt, dass ich dich gerade nicht zerquetschen kann.“ Ihr Blick musterte ihn langsam von oben nach unten, voller Verachtung. Ohne Maisie hätte sie längst anders reagiert. Dass ausgerechnet dieses Kind sie zurückhielt, machte ihre Wut nur schlimmer. Auf den Kanalisation-Spruch bekam Antares beim Weggehen lediglich ein „Originell.“ Zwei Schritte später hielt Syrena kurz inne und drehte ihren Kopf lediglich leicht, so dass er nur einen Teil ihres Gesichts erhaschen konnte. „Leg noch einmal Hand an mich, Lexington, und wir führen dieses Gespräch ohne Maisie zu Ende.“ Kein Spott, nur eine Warnung. Mit jedem Schritt Richtung Bad kehrte das vertraute Kribbeln unter ihrer Haut zurück. Ein dünner roter Faden zuckte über ihre Finger, brach ab und erschien erneut. Syrena schloss kurz die Augen. Ihre Hand begann zu zittern. Wut, Schmerz, Adrenalin – und eine Erleichterung, deren Ausmaß sie erst jetzt begriff. Sie stützte sich am Waschbecken ab, atmete tief ein und langsam wieder aus. Noch einmal. Beim dritten Atemzug stabilisierte sich das Rot. Maisies Nullfeld hatte ihr weit mehr zugesetzt, als sie draußen gezeigt hatte. Dann sah sie langsam hoch in den Spiegel. Schmutz, getrocknetes Blut unter der Nase, ungeordnete Haare, Verletzungen. Und noch immer zu viel von Antares’ Griff in ihrem Gesicht. Syrena betrachtete sich, bis ihr Atem ruhiger ging. Zuerst wusch sie sich gründlich die Hände. Danach nahm sie ein weißes Handtuch, feuchtete es an und säuberte vorsichtig ihr Gesicht. Das Weiß des Tuches verfärbte sich langsam grau und rot. Besonders sorgfältig entfernte sie das Blut unter ihrer Nase. Anschließend strich sie mit den Fingerspitzen über die gereinigten Hautränder und verblendete das restliche Make-up. Dann drehte sie langsam ihren Kopf nach links, dann nach rechts. Ein prüfender Blick begutachtete jede mögliche Unebenheit, jeden möglichen Makel. Wenigstens sah sie jetzt nicht mehr aus, als hätte sie unter einer Brücke geschlafen. Dann kam der linke Oberarm. Das Blut wurde deutlich schneller fortgewischt als im Gesicht. Der Erste-Hilfe-Kasten geöffnet, Desinfektionsmittel und Verbandszeug bereitgelegt. Syrena atmete noch einmal tief ein und aus und hob ihre rechte Hand. Rote Fäden krochen langsam von ihren Fingern unter die verletzte Haut. Der Schmerz war sofort tief und heiß; ein unwillkürliches Stöhnen entwich ihr, ehe sie die Lippen hart aufeinanderpresste. Auf gar keinen Fall bekam Lexington davon noch eine Zugabe! Millimeter für Millimeter fasste ihre Magie das Projektil und zog es heraus. Als die Kugel ins Waschbecken fiel, brauchte sie einige Atemzüge, welche ihr stoßweise entwichen. Der rechte Oberschenkel war schlimmer. Syrena stützte sich am Waschbecken ab, Schweiß trat auf ihre Stirn und ihr Kiefer verspannte sich, während die roten Fäden erneut unter ihre Haut drangen. Diesmal kam kein Laut, obwohl sie den Mund einem lautlosen Schrei öffnete und sich ihr Gesicht verzog. Erst als auch das zweite Projektil draußen war, sanken ihre Schultern kurz ab. Erneut stützte sie sich an die Wand im Bad und schloss für einen kurzen Moment die Augen, während sie sich in ihre eigene Wohnung wünschte. Danach desinfizierte sie beide Wunden und verband erst den linken Oberarm, dann den rechten Oberschenkel sauber und fest. Als sie sich wieder aufrichtete, glänzten noch vereinzelte Schweißperlen an ihrer Stirn. Im Spiegel fiel ihr Blick auf ihr Kinn. Sofort war Antares’ Hand wieder präsent. Seine Finger, seine Unterstellung. Die Art, wie er ihre Wehrlosigkeit genutzt und ihre Reaktion auf Maisie als Schwäche gelesen hatte. Syrenas Mund wurde schmal. Nie wieder. Keine sichtbare Unsicherheit, keine Überforderung, die er gegen sie wenden konnte. Sie säuberte Waschbecken und Ablage, entfernte Blutreste und benutztes Material und warf das schmutzige Handtuch in den Wäschekorb. Keine Erinnerung an sie sollte hier zurückbleiben, genauso, wie sie dieses Ereignis für immer aus ihrem Kopf verbannen würde. Noch bevor sie das Wohnzimmer erreichte, hörte Syrena Antares’ Stimme. Freundlich, leicht, warm. Beinahe verspielt. Als sie um die Ecke trat, saß er mit Maisie und einem Kartenspiel da. Emile lag bei ihr, ein Glas Wasser stand auf dem Tisch, und Maisie gluckste über irgendeinen Unsinn. Syrena sagte nichts. Derselbe Mann, der ihr gerade noch ins Gesicht gepackt hatte, behandelte dieses Kind mit einer Geduld, die sie ihm nicht zugetraut hätte. Das machte ihn nicht sympathischer, es machte sein Verhalten ihr gegenüber nur persönlicher. Er konnte freundlich sein, bei ihr entschied er sich bewusst dagegen. Und Maisies Lachen traf einen anderen Punkt in ihr. Vor wenigen Stunden war sie allein gewesen, hungrig und mit Menschen auf den Fersen, die sie wie eine Ware behandelten. Jetzt hatte sie eine Decke, Emile, Wasser, Karten und genug Sicherheit für ein kleines Lachen. Dann erblickte Syrena die drei Nudelboxen. „Drei?“ Ihr Blick ging zu Maisie, dann zu Antares. „Hast du jemals zuvor ein Kind aus der Nähe gesehen?“ Ein süffisantes Lächeln folgte. „Oder hast du dich nur nicht getraut, mich zu fragen, ob ich auch etwas essen möchte?“ Maisie sah auf – und ihr ganzes Gesicht fing schier an zu leuchten. Einfach, weil Syrena wieder da war. Warum zur Hölle freute dieses Kind sich jedes Mal so, sie zu sehen? Die Wärme, die diese Reaktion in ihrer Brust auslöste, war fremd genug, dass Syrena sie am liebsten sofort zerlegt und entsorgt hätte. „Du musst mir beim Essen helfen.“ Maisie hielt ihr die übrigen Essstäbchen hin. Syrena sah auf die Stäbchen, dann auf das Mädchen. Bereits beim Näherkommen wurde ihre Magie wieder schwächer. Gerade erst hatte sie erlebt, wie erleichternd ihre Rückkehr gewesen war. Nun ging sie freiwillig dorthin zurück, wo sie wieder verloren ging und ihr Magen zog sich unwillkürlich zusammen. Unsinn! Das Kind hatte seit zwei Tagen nichts Vernünftiges gegessen. Jemand musste schließlich sicherstellen, dass sie überhaupt etwas davon hinunterbekam. Und Lexingtons Vorstellung einer Kinderportion lag offensichtlich irgendwo zwischen Großfamilie und Hungersnot. Die Hexe seufzte, setzte sich neben Maisie und nahm die Stäbchen. Das Rot unter ihrer Haut verschwand gänzlich, doch sie versuchte es zu ignorieren. „Du musst das nicht alles schaffen.“ Ihr Blick ging erneut zu dem Hexer, dann wieder zu Maisie. „Offenbar hat jemand hier die Ernährung eines zwölfjährigen Mädchens mit der Versorgung einer Footballmannschaft verwechselt.“ Vor zwei Stunden hatte sie noch einen Mann mit einem Müllcontainer erschlagen. Jetzt saß sie in Antares Lexingtons Loft, teilte gebratene Nudeln mit einem zwölfjährigen Mädchen und half ihm mit den Essstäbchen. Die ganze Szene war ihr auf eine schwer erklärbare Weise unangenehm und völlig absurd. Der Hexer rückte erneut in ihren Fokus. Zwei Stäbchen. Praktisch, eines für jedes Auge. Wenn ihre Magie hier nur funktionieren würde… Die Hexe nahm ein paar Bissen aus der dritten Box, die sie für sich wie selbstverständlich öffnete und dabei den Hexer vollkommen ignorierte. Sie kaute bedächtig, die Nahrung tat nach ihrer Selbstoperation gerad verdammt gut. Nach ein paar Bissen sah Syrena zu Maisie. So alltäglich das hier gerade wirkte, konnten sie den eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit nicht ewig verschieben. „Wir sollten dir erklären, warum wir dich überhaupt mitgenommen haben.“ Ihre Stimme nahm automatisch jenen sachlichen Ton an, den sie sonst für unangenehme Vertragsklauseln benutzte. „Die Männer, denen wir heute begegnet sind, arbeiten für jemanden namens Gideon Ashcroft. Er sucht nach dir.“ Maisies Finger schlossen sich fester um die Box und ihre Augen wurden wieder größer. „Warum?“ Syrena atmete durch die Nase aus. Kindgerecht… wie zum Teufel machte man das?! „Wegen etwas, das du kannst. Etwas Magischem.“ Das Mädchen schüttelte energisch den Kopf und zog die Brauen zusammen. „Aber ich kann doch gar nicht zaubern, das gibt es doch nur im Märchen“, antwortete sie mit halbvollem Mund. „Nein, nicht nur im Märchen. Und du zauberst auch nicht, wie du vermutlich denkst.“ Syrena legte die Stäbchen kurz auf den Rand der Box und faltete ihre Hände ineinander, die Ellenbogen auf dem Tisch abgestützt, als wenn sie gerade begann eine Verhandlung zu führen. Ihr Gesicht war gerade mindestens genauso angestrengt. „Wenn du in unserer Nähe bist, funktioniert unsere Magie nicht richtig. Je näher du bist, desto stärker wird es. Ashcroft weiß offenbar davon.“ Sie hielt den Blick der kleinen dabei um ihr zu verdeutlichen, dass sie es verdammt ernst meinte, vielleicht etwas zu fixierend, zu streng. „Wir wissen noch nicht genau, was er mit deiner Fähigkeit vorhat. Nur, dass Leute bereit sind, dich deswegen zu suchen und mit Gewalt mitzunehmen.“ Die machte eine kurze Pause, als sie registrierte, dass das Mädchen auf seinem Stuhl deutlich kleiner geworden zu sein schien. „Deshalb bleibst du vorerst hier. In Sicherheit.“ Dann sah Syrena zu Antares. Nicht freundlich, nicht versöhnlich – aber eindeutig genug, um ihm den Rest zu überlassen du ihm klar zu machen, dass die Sicherheit hier eine grundlegende Erwartung von ihr war. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 20.09.2026 Als er die Karten in seiner Hand umverteilte, fiel sein Blick auf sein schmerzendes Handgelenk. Es war ungewohnt, wenn nicht sogar fremd für ihn, Schmerzen über einen längeren Zeitraum aushalten zu müssen. Seine Magie sorgte für gewöhnlich innerhalb kürzester Zeit dafür, dass alles wieder so wurde, wie es vor einer Verletzung war. Nicht, dass er deswegen wagemutiger wäre. Aber es war gut zu wissen, dass Verletzungen bis zu einem gewissen Grad, für ihn keine nennenswerte Bedeutung hatten. Jetzt, da er sich aber in der Gegenwart des Mädchens befand, war diese Fähigkeit vollkommen weg. Die Stellen, an denen Syrena ihm ihre Fingernägel in die Haut rammte, brannten unangenehm und er sollte sie wohl auch in absehbarer Zeit desinfizieren und ausspülen. Nicht, dass sie Tollwut hatte. Unangenehmer als das Ziehen auf der Haut war aber das Wissen, dass er mit der Hexe russisch Roulette spielte. Der Impuls, aus der Wut heraus geboren, war nicht die beste Entscheidung, die er treffen konnte. Und doch war es ihre Arroganz, die es immer wieder schaffte, seine selbst auferlegte Barriere zu durchbrechen. Es war ihm scheißegal ob sie ihn hasste. Sie konnte ihn verabscheuen und all ihre dämlichen Sprüche, die sie scheinbar auswendig gelernt hatte, bei ihm anbringen. Sie konnte ihm auch mit ihren ständigen Nörgeleien ein Ohr abschmatzen. Das alles war ihm nicht wichtig. Seit er den einzigen Menschen verloren hatte die ihm etwas bedeutete, ließ Antares niemanden mehr an sich heran. Die Liebschaften, die er seither hatte, waren nur dazu da, die eigene Lust zu befriedigen. Von keiner der Frauen wusste er noch den Namen oder sah sie je wieder auch wenn hin und wieder es doch mal eine nochmal versuchte. Hier und da mal Eine aus dem Club mitnehmen oder es sich gegen Ladenschluss in einem der Separees gut gehen lassen. All das gehörte zum Alltag. Er merkte sich weder Namen noch sonst irgendwelche Details. Es war nicht mehr wichtig für ihn. Genauso wenig, wie er noch richtige Freundschaften besaß. Klar, waren da die Kollegen aus dem Club, mit denen man abhing, oder der ein oder andere Geschäftspartner, der zu den Besseren zählte und mit dem man auch mal über die Dodgers sprach. Doch das war alles an Nähe, die er noch erlaubte. Wer, wenn nicht er wusste nur zu gut, was es bedeutete, jemanden zu haben, der einen verletzlich machte. Bestes Beispiel war ja die Kleine hier. Sogar das Mistvieh von Syrena wurde in ihrer Nähe handzahm. Beinahe menschlich. Und doch war ihre Arroganz ihm gegenüber unübertrefflich. Sie hasste ihn aus den falschen Gründen. Gründe, die sie nicht wissen konnte, weil er es nie jemandem anvertraute. Für das was er getan hatte, verdammte er sich bereits selbst, da hätte es diesen Fluch nicht auch noch benötigt. Die Hexe aber sah in ihm denjenigen der für Amys Untergang verantwortlich war. Und Newsflash! Das war er auch. Allerdings war er nicht derjenige, den sie nicht aufhören konnte und wollte, in ihm zu sehen. Sie verdammte ihn zu einem Leben als Katze und drehte sich danach nicht mal mehr um. Es war Zufall, dass sie sich heute wieder getroffen hatten, ansonsten hätte sie ihn schon längst vergessen. Und an ihrer vermaledeiten Moralpredigt von wegen was es bedeutete, über andere zu bestimmen, sollte sie ersticken. Nichts von dem was er bisher oder in der Vergangenheit tat, war schlimmer, als ihr Fluch. Aber Syrena war so verblendet von ihrer eigenen Arroganz, dass sie vermutlich nicht mal erkannte einen Fehler gemacht zu haben, wenn der Fehler sie in den Arsch biss. Nein, sie sollte ihn ruhig weiter hassen und ihn mit ihren dämlichen Sprüchen malträtieren. Ja, vielleicht suchte sie ihn sogar nochmal auf, wenn sie ihre Magie zurück hatte, weil ihr Stolz es nicht anders zuließ. Dann war er bereit. Aber sie wusste nun auch, er spurte nicht vor ihr, nur weil sie ihn verfluchte. Ihr ganzer Zorn und ihre Abneigung waren nichts im Vergleich zu dem, was er sich selbst in Bezug auf Amys Tod auferlegte. Sein Versuch sie zu retten, führte zu ihrem Ende. Und daher konnte ihn das Rumpelstilzchen, welches sich gerade in seinem Bad verarztete oder krepierte, noch so sehr verachten. Seine Verachtung sich selbst gegenüber würde sie nie erreichen. Und daher ging auch ihre Drohung ins Leere. Sollte sie diese wirklich durchsetzen, tja, dann tat sie ihm sogar einen Gefallen damit. "Du hast mir noch nicht verraten, wer Amy ist." Die zarte Stimme des Mädchens riss ihn aus seinen Grübeleien und Antares hob den Kopf. "Sie war eine Freundin von mir. Eine, die ich sehr gerne mochte. Aber sie war in Gefahr, ähnlich wie du. Ich wollte sie beschützen, doch das ist mir leider nicht gelungen." Maisie sah ihn so mitfühlend an, dass es dem Dunkelhaarigen beinahe unangenehm wurde. Er wusste, was sie empfand. Schließlich war es seine Magie. Sie erkannte, dass er die Wahrheit sagte und vermutlich empfang sie auch seinen Schmerz bei diesen Worten. Je nachdem wie viel sie von seinem Können übernommen hatte. Daher zwang er sich zu einem Lächeln. "Dieses Mal klappt es, versprochen. Heute ist ja deine Freundin mit dabei und die schafft alles, was sie sich in den Kopf setzt." Das Lächeln erstarb seinerseits, als besagte 'Freundin' in den Raum trat und natürlich wieder um sich keifte wie so ein kleiner Pinscher, der Komplexe bezüglich seiner Größe hatte. Syrena wirkte sauberer und leider auch irgendwie geheilter. Sie musste sich die Kugeln entfernt haben. Scheinbar war das Badezimmer weit genug von Maisie weg, dass dies möglich war. Die Augen bezüglich ihrem erneut dämlichen Kommentar verdrehend, schnappte er sich die Box mit dem gebratenem Hähnchen und begann sich ein Stück davon mit den Stäbchen heraus zu fischen. Wenn Maisie sein magisches Können, bezüglich der Empathie übernommen hatte, warum strahlte sie dann übers ganze Gesicht, wenn Syrena in der Nähe war? Konnte nur daran liegen, dass sie seine Magie nicht richtig einschätzen konnte. Ansonsten wäre sie schon in ihrer Wohnung zu einem der Fenster, die in den Hinterhof führten, auf und davongerannt. Das Gebrabbel und Gemecker auf der anderen Seite des Tisches, ignorierte der Hexer gänzlich und konzentrierte sich auf sein Abendessen. Oder verfrühter Mitternachtssnack? Egal wie man es nannte, er stellte nicht nur wieder einmal fest, warum er den Flyer dieses Lieferservices am Kühlschrank hängen hatte, er genoss es auch voll und ganz, wieder er selbst zu sein. Zwar ohne Magie aber auch ohne den Fluch. Sollte Syrena doch so tun, als wäre sie nett zu dem Mädchen. Erst als diese anfing, zu erklären was Sache war, horchte er aufmerksamer zu. Beinahe hätte er sich an einem der Stückchen verschluckt. Zu ihm sagen, er konnte nicht mit Kindern umgehen. Aber das was Madame hier gerade tat war ja umso vieles Besser. Kalte, ungeschönte Fakten mitten rein in das Gesicht der Zwölfjährigen. Nein, das war sicherlich bei weitem nicht so schlimm, wie sein Fauxpas mit den Nudelboxen. Vor allem weil sie ja gerade im Duett diese Erklärung übernahmen, wie sie einleitend anklingen ließ. Aber Antares schwieg. Sollte Maisie bitte ihre Rotznase auch an Syrena abwischen. Und obwohl er weiterhin so tat, als wäre der Inhalt der Box wichtiger, war seine Aufmerksamkeit bei dem, was die Hexe erzählte. Gegen Ende ihrer Erklärung, die das Einfühlvermögen einer Abrissbirne besaß, saß ein Häufchen Elend auf dem Sofa. Natürlich aß Maisie auch nichts mehr und das Faultier war wieder näher zu ihr heran gerückt. Mehr noch, sie hielt es nun fest umklammert. Jap! Er war derjenige, der hier kein Gespür für Kinder hatte. Als Antares aufsah, zog er nur eine Augenbraue in die Höhe. 'Echt jetzt?' Aber noch immer kam kein Kommentar diesbezüglich über die Lippen. Stattdessen versuchte er irgendwie zu retten, was noch zu retten war. Mit sehr viel mehr Einfühlvermögen in der Stimme wandte er sich der Zwölfjährigen zu. "Deine Freundin hat Recht. Deine Fähigkeiten sind für viele Leute sehr wertvoll. Leute, die damit schlimme Dinge tun wollen. Aber Syrena hat auch diesbezüglich Recht, dass du hier in Sicherheit bist. Jetzt iss noch ein bisschen was, hm?" Seinen Kopf hebend, suchte er Blickkontakt mit Syrena. Klar, wenn es darum ging, dass etwas wirklich erledigt werden musste, war er wieder recht. Außer Sprücheklopfen war von ihrer Seite ja noch nicht viel gekommen. "Für heute Nacht kann sie hierbleiben, aber was dann? Vielleicht schaffen wir es auch sie noch eine weitere Nacht zu verstecken. Ich habe Kontakte in der Stadt. Maisie ist nicht das erste Kind, welches wir aus diesem elenden Schmugglerring befreien. Die Anderen waren aber noch nicht so heiß, als wir sie versteckten und vor allem waren deren Fähigkeiten nicht so wertvoll. Meine Kontakte werde ich in diese Angelegenheit nicht mit hineinziehen. Außerdem gibt es in der ganzen Stadt keinen Ort, an dem sie für längere Zeit sicher ist. Sie muss weiter weg." RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 21.09.2026 Ach kommt schon! Was sollte wieder diese Augenbrauen-Kirmes?! Was war denn die Alternative? Dem Mädchen einfach nichts zu sagen?! Hätte man sie in dem Alter so mit Samthandschuhen angepackt, wäre aus ihr nicht mal annähernd eine so erfolgreiche Pianistin und Hexe geworden! Natürlich entging Syrena auch Maisies Reaktion auf ihre eigene Erklärung nicht. Das Mädchen hatte Emile wieder enger an sich gezogen, die Nudelbox auf ihren Knien kaum noch beachtet und wirkte mit jeder weiteren nüchternen Information ein bisschen kleiner. Großartig. Einmal sprach man mit einem Kind so, wie man mit jedem vernünftigen Erwachsenen sprechen würde, und schon sah es aus, als hätte man ihm persönlich den Weltuntergang angekündigt. Syrena seufzte, verzog kaum merklich den Mund und warf Antares lediglich ein „Spar dir den Blick“ zu. Leider war ihr vollkommen klar, was er damit hatte sagen wollen – und ja, es war nicht kindgerecht gewesen, wie sie mit ihr gesprochen hatte. Doch war es sinnvoller, sie in Watte zu packen, auf dass sie möglichst wenig widerstandsfähig wurde? Tate man ihr damit schlussendlich einen Gefallen? Nein, das fand die Hexe nicht. Dennoch schloss sie für einen Bruchteil ihre Augen um sich noch einmal zu sammeln und ihr ihre Gedanken nicht eins zu eins so um die Ohren zu haben. „Du musst heute nicht alles davon verstehen.“ Ihre Stimme blieb fest, verlor aber etwas von jener kühlen Sachlichkeit, mit der sie normalerweise Vertragsklauseln oder Risiken auseinandernahm. „Wichtig ist nur, dass wir nicht zulassen, dass diese Leute dich bekommen.“ Das war einfacher, konkreter. Offenbar weniger geeignet, einem zwölfjährigen Mädchen den Appetit endgültig zu verderben. Dass Antares sie anschließend schon wieder als Maisies Freundin bezeichnete, nahm die Hexe nur noch nebenbei wahr. Sie wusste mittlerweile, dasss er dieses Wort inzwischen eindeutig vorsätzlich benutzte. Normalerweise hätte sie den Unsinn augenblicklich korrigiert, doch diesmal schwieg sie. Maisie war ohnehin verunsichert genug und hing längst mit einer Hartnäckigkeit an ihr, die Syrena noch immer nicht verstand. Also bekam Antares lediglich einen schmalen Blick. Dann hob sich einer ihrer Mundwinkel. „Wo wir gerade bei Freundinnen sind: Du schuldest Maisie übrigens noch eine Erklärung.“ Sie nahm einen weiteren Bissen und sah erst danach scheinbar beiläufig zu dem Mädchen. „Über Amy.“ Maisie blinzelte. „Er hat es mir schon erzählt.“ Syrenas Stäbchen verharrten einen Moment über der Box. Nur einen Herzschlag lang, doch genug, dass der kleine Triumph, auf den sie sich bereits gefreut hatte, abrupt verpuffte. Verdammt, sie war zu lange im Bad gewesen. Dieser verfluchte Bastard… was hatte er ihr erzählt? Langsam hob sie den Blick zu Antares. „So, hat er das?“ Die Süffisanz war verschwunden. Dafür trat etwas wesentlich Aufmerksameres an ihre Stelle. Er war dem Thema also immerhin nicht ausgewichen. „Und was genau hat er dir erzählt?“ Natürlich fragte sie Maisie und nicht ihn. Das Mädchen sah kurz zu Antares, dann wieder zu ihr. „Dass Amy seine Freundin war. Und dass er sie sehr gerne mochte.“ Bereits dabei spannte sich Syrenas Kiefer leicht an. Maisie sprach weiter. „Und dass sie in Gefahr war. So wie ich.“ Die Aufmerksamkeit der Hexe schärfte sich mehr. „Er wollte sie beschützen. Aber es hat nicht geklappt.“ Bitte was?! Das hatte er ihr nicht erzählt! Er, dessen Schuld es gewesen war, dass sich ihre Cousine vor Trauer, Selbstvorwürfen und Gram irgendwann in ihrer eigenen Magie aufgelöst hatte?! Innerlich zählte Syrena bis zehn, was ihr gerade unglaublich schwerfiel. Doch es half ihr, ihm zumindest nicht sofort an die Gurgel zu springen. „Beschützen?“ Das Wort kam leise, fast gefährlich ruhig. Für einen Augenblick war das Essen vergessen. Syrenas Blick ruhte vollständig auf Antares. Das war also seine Version. Nicht Betrug. Nicht Amy, die ihn mit einer anderen Frau erwischt hatte. Nicht der Schmerz, den er ihrer Cousine zugefügt hatte, nein. Offenbar hatte er sie beschützen wollen. Wie bequem und feige konnte man eigentlich sein? „Eine bemerkenswert großzügige Auslegung dessen, was damals passiert ist.“ Sy schnaubte und nahm wieder einen Bissen, auf dass nicht noch mehr aus ihr herausplatzte. Maisie zog die Brauen zusammen. „Aber er war traurig, als er davon erzählt hat.“ Syrenas Blick hob sich wieder zu ihr, während sie sich noch über ihre Nudel-Box gebeugt hatte und langsam kaut. Die Wut galt nicht Maisie, und genau deshalb zwang sie ihre Stimme ruhig zu bleiben. Langsam schluckte sie das Essen, was nicht annähernd etwas mit Haute Cuisine zu tun hatte, herunter. „Man kann etwas bereuen und trotzdem dafür verantwortlich sein.“ Daraufhin erklang ein trockenes Knacken und die Hexe sah hinunter. Die beiden Essstäbchen waren in ihrer Hand mittig gebrochen. Für einige Sekunden betrachtete sie die zwei nutzlosen Hälften, bevor sie sie sehr kontrolliert auf den Rand der Box legte. Danach sah sie wieder zu Antares und ihr Blick sprach Bände. Darüber sprechen wir später. Dass sie überhaupt darüber sprechen würden, stand bereits fest. Seine Formulierung hatte sich in ihrem Kopf festgesetzt, ob sie wollte oder nicht. Ich wollte sie beschützen. Sie glaubte ihm kein Wort. Trotzdem war es das erste Mal, dass seine eigene Darstellung dessen, was mit Amy geschehen war, nicht vollständig mit dem Bild übereinstimmte, das Syrena seit Jahren von ihm hatte. Nur machte eine andere Version sie noch lange nicht wahr. Vielleicht brauchte Lexington inzwischen einfach eine Geschichte, in der er selbst weniger erbärmlich dastand. Und allein das reichte, um ihre Wut noch unangenehmer zu machen. Seine Frage, was nach dieser Nacht geschehen sollte, brachte sie zurück zu etwas, das sich wenigstens lösen ließ, ohne vier Jahre alte Wunden aufzureißen. „Dass sie hier nicht länger bleiben kann, ist offensichtlich.“ Ashcroft hatte Mittel besessen, Maisie zu finden. Niemand konnte wissen, ob die Resonanzmünze das einzige davon gewesen war. Vermutlich wäre es sogar ausgesprochen naiv, davon auszugehen. Dann sagte Antares, Maisie sei nicht das erste Kind, das sie aus diesem Schmugglerring befreiten. Syrena hob langsam den Kopf. „Wir?“ Mehr sagte sie zunächst nicht. Fügten sich die bisherigen, leicht chaotischen Puzzleteile in ihrem Kopf doch noch zu einem klareren Bild zusammen? Hatte sein Wissen über verschwundene Kinder, etwa etwas mit Joshua und Carlos zu tun? Oder mit diesem versteckten Rückzugsort, dem Waffenarsenal? Immerhin erklärte es zumindest diese irritierende Selbstverständlichkeit, mit der er Maisie behandelte. Als wäre ein verängstigtes Kind in seiner Nähe zwar ungewöhnlich, aber keineswegs vollkommen fremdes Terrain. Natürlich. Doch wenn der Barkeeper mit den dubiosen Geschäften tatsächlich nebenbei Kinder aus solchen Verhältnissen holte, ließ sich auch dafür eine ausgesprochen bequeme Erklärung finden: Gewissenserleichterung. Lexington musste sich wahrscheinlich nur oft genug zum Retter machen, bis er selbst daran glauben konnte, bei Amy ebenfalls einer gewesen zu sein. Der Gedanke machte ihn in Syrenas Augen keinen Deut weniger heuchlerisch, im Gegenteil. In diesem Moment fand sie ihn so abstoßend, dass ihr beinahe die Nudeln wieder hochgekommen wären. Trotzdem wusste selbst sie, dass es ausgesprochen unklug wäre, ihm diese Dinge vor Maisie an den Kopf zu werfen. Als Antares erklärte, die anderen Kinder seien nicht annähernd so stark gesucht worden und ihre Fähigkeiten weniger wertvoll gewesen, glitt Syrenas Blick wieder zu Maisie. „Weil Ashcroft weiß, was sie kann.“ Einen Moment dachte sie weiter und ihre Miene verhärtete sich. „Oder weil längst jemand dafür bezahlen will.“ Der Gedanke gefiel ihr nicht denn für Männer wie Ashcroft war Maisie keine Zwölfjährige mit einem Stofftier auf dem Schoß. Dass Antares seine bisherigen Kontakte deshalb nicht in diese Sache hineinziehen wollte, quittierte Syrena trotz ihrem inneren Groll diesmal ohne Spott. „Ausnahmsweise sind wir uns einig. Wenn jemand deine üblichen Wege kennt oder nachvollziehen kann, machen wir damit nur noch mehr Leute zu Zielen.“ Ihr Blick, mit dem sie den Hexer nun fixierte, bekam etwas Misstrauisches. Das wir hatte sie keineswegs vergessen. Wer gehörte dazu? Seit wann? Wie viele Kinder? Wohin brachte er sie normalerweise? Wer half ihm? Was wusste er tatsächlich über diesen Schmugglerring und wie tief reichte seine Verbindung zu all dem? Der Hexe wurde fast schwindelig bei den ganzen neuen Informationen, doch sie zwang sich dazu, sie weiter sortiert zu halten. Syrena lehnte sich etwas zurück, bevor sie sich ihr dunkles Haar aus dem Gesicht strich. „Sie muss auf jeden Fall weiter weg.“ Indirekt hatte sie Antares gerade zugestimmt, auch, wenn sie es niemals so formulieren würde. Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort. „Nicht nur aus der Stadt.“ Los Angeles war zu nah. Kalifornien möglicherweise ebenfalls. Wenn Ashcroft tatsächlich über ein Netzwerk verfügte, brauchte Maisie keinen besseren Unterschlupf, sondern Distanz. Echte Distanz. Syrenas Gedanken begannen sofort Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen. Wolfram & Hart hatte Niederlassungen, Kontakte, Reisewege und Menschen, die Dinge organisierten, ohne überflüssige Fragen zu stellen. Sie musste Maisie nicht der Kanzlei übergeben, um einzelne Strukturen davon zu benutzen. Schon die Vorstellung, Ashcroft könnte innerhalb der Stadt weiterhin nach ihr suchen, während das Mädchen längst außerhalb seiner üblichen Reichweite war, hatte ihren Reiz. Doch dann kam der Hexe ihre alte Bekannte wieder in den Sinn. Dhakiya war als Lehrmeisterin von ihrer Mutter hinzugezogen worden und dank der Voodoo-Priesterin hatte Syrena damals ein Faible für die Nekromantie entwickelt. Ob sie immer noch in São Paulo lebte? Sie telefonierten nur sporadisch, doch insgeheim hatte die Hexe immer noch eine enge Bindung zu ihr – und Dhakiya wusste das. „Vielleicht kann ich sie aus Kalifornien herausbringen.“ Syrena hielt kurz inne und blieb zunächst vage. Immerhin musste sie sie erst einmal erreichen. „Vielleicht auch noch weiter.“ Maisie sah zwischen ihnen hin und her und drückte Emile noch immer dicht an sich. Ein anderer Punkt ließ sich allerdings nicht einfach übergehen. Syrena richtete sich wieder an Maisie. „Und ich verspreche dir, dass wir herausfinden, was mit deinen Eltern passiert ist.“ Keine falschen Versprechen und erst recht keine Behauptung, dass sie noch lebten. Jetzt, da Syrena allerdings von den anderen Kindern wusste, stellte sich ohnehin eine neue Frage: Was war bei denen mit den Eltern passiert? Doch auch die musste warten. Maisie hatte heute schon genug Dinge gehört, die kein zwölfjähriges Mädchen jemals hätte hören müssen. Syrenas Blick fiel wieder auf die Nudel-Box des Mädchens, die noch nicht ganz leer war. „Heute Nacht nimmt dich niemand irgendwohin mit.“ Der Satz kam ruhig und endgültig. „Und jetzt wenigstens noch ein paar Bissen.“ Sie schob Maisie die Box etwas näher und warf Antares einen trockenen Blick zu. „Sonst war seine beeindruckende Vorstellung von Kinderernährung endgültig für nichts.“ Sie zwinkerte und nickte ihr gleichzeitig zu… und… war so etwas wie ein warmes Lächeln, was sie ihr zuwarf? Blödsinn! Immerhin richtete sich Maisies Aufmerksamkeit damit wieder ein wenig auf das Essen. Syrena betrachtete ihre gebrochenen Stäbchen und entschied, dass sie heute offenbar genug davon gehabt hatte. Als sie die Hände zurückzog, fiel ihr Blick auf Antares’ Handgelenk. Die halbmondförmigen Spuren ihrer Fingernägel zeichneten sich noch deutlich auf seiner Haut ab. Ein kleiner Anflug von Genugtuung durchzog sie. Immerhin hatte er sich eine Erinnerung an seine brillante Idee behalten. Mitleid verspürte sie keines. Syrena faltete die Hände vor sich. Kontrolle war leichter, sobald aus Chaos einzelne Schritte wurden. „Gut.“ Ihr Blick traf Antares. „Ich werde morgen früh einen jemanden anrufen. Dort ist es jetzt vier Stunden später.“ Dhakiya würde sie verfluchen – hoffentlich nicht in Echt. Die Voodoo-Priesterin war eine Legende unter den Hexen von Louisiana, wo Syrena auch zum ersten Mal auf sie getroffen war. Und sie wusste, dass Dhakiya mit einem Mädchen wie Maisie umgehen konnte, ohne ihre Gabe darauf zu reduzieren, welchen Nutzen man daraus ziehen konnte. Auch bei Sy war es ihr um die persönliche Entfaltung gegangen – ein völliger Gegensatz zu ihrer Mutter damals. Sie würde Maisie weder an einen Kinderschmugglerring, noch an Wolfram & Hart ausliefern. Sie hatte ihre beinharten Prinzipien, worüber die Hexe gerade jetzt fast erleichtert war. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 21.09.2026 Hatte man Syrena eigentlich schonmal gesagt, dass sie zu unfairen Tendenzen neigte? Egal was er tat, und wenn er nur gleichmäßig dasaß und atmete, wurde das von ihr abfällig kommentiert. Wenn er aber nach ihrer vernichtenden Rede allen Grund dazu hätte, sich entweder vor Lachen wegzuwerfen, weil sie wieder einmal bewiesen hatte, ein Stein hatte mehr Einfühlvermögen als diese Hexe, oder vom Kopfschütteln beinahe Genickstarre zu bekommen, weil er nicht fassen konnte, mit welcher Kälte sie dem Mädchen gegenüber begegnete, bekam er einen vernichtenden Blick. Die Wahrheit zu sagen und sie damit regelrecht zu zermörsern waren zweierlei Dinge. Aber davon hatte das Wesen da auf dem Sofa keine Ahnung, die nur etwas empfand, wenn sie ihre Hand in einen Topf mit kochend heißem Wasser tauchte. Mitleidig sah Antares stattdessen Maisie an, da er Madame ja scheinbar nicht mal anblicken durfte. Die Zwölfjährige tat ihm so leid. Niemand hatte solch grausame Einschnitte in seinem Leben verdient und noch dazu in einem jungen Leben und noch obendrauf, wenn dieses ganz offensichtlich bereits von Entbehrungen geprägt war. Doch wer war er schon der superschlauen Hexe klar zu machen, dass sie jetzt auch ausholen könnte und Maisie eine schallende Ohrfeige hätte geben können. Der Effekt war der Gleiche. Aber er wusste diesbezüglich ja nichts. Dies wurde Syrena schließlich nicht müde, immer wieder zu betonen. Sie hatte alles in Griff. Sie gab an, wie die Dinge getan wurden. Das dabei ausgerechnet das Mädchen unter die Räder kam, welches aus unerfindlichen Gründen zu ihr aufsah, ja, sie regelrecht anhimmelte, schien diese nicht einmal zu bemerken. Vermutlich bemerkte sie auch die Zuneigung von Maisie nicht. Oder tat es vielleicht und verabscheute diese Art der freundlichen Gefühlsregung. Einen kurzen Moment hoffte der Dunkelhaarige, dass die etwas Jüngere vielleicht sogar davon schmelzen könnte. Wie die böse Hexe des Ostens, die man mit Wasser besiegen konnte. Was wenn Liebe und Zuneigung bei Syrena den gleichen Effekt hatte? Oh, er würde sie auf der Stelle vergöttern. Und ja, er erwähnte ihren Namen gerne in Zusammenhang mit dem Begriff der Freundin. Sicherlich nicht ohne besagte Hexe damit negativ zu triggern, der Hauptgrund aber war, oh Wunder! Maisie. Eine Freundin zu haben, war für diese gerade fundamental wichtig. Klar, dass Syrena das nicht begriff, aber dafür war ja er hier. Das diese ihm bei dieser Gelegenheit nicht wieder den Mund verbot, zeigte zumindest von ihrer Lernfähigkeit. Ganz vielleicht war ihr auch selbst aufgefallen, wie schrecklich Maisie ihre Erklärung aufgenommen hatte. Das arme Faultier in ihrem Arm, litt seither nämlich schon wieder an akutem Sauerstoffmangel. Und klar, dass das Trampeltier nun weiter über die Scherben tanzte. Sie konnte nicht einfach in Ruhe ihre Nudeln essen und nur mal für zehn Minuten ihre Klappe halten. Wurde Syrena in ihrem Beruf eigentlich nach Worte bezahlt? Dann würde es noch einen geringfügigen Sinn machen. Die Alternative war, dass sie sich schlichtweg nur gerne selbst beim Reden zuhörte. Kurz blieb das Hühnchenstück auf halber Höhe zwischen seinem Mund und der Box hängen, als er die Essstäbchen nicht weiter bewegte. Antares machte Maisie keinen Vorwurf. Sie war zu naiv um die Tragweite zu erkennen und wusste nichts von seiner Vergangenheit. Außerdem wollte sie ihrer Freundin gefallen. Diese nutzte das natürlich schamlos aus und fragte weiter. Kurz nickte der Dunkelhaarige, als ihn der Blick des Mädchens traf. Er hatte nichts zu verbergen und schließlich interessierte Syrena sich ja ohnehin für nichts, was ihn betraf. Was sich allerdings schlagartig änderte, als sie seinen Bericht mit den kindlichen Wortend er Zwölfjährigen hörte. Langsam, ohne Hast und vor allem frei von Reue oder gar Scham, wanderte sein Blick weiter zu dem von Syrena. "Was? Dachte du bist allwissend?" Und war das vorhin noch halb im Scherz gemeint, wenn man bei der Hexe von so etwas überhaupt sprechen konnte, troff es nun vor Sarkasmus. Sie hatte nie gefragt und er nie etwas gesagt. Und seit wann interessierte sie das? Seine unausgesprochene Frage wurde dann auch schon wieder von der Abrissbirne der Emotionen beantwortet. Natürlich ging sie von ihrer Version aus. Diejenige, die alle Welt kannte. Und obwohl Antares nun selbst die Zähne so fest aufeinander biss, dass man sehen konnte wie sich seine Wangenknochen etwas anhoben, schwieg er. Genau diese Version blieb auch die Offizielle. Unter Folter würde er der hier anwesenden Hexe nicht die Wahrheit erzählen. Sollte sie ihn weiterhin hassen und verabscheuen. Ihren Fluch nahm sie auch nicht zurück, wenn sie wüsste, warum er so gehandelt hatte, wie er es tat. Denn sie sah in ihm den Bösewicht in dieser Geschichte. Und damit konnte und würde Antares weiterleben können. Lieber hasste sie ihn und er musste sich nicht weiter damit auseinander, alsdass er ihr am Ende, Gott bewahre, die Wahrheit erzählte. Als Maisie meinte, er war traurig, als er von Amy erzählte, blickte der Dunkelhaarige zu dem Mädchen und konnte sich gerade noch ein hörbares Ausatmen verkneifen. Es war nicht gerade angenehm, wenn jemand anderes ihn lesen konnte, wie ein offenes Buch. Für gewöhnlich war das andersherum und er hatte dies zeitlebens zum Vorteil genutzt. Zu wissen ob der Gegenüber tatsächlich furchtlos war oder nur ein guter Schauspieler, war eine solide Basis. Jetzt aber selbst auf dem Seziertisch zu liegen, fühlte sich nicht so prickelnd an. Allerdings konnte er Maisie keinen Vorwurf machen. Sie hatte zum Einen seine Fähigkeiten nicht absichtlich gestohlen und zum Anderen konnte sie damit nach der kurzen Zeit wahrlich noch nicht sensibel genug umgehen. Wobei er sich eingestehen musste, sie machte ihr Sache wirklich gut. Wenn man mal überging, wem sie hier diese sensiblen Informationen zuspielte. Als Syrena mit ihrer bekannten und einfach nur lächerlichen Art darauf reagierte, sah Antares sie schweigend an. Anwältin war wahrlich nicht der richtige Beruf für sie. Sprengmeisterin wäre der wohl sensiblere Job. Aber gut, was erwartete er auch von jemandem, die einen Stein anstelle eines Herzens hatte? Als sie ihm dann nonverbal klarmachen wollte, später darüber zu sprechen, schüttelte der Hexer nur mit dem Kopf. Eher küsste er eine Kröte auf den Hintern, bevor er ihr auch nur ein Wort seiner wahren Beweggründe verriet. Zum Glück, oder sollte man sagen zu Maisies Vorteil, schwenkten sie wieder auf ein Thema um, welches zu ihren Gunsten war. Wenngleich auch jetzt wieder dieser unterschwellige Ton in der Stimme der Hexe lag, als sie so tat, als könnte sie nicht glauben, dass er noch etwas anderes tat als Cocktails mixen. Achso halt, er vergaß. Sie hielt ihn genau für so jemanden. Die eigenen Moralvorstellungen krebsten irgendwo auf Höhe der Kanalisation herum aber immer noch mit Dreck nach Anderen werfen, darin war Syrena wahrlich geübt darin. "Und zu deiner großen Bestürzung kann ich dir sagen, dass dein Fluch dabei sehr hilfreich ist." Bestätigte er daher nur mit diesen wenigen Worten und ließ die Brünette in ihrem eigenen Saft schmoren. Erschreckenderweise waren sie sich aber größtenteils einig, wenn es darum ging, die Zwölfjährige in Sicherheit zu bringen. Die Stadt kam nicht in Frage und was den County anging, musste er sich leider auf Syrena verlassen, inwieweit der Einfluss dieses Ashcroft war. Wenn Antares raten müsste, sehr weit. Da würde es vermutlich auch nicht ausreichen, sie in Kalifornien zu verstecken. Und als hätte Syrena nun die Begabung gelernt, Gedanken zu lesen, sprach sie genau das nun aus. Der Dunkelhaarige schwieg, was in ihrer Beziehung so etwas wie eine Zustimmung war. "Die Münze muss zerstört werden." Kein Befehl, darauf reagierte Syrena ja ohnehin nur wieder mit Stresspusteln, sondern eine einfache Feststellung. "Damit niemand mehr die Signatur von Maisie aufnehmen kann." Das musste nicht jetzt sein, da sie in der Gegenwart des Mädchens ohnehin ihre Kraft verloren hatte aber sobald ein möglicher Fluchtversuch anlaufen würde. Und ja, Antares war durchaus gewillt, jede mögliche Gewalt einzusetzen um sie Syrena aus den Fingern zu reißen, sollte diese anderer Meinung sein. Aber dies wurde nicht jetzt vor dem Kind diskutiert. Ein kurzer Blick zu seiner Gegenüber sollte genügen, damit diese wusste, wie ernst es ihm mit dieser Feststellung war. Während Syrena dachte, wollte Antares dieses seltene Naturphänomen nicht unterbrechen und angelte sich nochmal eines der letzten Hühnchenstücke aus der Box. Aufmunternd sah er zu Maisie hinüber, zog eine Grimasse und versuchte die Kleine so etwas aufzumuntern. Er tippte sich mit den Fingern gegen die Schläfe, was dieses Mal ausnahmsweise nicht heißen sollte, jemand war verrückt, sondern er wollte verdeutlichen, dass Syrena nachdachte. Hatte er Maisie doch eben noch versichert, wenn diese sich was in den Kopf setzte, geschah es auch. Er fühlte sich so hilflos, nicht zu wissen, wie es der Gegenüber ging. So fühlte sich das also für normale Menschen an? Kein Wunder, dass diese sich nicht verstanden und so oft aneinander vorbei redeten. Auch Maisie tat ihm jetzt nur den Gefallen und lächelte kurz. Seufzend verspeiste er sein Abendessen und sah dann wieder zu Syrena hinüber, die ihre Stimme wiederfand. "Nicht vielleicht." Es war keine Drohung. Keine Abwertung. Eines der wenigen Male, in der er mit ihr Übereinstimmte und von einer Anwältin mit solch einflussreichen Kontakten und einer Person, die ein Vielleicht auch von seiner Seite aus nicht akzeptiert hätte, erwartete Antares keine Antwort, die ein Vielleicht beinhaltete. Es sollte ein Ansporn für die Jüngere sein aus dieser möglichen Lösung etwas zu machen, dass sich baldmöglichst umsetzen ließ. Wobei er im nächsten Moment glaubte, in den Hühnchenstücken war irgend eine verbotene Substanz drinnen. Hatte er gerade einen Hirnschlag erlitten oder lächelte Syrena da etwa? Die Beleidigung in seine Richtung, ging dabei vollkommen unter, so beeindruckt war er von dem, was er hier sah. War das Syrenas menschlicher Zwilling oder was passierte hier gerade? "Wow..." Murmelte er leise und ehrlich beeindruckt. Das er das noch erleben durfte. Er war Zeuge eines einmaligen Ereignisses geworden. Nicht nur, dass sie dem Mädchen eben zusicherte in Erfahrung zu bringen, wo die Eltern waren, wo Madame doch bis vorhin noch der Meinung war, dies wäre ein vernachlässigbares Thema. Nun auch noch das! Da dauerte es sogar einen Moment, bis ihm ihr nun wieder gewohnt vernichtender Blick auffiel, der auf seinem verletzten Handgelenk lag. Russisch Roulette, kam es ihm wieder in den Sinn. Und dennoch bereute er seine Tat von eben keinesfalls. Nickend stimmte er ihrem Vorschlag zu, das morgen Früh der Anruf gemacht wurde, der über Maisies Schicksal entschied. Das sie heute Nacht hierbleiben würde, war ihm klar und ihm stand eine Nacht auf dem Sofa bevor. Aber ja, er war bereit dieses Opfer zu bringen, selbst wenn er nicht in der Gestalt eines Katers hier nächtigen würde. Und ganz offensichtlich waren die beiden Erwachsenen kurzzeitig mehr damit beschäftigt gewesen, sich mit Blicken zu erdolchen, denn es war Maisie, die sich mit dem Stofftier unter den Arm geklemmt, die Nudelbox in der einen Hand und in der Anderen die Stäbchen ausbalancierte zum Fenster wandte. "Seht ihr das auch?" Vor der Scheibe saß eine Taube, die ins Zimmer blickte. "Als würde sie mich anstarren." Und als Maisie den Kopf zur Seite neigte, tat die Taube es ihr gleich. "Schaut mal!" Gluckste sie. Der Einzige, der das nicht so lustig fand, war Antares. "Das... das ist bestimmt nur Zufall. Vielleicht ist sie aus einem Zirkus weggeflogen." Doch das Mädchen neigte den Kopf nun in die andere Richtung und auch jetzt folgte das Tier ihren Bewegungen. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 26.09.2026 „Allwissend nicht. Ich hatte nur nicht erwartet, dass du vier Jahre später ausgerechnet vor einem Kind anfängst, deine Vergangenheit umzuschreiben.“ Syrena erwiderte Antares’ Sarkasmus mit einer Ruhe, die nicht annähernd zeigte, wie sehr ihr das gegen den Strich ging. Was genau glaubte er eigentlich, damit bewiesen zu haben? Dass sie diese Behauptung vorher nicht gekannt hatte? Großartig. Jetzt kannte sie sie. Natürlich. Das waren große Worte für ein zwölfjähriges Mädchen, aber sobald jemand nachhakte, wurde Lexington plötzlich schweigsam. Dass er ausgerechnet ihren Fluch anschließend als nützlich für seine Rettungsaktionen bezeichnete, ließ Syrena für einen Moment die Brauen heben. „Wie rührend. Dann hat mein Fluch am Ende sogar einen sinnvolleren Beitrag zur Gesellschaft geleistet als sein Träger.“ Der Spott saß deutlich in ihrer Stimme, doch hinter ihm setzte sich bereits der nächste Gedanke zusammen. Eine schwarze Katze fiel nicht auf. Sie konnte in Hinterhöfen sitzen, unter Zäunen hindurchschlüpfen, Menschen verfolgen, durch geöffnete Türen verschwinden oder irgendwo warten, ohne dass irgendjemand zweimal hinsah. Als Mann wäre Lexington an denselben Orten vermutlich aufgefallen; als Kater war er schlicht Teil der Umgebung. Das erklärte zumindest einen Teil davon, wie er an Informationen über verschwundene Kinder gekommen sein konnte und weshalb er offenbar schon länger in Dinge verwickelt war, von denen Syrena bis heute nichts gewusst hatte. Es machte ihn trotzdem keinen Deut sympathischer. Doch es erklärte zumindest einen Teil davon, wie er an Informationen über verschwundene Kinder gekommen sein konnte. Dass er ausgerechnet ihren Fluch dafür benutzte, hatte eine Ironie, die Syrena beinahe persönlich beleidigte. An ihrer Einschätzung seiner Motive änderte es allerdings nichts. Bei der Münze musste sie ihm dagegen nicht widersprechen. Dass sie verschwinden musste, lag derart offensichtlich auf der Hand, dass Syrena sich fast beleidigt fühlte, weil sein Blick ihr nahelegte, er müsse sie erst davon überzeugen. „Ich habe nicht vor, Ashcroft einen Wegweiser in Maisies Richtung zu lassen.“ Sie griff in ihre Tasche und ließ die Fingerspitzen kurz prüfend über das Metall gleiten, ohne die Münze herauszunehmen. „Zuerst zerstören wir die physische Matrix. Wenn die Signatur an der Prägung oder der Form gebunden ist, reicht das möglicherweise bereits. Wenn die Verzauberung danach noch reagiert, löse ich die Bindung magisch aus dem Material. Und damit sie nicht wieder zusammengesetzt werden kann, entsorgen wir die Stücke an verschiedenen Orten.“ Dafür war Telekinese schließlich auch gut. Mit genügend Druck konnte sie das Ding vermutlich sauberer zerlegen als mit jedem Werkzeug, und falls Ashcroft bei seinen kleinen Spielzeugen auf kompliziertere Sicherungen setzte, würde sie das früh genug merken. „Damit beseitigen wir die Spur, die wir kennen.“ Ashcroft deshalb für erledigt zu halten, wäre jedoch geradezu fahrlässig. Antares’ „Nicht vielleicht“ brachte Syrena lediglich dazu, die Augen zu verdrehen. „Das Vielleicht bezog sich darauf, ob ich sie erreiche, Lexington. Nicht darauf, ob ich es versuche.“ Sie hatte weder vor, ihm jetzt den Namen zu nennen, noch zu erklären, wo diese Person lebte oder weshalb Syrena ihr überhaupt zutraute, ein Mädchen wie Maisie aufzunehmen. Erst musste sie Dhakiya erreichen. Alles Weitere würde sie ihm später erklären – notgedrungen, denn dieser lästige Kater würde diesbezüglich sicher nicht aufhören Fragen zu stellen. Vielleicht wäre für einige Minuten tatsächlich so etwas wie Ruhe eingekehrt, wenn Maisie sich nicht plötzlich mit Emile unter dem Arm, der Nudelbox in der einen und den Stäbchen in der anderen Hand zum Fenster gedreht hätte. Syrena folgte ihrem Blick zunächst nur beiläufig. Eine Taube. Wie fantastisch. Nach diesem Abend fehlte ihnen selbstverständlich noch ornithologische Unterhaltung. Doch als Maisie den Kopf zur Seite neigte und das Tier die Bewegung nahezu unmittelbar spiegelte, zog sich Syrenas Stirn zusammen. Beim zweiten Mal nicht minder, denn die Taube saß noch immer vor der Scheibe und blickte hinein, als gäbe es in ganz Los Angeles nichts Interessanteres als ein zwölfjähriges Mädchen mit einem abgewetzten Stofffaultier. Dann kam Antares’ Erklärung und die Hexe sah langsam zu ihm. „Aus einem Zirkus.“ Ihr Blick wanderte wieder zur Taube. „Natürlich.“ Das Wort war so trocken, dass selbst Maisie vermutlich hätte merken können, wie wenig Syrena an diese großartige Theorie glaubte. Trotzdem wollte sie nicht denselben Fehler noch einmal machen und dem Mädchen sofort sämtliche unangenehmen Möglichkeiten vor die Füße werfen. „Maisie, komm bitte vom Fenster weg.“ Ihre Stimme war bestimmt, aber nicht scharf. Die Zwölfjährige sah irritiert zu ihr. „Warum?“ Die Hexe seufzte. Diese Warum-Fragen waren einer der Gründe, weshalb sie es bevorzugte, nur in bestimmten Regionen der Erde Kinder zuzulassen. Doch sie verkniff sich Kommentare in dieser Richtung. „Nur vorsichtshalber.“ Syrena wartete, bis Maisie sich einige Schritte von der Scheibe entfernt hatte, und beobachtete dabei aufmerksam, was draußen geschah. Bewegte sich der Kopf der Taube weiter mit ihr? Suchte ihr Blick nach dem Mädchen? Oder blieb sie einfach sitzen und tat das, was gewöhnliche Tauben eben taten, wenn sie beschlossen hatten, Menschen mit ihrer Anwesenheit zu belästigen? Syrena hatte nie besonderes Interesse an Vögeln gehabt. Im Augenblick entwickelte sie allerdings eine bemerkenswert starke Abneigung gegen genau diesen. „Hat dein Zirkusvogel gerade eben schon hier gesessen?“, fragte sie Antares und beobachtete jede weitere Bewegung des Tiers. Ja, es konnte es Zufall sein. Tiere verhielten sich manchmal merkwürdig. Menschen ebenfalls, Lexington war schließlich der lebende Beweis dafür. Nur hatte Syrena an diesem Abend bereits zu viele Zufälle erlebt, die sich kurze Zeit später als ausgesprochen schlechte Nachrichten herausgestellt hatten. Bis vor wenigen Stunden hatten sie angenommen, ihre Fähigkeit würde Magie lediglich unterdrücken oder ausschalten. Doch was, wenn das nicht alles war? Syrenas Blick glitt kurz zu dem Mädchen. Oder sie vernichtete Magie gar nicht. Was, wenn sie etwas davon aufnahm, festhielt... konservierte? Vielleicht reagierte das Tier auf irgendeine Resonanz, die Maisie selbst nicht bemerkte. Vielleicht war es aber auch überhaupt nicht Maisie, die hier etwas tat. Sie trat etwas näher an Antares heran, gerade weit genug, dass Maisie nicht jedes Wort zwangsläufig mitbekam. „Wenn das kein Zufall ist, haben wir ein Problem.“ Ihre Stimme war gedämpft. Menschen durch Tiere beobachten zu lassen, wäre in ihrer Welt weder besonders originell noch unmöglich. Familiars, Besessenheit, Sichtzauber, gebundene Geister – die Liste der unangenehmen Möglichkeiten war länger, als ihr lieb war. Und im Gegensatz zur Münze wussten sie bei diesem Vogel nicht einmal, wonach sie überhaupt suchten. Syrena dachte an das Metall in ihrer Tasche und traf eine Entscheidung. „Die Münze verschwindet heute noch.“ Sie sah nun kurz zu Antares. „Ich nehme sie nachher mit ins Bad. Dort funktioniert meine Magie wieder.“ Ein schmaler Zug erschien um ihren Mund. „Oder hat der Herr eine bessere Idee?“ Wenn er schon darauf bestanden hatte, dass das Ding zerstört wurde, durfte er selbstverständlich gern einen brillanteren Vorschlag präsentieren. Ansonsten würde sie sich darum kümmern, sobald Maisie nicht mehr unmittelbar neben ihr war. Das Mädchen beobachtete die beiden inzwischen mit jener Mischung aus Neugier und Unsicherheit, die Syrena mittlerweile viel zu gut erkannte. Offenbar lernte sie tatsächlich noch etwas aus ihrem vorherigen Versuch, einer Zwölfjährigen die Wahrheit mit der Eleganz eines Gerichtsvollziehers zu erklären. Sie wandte sich Maisie zu und ließ ihre Stimme bewusst ruhig werden. „Alles gut. Wir sehen uns das nur kurz an.“ Keine Rede von möglicher Überwachung. Keine Erklärung darüber, dass irgendein Irrer womöglich durch die Augen einer Taube in Antares’ Wohnzimmer starrte. Für den Moment genügte es, dass Maisie vom Fenster wegblieb. Syrena sah wieder hinaus. Die Taube saß noch immer dort. Ihre Augen verengten sich langsam. „Lexington“, sagte sie misstrauisch, ohne den Vogel aus den Augen zu lassen. „Ich glaube nicht an Zirkustauben.“ RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 26.09.2026 So sehr Syrena wohl ihren eigenen Worten zuhörte, umso mehr genoss es Antares sie mit Schweigen zu strafen. Er würde ganz sicherlich nicht anfangen ausgerechnet jetzt zu erklären, dass die Hexe tatsächlich und unumstößlich falsch lag. Sie kannte nicht die ganze Wahrheit. Das tat niemand. Und würde auch niemand. Nicht mal sie mit ihrem Brechreiz auslösendem Liebreiz brachte ihn dazu, ihr diese Wahrheit zu beichten. Sollte sie ihn weiterhin für die falschen Gründe hassen, das war ihm ganz Recht. So blieb sie auf Abstand und alles was sie für ihn übrig hatte, war Abscheu. Damit konnte er besser leben als mit irgend einer Art von Mitleid. Was würde passieren, wenn Syrena die Wahrheit kannte? Würde sie den Fluch von ihm nehmen, zusammen mit lauter entschuldigenden Worten? Würden sie am Ende gar so etwas wie Frieden schließen? Wohl kaum. Schließlich käme es sicherlich dem Urknall gleich, würde sie eines Tages herausfinden, wer einen der roten Edelsteine von Amys Grabstein genommen hatte. Aber es überstieg die Vorstellungskraft von Syrena zu glauben, er würde ebenfalls dorthin kommen. Schließlich war er auch am Tag der Beerdigung dort. Weit entfernt, hinter einem Baum versteckend, wie ein Dieb. Es war erniedrigend, doch für Amy hatte er dies auf sich genommen. Sie sollte nicht dort sein. Immer wieder war ihm dieser Gedanke durch den Kopf gegangen und hinter der schwarzen Sonnenbrille, die er trug, waren die rotgeweinten Augen versteckt. Als er von ihrem Tod erfuhr, war Antares zusammengebrochen. Wäre ein wahrer Augenschmaus für die Brünette hier am Tisch gewesen. Es war das erste Mal, dass er ungehemmt weinte und sogar einen ziemlich wichtigen Deal sausen ließ. Zwei Tage verließ er daraufhin nicht die Wohnung und gab sich der Trauer voll und ganz hin. Und dann stand er dort, in schwarz, mit Sonnenbrille und dunkler Basecap hinter einem Baum. Mehrere Reihen von der Zeremonie entfernt und krallte sich mit so viel Verzweiflung an der Rinde des Baumes fest, das seine Fingerkuppen bluteten. Aber all das blieb vor Syrena verborgen. Für sie blieb er der Mistkerl, als den er sich seither gab. Und ihr gegenüber ganz besonders. Sie hatte ihm eine Art von Gewalt angetan, die erst einmal ihres Gleichen suchte und dennoch saß sie mit ihrer selbstgefälligen Art nun in seiner Wohnung und glaubte im Recht zu sein. Wenn er sie nur anfasste, drohte sie ihm mit dem Schlimmsten. Aber ihr Fluch war gerechtfertigt. Selbst als er diesen für seine andere Nebentätigkeit erwähnte, fand sie noch eine Gelegenheit ihn zu demütigen. Aber auch das ließ der Dunkelhaarige einfach geschehen. Sie kannte ihn nicht und nachdem dieser Abend vorüber war, oder besser gesagt Maisie in Sicherheit, würden sich ihre Wege wieder trennen. Da war es dann ganz gut, dass sie ihm mit der Münze eine weitere Steilvorlage gab. Bevor er ein weiteres Mal von einem seiner Hühnchenstücke abbiss, schnaubte er belustigt. "Was, willst du die Münze das Klo hinunter spülen?" Er kaute genüsslich und ließ den Blick des Todes auf sich ruhen. "Du schaffst nie, die Münze zu zerstören, solange Maisie hier ist. Du konntest dir vielleicht die Kugeln heraus holen aber mal so unter uns, du sahst vorhin aus, wie schonmal gegessen, als du wieder zurück gekommen bist. Also mach mir nichts vor. Du brauchst dabei Hilfe." Er sah in seine Box und stellte fest, dass tatsächlich schon alles aufgefuttert war. "Das Einzige, bei dem ich dir zustimmen kann ist, dass die Münze zerstört werden muss, bevor Maisie irgendwohin geht. Damit wäre dieses Thema dann wohl erledigt gewesen und vielleicht, ganz vielleicht hätte er einen Moment der Ruhe genießen können. Antares steckte die Essstäbchen in die Box und stellte diese auf den Tisch zurück. Im Anschluss schnappte er sich die Bierflasche, die er sich aus dem Kühlschrank nahm, als er für die Kleine ein Wasser einschenkte. Syrena konnte entweder verdursten oder bei dem Versuch, ihn ebenfalls um etwas zu Trinken zu bitten, daran krepieren. Doch es wurde nichts damit, einen Schluck zu nehmen, denn dann kam das Tauben-Thema auf. Verdammter Ast, die Kleine nahm auch alles mit, was sie bekommen konnte. Und warum eigentlich nur von ihm, kam es Antares in den Sinn. War die Magie von Syrena zu düster, sodass die nur unterdrückt wurde? Aber seine war kindgerechter? Maisie schien eine gewisse Begeisterung daran zu finden, mit der Taube zu 'kommunizieren'. Klar das war auch mega spannend. Antares wusste nur zu gut, wie er sich das erste Mal dabei fühlte. Und auch, dass er nach seinem ersten Flug durch die Augen eines Vogels, danach erstmal zehn Minuten flach am Boden lag, weil sich alles um ihn herum drehte und er fürchtete, wenn er sich bewegte, müsste er sich übergeben. Es war nämlich etwas ganz anderes, in einem Flugzeug zu sitzen und die Erde unter sich zurück zu lassen oder bei einer Kamikaze-Amsel mitzufliegen und alles life mitzuerleben. Denn leider hatte er sich für seinen ersten Versuch genau so ein durchgeknalltes Exemplar ausgesucht. Was aber auch erklärbar war. Je geringer der willentliche Widerstand des Tieres war, umso leichter fiel es diesen zu übernehmen und damals war er noch nicht so geübt darin wie heute. Die Bierflasche noch immer in der Hand haltend, trat Miss Weltuntergangs-Verschwörerin auf ihn zu. Antares sah zu ihr auf. "Jetzt ruinier dir mal nicht gleich das Seidenhöschen. Das ist kein Problem. Es ist Maisie selber. Sie kontrolliert den Vogel." Bewusst langsam und damit provozierend, lehnte Antares sich zur Seite, fasste vielleicht einen Ticken absichtlich zu nahe an Syreans Hüfte vorbei zu einem Regal, welches direkt neben dem Sessel stand, in dem er saß und nahm eine Fernbedienung hervor. Nachdem er den Knopf betätigte, senkte sich eine Jalousie über die ganze Fensterfront herab. Maisie blinzelte mit einem Mal, genau in dem Moment, als sie merkte, die Verbindung riss endgültig ab. "Zufrieden?" Diese Frage galt Syrena. Dann brachte sie an, die Münze heute, besser gesagt jetzt noch vernichten zu wollen. Halleluja es gab mal einen Gedanken, bei dem sie sich beide einig waren. Und natürlich wollte sie das im Alleingang machen, bevor sie schon wieder von ihm wissen wollte, was zu tun war. Klar! Man sollte ja nun handeln und nicht nur blöde Sprüche reißen. Also war wieder sein Beitrag gefragt. "So wie ich vorhin meinte. Du kannst das nicht alleine." Er nahm nun endlich den Schluck aus der Flasche und stellte diese im Anschluss wieder auf den Tisch. Maisies Blick war ihm ebenfalls aufgefallen aber er überließ es ihrer besten Freundin dies zu erklären. Syrena besaß ja so großes Einfühlvermögen. Aber erstaunlicherweise tat sie dieses eine Mal das Richtige. Sie blieb nahe genug bei der Wahrheit. "Aber der Vogel?" Gut, das war nun sein Stichwort. Antares stand auf, kam um den Tisch herum und kniete sich vor die dort sitzende Maisie. "Dem geht´s gut. Der hat dich nur so angesehen, weil du ihm das gesagt hast." "Hab ich gar nicht!" Kam es verteidigend von ihrer Seite. Antares schmunzelte, denn im Gegensatz zu Syrena mochte er Kinder. Amy und er hatten sich sogar schon im Spaß darüber unterhalten, wie viele sie später mal zusammen haben wollten. Und ob sie ihnen an Halloween kleine Besen kaufen sollten. Okay, zugegeben, das war seine Idee aber Amy hatte so herrlich darüber lachen können. "Weißt du noch, was dir deine Freundin hier zu Beginn erzählt hat? Das du etwas besonderes kannst? Du unterdrückst unsere Magie. Und scheinbar gefällt dir meine so gut, dass du sie dir ein klein bisschen ausleihst." Maisie sah ihn mit großen Augen an und drückte ihr Faultier wieder an sich. "Als ich dir vorhin von meiner Freundin erzählte, da hast du unumstößlich zu Syrena gesagt, dass ich traurig war. Weil du es gespürt hast. Hier drinnen." Er tippte ihr mit dem Zeigefinger leicht gegen die Brust. Die Kleine nickte. "Das ist von mir. Ich spüre sowas nämlich auch. Ob jemand traurig ist oder wütend." "Oh..." Kam es nur von ihrer Seite. "Und der Vogel? Bei dem habe ich nichts gespürt." Antares sah nun zu Syrena auf, die ja irgendwo auch noch da war und das alles zwangsläufig mithörte. Ach scheiß drauf, dachte er sich. Dann sollte sie das eben erfahren. Was konnte sie schon damit anstellen, außer sich auch darüber lustig machen? "Nein, bei dem Vogel hast du nicht gespürt ob er traurig ist. Aber als du ihn gesehen hast, habt ihr eine Art Verbindung aufgebaut. Als du den Kopf geneigt hast, hat er es nachgemacht, weil du das wolltest. Unbewusst zwar aber er hat es gespürt." Maisie schien langsam zu verstehen. "Dann kannst du die Tiere alles machen lassen was sie wollen?" Antares schmunzelte. "Alles nicht, aber vieles, ja. Ein Trick ist besonders cool." Nun beugte er sich vor und flüsterte Maisie ins Ohr, was der Zauber noch konnte. Diese sah ihn daraufhin beeindruckt an. "Woah, cool." Antares zwinkerte ihr zu und stellte sich dann wieder hin. "Jetzt iss noch ein paar von den Nudeln bevor sie ganz kalt werden. Syrena und ich schauen uns kurz die Münze an und kommen dann wieder zu dir. Wenn du willst, kannst du ein bisschen fern sehen." Er holte ihr die Fernbedingung vom Regal und legte sie auf den Tisch. Und wie er sich zu besagter Hexe umwandte, schien es als hätte man wieder einen Schalter umgelegt. Weg war der freundliche Ausdruck in seinen braunen Augen, sowie das Schmunzeln um seine Mundwinkel. "Nach dir." Er deutete in Richtung des Badezimmers. Nach Syrena schloss er die Türe und lehnte sich dann mit dem Rücken dagegen, als er ein schwaches aber spürbares Echo des Fluches spürte, der wieder da war. Es fühlte sich beschissen an. Selbst der Edelstein an seiner Kette begann sich wieder dunkler zu verfärben. Noch nicht gänzlich das satte Schwarz, welches er für gewöhnlich besaß, aber deutlich sichtbarer. Aber alle negativen Einwirkungen mussten nun hinten anstehen. Sein Blick, den Syrena von ihm bekam, konnte kaum deutlicher 'Halt die Klappe' rufen. Die Münze zu zerstören blieb oberste Priorität. "Also, wie willst du es anstellen?" Bei magischen Objekten, vor allem denjenigen, die mit einem Zauber oder Fluch belegt waren, war sie ja die Expertin. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 27.09.2026 „Ja, Lexington. Genau deshalb habe ich dir eben etwas von physischer Matrix und magischer Bindung erzählt. Weil mein eigentlicher Plan die Toilettenspülung war.“ Syrena sah ihn trocken an. Hatte er in der Schule auch schon immer so schlecht zugehört? Wenn ja, dann war seine berufliche Laufbahn, die er offenbar eingeschlagen hatte, kein Wunder. Dass er anschließend darauf herumritt, wie sie nach dem Entfernen der Kugeln ausgesehen hatte, traf allerdings einen empfindlicheren Punkt. Der Mistkerl hatte offenbar genauer hingesehen, als ihr lieb war. Und die Hexe wusste, dass sie gerade nicht makellos aussah. Aber hatte er echt keine andere, verbale Waffe auf Lager? „Und trotzdem sind beide Kugeln draußen.“ Sie lächelte ihn triumphierend an, doch in ihren Augen lag wieder die übliche Kälte. Als Antares sich danach provozierend an ihr vorbeilehnte und seine Hand dabei einen Hauch zu dicht an ihrer Hüfte vorbeiführte, bemerkte Syrena es sehr wohl. Ebenso schnell erkannte sie, dass er vermutlich genau darauf gehofft hatte. Also biss sie sich auf die Zunge und schenkte ihm weder einen Kommentar noch auch nur den Gefallen einer sichtbaren Reaktion. Wenn er testen wollte, ob sie nach seiner letzten brillanten Idee noch empfindlich auf Nähe reagierte, durfte er sich an ihrer Gleichgültigkeit verschlucken und dann ersticken. Die Erklärung zur Taube war schwerer zu ignorieren. Er schien wirklich verdammt naiv zu sein. „Wie beruhigend. Dann werden wir also nicht beobachtet. Stattdessen eignet sich ein zwölfjähriges Mädchen unbewusst fremde Magie an, die es offenbar noch gar nicht kontrollieren kann. Dann ist ja alles gut.“ Ihre Stimme troff vor Sarkasmus, während sie seufzte und den Kopf schüttelte. Fast gleichzeitig senkte sich die Jalousie herab, und Maisies irritiertes Blinzeln verriet, dass damit auch etwas anderes verschwunden war. Die Verbindung bestand also nicht unabhängig von ihrer Wahrnehmung weiter. Entweder spielte Sichtkontakt eine Rolle oder zumindest die bewusste Konzentration auf das Tier. Für eine feste Regel war ein einziger Versuch lächerlich wenig, doch Syrena merkte es sich. Immerhin würde sie ihrer Mentorin Dhakiya berichten, was die Kleine so drauf hatte – bewusst oder unbewusst, denn wenn sie tatsächlich bei ihr sein konnte, war so etwas das wesentlich Wichtige. Dann erklärte Antares dem Mädchen auch noch, dass Maisies erstaunlich sichere Einschätzung seiner Gefühle offenbar keineswegs bloß kindliche Menschenkenntnis gewesen war. Sie hatte seine Empathie übernommen. Zumindest teilweise. Syrenas Gesicht verriet wenig, doch Maisies frühere Bemerkung bekam mit einem Mal ein anderes Gewicht. Die Kleine hatte gesagt, er sei traurig gewesen, als er von Amy erzählt hatte. Bis eben hatte Syrena diese Aussage problemlos als Beobachtung eines zwölfjährigen Kindes einordnen können. Jetzt sah das anders aus. Trauer war noch immer kein Beweis für Unschuld. Schuldgefühle machten Menschen schließlich ebenfalls traurig! Das änderte nichts daran, was er Amy angetan hatte, gar nichts! Es bedeutete lediglich, dass Maisie sich seine Reaktion vermutlich nicht eingebildet hatte. Als wäre das nicht genug, stellte sich nebenbei heraus, dass Lexington sich mit dem Geist von Tieren verbinden und deren Verhalten beeinflussen konnte. Syrena sah ihn kurz an. „Dein Lebenslauf wird mit jeder Stunde unseriöser.“ Mehr Aufmerksamkeit gönnte sie dieser Enthüllung zunächst nicht. Dass er sich daraufhin auch noch zu Maisie herunterbeugte und ihr etwas ins Ohr flüsterte, was bei der Kleinen prompt ein begeistertes „Woah, cool!“ auslöste, machte Syrena allerdings augenblicklich misstrauisch. „Was genau hast du ihr gerade erzählt?“ Ihre Stimme war scharf, denn sie vertraute ihm deshalb noch lange nicht. Schon gar nicht, wenn er einer Zwölfjährigen Möglichkeiten einer Magie erklärte, deren Regeln sie selbst noch gar nicht richtig verstand. Ein weiterer, unangenehmer Gedanke folgte sofort. Wenn Maisie sich Antares’ Empathie und seine Verbindung zu Tieren aneignen konnte, wo lag dann die Grenze? Syrenas Telekinese war wesentlich weniger harmlos, sobald jemand nicht wusste, wie viel Kraft tatsächlich dahintersteckte, das wusste sie aus ihrer eigenen Kindheit noch zu gut. Von ihren Flüchen ganz zu schweigen. Sie sagte davon jedoch vorerst nichts, denn Maisies Augen hatten sich seit Minuten zum ersten Mal nicht vor Angst geweitet, sondern vor echter Begeisterung, und überraschenderweise brachte Syrena es nicht über sich, ihr genau diesen Moment wieder kaputtzureden. Wenigstens sah das Mädchen für einen Augenblick nicht mehr aus, als hätte man ihr gerade erklärt, dass die halbe Unterwelt hinter ihr her war. Als Antares vorschlug, Maisie könne fernsehen, während sie beide sich um die Münze kümmerten, nickte die Hexe nur knapp. „Wir sind gleich wieder da. Wenn irgendetwas Merkwürdiges passiert, ruf nach uns.“ Sie machte bereits einen Schritt Richtung Bad, hielt noch einmal inne und sah über die Schulter. „Und heute bitte keine weiteren Tiere.“ Die Worte waren ernst genug gemeint, doch diesmal begleitete sie tatsächlich ein kurzes Augenzwinkern. Kaum fiel die Badezimmertür ins Schloss, antwortete ihre Magie wieder auf sie. Rot flackerte über ihre Fingerspitzen, und Syrena sog beinahe genüsslich die Luft ein. Für sie fühlte sich die zurückkehrende Magie an, als gehorchte ihr endlich wieder ein fehlender Teil des eigenen Körpers. Sie seufzte fast schon selig, als hätte sie sich gerade aus einem einengenden Kokon befreit. Bei Antares dagegen verdunkelte sich der Stein an seiner Kette, während das Echo ihres Fluches zurückkehrte. Gut so, da war er wieder. Syrena registrierte seinen Gesichtsausdruck, dann seinen Blick und Syrenas Mundwinkel hob sich mit unverhohlener Genugtuung, ohne etwas zu erwidern. Dass es ihm wieder schlechter ging, war für den Moment Befriedigung genug. Auf sein „Also, wie willst du es anstellen?“ folgte dafür ein ungläubiger Ausdruck auf ihrem Gesicht. „Hast du mir beim Essen überhaupt zugehört?“ Sie drehte sich zum Waschbecken und zog die Münze aus ihrer Tasche. „Physische Matrix zerstören. Prüfen, ob Maisies Signatur bestehen bleibt. Falls ja, löse ich die magische Bindung aus dem Material.“ Ihren Vortrag würde sie ihm nicht ein drittes Mal halten. Wenn er schon so überzeugt davon war, dass sie seine Hilfe brauchte, hatte er hoffentlich genug aufgepasst. „Also erleuchte mich. Wofür genau brauche ich dich?“ Es war eher eine rhetorische Frage, denn sie wusste es bereits, wollte aber herausfinden, ob es Lexington ebenso wusste… und wie er es ihr sagen würde. Die Hexe gab es nur ungern zu, wenn ihre Macht nicht vollständig gehorchte, und auch hier im Bad lag Maisies Einfluss noch immer wie ein störender Widerstand auf ihrer Magie. Und sie hasste es, sie hasste sich selbst gerade dafür, ließ es sich jedoch nicht anmerken. „Du hast vier Jahre damit verbracht, meinen Fluch mit einem Gegenbann auszubremsen.“ Allein ihm diese Kompetenz offen zuzugestehen, fühlte sich beinahe unanständig an. „Wenn hier außer mir jemand merken sollte, dass sich eine fremde Bindung gegen ihre Auflösung wehrt, dann vermutlich du.“ Sie hob einen Finger und kam sich in dem Moment wirklich wie eine Lehrerin vor, die ihren Schüler in die Schranken wies. „Gewöhn dich nicht daran.“ Ausgerechnet die Jahre, in denen Lexington versucht hatte, ihre Magie auszutricksen, könnten ihn jetzt nützlich machen. Und die Hexe verabscheute diesen Gedanken. Syrena legte die Münze nicht ab. Stattdessen öffnete sie die Finger, und das Metall blieb wenige Zentimeter über ihrer Handfläche in der Luft stehen. Ein erster roter Faden löste sich von ihren Fingerspitzen, dann ein zweiter. Sie legten sich hauchdünn um den Rand, tasteten über die Prägung und verschwanden beinahe im matten Glanz des Metalls. Syrena richtete sich etwas gerader auf und schloss die Augen. Nicht, um Antares auszublenden – obwohl das ein angenehmer Nebeneffekt gewesen wäre –, sondern weil sich fremde Resonanzen ohne visuelle Ablenkung sauberer voneinander trennen ließen. Für einige Atemzüge gab es nur die Münze und die Magie darin. Syrena suchte nicht nach bloßer Stärke, sondern nach Struktur: Nach dem Punkt, an dem Maisies Signatur an das Metall gebunden worden war, nach einem Kern, nach Abzweigungen und nach allem, was darauf hindeutete, dass der Zauber auf Manipulation reagieren konnte. Die roten Fäden verdichteten sich, lösten sich wieder und glitten an anderer Stelle tiefer. Es hätte beinahe etwas Meditatives gehabt, wäre da nicht die Erkenntnis gewesen, wie viel Konzentration und auch Kraft sie dafür inzwischen brauchte. Zwei Schussverletzungen, Blutverlust, der Vincire-Bann, mehrere größere Zauber und zuletzt das telekinetische Entfernen der Kugeln ließen sich offenbar nicht vollständig mit Arroganz kompensieren. Welch bodenlose Frechheit ihres eigenen Körpers! Nach einigen Sekunden öffnete Syrena die Augen wieder. „Kannst du die Signatur ebenfalls lesen?“ Mit einer kleinen Bewegung ließ sie die Münze langsam zwischen ihnen rotieren. „Wenn ja, kontrollierst du nachher unabhängig von mir, ob etwas zurückbleibt.“ Dann deutete sie auf das Metall. „Und du setzt den Gegenbann, bevor ich die Bindung löse. Und vor allem: Nicht zerstören, sonst haben wir hinterher zwanzig Einzelteile, auf der die Signatur immer noch verteilt ist. Nur gegenhalten. Wenn sie versucht, sich neu zu verankern, hältst du sie offen, bis ich sie durchtrennt habe.“ Es wäre eine Sisyphusarbeit, diese ganzen Splitter einzeln von der Signatur zu befreien und die Hexe hoffte, dass Antares zumindest so fähig war, dazwischen unterscheiden zu können. Damit wäre die Rollenverteilung technisch geklärt gewesen. Nur blieb ein Problem, das Syrena deutlich weniger gefiel als jede magische Sicherung in dieser Münze. Für das eigentliche Herauslösen brauchte sie nicht nur Präzision, sondern Kraft. Mehr, als sie nach diesem Abend noch zuverlässig zur Verfügung hatte. Ihr Blick glitt von der Münze zu Antares und anschließend demonstrativ zu seinen Händen. Schon die Richtung ihres eigenen Gedankens war widerwärtig genug. Sie atmete langsam durch die Nase aus. „Ich brauche zusätzliche Kraft.“ Syrenas Mund verzog sich bereits, noch bevor sie den nächsten Teil aussprach. „Über direkten Kontakt.“ Seine Hände auf ihren. Freiwillig zugelassen und vermutlich länger als jene zwei Sekunden, die sie an ihrem Kinn verweilt hatten und die Syrena grundsätzlich bereits für zu viel hielt. Sie bekam für diesen Auftrag wirklich viel zu wenig Geld. Vielleicht konnte sie sich anschließend direkt in einen Vulkan werfen oder sich bis zum Ende ihrer Tage die Hände wundschrubben. Beides erschien plötzlich erstaunlich attraktiv. Doch diesmal entschied sie, wie er sie berührte. Sie bestimmte wo, weshalb und wann es wieder endete. Sollte dieser verlauste Kater auch nur auf die Idee kommen, daraus irgendeine seiner Provokationen zu machen, würde sie den Kontakt sofort abbrechen. Und dann konnte er Maisie erklären, weshalb ihre einzige bekannte Spur in Sicherheit womöglich weiterhin als magischer Wegweiser funktionierte. Syrena hob langsam beide Hände an und sah Antares an, als wäre bereits die bloße Vorstellung eine persönliche Zumutung. „Du fasst meine Hände an. Mehr nicht. Ich dachte, ich sage es lieber vorher, bevor deine Fantasie wieder mit dir durchgeht.“ Ein weiterer Atemzug folgte, als müsste sie sich für die nächsten Worte tatsächlich zwingen. Ihr Kiefer spannte sich an. Sie hasste diesen Satz jetzt schon. „Ich brauche… deine Hände.“ Ihre Miene verriet deutlich, wie wenig Freude ihr das bereitete. „Keine Sorge, die Magie bleibt nicht in mir. Sie fließt lediglich durch mich hindurch.“ Worauf hatte sie sich da gerade bloß eingelassen? Wenn sie Dhakiya morgen früh anrief, würde sie sogleich um einen Vergessens-Zauber bitten. All das hier gehörte einfach nicht in ihre Erinnerung. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 28.09.2026 Kaum hatte Syrena im Badezimmer wieder losgelegt mit ihrer Mischung aus Herablassung, Belehrung und Verachtung, lächelte Antares gehässig. Sie war in ihrer Verblendung wieder darauf herein gefallen. Hörte sich einfach gerne reden und glaubte, um so vieles klüger zu sein, als alle um sie herum. Natürlich hörte er ihr bereits beim ersten Mal zu. Natürlich war er bei der Sache und natürlich hatte er von Anfang an verstanden. Aber warum nicht ein bisschen das Bild aufrecht halten, welches sie ganz offensichtlich von ihm hatte und einfach so tun als wäre er ihrer Anwesenheit nicht würdig? Die Genugtuung, ihren Fluch wieder präsent zu wissen, hatte sie ja bereits. So wie auch seine Magie wieder zu ihm zurück kehrte und ihn mit der Sicherheit erfüllte, die er sein Leben lang bereits spürte, begann auch wieder der innere Kampf, den er seit vier Jahren tagtäglich ausfocht. Der Zauber, der sein Recht einforderte, der nicht unterdrückt werden wollte, sondern existieren. Die Kraft, die es ihn kostete, welche er zwar mit der Zeit immer besser kompensieren konnte aber eben nie gänzlich abstellen. Und genau dieser Kampf war für eine kurze Zeit zum Erliegen gekommen. Nur um sich nun wieder zurück zu melden. Ein Hinweis für Antares, dass sich morgen sein Weg bereits hier in der Wohnung von Maisie trennte. Wenn sie gänzlich aus seinem Einzugsbereich verschwand, würde er dem Fluch nichts entgegen zu setzen haben und ihn gewähren lassen müssen. Und sich vor den Augen der Öffentlichkeit in eine Katze zu verwandeln war dann selbst in der Welt der Andersartigen etwas, was man tunlichst vermeiden sollte. Zumal er Syrena diesen finalen Sieg ebenfalls nicht gönnte. So wie sie scheinbar mit allem was sie tat und sagte darauf konzentriert war, ihn zunichte zu machen. Da hatte er es gerade geschafft das Mädchen da draußen ein bisschen aufzumuntern, haute Madame wieder einen Dämpfer raus. Natürlich versuchte Antares mit einem Zwinkern zu Maisie zu retten, was noch zu retten war und flüsterte ihr ein "Nur coole Tiere zu." Ein weiterer, kleiner Sieg war, dass er der Hexe natürlich nicht verriet, was er der Kleinen ins Ohr flüsterte. Ging diese schließlich nichts an. Es waren keine Staatsgeheimnisse und nur dafür gedacht, die Gerettete etwas aufzumuntern. Ob es wirklich stimmte, blieb auch im Dunklen, aber alleine die Reaktion war es wert gewesen. Also die von Beiden. Sich gegenüber Syrena auszuschweigen war schon was, dass Antares als Punkt für sich verbuchte. Und nun standen sie hier in seinem dunkel gefliesten Badezimmer. Eigentlich auf ziemlich engem Raum beieinander. Und Syrena keifte in gewohnter Manier vor sich hin. Die Erleuchtung, die sie von ihm erwartete, kam ganz von selbst, als sie nicht mal abwarten konnte, bis er Luft holte um dann selbst fortzufahren. Lässig verschränkte der Hexer die Arme vor der Brust und ließ Syrena reden. Das diese, kaum war sie wieder vorhanden, ihre Magie zum Vorschein kommen ließ, war ihm nicht entgangen. Und auch vergaß er nicht die Tatsache, dass die Rollenverteilung ziemlich klar war. Während die Hexe sich auf Krawall- Angriffs- und Zerstörungszauber spezialisiert hatte, bewegte er sich mehr im passiven Bereich. Was ihn nicht ungefährlich machte, wie sie selbst soeben aufzählte. Er hatte es immerhin geschafft, ihren Fluch in die Schranken zu weißen. Der magisch aufgeladene Stein an der Kette um seinen Hals, unterstützte sein Handeln nur. Er war nicht der ausschlaggebende Punkt. Wenn auch eine sehr wirkungsvolle und von Antares dankbar angenommene Hilfestellung. Übertrieben deutlich, nickte er ihr zu und mimte einen kurzen Moment sogar den Diener, indem er die eben noch verschränkten Arme weit ausbreitete. "Das einfache Volk dankt." Es war natürlich darauf bezogen, dass sie seine Bemühungen anerkannte, ihren Fluch zu unterdrücken. Und ja, sie mochte in vielen Dingen die Beste sein, doch was dies betraf, konnte sie wahrlich noch von ihm lernen. Syrena hatte Ausdauer, gepaart mit Sturheit und ungebrochenem Durchhaltevermögen nicht für sich alleine gebucht. Dies war sein Antrieb gewesen, als es darum ging, sein Leben weiterhin nicht einzig als Kater zu verbringen. Im Anschluss daran, ließ er ihr den Vortritt, was die Untersuchung der Münze anging. Er beobachtete ihr Handeln, sogar weniger, weil er ihr nicht traute, er 'spürte' ihre Magie und verfolgte sie aufmerksam. Es war kein Gefühl, welches sich ihm erschloss. Es war ihre Art, die Wirklichkeit ein klein bisschen zu verbiegen, die wie jeder einzelne Zauber, seine eigene Nuance trug. Ihre geschlossenen Augen beeindruckten ihn nicht, doch er war, was diesen Moment betraf, respektvoll genug, zu schweigen. Und noch bevor sie ihn auf so freundliche Weise fragte, ob er die Signatur auch spürte, hatte er seine linke Hand gehoben. Zu den roten Fäden mischte sich ein violettes Schimmern. Auch er untersuchte die Münze auf die magische Weise. Es kostete ihn viel Konzentration, mehr als sonst, denn seine Magie war noch gedämpft, von der draußen im Wohnzimmer sitzenden Maisie. Sonst durchströmte sie ihn, wie ein Fluss der ständig in Bewegung war. Jetzt aber, schien es als müsste er auf irgendwelche Reserven zurückgreifen, die sich ständig woanders versteckten und nicht wirklich bereit dazu waren, seinem Willen zu gehorchen. Es war richtig anstrengend, zu zaubern. Und dies, wo in ihm doch wieder der Kampf gegen den Fluch entfacht war. Vieles seiner ohnehin spärlich vorhandenen Magie, musste er darauf verwenden, war jedoch zu stur und zu selbstsicher um auch nur irgend eine Kleinigkeit davon, vor Syrena zuzugeben. Als die weiteren Anweisungen kamen, griff Antares mit einem Mal nach vorne und nach der Münze. Er hätte sie Syrena in normalem Zustand niemals abnehmen können, doch momentan waren seine physischen Kräfte stärker als ihre psychischen. Er hielt das kostbare Stück zwischen den Fingern und sah seine Gegenüber direkt an. "Eines wirst du dir jetzt ein für alle Mal merken, Syrena." So, wie er ihren Namen aussprach, klang es eher nach dem Zischen einer Schlange. "Du kannst mich da draußen vor dem Mädchen erniedrigen. Du kannst von mir so wenig halten, wie du möchtest. Aber wenn es darum geht Maisie oder irgend eines der anderen Kinder zu befreien, dann denke daran, dass mir das verdammt ernst ist. Ich werde weder diese Münze zerbrechen, noch sonst einen Fehler begehen, der das Leben des Kindes da draußen gefährden könnte. Du hast heute deinen ersten Kontakt mit dieser Schattenwelt. Und das auch nur, weil dein Auftrag dich in diesen Dreck gestoßen hat. Bisher hast du deine Nase so hoch getragen, dass du gar nicht gesehen hast, über welchen Unrat du hinweggegangen bist." Antares war nicht laut geworden. Maisie brauchte von hier drinnen nichts mitbekommen. Syrena stand auch direkt vor ihm, weswegen es nicht nötig war, die Stimme zu erheben. "Also hör auf, mir noch einmal zu unterstellen, mir wäre das alles hier nicht wichtig. Du bist es nicht. Von mir aus hätten sie dich da in der Gasse noch eine Weile bearbeiten können. Aber es ist diese Münze und Maisie, das ist von Bedeutung ist." Nachdem dies geklärt war und seine Gegenüber es hoffentlich endlich verstand, gab Antares die Münze zurück in ihre Magie. Denn dies galt auch nach wie vor, dass es Syrena war, die in diesem Fall den hauptsächlichen Zauber ausführte. Er blieb im Hintergrund. Unterstützend und wie sich gleich darauf herausstellte, vielleicht sogar mehr als das. Eine Augenbraue wanderte nach oben, als die Hexe sich vor ihm wand wie ein Wurm auf dem Trockenen, und ihn um seine Hilfe bat. Oh, das musste ihr körperliche Schmerzen bereiten und das war wunderbar mit anzusehen. Ja gut, es mochte nicht ganz gentlemanlike sein, die Schwäche einer Frau auszunutzen, noch dazu, nachdem diese sich durchsieben lassen hatte müssen. Im Grunde sprach das ja wiederum für Syrena, dass sie dies alles für das Kind auf sich nahm. Auch das Angebot, dass sie sich um deren Rettung kümmern wollte, wäre eigentlich ein Punkt auf der Haben-Seite ihres Kontos gewesen. Wäre dieses nicht ohnehin schon so tief im Minus, dass diese eine gute Tat leider kaum ins Gewicht fiel. Es war immerhin so viel wert, dass Antares sich diese Geste merkte. Zwar nicht wissend, ob und für was es dies je wieder brauchen würde, weil man sich nach dem heutigen Abend sicherlich nur noch zur Verabschiedung von Maisie treffen würde, aber er wusste sehr wohl eine gute Tat zu schätzen. Auch wenn sie von einer schlechten Person verübt worden war. Ihrer Aufforderung, denn eine Bitte konnte man das nun wirklich nicht nennen, wollte er gerade nachkommen, als Syrena natürlich nochmal ihren Standpunkt klarmachen musste. Antares rollte mit den Augen. "Jetzt komm mal wieder runter. Als ob mir das Spaß machen würde. Als ich meinte, du kommst alleine nicht klar, war das eigentlich nur um dich zu ärgern." Noch immer rührte er sich nicht von der Stelle. Als wäre das, was Syrena vorschlug schlimmer als ein Stachelschwein auf den Hintern zu küssen. "Aber es ist für Maisie." War dann das finale Todschlagargument, um auf das unmoralische Angebot doch einzugehen. Er tat es nicht um dem Ego der Hexe wieder auf die Füße zu helfen, damit sie am Ende als Held des Tages dastand. Nein, es war für das Mädchen da draußen, welches nichts weiter von ihrer Vergangenheit zurück behalten hatte, als ihr Stofftier. Also verließ der Hexer seinen Platz an der Türe und trat hinter Syrena. Keine Tricks, kein provozierender Spruch. So widerwärtig es sich auch anhörte, doch sie mussten in dieser einen Sache tatsächlich zusammenarbeiten. Beide waren sie gerade nicht in der Lage auch nur irgend etwas auszurichten. Der Zauber, welcher auf der Münze lag war zu stark und sie beide durch Maisies Einfluss geschwächt. Doch es musste jetzt geschehen um das Mädchen in Sicherheit zu bringen. Der Dunkelhaarige trat hinter die zierliche Hexe. Und obwohl sie ziemlich ramponiert aussah, vernahm er den Duft ihrer Haare. Das Shampoo, welches sie benutzte roch sehr intensiv. Wenngleich leider nicht schlecht. Doch Antares konzentrierte sich auf seine Aufgabe, nahm beide Arme hoch um sie an Syrenas Seiten vorbei nach vorne zu nehmen und seine Hände auf die Ihren zu legen. Dabei blieb es nicht aus, dass sie sich berührten. Sie lehnte mit ihrem Rücken an seiner Brust, seine Arme an ihrer Seite und schlussendlich die Berührung ihrer Hände. Als der Hexer einmal tief durchatmete, um innerlich zur Ruhe zu kommen, strich sein Atem zwangsläufig über ihre Haare. Gleich darauf gab er bereitwillig einen Großteil seiner Energie für Syrena frei. Er hielt nur so viel zurück, wie er brauchte, um gegen den Fluch anzukämpfen. Der violette Schein verband sich mit den roten Energiesträngen, welche die Münze schweben ließ. Wie von ihr angewiesen, suchte Antares die Signatur, prüfte deren Stärke, sobald Syrena anfing, diese von der Münze zu lösen und baute in jede frei gewordene Lücke, jeden magieleeren Raum und jede noch so kleine Luftblase sofort einen Gegenbann ein. Je länger der Zauber anhielt, umso schwerer ruhten seine Hände auf denen von Syrena. Er kämpfte gerade an drei Fronten. Der Fluch, der Gegenbann und seine Magie, die er der Hexe zur Verfügung stellte, obwohl diese ebenfalls nur begrenzt war. Aber wenn bis eben tatsächlich noch Zweifel bestanden haben sollten, dann wurde allerspätestens jetzt deutlich, wie ehrlich Antares seine Worte, in Bezug auf Maisies Rettung, meinte. Es war kein Hinterhalt und Syrena bekam uneingeschränkten Zugriff auf all die Magie, die er abzweigen konnte. Er verwendete keine Tricks, hielt sie nicht zum Narren und hielt konzentriert all seine Aufmerksamkeit bei seiner Aufgabe, die losgelöste Magie daran zu hindern erneut eine Verbindung mit der Münze einnehmen zu können. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 29.09.2026 „Dann darf das einfache Volk seine Dankbarkeit gleich in Form eines Gegenbanns entrichten.“ Syrena quittierte Lexingtons lächerliche Dienergeste mit einem gönnerhaften Lächeln. Sie widmete sich wieder der Münze um die ihre roten Blitzadern flackerten, die deren fremde Verzauberung abtasteten. Dass sich bald darauf ein violetter Schimmer dazugesellte, entging ihr nicht, obwohl sie die Augen geschlossen hielt. Lexington untersuchte die Signatur tatsächlich selbst, anstatt abzuwarten, bis sie ihm ihre Erkenntnisse häppchenweise servierte. Sollte er, solange er ihren eigenen Vorgang nicht beeinflusste oder gar behinderte. Seine Magie setzte stellenweise anders an als ihre, verfolgte die fremden Verbindungen aus einer zweiten Richtung. Ein zweites Kompliment würde er dafür jedoch ganz sicher nicht bekommen! Dann schlossen sich seine Finger um die Münze. Die roten Fäden spannten sich unvermittelt, und Syrena riss ihre Augen auf. Das hatte er jetzt nicht… Im nächsten Augenblick rammte sie ihm beide Handflächen gegen die Brust. Ein greller roter Funke sprang über seine Kleidung und entlud sich dort, wo ihre Hände ihn trafen, mit einem kurzen, hässlichen Knistern. Hoffentlich fühlte es sich wie ein schmerzhafter Stromschlag an! „Bist du eigentlich völlig bescheuert?!“ Ihre Stimme überschlug sich in unendlicher Wut und ihre Magie zuckte noch immer über die Fingerknöchel, als sie die Hände zurückzog. Für einen äußerst verlockenden Augenblick erwog sie, ihm das Metall mitsamt seinen Fingern zu entreißen. Nur hielt dieser vollkommen hirnverbrannte Kater gerade das Artefakt in der Hand, das sie vor Maisies Abreise unbedingt unschädlich machen mussten. Die Suche nach einer womöglich auf zwanzig Splitter verteilten Signatur wäre allerdings ein ausgesprochen hoher Preis für ihre Genugtuung gewesen. Syrena zwang ihre Finger zur Ruhe. Nicht, weil sie sich beruhigt hätte, sondern weil sie die Sicherheit des Mädchens nicht gegen das Vergnügen eintauschen würde, Lexington die Nase oder andere Körperteile zu brechen. Also hörte sie sich mit mahlendem Kiefer seine Standpauke an, während er ihre Münze zwischen den Fingern hielt und ihren Namen aussprach, als müsse er zubeißen. Mit jedem weiteren Vorwurf wurde es schwieriger, ihn ausreden zu lassen. Dass sie ihn für einen selbstgefälligen Idioten hielt, war sicherlich kein Geheimnis. Aber daraus folgte noch lange nicht, dass sie glaubte, er würde Maisie absichtlich gefährden! Als er endlich fertig war, trat sie einen halben Schritt näher. „Hast du mir eigentlich auch nur ein einziges Mal richtig zugehört, du Idiot?! Ich habe dir gerade erklärt, weshalb du diese verdammte Münze nicht zerbrechen darfst! Nicht, dass du zu blöd bist, es zu begreifen, und auch nicht, dass dir Maisie scheißegal wäre! Wenn du dich davon gleich in deiner Ehre gekränkt fühlst, ist das dein Problem! Und dann solltest du gefälligst deine Griffel bei dir behalten!“ Sie deutete zornig auf das Metall in seiner Hand. Ausgerechnet er hielt ihr Vorträge über Respekt, während er in ihren laufenden Zauber hineinpfuschte! Und weil Lexington offenbar gerade erst warm wurde, durfte sie sich anschließend von ihm auch noch erklären lassen, wie die Schattenwelt funktionierte. Syrena stieß ein ungläubiges Lachen aus. Dass sie diesen konkreten Kinderhandel nicht kannte, machte sie nicht weltfremd. Sie wusste sehr wohl, wozu Menschen und Dämonen für Geld bereit waren. „Lexington, ich arbeite für Wolfram & Hart! Glaubst du allen Ernstes, ich brauche ausgerechnet DICH, damit du mir erklärst, wie dreckig diese Welt ist?!“ Ihre Stimme wurde mit jedem Wort schärfer, während sie auf seine Hand mit der Münze deutete. „Und du kannst dir deine gottverdammte Moralpredigt sparen! Ich bin angeschossen worden, weil ich mich entschieden habe, dir bei der Rettung dieses Kindes zu helfen! Nicht, weil irgendein Auftraggeber mir dafür einen verdammten Bonus versprochen hat!“ Dass er sie nach eigener Aussage in der Gasse gern noch länger hätte bearbeiten lassen, beantwortete sie mit einem gefährlich freundlichen Lächeln. „Schade, dass du nicht dabei warst. Ich hätte dir gern vorgeführt, wie viel ich selbst mit zwei Kugeln im Körper noch anrichten kann.“ Sie atmete einmal tief ein. Maisie saß draußen, sie hatte für sowas keine Zeit. Als Lexington ihr die Münze endlich zurückgab, fingen ihre roten Blitze sie auf und zogen sie augenblicklich aus seiner Reichweite. „Brav, Kätzchen“, murmelte Syrena mit einem boshaft zufriedenen Lächeln. Dass er sie angeblich nur hatte ärgern wollen, ignorierte sie nun und verbiss sich den nächsten Konter, bevor sie die Münze wieder über dem Waschbecken ausrichtete. Er hatte zugestimmt, ihr Kraft zu geben und die Arbeit hatte jetzt Vorrang vor ihrem persönlichen Rachefeldzug. Dass er sich dafür ausgerechnet hinter sie stellte, damit hatte sie allerdings nicht gerechnet. Warum zum Teufel positionierte er sich nicht ihr gegenüber?! Syrena bemerkte seine Bewegung, dann schoben sich seine Arme an ihrem Körper vorbei, seine Hände legten sich auf ihre, und plötzlich spürte sie seine Brust an ihrem Rücken. Ihr Atem setzte für einen kurzen Moment aus und sie konnte in dem Moment gar nicht genau sagen, ob es vor Wut oder vor der plötzlichen Nähe zu diesem schändlichen Hexer war. Ihre Schultern versteiften sich augenblicklich. Vor dem Waschbecken und mit ausgestreckten Armen konnte sie kaum ausweichen. Als sein Atem ihre Haare streifte, zog sich ein unwillkürlicher Schauer über ihren Rücken, und Syrena hätte ihm dafür am liebsten eine schallende Ohrfeige verpasst. Zumal der Schauer nicht ausschließlich aus Abscheu bestand, denn ihr Puls beschleunigte sich auf eine Weise, die sie sich lieber mit Zorn erklärt hätte; leider kannte Syrena ihren eigenen Körper dafür entschieden zu gut. Seine Körperwärme, der feste Druck seiner Hände: Unter anderen Umständen und natürlich von einer anderen Person, wie z.B. Lucian Vermont hätte sie diese Nähe womöglich genossen. Aber doch nicht von Antares Lexington! Als hätte dieser Abend sie nicht längst genug gedemütigt. „Ich habe HÄNDE gesagt, Lexington! Nicht, dass du dich gleich mit deinem gesamten verdammten Körper an mich schmiegen sollst!“ Ausgerechnet dieses Wort. Hervorragend gemacht, Blackwell. Sie versuchte, seine Brust von ihrem Rücken fernzuhalten, ohne den Handkontakt zu lösen, doch das Platzproblem blieb nun einmal. Allerdings würde sie ihm jedenfalls nicht auch noch ihre Konzentration opfern. Dann erreichte sie seine Kraft. Violette Energie floss durch die Berührung ihrer Hände in ihre roten Stränge, zunächst ungewohnt eigensinnig, bis Syrena den Zustrom erfasste und ihn nach und nach gezielt in ihre Telekinese weiterleiten konnte. Doch diese fremde Magie fühlte sich anders an. Alt. Nicht verbraucht, nicht bloß stärker als erwartet, sondern von einer Tiefe, die unmöglich allein aus Lexingtons paar Lebensjahrzehnten stammen konnte. Syrena spürte regelrecht Schichten, eine eigenartige Resonanz, als folgte seine Kraft Wegen, die lange vor ihm angelegt worden waren. Sie hätte nicht sagen können, ob dieser Eindruck von einer besonders alten magischen Linie oder einer anderen, ihr noch unbekannten Besonderheit herrührte. Ihre Finger regten sich unwillkürlich unter seinen. Sie kannte alte Zaubertraditionen gut genug, um den Eindruck ernst zu nehmen. Woher zum Teufel hatte er das? Doch nun ordnete sie zunächst den Zufluss, zwang ihre Aufmerksamkeit zurück auf die Münze und merkte sich das Gefühl seiner Magie sehr genau. Als ob der Mistkerl von einer edlen, alten Hexerblutlinie abstammte! Absurd! Ihre roten Fäden gewannen an Spannung, ohne dass Syrena dafür die letzten Reste ihrer eigenen Kraft aufbrauchen musste. Dennoch nahm sie keineswegs alles, was er ihr anbot. Seine Hände wurden allmählich schwerer; er musste schließlich auch den Gegenbann halten und gleichzeitig ihren Katzenfluch abwehren. Maisies Einfluss machte ihnen selbst hier im Badezimmer weiterhin zu schaffen. Wenn Syrena ihn jetzt vollständig auslaugte, würde ihnen ausgerechnet die Gegenmagie fehlen, die jeden freigelegten Abschnitt sichern sollte. Also drosselte sie den Zufluss ganz bewusst und nutzte nur so viel Energie von ihm, wie sie für die jeweils nächste Verbindung benötigte. Den Rest überließ sie ihm. Es kostete sie mehr Disziplin, diesen fremden Energiestrom bewusst zu begrenzen, als sie erwartet hatte. Ihre einzige verfügbare Absicherung zu ruinieren wäre jedoch ausgesprochen dumm gewesen. Syrena setzte ihre roten Fäden an den zuvor ertasteten Ankerpunkten an, tief im Material, wo die fremde Verzauberung Maisies Signatur festhielt. Die erste Verbindung gab nur widerwillig nach. Statt sie einfach zu zerreißen, teilte sie die gebundene Kraft, zog die Stränge vorsichtig auseinander und wartete, bis Antares’ Magie in die entstandene Lücke floss. Erst als seine Gegenmagie den Rückweg versperrte, wandte sie sich dem nächsten Anker zu. Zog sie zu früh, konnte sich die Bindung erneut festsetzen; wartete sie zu lange, verschwendeten beide Kraft. Rot und Violett ergänzten sich auf geradezu beleidigend reibungslose Weise, wie in einem rhythmischen Zusammenspiel.“ Mit jedem weiteren Anker nahm die Anstrengung zu. Schweiß sammelte sich auf Syrenas Stirn, eine feuchte Strähne klebte an ihrer Schläfe, und der verletzte Oberarm protestierte gegen jede winzige Korrektur ihrer ausgestreckten Hände. Ihr Atem wurde schneller, kam schließlich stoßweise, während hinter ihr Antares’ Brustkorb denselben anstrengenden Rhythmus aufzunehmen schien. Seine Hände wurden auf den ihren schwerer und schwerer. Die Hitze, das hastige Atmen und ihre kaum vermeidbare Nähe erinnerten an eine Beschäftigung, für die sie sich unter anderen Umständen gern Zeit nahm. Jedoch nicht mit diesem Mann. Und doch reagierte ihr Körper auf seine Wärme, als hätte er eine eigene, ausgesprochen fragwürdige Meinung zu dieser Frage. Besonders unerträglich war, dass sie den gleichmäßigen Druck seiner Hände inzwischen sogar benötigte, um die fremde Kraft sauber durch ihre eigenen Fäden zu leiten. Sie presste die Lippen zusammen und konzentrierte sich auf die Münze, jeden Widerstand unter ihren roten Fäden und die streng dosierte fremde Kraft. Schließlich war nur noch ein einziger Anker übrig. Er saß so tief im magischen Kern, dass Syrena Mühe hatte, die letzten Verbindungen voneinander zu unterscheiden. Sie ließ ihre roten Energiestränge immer feiner werden, anstatt ihnen mehr rohe Kraft zuzuführen. Solange die Signatur noch einen Rückweg besaß, durfte sie nicht mit Gewalt daran ziehen. Mit einer minimalen Bewegung ihrer Finger gab sie Lexington zu verstehen, wo sie seinen Gegenbann brauchte, und führte das Rot Millimeter um Millimeter durch die verbliebene Struktur. Ihr Atem ging noch eine Spur schwerer; der Schmerz im Oberarm fühlte sich an, als hätte jemand beschlossen, die Kugel wieder hineinzustecken. Sie biss die Zähne zusammen und verkleinerte den Zug auf einen kaum noch wahrnehmbaren Impuls. Dann gab die Bindung nach. Seine Kraft schob sich in den Spalt, versperrte den letzten Rückweg, und Syrena durchtrennte die Verbindung mit einem einzigen präzisen Ruck. Die Entladung traf sie wohl beide völlig unvorbereitet. Rot und Violett brachen aus der eben noch fein verschnürten Struktur hervor, schossen als kurze, heftige Welle durch das Badezimmer, und verteilten dort alles was nicht niet- und nagelfest war. Der Stoß schleuderte Syrena rücklings gegen Antares und beide gegen die Badezimmertür. Für einen unerträglichen Augenblick war da wieder seine Brust an ihrem Rücken, diesmal noch dichter, während die letzte rotviolette Energie vor ihnen verglomm. Syrena taumelte nach vorn, fing sich mit beiden Händen am Waschbecken ab und kämpfte gegen den plötzlich aufflammenden Schmerz im Arm an. Dann drehte sie den Kopf über die Schulter und warf Lexington einen Blick zu, mit dem sie ihm am liebsten auf der Stelle das Fell bis auf die Haut versengt hätte. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 30.09.2026 Natürlich beschwerte Syrena sich in dem Moment, als er die Münze an sich nahm, wie so ein kleiner Spatz auf der Straße, der sich mit einem seiner Artgenossen um einen kleinen Brotkrumen stritt. Und in diesem einen Fall leider nicht ganz unberechtigt. In einen laufenden Zauber einzugreifen war nicht ungefährlich. Zumal es auch äußerst rüde war und sich eigentlich nicht gehörte. Wie wenn man im Bus zu nahe an Person neben sich heran rückte. Hier jedoch war nicht nur möglicherweise ein unangenehmer Körpergeruch das Schlimmste was passieren konnte. Ein Zauber wollte nicht unterbrochen werden und suchte sich dann gerne seine eigenen Wege. Hätten sie sich hier unter normalen Umständen getroffen, wäre Antares zum Einen nicht hier aber vor allem, hätte er das auch nicht getan. Er mochte zwar vieles sein, doch so unverfroren war er dann auch nicht. Aber es musste ein für alle Mal klargestellt werden, dass Syrena von ihrem hohen Ross runterkommen musste. Sie hielt sich für Gottes Antwort auf die Vollkommenheit. Und trotz ihrem Hass, den sie auf ihn hatte, war es nicht zu viel verlangt, ein Mindestmaß an Respekt verlangen zu können. Vielleicht konnte er keine so beeindruckenden, roten Lichtblitze aus dem Hintern... Verzeihung, aus den Fingern schießen. Und er warf nicht mit Müllcontainern um sich, um Leute zu töten. Aber er war, was das Anwenden von Magie anging, mindestens genauso geübt darin, wie sie. Wenn nicht sogar etwas mehr, alleine, weil er ihr ein paar Jahre Vorsprung hatte. Aber darum alleine ging es nicht. Es spielte keine Rolle, wer hier den längeren Zauberstab hatte. Sie konnte ihn trotz ihres Abscheus mit einem Mü an Respekt behandeln. Selbst er hatte sich im Laufe des Abends so etwas abringen können, denn entgegen ihrer Aussage war er sehr wohl dagewesen und sah, was sie den beiden Männern antat. Er brachte sich nur nicht in die Schussline. Und natürlich behauptete sie nun das Gegenteil von dem, was sie ihn eben noch wissen ließ. Eben weil sie sich für so perfekt hielt, dass sie nicht mal zugeben konnte einen Fehler gemacht zu haben. Wie auch? Ihr Allergrößter stand ja gerade vor ihr. Wenn es nicht ihren perfekten Teint ruinieren würde, warf sie sich vermutlich eher freiwillig in die Klinge eines Schwertes, bevor sie zugab, sich bei ihm geirrt zu haben. Und weil dieser aufgrund seines Eingreifen vielleicht minimal berechtigt war, hatte er auch ihren 'Angriff' hingenommen. Die Stelle, an dem sie ihn an der Brust traf, pochte noch immer und er war sich sicher, wenn er nachher sein Hemd auszog, hatte er dort einen rotgeränderten Flecken. Denn seine Heilmagie war leider auch so gut wie zum Erliegen gekommen, dank Maisies Anwesenheit. Stoisch hatte er dies hingenommen und ihren Blick erwidert. Sie konnte einfach nicht zugeben, nicht im Recht gewesen zu sein. Vielleicht war das so eine genetische Sache. Bevor er von seiner Seite aus nun aber erneut dazu ansetzte, sie auf ihre Worte hinzuweißen, die man sehr wohl missdeuten konnte, gab er ihr stattdessen die Münze zurück. Maisie wartete da draußen und jede Minute, in der diese Münze ein Signal ausstrahlte wie das Bat-Zeichen über Gotham City, liefen sie immer größere Gefahr, die wirklich bösen Jungs hierher zu locken. Und auch, wenn sich sein Waffenarsenal sehen lassen konnte, so wollte er dennoch keinen direkten Kampf ohne seine Magie eingehen. Also war er hier der Klügere und gab nach. Doch das behielt er selbstredend für sich, denn seiner Gegenüber würde dahingehend ja nur wieder irgend etwas als Gegenargument einfallen. Genauso, wie sie sich beschwerte, als er ihrer Aufforderung nachkam. Wäre wieder so ein Fall von dem er meinte sie hätte sich eben deutlicher ausdrücken müssen. Was dachte sie denn, was das hier wird? Sie nahmen sich an den Händen und tanzten die magische Signatur einfach weg? "Als ob mir das hier Freude machen würde." Ließ er sie wissen und hoffte inständig, sie fand nicht wieder irgend einen Ansatzpunkt an dem sie diese Worte vaporisieren konnte. Denn ein ganz klein bisschen, also im Grunde verschwindend gering aber doch irgendwie noch sichtbar, war das möglicherweise, eventuell nicht ganz so dicht an der Wahrheit dran, wie seine vorangegangenen Worte. Als dann jedoch der Zauber begann waren alle vorherigen Auseinandersetzungen vergessen. Sie mussten in diesem Fall zusammen arbeiten, sonst gefährdeten sie beide das Mädchen. Konzentriert und nun ebenfalls mit geschlossenen Augen, mobilisierte Antares alles was er an magischen Kräften aufwarten konnte. Er umschloss den Fluch von Syrena, wie er es die letzten vier Jahre beinahe zur Perfektion gelernt hatte. Zum Glück wirkte Maisies Gabe auch hier, sodass die fremde Magie nicht wie sonst mit voller Kraft gegen die von ihm auferlegten Ketten sprang. Es war mehr ein leises bemerkbar machen. Doch stark genug, um nicht gänzlich vernachlässigt zu werden. Dann hatte die Hexe von ihm verlangt, er sollte das, was er aus der Not geboren, mittlerweile ziemlich zuverlässig erlernte, auf die Münze anwenden. Er tastete sich an ihrem Zauber entlang, fühlte, wohin sie diesen richtete, folgte ihr und wartete. Er drängte nicht, so wie sie es befahl. Nichts sollte die Münze auch nur im Ansatz beschädigen. Erst, wenn sich die Verbindung löste, ließ er seine eigene Magie die Lücken füllen und kleidete diese so aus, damit nichts von der ursprünglichen Verbindung mehr eingegangen werden konnte. So wie er es sich selbst beibrachte. Sauber, präzise und unüberwindbar, verschloss er alle Möglichkeiten, damit sich nirgends noch ein weiterer Ankerpunkt bilden konnte. Das was er noch zu geben hatte, überließ er Syrena. Das diese darin mehr erkannte, war dem Hexer nicht bewusst. Er kannte und nutzte diese Stärke, seit er denken konnte. Diese alte Magie war mit ihm verbunden. Diese war ein Teil davon und sicherlich nicht ganz unschuldig daran, dass es ihm damals gelang, gleich geistesgegenwärtig zumindest einen kleinen Freiraum zu schaffen, als Syrena ihn mit dem Fluch belegte. Obwohl er selber nie viel auf die Erzählungen seiner Großmutter gab, die es nicht müde wurde, stets von ihrer Abstammung zu schwärmen. Vielleicht aber verabscheute ein nicht unerheblicher Teil in ihm, dieses angeblich so stolze Erbe, denn dies alleine war der Grund, warum er heute mit der Brünetten im Badezimmer stand und nicht zusammen mit Amy auf dem Sofa lag und einen Film ansah. Sie war damals angeblich seines nicht würdig. Oh, das wäre eine Show für Syrena gewesen. Als Antares sich damals mit seiner Großmutter anlegte, war er ihres Temperamentes würdig. Es flogen zwar keine Gegenstände durch die Luft aber ansonsten blieb auch nichts mehr auf seinem Platz. Sicherlich rächte sich seine Großmutter deswegen nicht allzu viel später damit, dass sie Amy beinahe einen Unfall haben ließ. Das war der aller letzte Warnschuss für ihn gewesen. Und führte schlussendlich dazu, dass sie nun hier in seinem Badezimmer standen. Mit der Zeit bemerkte Antares, das Syrena nicht alles seiner Kraft an sich riss. Konnte das sein? Sie besaß so etwas wie Taktgefühl? Aber es war sicherlich ein ganz anderer, sehr viel taktischer Grund. Vielleicht, sogar einer der von außen betrachtet, erschreckend nüchtern war. Sie brauchte ihn für einen Marathon, nicht für einen kurzen Sprint. Doch auch wenn sie ihn freundlicherweise nicht aussaugte, wie eine Packung Caprisonne, merkte er die Anstrengungen deutlich. Sein Atem ging schneller, konzentrierter und die Kraft, die er aufbringen musste, um seine magische Arbeit fortzuführen, wurde immer kräftezehrender. Doch auch Syrena kämpfte. Nicht nur ihre Atmung verriet sie, auch ihre Haltung und wie sie leicht in sich zusammen sank. Eigentlich wollte Antares das nicht tun. Und mal davon abgesehen, dass er schon genügend zu tun hatte, war dies aber einfach seine Gabe und so schlich sich ein kleiner Teil dessen, was sie ihm an Kraft noch ließ, auf ihre Magie, drang hindurch und stärkte sie. Dämpfte den Schmerz etwas, wenngleich kaum merklich aber doch spürbar. Ließ die Brünette noch ein klein bisschen länger durchhalten. Ohne allerdings, das diese Hilfestellung gleich dazu führte, dass Syrena ihn in seine Einzelteile zerlegte. Mit leicht geöffnetem Mund, sodass sein Atem über ihren Nacken hinwegglitt, lag seine volle Konzentration auf der letzten Verankerung. Wartete, lauerte, wie bei all den vorangegangenen Knotenpunkten. Ließ die roten Magiefäden sich voran tasten, nur um dann genau dort einzusetzen, wo sie seine Hilfe brauchte. Den kleinen Hinweis nahm er sehr wohl war. Es brauchte nicht viel, so verschmolzen wie ihre beiden Kräfte gerade waren. Sie arbeiteten besser zusammen, als es ihre beiden Träger vermutlich jemals konnten. Und doch so selbstverständlich, als gäbe es absolut keine Hürden, die es eigentlich zu überwinden galt. Die Verankerung löste sich, Antares umschloss die frei gewordene Stelle mit seiner Magie und ... plötzlich schien die Welt um sie herum zu explodieren. Zumindest diejenige, hier in diesem Badezimmer. Mit eine hörbaren 'Uff' kommentierte er den plötzlichen Aufprall der Jüngeren auf ihn und mit ihr zusammen die unsanfte Bekanntschaft seines Rückens mit der Zimmertüre. Für einen Moment wurde ihm schwarz vor Augen und der Hexer sank ein stückweit an der Türe hinab, auf die Knie. Mit einer Hand stützte er sich am Türblatt ab, die andere lag auf den Fließen, damit er nicht vorneüberkippte. Scheiße, er fühlte sich, als hätte ihn ein Lastwagen überfahren. Und nochmal zurückgesetzt. Der Dunkelhaarige schluckte um die Übelkeit zurück zu kämpfen. Dann hob er den Kopf, blinzelte ein paar Mal und blickte in Syrenas Richtung. Was er nicht wusste und nur ein klein wenig, durch das veränderte Blickfeld wahrnahm war, dass es nicht seine Augen waren, sondern die des Katers. Das Gute an der Sache war, er bemerkte Syrenas Todesblick nicht gleich von Anfang an. Sich immer noch an der Türe abstützend, hangelte sich Antares daran wieder in die Höhe. Behielt die Hand aber nach wie vor dort, nur zur Sicherheit. Die Katzenaugen suchten den Raum ab, überblickten das Chaos und blieben schlussendlich auf der Erscheinung seiner Gegenüber liegen. "Glückwunsch." Ließ er leise verlauten. Ein einziges Wort, nicht laut ausgesprochen, doch wohl so ehrlich, wie selten etwas zwischen ihnen klang. Dann machte er eine angedeutete Geste in ihre Richtung. "Dein Arm blutet." RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 01.10.2026 Syrena blieb zunächst mit beiden Händen am Waschbecken abgestützt. Nicht aus dramatischer Wirkung, sondern weil ihr Körper im Augenblick auf seine ganz eigene Weise entschied, wann er wieder vollständig mitarbeiten würde. Und gerade zeigte er ihr ziemlich eindeutig den Mittelfinger. Die rot-violette Entladung saß noch wie feine Störungen in ihren Muskeln; nicht mehr schmerzhaft genug, um sie wirklich zu treffen, aber deutlich genug, dass ihre Finger bei jeder kleinen Bewegung einen Herzschlag später reagierten, als sie sollten. Ihre Knie fühlten sich ebenfalls nicht besonders vertrauenswürdig an, und irgendwo hinter ihrer Stirn pochte ihr Kreislauf gegen den Versuch, sich schon wieder aufzurichten, als wäre überhaupt nichts passiert. Also zwang sie sich ausnahmsweise nicht sofort in eine Haltung zurück, die mehr Kontrolle vermittelte, als gerade vorhanden war. Mehrere Minuten vergingen, bis das Flimmern vor ihren Augen nachließ und ihre Magie nicht mehr wie ausgefranst an den Rändern ihres Bewusstseins lag, sondern sich wieder sauber greifen ließ. Erst dann fiel ihre Aufmerksamkeit richtig auf Lexington. Er war an der Tür in die Knie gegangen, eine Hand am Türblatt, die andere auf den Fliesen, und sah tatsächlich so aus, als hätte ihn etwas Größeres als sein Ego überrollt. Na bitte. Wenigstens sah einer von ihnen genauso beschissen aus, wie sich dieser Zauber angefühlt hatte. Der Gedanke brachte ihr für ein paar Sekunden eine kleine, gehässige Genugtuung. Nur hielt sie nicht lange an. Nicht, weil plötzlich Mitleid in ihr aufkeimte, sondern weil sie seine Magie eben noch direkt durch sich hindurchgeleitet hatte und daher sehr genau wusste, wie viel Kraft er tatsächlich abgegeben hatte. Mehr, als sie ihm vermutlich freiwillig zugestanden hätte, wenn sie es nicht selbst gespürt hätte. Dass er jetzt an der Tür kniete und offenbar Mühe hatte, seinen eigenen Körper wieder auf die Beine zu bekommen, war also kein Theater. Als Antares den Kopf hob, fiel ihr etwas anderes auf. Syrena richtete sich ein Stück weiter auf und musterte ihn schärfer. „Deine Augen.“ Ein kleines, giftiges Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Scheint, als würde dein Gegenbann gerade kündigen, Kätzchen.“ Die Katzenaugen waren kaum zu übersehen. Offenbar drückte ihr Fluch bereits durch seine erschöpfte Gegenmagie, trotz Maisies dämpfendem Einfluss aus dem Wohnzimmer. Das sagte ihr mehr über seinen Zustand als jede Beschwerde es gekonnt hätte. Er hatte während der Extraktion tatsächlich bis an seine Reserven gearbeitet. Und natürlich konnte sie es sich trotzdem nicht verkneifen, diesen erfreulichen Anblick mit einem Kosenamen zu garnieren. Mit seinem leisen „Glückwunsch.“ hatte Syrena dagegen nicht gerechnet. Die Hexe blinzelte einmal, als sie gerade einen Satz ohne Spitzen aus seinem Mund vernommen hatte. Kein Spott, kein Angriff. Kein selbstgefälliger Unterton. Sie sah ihn etwas länger an und hob dann langsam eine Braue. „Vorsicht, Lexington. So klingst du beinahe sympathisch.“ Oder musste sie sich jetzt etwa Sorgen um seine mentale Gesundheit machen? Wuchs da etwa tatsächlich so etwas wie Anstand und Respekt? Dann folgte sein Hinweis auf ihren Arm. Syrena sah zu eben jenem hinunter. Durch den Verband zeichnete sich bereits wieder Blut ab, dunkler als zuvor und an einer Stelle deutlich frischer. „Das sehe ich.“ Die Antwort fiel vollkommen nüchtern aus. Mit der unverletzten Hand presste sie auf den Verband und hielt den Druck, bis der erste scharfe Schmerz wieder in etwas Erträglicheres überging. Erst dabei fiel ihr auf, dass sich während des Zaubers etwas nicht ganz so angefühlt hatte, wie es eigentlich hätte sein müssen. Der Schmerz war zwischendurch dumpfer gewesen. Nicht weg, aber weiter entfernt, als hätte jemand die Lautstärke heruntergedreht. Und sie hatte länger durchgehalten, als ihr eigener Zustand nach den beiden Schusswunden und dem bisherigen Magieverbrauch vernünftigerweise zugelassen hätte. Syrena hob den Kopf. Ihre Augen wurden schmaler, diesmal nicht vor bloßer Gereiztheit, sondern weil sie rückwirkend einzelne Nuancen seines Energiestroms voneinander trennte. Da war nicht nur rohe Kraft gewesen. Ein Teil hatte sich anders angefühlt, feiner, gezielter, beinahe wie etwas, das ihren eigenen Körper statt ihrer Telekinese erreicht hatte. „Hast du gerade Heilmagie durch mich geschickt?“ Ihre Stimme bekam sofort wieder etwas mehr Schärfe. „Ich hatte dir ziemlich eindeutig erklärt, wofür du deine Magie durch mich schicken solltest.“ Sie sah erneut auf den Verband und drückte etwas fester dagegen. Offenbar hatte er wenigstens nicht einfach versucht, die Verletzung vollständig zu schließen. Entweder hatte seine Magie nur gereicht, um sie länger auf den Beinen zu halten, oder er hatte genau gewusst, dass er für mehr gerade keine Kraft verschwenden durfte. Vielleicht hatte er lediglich den Schmerz gedämpft, vielleicht ihren Körper gerade weit genug gestützt, dass sie die Extraktion beenden konnte. Dieser vermaledeite Kater. Ausgerechnet diesmal hatte er damit vermutlich tatsächlich geholfen. Der Gedanke schmeckte ihr ganz und gar nicht, aber er ließ sich gerade auch durch nichts relativieren. Bevor daraus eine weitere Auseinandersetzung werden konnte, richtete Syrena ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Münze. Sie zog die Hand vom Verband, hob die Finger und ließ das Metall vorsichtig vor sich schweben. Diesmal schickte sie nur einen dünnen roten Faden darüber, kaum mehr als eine tastende Berührung. Vor wenigen Minuten hatte sich die fremde Resonanz in Schichten, Verbindungen und Widerständen gezeigt. Jetzt kam nichts zurück. Keine Energie, kein Echo. Keine Reaktion auf Maisies Signatur. Syrena ließ die Magie noch einmal über Rand, Prägung und Oberfläche gleiten, dann tiefer durch das Material. Wieder nichts. Das Artefakt wirkte beinahe gespenstisch leer. Nicht tot, denn Metall konnte schließlich nicht tot sein, aber entkleidet von allem, was es eben noch gefährlich gemacht hatte. Nur eine kleine Münze. Fast lächerlich unscheinbar nach dem Aufwand, den sie ihnen gerade abverlangt hatte. Sie ließ sie zwischen ihnen in der Luft schweben und sah wieder zu Antares. „Sobald du wieder geradeaus sehen kannst, prüfst du sie.“ Kein Triumph, kein voreiliges Urteil. Ihre eigene Kontrolle war sauber, aber sie hatte ausdrücklich eine zweite Prüfung gewollt und würde jetzt nicht aus bloßer Ungeduld darauf verzichten. Zumal sie ihm nach dem eben Erlebten durchaus zutraute, eine Abweichung zu bemerken, die ihr in diesem Zustand entgehen konnte… auch, wenn sie es nur ungern zugab. Ihre Aufmerksamkeit wanderte noch einmal über ihn: Die Hand an der Tür, die Katzenaugen, die Art, wie er sich noch immer stabilisierte. „Und bevor du wieder anfängst, meinen Arm zu kommentieren: Du siehst aus, als würdest du gleich auf allen vieren landen.“ Ihre Mundwinkel zuckten. „Wenn du dich übergeben musst, sag es. Dann räume ich dein Bad sofort freiwillig.“ Die Vorstellung, ausgerechnet jetzt noch Zeugin davon zu werden, wie Lexington seinen Mageninhalt über die dunklen Fliesen verteilte, war selbst für sie eine Zumutung. „Ansonsten warte ich auf deine zweite Meinung.“ Die Münze selbst würde sie nicht noch im selben Moment zerlegen. Nicht, nachdem sie beide gerade genug Magie verbrannt hatten, um das Badezimmer in ein kleines Schlachtfeld zu verwandeln. Wenn auch Antares keine Verbindung mehr fand, war das akute Problem beseitigt. Die physische Zerstörung und getrennte Entsorgung konnten warten, bis sie die Wohnung verließ. Jetzt noch mehr Magie dafür aufzuwenden wäre schlicht idiotisch gewesen. Nach Lexingtons zweiter Überprüfung ließ Syrena das Metall in ihre Hand sinken und steckte es zurück in die Tasche. So gefiel ihr die Sache entschieden besser. Der Weg zurück ins Wohnzimmer dauerte länger, als Syrena sich eingestehen wollte. Sie ging nicht langsam, natürlich nicht. Sie bewegte sich lediglich mit etwas mehr Bedacht. Das war etwas völlig anderes. Als sie den Raum wieder betrat, erwartete sie eigentlich, Maisie noch vor dem Fernseher sitzen zu sehen. Stattdessen war das Mädchen auf dem Sofa eingeschlafen. Zusammengerollt, den Kopf leicht zur Seite gesunken, Emile fest im Arm und sich unter eine Decke mümmelnd. Der Fernseher lief leise weiter und warf wechselndes Licht über ihr Gesicht. Die Hexe blieb zunächst tatenlos stehen. Maisie sah im Schlaf noch jünger aus als im wachen Zustand, und das machte den ganzen Abend auf eine Weise real, die Syrena gerade extrem ungelegen kam. Noch vor wenigen Stunden hatte das Mädchen allein in ihrer eigenen Wohnung gesessen und nicht gewusst, ob ihre Eltern überhaupt zurückkommen würden, während irgendwo längst Menschen entschieden hatten, was ihre magische Begabung wert war. Jetzt lag sie ausgerechnet auf Lexingtons Sofa und war offenbar irgendwann einfach der Erschöpfung erlegen. Syrena konnte ihr das kaum verdenken. Sie sah zu Antares, dann wieder zu Maisie. Dann noch einmal zu Antares. Beide sahen aus, als wäre das Tragen eines Kindes aktuell eine hervorragend schlechte Idee, und Syrena hatte keinerlei Interesse daran, diese Erkenntnis als Erste laut auszusprechen. Ihre Stimme senkte sich automatisch, damit Maisie nicht aufwachte. „Sag jetzt nicht, dass ich sie tragen soll.“ Ihr Blick fiel kurz auf Emile und danach wieder auf Lexington. „Emile würde ich mir vielleicht noch zutrauen.“ RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 02.10.2026 Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er zum letzten Mal so an seine Grenzen gegangen war. Das er seine magischen Fähigkeiten bis zum letzten Deut ausreizte, schwächte ihn auf eine Weise, die Antares nicht kannte. Seine Heilmagie war immer da. Jede durchzechte Nacht auf dem College war am nächsten Morgen praktisch nicht mehr vorhanden. Er litt nicht mal unter Kopfschmerzen, während seine Mitschüler noch die Kloschüssel umarmten. Fühlte er sich dabei stets ein bisschen wie der King? Zugegeben, es war schon vorteilhaft, nichts vom Unterricht zu verlieren, nur weil man sich am Abend vorher nicht beherrschen konnte, oder wollte. Da gab es solche Schwächegefühle nicht. Oder all die Nachtschichten als Barkeeper. Viel Schlaf half, selbstredend. Aber es machte ihm schlichtweg kaum etwas aus. Nein, zum letzten Mal, als er so ähnlich empfand, waren tatsächlich als Jugendlicher seine Versuche mit den Tieren Kontakt aufzunehmen und mehr noch, deren Willen zu beherrschen. Das lag dann aber auch an seiner eigenen Sturheit, nicht aufgeben zu wollen, obwohl seine Magie bereits signalisierte, an ihre Grenzen zu kommen. Doch auch danach dauerte die Erholungsphase nicht so lange. Es war lediglich eine Erinnerung daran, das es auch anders ginge. Jetzt aber war das was ganz anderes. Er fühlte sich hundsmiserabel und es wurde nicht besser! Rein aus Gewohnheit wartete der Dunkelhaarige, dass die Heilung kickte, doch da kam nichts. Es war Maisies Einfluss und sein eigenes Zutun, den letzten Rest, den er noch zur Verfügung hatte, für den Zauber und ja! auch für Syrena herzugeben. Antares hustete kurz und wollte sich dann aber keine Blöße mehr geben. Nicht vor der Hexe, die noch mit im Zimmer war und deren Blick er bereits wieder auf sich spürte. Also zwang er sich aufzustehen. Langsam, mit Bedacht und immer noch mit der Türe als Rückversicherung, nicht wieder zu Boden zu gehen, aber er stand. Irgendwie. Wie ein halb umgefahrenes Verkehrsschild, aber er stand. Nur um dann allerdings wieder dem Kugelhagel ihrer Worte ausgesetzt zu werden. Konnte dieses Weib nicht einmal für fünf Minuten die Klappe halten? Allerdings war das, was sie ihn wissen ließ, bedenklich. Also machte der Dunkelhaarige einen Schritt zur Seite um an ihr vorbei in den Spiegel des Badezimmerschrankes blicken zu können. Shit! Das Wort musste er nicht aussprechen, es spiegelte sich, selbst in den kätzischen Augen, überdeutlich wieder. Den Hohn und Spott, den er dafür von ihrer Seite bekam, ignorierte Antares vollkommen. Es sprach deutlich für den Charakter dieser Person, dass sie selbst noch nachtrat, wenn jemand am Boden lag und vor allem, sich dabei auch noch über die eigene Gemeinheit freute. Auch wurde sein Ansatz, wenigstens ein klein wenig Anstand zu zeigen und ihr für den Erfolg zu gratulieren mit Füßen getreten. Nein, er sollte wirklich langsam aufhören, zu denken, mit dieser Frau könnte man wie mit einem Menschen umgehen. Sie war ein Roboter, oder sonst etwas ohne Herz und Seele. Zu guter Letzt maulte sie ihn natürlich auch noch wegen seinen Versuch ihr zu helfen an. "Ein einfaches Dankeschön hätte auch gereicht." Kommentierte er ihre Beschwerde bissig. "Es war nicht für dich. Du solltest nur auf den letzten Metern nicht aufgeben müssen. Die Signatur zu vernichten, hatte oberste Priorität. Also sei beruhigt, es galt wahrlich nicht deiner Person. Und keine Sorge, du wirst jetzt nicht zu Staub zerfallen, weil du mal mit der guten Seite der Macht in Kontakt gekommen bist." Ist doch wahr, sie führte sich auf, weil er dafür sorgte, das der Zauber zu Ende geführt werden konnte. "Und da haust du mir ständig um die Ohren, mein Ego wäre unerreichbar. Was ist dann bitteschön das? Bist beleidigt, weil du es nicht alleine geschafft hast und der Pöbel dir helfen musste." Um seine Ansage noch zu unterstreichen, lehnte Antares sich mit dem Rücken gegen die Türe und hob beide Hände um den letzten Satz in sogenannte Anführungsstriche setzen zu können, in dem er Zeige- und Mittelfinger hob um sie in der Luft abzuknicken. Im Anschluss dran aber schloss er die Augen. Sollte sich die böse Hexe des Westens doch bitteschön in Luft auflösen, wenn sie so wollte. Während diese sich um ihre eigenen Verletzungen kümmerte, horchte Antares in sich hinein. Es war gelinde gesagt vernichtend. Ein reines Trümmerfeld, über das sein magisches Tasten glitt. Der Fluch, der trotz allem zum Glück ebenfalls geschwächt, aber eben nicht besiegt war, war die erste Resonanz, die er spürte. Wie immer war er da. Erschreckend deutlich. Was wieder einmal bewies, mit wie viel Bosheit dieser Fluch ausgesprochen worden sein musste. Antares umfasste ihn mit seiner Magie und nutzte dafür auch den Rest, den er aus dem magischen Anhänger zog. Der Stein begann zu leben. Die dunkle Farbe bewegte sich, waberte, formierte sich neu. Eine Reaktion des Zaubers der darin verborgen war und der nun sein Echo in Antares Hilferuf fand. Seine Wangenknochen bewegten sich, so konzentrierte sich der Hexer darauf, den Fluch wieder zu bändigen. Die Kraft, die er eigentlich nicht hatte, aufbringend, lag nun wieder das sanfte Braun in seinen Augen, als er diese erneut öffnete. Gerade rechtzeitig um von Syrena einen weiteren Auftrag zu bekommen. Die letzten Reste ihrer Magie bekam er noch mit, als sie nun von ihm wollte, dass er die Münze untersuchte. Was? War sie sich plötzlich ihrer Sache nicht mehr sicher? Wo war der Haken? Misstrauisch suchte der Dunkelhaarige ihren Blick. Hatte sie einen neuen Bann auf die Münze gelegt und er verwandelte sich nun in eine Kakerlake, wenn er diese anfasste? Aber... so absurd es sich auch anhörte, war das vielleicht auch einfach ihre Art, um Hilfe zu bitten. Es klang zwar wie ein verdammt guter Witz, aber im Grunde war Antares sehr humorvoll. Also stieß er sich von der Türe ab und kam den einen Schritt auf sie zu, der sie trennte. Die Hand ausstreckend, erwartete er von ihr, dass sie ihm die Münze überreichte. "Ich lasse sie schon nicht fallen!" Aber seine Kraft reichte nicht mehr so weit, er musste sie fühlen und anfassen um sie untersuchen zu können. "Willst du jetzt, dass ich auch prüfe?" Als sie endlich in ihrer unendlichen Güte die Münze auf seine ausgestreckte, flache Hand legte, umschloss er sie daraufhin mit den Fingern. Sein erschöpfter Geist machte sich auf die Suche, wanderte, erkundete, fühlte. Aber da war nichts mehr. Nur noch Reste von Syrenas und seinem eigenen Zauber. Die Münze war wieder das, für was sie ursprünglich einmal erschaffen worden war. Ein Gegenstand fürs Museum. Im Anschluss daran, gab er die Münze ordnungsgemäß zurück, sodass Syrena sie verschwinden lassen konnte. Die Frage, was sie damit nun anstellen würde, verkniff er sich. Ging ihn nichts an und war sicherlich 'ihre Angelegenheit'. Also wartete er wie ein echter Gentleman, bis sie aus dem Badezimmer ging. Denn übergeben musst er sich nicht, aber leider war ihre Einschätzung gar nicht so falsch. Also ließ er sich kaltes Wasser in die hohlen Hände laufen und tunkte im Anschluss sein Gesicht hinein. Etwas, dass dem Kater in ihm, der gerade ziemlich nahe an der Oberfläche kratzte, nicht sonderlich gefiel. Antares nun aber dringend brauchte. Im Anschluss dran, ließ er die nassen Hände über die Haare, bis in seinen Nacken gleiten. Er wollte jetzt am liebsten einfach nur noch ruhen. Aber da draußen war auch noch so etwas wie Verantwortung. Also griff er nach dem Handtuch, rubbelte sein Gesicht und die Haare wieder trocken, glättete letztere mit einem Kamm, der im Badezimmerschrank lag und verpasste sich damit einen beinahe schon streng wirkenden Look. Der aber nur so lange anhielt, bis sein Haar wieder trocknete, denn das schien immer irgendwie ein Eigenleben zu entwickeln. Zurück im Wohnzimmer, blieb er in respektvollem Abstand zu Syrena stehen und entdeckte nun ebenfalls, was dieser kurz davor schon auffiel. Ohne, dass er es bewusst tat und mehr noch, ohne, das es ihm auffiel, bekam er erneut diesen sanften Ausdruck in den Augen. Und dieser galt wahrlich nicht der Hexe neben ihm. Es war das Mädchen, die sich scheinbar so sicher fühlte, dass sie es zuließ hier bei ihm einschlafen zu können. In Momenten wie diesem hier, stellte Antares sich Amy so fest vor, dass er beinahe zu spüren glaubte, wie sie einen Arm unter den Seinen schob, sich an ihn anlehnte und ihren Kopf gegen seine Schulter legte. So wie sie es oft tat, wenn sie zusammen irgendetwas betrachteten, was ihnen gefiel. Und gegen Ende tat sie das besonders oft, wenn sie im Park eine Mutter mit ihrem Kinderwagen spazieren gehen sahen. Antares wusste, wie sehr sich Amy Kinder wünschte. Nicht sofort, denn damals war sie wahrlich noch etwas jung dafür. Aber vielleicht hätten sie jetzt mittlerweile eines. Der Hexer schluckte den Klos hinunter, der sich in seinem Hals zu bilden drohte und, wie man in dem Moment sagen musste, zum Glück, quäkte nun Syrena ihn wieder von der Seite an. Die Augen verdrehend, ging er langsam los. Natürlich, wenn etwas wirklich getan werden musste, war er es, den sie vorschickte. Sie erschlug nur jeden mit ihrem Sarkasmus und ihren schnell abgefeuerten Beleidigungen. "Dann nimm das Stofftier." Meinte er ebenfalls leise, ging vor dem Sofa in die Hocke und lächelte erneut als er Maisie nun aus der Nähe betrachtete. Arme Kleine. Vorsichtig nahm er die Decke zur Seite und schob einen seiner Arme unter ihre Beine, während er sie mit dem Anderen am Rücken stützte und hochhob. Als er aufstand, musste er einen Ausfallschritt tun, weil er seine eigenen Kraft überschätzte, aber es passierte nichts. Nur einen Moment innehaltend, um wieder zu Kräften zu kommen, ging er im Anschluss langsam weiter. "Das war nicht das erste Mal, dass du ein paar Tage nichts zu essen gehabt hast, hm?" Sprach er leise mit dem schlafenden Mädchen. Mitnichten hatte Antares ausgiebige Erfahrung, was ein zwölfjähriges Mädchen wiegen sollte. Maisie hier war aber definitiv zu leicht. Vorsichtig trug er sie ins nebenan liegende Schlafzimmer, wartete bis Syrena die Decke beiseite schlug und legte das Mädchen dann ins Bett. Sie rollte sich erneut fast sofort zusammen, was verdeutlichte, sie hatte mehr Angst, als sie sich anmerken hatte lassen. Betreten stand der Hexer noch eine kurze Weile neben dem Bett und überließ es Syrena, Maisie zuzudecken. Dann wandte er sich ab, verließ das Schlafzimmer und ging hinüber ins Wohnzimmer. Er öffnete die Knöpfe seiner ärmellosen Weste, zog sie aus und ließ sie auf das Sofa fallen. Im Vorbeiweg schnappte er sich die Bierflasche vom Tisch und ließ sich aufs Sofa plumpsen. Er nahm einen großen Schluck, kippte dann den Kopf nach hinten auf die Rückenlehne und schloss die Augen. Den anderen Arm ließ er einfach seitlich auf dem Polster liegen, während die Bierflasche auf seinem Oberschenkel ruhte. Er musste nicht aufsehen, um zu wissen, wann Syrena wieder anwesend war. Sollte er sie wegen ihrem Kontakt fragen, den sie morgen anrufen wollte? War es sicher? Er traute der Brünetten schließlich nicht. Aber sie meinte es ehrlich mit Maise. Trotz all ihrer Differenzen, wollte er das einfach glauben. Denn wenn sie mit einem Recht hatte, dann damit, dass sie sich nicht nur die Kugeln für das Mädchen einfing. Sie hätte das mit der Signatur auch nicht machen müssen. Diese war nämlich unwiederbringlich weg. Nicht einmal eine Syrena Superwoman konnte sie wieder zurück holen. Und außerdem würde sie ihm sicherlich ohnehin keine Antwort auf jedwede Fragen in diese Richtung geben. Würde er auch nicht tun. "Du kannst jetzt gehen." Ließ Antares sie wissen. Es war alles getan, Maisie schlief und beim Aufräumen half Syrena sicherlich nicht. Die Aussicht, die Jüngere konnte sich dem Einfluss des Mädchens entziehen und wieder zu Kräften kommen, während er den Rest der Nacht nur langsam genesen konnte, war nicht fair und alles in ihm wollte dagegen protestieren. Aber auch er war für das Mädchen da und sogar bereit, gewisse Opfer zu bringen. "Ich kann dir gerne ein Taxi rufen." Okay, das kam dann doch wieder mit einer gewissen Genugtuung. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 04.10.2026 „Mein Problem war nicht, dass du geholfen hast. Mein Problem war, dass du beschlossen hast, nebenbei noch etwas anderes durch meinen Körper zu schicken, ohne es mir zu sagen.“ Syrena hob die Brauen, als wäre der Unterschied derart offensichtlich, dass allein seine Verteidigung bereits anstrengend genug war. Dass seine Heilmagie ihr vermutlich tatsächlich geholfen hatte, änderte daran nichts. Nur machte ein brauchbares Ergebnis aus einem ungefragten Eingriff noch lange keine stille Erlaubnis. Dass er das aber auch partout nicht begriff! „Und wenn du dich noch einmal selbst als die gute Seite der Macht bezeichnest, muss wohl eher ich mich übergeben.“ Seinen Versuch, daraus eine Frage ihres Egos zu machen, ließ sie unbeantwortet. Dafür hatte sie heute bereits genug Energie an sinnvolleren Stellen verbrannt. Als Antares später tatsächlich die Hand nach der Münze ausstreckte und sie misstrauisch fragte, ob sie nun wirklich wollte, dass auch er sie prüfte, sah Syrena ihn an, als hätte er wissen wollen, ob Wasser nass war. „Ja, Lexington. Genau deshalb habe ich dich darum gebeten.“ Sie legte ihm die Münze auf die offene Hand und wartete. Als er sie ihr zurückgab und auch von seiner Seite nichts mehr gegen die vollständige Auflösung der Signatur sprach, verschwand das Stück Metall wieder in ihrer Tasche. Zwei voneinander unabhängige Prüfungen reichten ihr vorerst. „Dann nimm das Stofftier.“ Na klar doch! Syrena nahm Emile entgegen und betrachtete das ramponierte Faultier. Lexington bekam das Kind, und sie durfte das Stofftier eskortieren. Ihre Karriere erreichte heute wirklich neue Höhen. Sie sagte nichts dazu, als Antares Maisie vorsichtig hochhob. Als er beim Aufstehen einen Ausfallschritt brauchte, wanderte ihre Aufmerksamkeit kurz von ihm zu dem schlafenden Mädchen. Meine Güte, hatte er selbst überhaupt noch genug Kraft in sich?! Immerhin fing er sich dann doch noch. Syrena folgte ihm ins Schlafzimmer, schlug die Decke zurück und trat beiseite, damit er Maisie ablegen konnte. Als sich das Mädchen beinahe sofort wieder zusammenrollte, zog Syrena vorsichtig die Decke über sie und legte Emile dicht an ihre Arme. Maisies Hand fand den abgewetzten Stoffkörper fast von selbst, die Finger schlossen sich darum, ohne dass sie davon richtig wach wurde. Sie vergewisserte sich noch, dass Maisie weiterschlief, bevor sie das Schlafzimmerfenster verdunkelte, Antares ins Wohnzimmer folgte und die Tür leise hinter sich zuzog. Er hatte es sich inzwischen auf dem Sofa bequem gemacht, soweit man bei seinem Zustand davon sprechen konnte, die Bierflasche auf dem Oberschenkel, den Kopf zurückgelegt, die Augen geschlossen. Und kaum war Syrena wieder im Raum, erklärte er ihr, sie könne jetzt gehen. Das Angebot mit dem Taxi setzte dem Ganzen die passende Krone auf. Die Hexe verschränkte demonstrativ ihre Arme vor ihrem Oberkörper. „Nein.“ Es kam völlig ruhig über ihre Lippen, auch, wenn sie über seine Unverfrorenheit wieder innerlich vor Empörung aufschrie. „Ich gehe, wenn ich fertig bin.“ Damit setzte sie sich in den Sessel gegenüber, lehnte sich ebenfalls nach hinten, strich sich mit einer Hand das Haar aus dem Gesicht und ließ für einen Moment erkennen, wie viel der Abend tatsächlich aus ihr herausgezogen hatte. Die Bewegung war langsamer als sonst, ihre Schultern sanken etwas tiefer, und unter ihren Augen zeichnete sich die Müdigkeit deutlicher ab, ehe sie ihre Haltung wieder ordnete. „Das bin ich nämlich noch nicht. Ich weiß ja, dass du stets nur von der Tapete bis zur Wand denkst, aber ich schaue auch auf die zukünftigen Tage der Kleinen.“ Sie hob drei Finger. „Drei Dinge. Erstens: Maisies Eltern. Zweitens: Was genau dieses Kind inzwischen mit fremder Magie anstellt. Und drittens: Wo sie ab morgen sein wird. Denn sie kann nicht länger hierbleiben. Ich denke, das weißt du selbst.“ Ihre Aufmerksamkeit streifte die Bierflasche. „Danach darfst du es noch einmal mit dem Taxi versuchen.“ Syrena ließ ihre Hand wieder sinken und betrachtete Antares. Sie hätte ebenfalls nichts dagegen gehabt, sich endlich zurückzuziehen, eine herrlich heiße Dusche zu nehmen, die verdammten Schusswunden ordentlich zu versorgen und anschließend für mindestens zwölf Stunden niemanden mehr sehen zu müssen. Aber anders als Lexington konnte sie sich nur schwer damit zufriedengeben, dass Maisie gerade friedlich im Nebenzimmer schlief. Denn dieses Mädchen hatte nach wie vor keine Ahnung, wo seine Eltern waren, und sie beide verfügten über erschreckend wenige Informationen, um daran etwas zu ändern. „Wir rufen sie nicht einfach an und erzählen ihnen, wo Maisie sich befindet. Wir wissen immer noch nicht, weshalb sie verschwunden sind oder was inzwischen mit ihnen gemacht wurde. Oder wer sie vielleicht schon wegen der Kleinen überwacht.“ Syrena legte die unverletzte Hand auf die Armlehne. „Morgen, wenn Maisie wach ist, fragen wir sie, wie wir ihre Eltern erreichen können. Dann versuchen wir herauszufinden, wo sie stecken und ob sie in Sicherheit sind. Aber ganz gleich, mit wem wir sprechen: Wir verraten weder Maisies Aufenthaltsort noch, bei wem sie untergebracht ist.“ Sie neigte den Kopf leicht. „Oder hast du eine bessere Möglichkeit, herauszufinden, wo ihre Eltern stecken, ohne ihnen gleichzeitig Maisies Aufenthaltsort auf dem Silbertablett zu servieren?“ Ob Lexington dazu eine brauchbare Idee hatte, würde sich zeigen. Syrena war durchaus bereit, sich einen besseren Vorschlag anzuhören, sofern er tatsächlich einen zustande brachte. Allerdings beschäftigte sie noch etwas anderes, das sich ihrer Ansicht nach erheblich dringlicher entwickeln konnte als die Frage nach Maisies verschwundenen Eltern. Ihre bisherigen Beobachtungen passten nämlich immer weniger zu der Annahme, dass das Mädchen lediglich fremde Magie unterdrückte. Und gerade, weil sie nicht wusste, nach welchen Regeln diese neue Fähigkeit funktionierte, behagte ihr die Angelegenheit überhaupt nicht. „Empathie und Tierkontrolle sind zwei völlig verschiedene Fähigkeiten.“ Ihre Stimme wurde sachlicher. „Wenn Maisie nur eine einzelne Fähigkeit von dir übernommen hätte, wäre das schon bemerkenswert genug. Aber sie hat offenbar mindestens zwei unterschiedliche Teile deiner Magie benutzt.“ Syrena fixierte ihn. „Leiht sie sich eine Fähigkeit aus – oder bekommt sie Zugriff auf alles, was jemand in ihrer Nähe kann?“ Nicht die Taube und auch nicht Maisies überraschendes Gespür für Antares’ Traurigkeit waren das eigentliche Problem, sondern die Möglichkeit, dass das Mädchen ebenso unbewusst auf Fähigkeiten zugreifen konnte, die erheblich gefährlicher waren. „Was passiert, wenn sie beim nächsten Mal meine Telekinese übernimmt?“ Diesmal lag kein Spott in ihrer Stimme. „Bei mir funktioniert sie kontrolliert, weil ich seit Jahren weiß, wie viel Kraft ich wohin geben kann. Maisie weiß nicht einmal, dass sie überhaupt etwas übernimmt.“ Ein Schreckmoment konnte reichen. Eine zufallende Tür war harmlos. Ein Tisch weniger. Ein Mensch überhaupt nicht. Syrena wusste noch sehr genau, wie unberechenbar Kraft sein konnte, bevor Dosierung und Instinkt irgendwann ineinandergriffen. Und dafür brauchte sie nicht einmal bis in ihre Kindheit zurückzugehen. Der Magier in der Gasse heute Nacht war ein ziemlich passendes Beispiel gewesen: Sein Körper in ihrem Griff, ein winziger Fehler in der Kontrolle und das hässliche Ende einer Bewegung, die präzise hätte sein sollen. Ihre Lippen pressten sich zusammen. „Oder einen Fluch.“ Dieser Satz kam deutlich leiser von ihr. Ein zwölfjähriges Mädchen musste nicht einmal verstehen, was es tat, damit rohe Magie aus einer Reaktion eine Katastrophe machte. „Und was genau hast du ihr eigentlich ins Ohr geflüstert?“ Sofort kehrte die Schärfe zurück. „Du flüsterst einem Kind, das offenbar deine Magie kopieren kann, keinen ‚coolen Trick‘ zu und lässt mich anschließend raten, was sie damit anstellen könnte.“ Dass er ihr nicht sein gesamtes magisches Repertoire offengelegt hatte, war eine Sache. Dass er Maisie bewusst irgendeinen Hinweis dazu gegeben hatte, eine andere. „Du konntest deine Empathie und die Tiermagie anschließend noch benutzen. Also scheint sie dir nichts vollständig wegzunehmen.“ Ihr Zeigefinger tippte einmal gegen die Armlehne. „Was ich wissen will, ist, ob sie das morgen noch kann, wenn du längst nicht mehr im Raum bist.“ Syrena rieb sich über die Stirn. Eine Antwort auf diese Fragen würden sie heute vermutlich ohnehin nicht mehr erhalten, jedenfalls keine, auf die sie sich guten Gewissens verlassen konnte. Dazu fehlten ihnen schlicht die nötigen Beobachtungen. Was ihr allerdings ganz und gar nicht gefiel, war die Vorstellung, Syrena rieb sich über die Stirn. Eine Antwort auf diese Fragen würden sie heute vermutlich ohnehin nicht mehr erhalten, jedenfalls keine, auf die sie sich guten Gewissens verlassen konnte. Dazu fehlten ihnen schlicht die nötigen Beobachtungen. Und bis sie darüber mehr wussten, musste sich eben jeder von ihnen entsprechend zurückhalten. „Bis wir wissen, was sie kopiert und wie lange sie es behält, zaubert in ihrer Nähe niemand aus Spaß.“ Ihr Ausdruck wurde süßlich. „Das gilt besonders für geheime ‚coole Tricks‘.“ Ausgerechnet sie musste sich nun Gedanken darüber machen, welche ihrer Fähigkeiten sie in Gegenwart eines Kindes besser nicht beiläufig demonstrierte. Unter anderen Umständen wäre das beinahe komisch gewesen. „Und damit wären wir bei Punkt drei.“ Syrena lehnte sich vorsichtig zurück. „Sie kann nicht einfach noch länger hierbleiben.“ Antares mochte das nicht gefallen, aber daran änderte sich nichts. „Deine Waffen sind hübsch anzusehen, aber wenn Ashcrofts Männer diese Adresse finden, hast du hier mit Maisie praktisch keinen magischen Schutz.“ Syrena unterschätzte Ashcroft mittlerweile nicht mehr. Mächtige Männer hatten mächtige Freunde und überall ihre Augen und Ohren. „Er hat Männer, Kontakte und Geld. Dafür braucht niemand einen Resonanzzauber.“ Und wenn Maisies bloße Anwesenheit Schutzzauber schwächte oder ganz unterdrückte, war dieses Loft auf Dauer weniger Versteck als eine Adresse mit verschlossener Tür. „Die Frau, von der ich gesprochen habe, heißt Dhakiya Magoro.“ Den Namen gab sie ihm deutlich bewusster als die übrigen Informationen. „Sie war meine Mentorin.“ Syrena verzog leicht den Mund. „Und sie gehört zu den sehr wenigen Menschen, denen ich Maisie überhaupt anvertrauen würde.“ Gerade deshalb folgte die nächste Information ohne Ausschmückung. „Sie lebt in Südamerika, in São Paulo.“ Sie stützte ihren Kopf auf die Hand ihrer gesunden Seite, denn er war im Laufe des Abends immer schwerer geworden. „Dhakiya kennt sich mit Magie aus, lässt sich nicht leicht einschüchtern und steht außerhalb von allem, was hier gerade um Maisie herumläuft. Vor allem wäre die Kleine dort bei jemandem, der versteht, was es bedeutet, wenn ihre Fähigkeiten plötzlich auf fremde Magie reagieren.“ Syrena sah kurz zum Schlafzimmer und seufzte unwillkürlich. „Wenn wir sie hierbehalten, sitzt sie in einer Wohnung, deren Schutz sie selbst schwächt. Das ist keine Lösung.“ Natürlich war damit noch längst nicht geklärt, wie sie Maisie überhaupt zu Dhakiya bringen sollten. Ein zwölfjähriges Mädchen konnte zwar betreut in ein Flugzeug steigen, doch niemand wusste, ob inzwischen bereits irgendwelche Behörden nach ihr suchten oder Ashcroft ihre Identität für weitere Nachforschungen benutzte. Eine offizielle Reise unter ihrem richtigen Namen kam für Syrena daher vorerst nicht infrage. Glücklicherweise gehörte die Beschaffung überzeugender Identitäten zu den Problemen, für die sich in ihrem beruflichen Umfeld verhältnismäßig unkompliziert Lösungen finden ließen. „Wenn es dazu kommt, besorge ich ihr neue Papiere. Einen Ausweis, Reisedokumente, was immer nötig ist.“ Ein Hauch ihres üblichen Spotts kehrte zurück. „Einer der seltenen Vorteile davon, für die dunkle Seite zu arbeiten.“ Dass solche Papiere für sie bei ihrem Job bei Wolfram & Hart kein theoretisches Gedankenspiel waren, musste sie Lexington nicht erklären. Danach wurde sie wieder ernst. „Wenn ihre Eltern auftauchen, wenn sie sicher sind und wenn sie mit all dem nichts zu tun haben, müssen wir die Sache neu beurteilen.“ Dhakiya war ein Ausweg, solange sie nicht wussten, ob Maisie überhaupt zu ihren Eltern zurückkonnte, keine Entscheidung, die Syrena ihnen bereits abnahm. Die Hexe musterte ihn. „Ich erwarte nicht, dass du mir einfach glaubst.“ Das wäre zwischen ihnen beinahe lächerlich gewesen. „Morgen rufe ich Dhakiya an. Du kannst dabeisitzen und dir selbst ein Bild machen.“ Ihre Stimme war trotzig und sie verschränkte erneut ihre Arme vor der Brust. Hoffentlich schmeckte ihm sein blödes Bier. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 04.10.2026 Für einen kurzen, so seligen Moment, herrschte Ruhe. Antares würde es unter Folter nicht zugeben, doch ihm dröhnte der Kopf nach den Anstrengungen im Bad. Der Schwindel war zwar zum Glück wieder etwas besser geworden, doch nicht gänzlich weg, wie eben gesehen, als er Maisie hochhob. Hinter den geschlossenen Augen, horchte der Hexer in sich hinein und versuchte das Durcheinander wieder zu ordnen. Noch immer ärgerte ihn von allen Dingen die Syrena ihm heute Abend an den Kopf geworfen hatte, mit am meisten ihre Undankbarkeit bezüglich seines Handelns. Ja, sie hatte ihm genaue Befehle gegeben. Wobei sie ja wohl am besten wissen sollte, dass man einem Kater keine strikten Anweisungen zu erteilen hatte. Aber das mal beiseite gelassen, wäre der Zauber auf den letzten Metern vielleicht gescheitert, weil ihr die Kraft ausging. Und ja, da hatte er über ihren Kopf hinweg entschieden ihr zu helfen. Das sie das nicht wollte, war klar. Das sie darum nicht gebeten hatte, noch klarer. Und das sie es hasste, etwas aufgezwungen zu bekommen, war ohnehin die Farce des Jahrhunderts. Ihn diesbezüglich anmaulen, mit dem Wissen, ihm für den Rest seines Lebens eine Fluch aufgezwungen zu haben. Aber es war vorbei. Die Münze nur wieder ein Museumsstück und das Mädchen damit erstmal in Sicherheit. Für eine kurze Zeit, soviel war klar. Hier war kein Fort Knox, wobei dies gegen die Mächte, gegen die sie kämpften auch wie ein Tag der offenen Türe im Schlussverkauf wirkte. Das Kind war nirgends sicher, solange es hier in der Stadt lebte. Aber er war im Moment schlichtweg zu erschöpft um sich weiterhin darüber Gedanken zu machen. Ein paar Stunden Schlaf, mehr wollte er gar nicht. Dann ging es morgen gestärkt ans Werk, wenngleich natürlich weiterhin ohne seine Magie, denn die Zwölfjährige war ja immer noch da. Jetzt aber, konnte er nicht mal eine Maus verscheuchen, sollte sich so eine hierher verirren. Scheiße, es fühlte sich verdammt beschissen an sich so ausgelaugt, müde und erschöpft zu fühlen. Hätte er wenigstens eine durchzechte Nacht hinter sich, gäbe es einen Grund und er hätte vorher noch ein bisschen Spaß gehabt. Aber nein, er hatte... Syrena. Die da jetzt wieder in der Türe stand und einfach nicht die Klappe halten konnte. Da dachte Antares, er tat ihnen beiden einen Gefallen, indem er sie wegschickte doch er erkannte den Fehler zu spät. Vermutlich hätte er sich einladen sollen noch zu bleiben und ihr einen Kaffee anbieten, dann wäre sie wehenden Haares aus der Wohnung geflüchtet. Lektion fürs nächste Mal. Jetzt hörte Antares, wie sie sich setzte und es sich in dem Sessel ihm gegenüber bequem machte. Der Dunkelhaarige sah sich deswegen nicht veranlasst, die Augen zu öffnen, oder sonst irgend etwas an seiner Sitzposition zu ändern. Er war einfach nur müde. Es hagelte erneut eine Beleidigung seiner Person, die er einfach überging und dann kamen Aufzählungen, was Madame alles so wollte. Was war mit seinen Wünschen? Aber auch jetzt schwieg er, denn über den erschöpften Teil hinweg wusste Antares, dass die Brünette leider Recht hatte und hörte ihren Ausführungen zu. War ohnehin am besten, sie reden zu lassen. Das tat sie am liebsten und er verstand, nach ihrer Aussage, ohnehin immer alles falsch. Also konnte er die Ruhe zwar nicht mehr so genießen, wie gerade eben noch, aber musste auch nicht sofort so tun, als stünde er sofort parat, wenn es der Hexe gefiel. Oder auch nicht, wie er eher vermutete. Wen riefen sie nicht an? War er kurz eingenickt oder sprach sie schon wieder in Rätseln? Achja, die Eltern. Nope, hatte er nicht vor. Aber das behielt er mal für sich. Und da er vorhin schon ausführte, dass in den meisten Fällen in denen er bereits die Kinder rettete, die Eltern zumindest davon wussten, was sie taten und nicht wenige davon sogar dafür bezahlt wurden, schwieg Antares nun. Vorhin hatte sie ihn dafür schon glatt gebügelt, das reichte ihm einmal. Gegen Ende ihrer Ausführungen, hob der Dunkelhaarige die Hand mit dem Daumen nach oben. Konnte er alles mit leben, was sie so vorschlug. Einzig die Tatsache, dass sie immer von einem 'wir' sprach, war befremdlich. Aber vielleicht meinte sie auch sie und ihre zig Egos. Das brauchte dann auch eine andere Bezeichnung. Nur als sie ihn fragte, ob er eine andere Idee hatte, nickte der Hexer. "Aber die bräuchte Zeit, wäre langwierig und den Erfolg könnte ich nicht versprechen. Daher machen wir es auf deine Weise." Wieder wurde der Daumen gehoben. Es wäre ihm möglich in der Gestalt eines Vogels eine Weile vor der Wohnung 'Wache' zu stehen. Zu beobachten wer dort alles ein und ausging. Aber das war, wie gesagt eine zeitraubende Angelegenheit. Außerdem hätte er Maisie dann hinter sich lassen müssen, denn momentan besaß sie das größere Talent als er, mit Tieren Kontakt aufzunehmen. "Die Eltern finden, Maisie nicht verraten und niemandem trauen." Packte er ihre Ausführung in wenige Worte zusammen. "Check!" Als wäre das hier eine Liste, die sie abarbeiteten. Aber halt, das war es ja auch. Syrenas Liste. Die nun dazu überging, ihm aufzuzählen, was die Kleine alles von seinen Fähigkeiten 'übernahm'. Klar, ruhig nochmal Salz in die Wunde reiben, oder halt. Mit solchen Kleinigkeiten gab sich eine Syrena nicht ab. Die benutzte Chili. Aber Antares schwieg auch hier und wartete, auf was die gehässige Hexe hinaus wollte. Meistens, nicht immer, gab es da ja tatsächlich einen Punkt und wie er mittlerweile gelernt hatte, denn im Gegensatz zu Syrenas Meinung, war er sehr wohl dazu im Stande, war es besser, sie erstmal all ihr Pulver verschießen zu lassen, bevor man sich dazu äußert. Und so war es auch jetzt wieder. Fragen auf die er keine Antwort hatte und Anmerkungen, die durchaus wert waren darüber nachzudenken. "Jetzt hol mal wieder Luft zwischendrin." Grätschte er in eine tatsächliche Atempause dazwischen. Immer noch ohne sie anzusehen, ja nicht mal ohne die Augen zu öffnen, beteiligte Antares sich an der Unterhaltung. "Woher soll ich das denn alles wissen? Ich kenne die Kleine genauso lange wie du. Mir macht das auch Sorgen, dass sie einfach so unsere Fähigkeiten unterdrückt und sich nichtsahnend aber scheinbar daran bedienen kann. So wie ich das einschätze, nimmt sie es nicht vollständig auf. Sie weiß vermutlich auch gar nicht, was sie da kann. Und ich bitte darum, wieder meine Fähigkeiten vollständig zurück zu bekommen, wenn sie geht. Ob sie davon dann noch ein Echo zurück behält, muss man ausprobieren. Mit so etwas wie dem Talent, welches Maisie besitzt, bin ich bisher auch noch nicht in Kontakt getreten. Ich könnte mich umhören, aber es lief ansonsten immer auf mächtige Zauber oder Flüche." Dieses Wort betonte er besonders. "...hinaus um einer Gegenpartei Schaden zuzufügen. Soweit mir bekannt, ist Maisie einzigartig. Ich hoffe, sie ist hinterher wieder vollkommen blank, denn erschrick dich jetzt nicht, aber ich bin deiner Meinung, dass sie ansonsten noch gefährlicher ist, als ohnehin schon. Mit Zauber, die sie nicht kontrollieren kann und die außer Kontrolle geraten könnten, ist nicht zu spaßen." So, soviel sein Beitrag dazu. Er konnte nichts bessere beisteuern, weil er es schlichtweg nicht wusste. Es war ein reines Raten, so wie von Syrena. Ob die Fähigkeiten zurück blieben oder sie nur so lange wirkten, wie der ursprüngliche Besitzer in der Nähe war, blieb auszuprobieren. Das konnten sie Maisie nicht mal selber fragen, weil sie davon keine Ahnung hatte. Als es dann aber wieder darauf kam, was er er Kleinen ins Ohr flüsterte, lächelte Antares fies. Das nagte immer noch an Syrena, dass sie das nicht wusste. Gut, ihre Begründung warum das so war, klang plausibel und erschreckend erwachsen. Aber den Spaß ließ sich der Dunkelhaarige doch nicht nehmen und blieb stur. "Platz ruhig, aber das verrate ich dir nicht." Das würde sein ganz persönlicher, kleiner Sieg an diesem Abend bleiben. War das kindisch. Sehr wohl. Tat es gut? Aber sowas von! Allerdings deutete er dann eine salutierende Geste mit der freien Hand an, als sie ihm auftrug, keiner sollte was zaubern. "Ay Ay, Ma´am." Er war momentan ohnehin zu platt dafür aber ja, leider klang auch das sehr vernünftig und hin und wieder konnte man sich ja an das halten, was Syrena einem auftrug. Nur dem Frieden Willen. Ach Mist, es gab noch einen Punkt. Antares verdrehte hinter den geschlossenen Augenlidern die Augen. Wie wohltuend es doch war, nun wieder gesagt zu bekommen, wie wenig hilfreich all das war, was man sich in den letzten Jahren aufbaute. Ganz so wehrlos wie Syrena ihn hinstellte war er nicht. Aber sie hatte leider auch dahingehend Recht, dass Maisie nicht hierbleiben konnte. Sie war nicht sicher und er konnte nicht ausreichend für ihre Sicherheit sorgen. Sie hatten sich heute Abend mit gefährlichen Leuten angelegt, was sicherlich nicht ohne Echo bleiben würde. Syrena brachte in ihrer unnachahmlich charmanten Art auf den Punkt, was nicht ging. Als sie allerdings anfing von der Person zu reden, zu der sie gedachte, Maisie zu bringen, hob Antares den Kopf und sah in ihre Richtung. Jetzt endlich hatte sie seine volle Aufmerksamkeit. Trotz Erschöpfung und Müdigkeit. Mentorin von Syrena und eine Person, der sie vertraute. Nun, das war nun ein gefährlicher Drahtseilakt. Antares traute Syrena nicht. Aber wenn diese behauptete, das von der Person dort in Südamerika zu behaupten, musste er das so annehmen. Dies kam nicht leichtfertig von Seiten der Hexe. Und er selber wusste leider niemanden dem er das Mädchen guten Gewissens anvertrauen könnte. Niemanden, der zum einen so weit weg war und zum anderen mit deren Fähigkeiten klar kam. Im Gegensatz zu der bisherigen Unterhaltung, wenn man es denn so nennen wollte, hörte Antares aufmerksam zu. Es war gefährlich das Mädchen jemandem anzuvertrauen, der ebenfalls magiebegabt war. Aber der Zusatz, dass diese Person sich damit auskannte, klang zwar nicht als ultimatives Werbeargument, aber besser, als alles andere. Und sie wäre weit weg. Außerhalb des Landes sogar. "Ich habs kapiert!" Fuhr er sie dennoch gegen Ende an, als sie nochmals damit anfing seinen Unterschlupf als nicht passende Bleibe für Maisie darzustellen. "Die Kleine muss weg." Und nein, das gefiel ihm nicht aber es war vernünftig und ohje, auch ihm war die weitläufige Bedeutung dieses Wortes bekannt. "Wenn du dieser Miss Magoro vertraust, dass du Maisie guten Gewissens zu ihr schickst, dann nehme ich das so an." Würg! Aber es war die Wahrheit. Aber zum Glück ging es ja dann auch schon wieder weiter mit Beleidigungen und Behauptungen, er war nur lebensfähig, weil Atmen ein Reflex war. Antares nahm einen weiteren Schluck von seinem Bier und ließ den Kopf dann wieder nach hinten kippen. Miss 'Ich rette die Welt' war wieder in Fahrt. Das man bei diesem Verbrecherverein gefälschte Pässe ausstellte, war ihm vollkommen klar. Das gehörte vermutlich zu Tagesgeschäft. "Wenn sie das sind, ja." Noch immer klang sein Misstrauen gegenüber den Eltern offen durch. Bisher gab es selten welche der unschuldigen Art. Diese taten ihm ehrlich leid, denn sie hatten wahrlich keine Ahnung, was mit den Kindern geschah oder wohin man sie entführte. Zu denen versuchte man tatsächlich nach einer Weile den Kontakt wieder herzustellen. Lief leider nur auch nicht immer ideal. Nicht alle Eltern verkrafteten es, ein nicht normales Kind zu haben. Aber das war eines der Themen, die sie wahrlich auf ein andermal verschieben konnten. "Kommt ja dann raus, wie die Eltern drauf sind, wenn wir herausgefunden haben wo sie sind. Kannst ihnen ja einen Besuch abstatten und es herausfinden." Ein zweites Mal während dieser Unterhaltung hob Antares den Kopf und sah zu Syrena hinüber. "Stimmt, ich glaube dir nicht. Aber dein Vorschlag mit deiner Mentorin ist der Einzige, den wir zur Verfügung haben. Und wenn du ihr vertraust..." Er zuckte mit den Schultern, denn den Satz zu Ende führen würde er ganz sicherlich nicht. Nun hob er die Bierflasche an, jedoch nicht um erneut davon zu trinken, sondern er hielt sie sich gegen die Schläfe. Ganz kühl war der Inhalt nicht mehr aber es reichte aus, um den dumpfen Schmerz etwas zu dämmen. "Und ja, ich werde morgen mithören, wie deine Mentorin auf diesen Vorschlag reagiert. Wir schicken Maise da nur hin, wenn sie wirklich davon überzeugt ist. Das sind wir ihr schuldig." Kurz schwieg der Dunkelhaarige und wartete darauf, dass der Kopfschmerz etwas nachließ. "Ist dir eigentlich aufgefallen, dass du die ganze Zeit von wir gesprochen hast? Dabei war ich der Annahme, ich wäre bei deinem weiteren Vorhaben nur hinderlich." Er konnte es einfach nicht lassen, nun auch noch diese Spitze gegen seine Gegenüber zu schießen. Wenngleich dies nichts mit all dem zu tun hatte, was noch vor ihnen lag, aber es machte ihm persönlich Spaß es zu erwähnen. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 05.10.2026 Dass Lexington während ihrer Ausführungen nicht einmal die Augen öffnete, brachte Syrena beinahe mehr auf die Palme als seine üblichen Unverschämtheiten. Da saß er mit seiner Bierflasche und behandelte das Gespräch über Maisies Zukunft, als müsse er sich eine besonders langweilige Vorlesung anhören. Ob er sich damals an der UCLA auch so auf seinem Stuhl gefläzt hatte? Natürlich war er erschöpft, aber das entschuldigte nicht jede Unverschämtheit. Sie hätte selbst liebend gern die Augen geschlossen, statt darüber nachzudenken, wie sie ein fremdes Kind vor Leuten versteckten, die bereit waren, dafür zu töten. Trotzdem saß sie hier und bemühte sich wenigstens um eine vernünftige Lösung. Als er bei ihrem Vorschlag zur Suche nach den Eltern lediglich den Daumen hob, wollte sie ihn schon fragen, ob sie jetzt auch noch ein schriftliches Lob erwarten durfte, doch Syrena verkniff es sich. Immerhin bekam sie von dem müden Hofkater noch etwas Zustimmung. Bei jeder Provokation anzuspringen würde nur in den nächsten sinnlosen Streit führen. Wenigstens schien er das Wesentliche begriffen zu haben. Seine Bemerkung, er kenne noch eine andere Möglichkeit, Maisies Eltern ausfindig zu machen, weckte dagegen sofort ihr Interesse. Er tat diese Alternative wegen des zeitlichen Aufwands und der unsicheren Erfolgsaussichten ab. Eine umständliche Methode konnte bei verschwundenen Menschen später trotzdem entscheidend werden. „Und was wäre das für eine Methode?“, fragte sie. „Vielleicht brauchen wir sie später noch.“ Er hatte offenbar noch Möglichkeiten, von denen sie nichts wusste. Seine Geheimnisse durfte er gern behalten, solange er im Ernstfall brauchbare Informationen lieferte. Noch einmal nachhaken würde sie vorerst nicht; er hatte die Frage gehört. Sein „Check!“ quittierte sie mit einem dünnen Lächeln. Auf der anderen Seite war es deutlich bequemer, von ihm lediglich ein Wort zu bekommen, so minimierten sich die Diskussionen. Ein Befehl, ein Parieren – damit musste sich der Kater doch sicherlich auskennen! Als Antares auf Maisies Magie einging, hörte sie genauer hin, auch wenn seine Aufforderung, zwischendurch Luft zu holen, nach einer passenden Erwiderung schrie. Er kannte das Mädchen ebenso wenig wie sie und konnte nur Vermutungen anstellen. Lexington mochte ein unerträglicher Wichtigtuer sein, aber nach dem gemeinsamen Zauber im Badezimmer konnte sie schlecht behaupten, er besitze keine beachtlichen magischen Kenntnisse. Dass selbst er keinen vergleichbaren Fall kannte, machte Maisie umso rätselhafter. Ob ihre geliehenen Fähigkeiten mit Maisies Abreise verschwanden oder teilweise blieben, wusste keiner von ihnen. Immerhin tat Antares nicht so, als hätte er die Antwort längst parat. „Wie beruhigend, wenigstens sind wir uns ausnahmsweise darin einig, dass wir keine Ahnung haben, womit wir es zu tun haben.“ Sie nahm immerhin zur Kenntnis, dass er die Gefahr unkontrollierter Zauber ebenso ernst nahm wie sie. Als er ausgerechnet das Wort „Flüche“ besonders betonte, hob Syrena eine Braue. Wie subtil, Lexington! Dann verdrehte sie die Augen. Seine Anspielung auf die eigene Verwandlung änderte nichts an ihrer Haltung zum Fluch oder dem, was er Amy angetan hatte. Aber Dhakiya verfügte über Wissen, das weit über gewöhnliche Hexerei hinausging. Vielleicht kannte sie ein ähnliches Phänomen. Syrena erinnerte sich noch gut daran, wie ihre Mentorin selbst bei den ungewöhnlichsten Erscheinungen zunächst nach Ursache, Bindung und Wirkung gefragt hatte, statt irgendeine bequeme Erklärung zu übernehmen. Genau diese Art von Sachverstand konnten sie jetzt gebrauchen! „Ich werde Dhakiya auch danach fragen. Vielleicht kennt sie etwas Vergleichbares.“ Schon ein einziger brauchbarer Hinweis wäre mehr, als sie bisher hatten. Weniger erfreulich fiel Lexingtons Reaktion auf ihre Frage nach dem geflüsterten Trick aus. Argh, dieses fiese Grinsen! Sein „Platz ruhig, aber das verrate ich dir nicht“ war so offenkundig darauf angelegt, sie zur Weißglut zu bringen, dass Syrena ihn einen Augenblick mit unverhohlener Missbilligung ansah. Gerade noch hatte er von Gefahren gesprochen, nun verweigerte er ihr absichtlich eine möglicherweise wichtige Information. Dieser kindische Mistkerl genoss es geradezu. Syrena würde ihm die Genugtuung eines neuen Streits nicht schenken, daher zuckte sie anschließend nur unbeeindruckt mit den Schultern. „Gut. Dann frage ich morgen Maisie selbst.“ Ein spöttisches Lächeln begleitete ihre nächsten Worte. „Vielleicht ist sie ja erwachsener als du.“ Sein salutierendes „Ay Ay, Ma’am“ würdigte sie nur eines finsteren Blicks. Wenigstens hatte er verstanden, worum es ging. Ob er sich daran hielt, war eine andere Frage. Bei Maisies Unterbringung zeigte Lexington immerhin Vernunft. Sein gereiztes „Ich habs kapiert!“ quittierte die Hexe mit einem erneuten Augenverdrehen. Doch er gab zu, dass Maisie fortmusste, und akzeptierte einen anderen Aufenthaltsort. Syrena beobachtete ihn. Er hatte das Mädchen aufgenommen, versorgt und sich für die Auflösung der magischen Signatur bis an seine Grenzen verausgabt. Trotzdem war er bereit, sie wieder wegzugeben, statt aus Eitelkeit darauf zu bestehen, allein für ihre Sicherheit sorgen zu können, das war wenigstens etwas bei diesem verkommenen Kater. Bei Maisie stellte der überhebliche Kerl offenbar nicht immer sich selbst an erste Stelle. Syrena verzichtete ausnahmsweise auf einen Kommentar. Noch bemerkenswerter war, dass er bei Dhakiyas Namen schließlich sogar den Kopf hob. Endlich schenkte er ihren Worten echte Aufmerksamkeit! Dass ausgerechnet Dhakiyas Name dafür nötig gewesen war, hätte die Hexe ihm am liebsten sofort vorgehalten, doch sie ließ es bleiben, denn sein nächster Satz verlangte nach einer ganz anderen Einordnung. Syrena musterte ihn. Er traute ihr nicht, daran bestand kein Zweifel. Trotzdem war er bereit, Maisie einer Frau anzuvertrauen, die er überhaupt nicht kannte, nur weil Syrena sie vorgeschlagen hatte. Offenbar hielt er sie zumindest in dieser Angelegenheit für einigermaßen zurechnungsfähig. Welch überraschende Erkenntnis! Das war erstaunlich differenziert für diesen Mann. Sympathischer machte ihn das allerdings nicht. Bei der Frage nach den Eltern kam allerdings erneut sein Misstrauen zum Vorschein. Seine schlechten Erfahrungen waren noch kein Beweis gegen Maisies Eltern, und Syrena würde die Schuldfrage nicht noch einmal durchkauen. Als Antares vorschlug, sie könne die Eltern nach ihrem Auffinden einfach besuchen, verzog sie unwillig den Mund. „Ich werde jedenfalls nicht einfach an ihrer Tür klingeln und hoffen, dass mir niemand eine Waffe entgegenhält. Oder mich noch mal anschießt.“ Ihr linker Oberarm meldete sich bei dieser Erinnerung ausgesprochen zuverlässig. Sie rückte ihn vorsichtig zurecht und versuchte, den Druck auf den Verband zu verringern. Möglicherweise überwachten Ashcrofts Männer die Wohnung längst. „Sobald wir wissen, wo sie sind, sehen wir weiter.“ Vorschnelle Urteile halfen ihnen ohnehin nicht. Seine anschließende Forderung, Dhakiya müsse der Aufnahme ausdrücklich zustimmen, nötigte Syrena ein Lachen ab. „Ach, tatsächlich? Und ich hatte vor, ihr morgen mitzuteilen, dass sie ab sofort ein zwölfjähriges Mädchen zu versorgen hat. Ganz ohne zu fragen.“ Antares kannte Dhakiya eindeutig nicht! Ihr einfach ein Kind vor die Tür zu stellen, war völlig absurd. Dhakiya ließ sich von niemandem herumkommandieren, nicht einmal von ihr. Syrena respektierte ihr Urteil, selbst wenn es ihrem eigenen widersprach. „Natürlich entscheidet Dhakiya selbst, ob sie Maisie aufnimmt. Etwas anderes würde sie auch niemals zulassen.“ Sie hoffte auf eine Zusage, wusste aber, dass sie keinen Anspruch darauf hatte und dass sie ihr danach verdammt viel schuldete. Für morgen ergab sich daraus eine klare Reihenfolge: Erst Dhakiya erreichen und mit ihr über Maisies Unterbringung und Fähigkeiten sprechen; außerdem das Mädchen nach möglichen Wegen zu seinen Eltern fragen. Danach konnten sie weitersehen. Ohne Antworten ließ sich keine Reise planen und sie mussten zuerst klären, ob Maisie überhaupt von ihren Eltern getrennt werden musste, bevor sie ernsthaft über einen Flug auf einen anderen Kontinent entschieden. Syrena hätte am liebsten sofort alles geregelt, aber selbst sie konnte fehlende Informationen nicht herbeizaubern. Sie rieb sich kurz ihre Schläfen, um gegen die aufbäumende Müdigkeit anzutreten. Ihr Körper verlangte längst nach Schlaf und einer ordentlichen Versorgung der Verletzungen, doch ihre Gedanken liefen die Möglichkeiten noch immer nacheinander durch. Nebenan lag ein Kind, dessen nächster Tag davon abhing, ob die Erwachsenen diesmal vernünftige Entscheidungen trafen. Das würde Syrena gewiss nicht allein Lexington überlassen, selbst wenn sie sich darüber hinaus liebend gern von ihm ferngehalten hätte. Seine letzte Spitze ließ sie dann doch grinsen. Er hatte sich tatsächlich daran gestoßen, dass sie ständig „wir“ sagte. Syrena musterte ihn einen Augenblick ungläubig, während ihr einfiel, wie selbstverständlich er das Wort selbst verwendet hatte. „Interessant. Als du gerade von ‚wir schicken Maisie‘ gesprochen hast, hat dich das kleine Wörtchen offenbar noch nicht gestört.“ Ihr Grinsen wurde breiter. Welch entzückendes Eigentor! „Ich kann dich für ein arrogantes Arschloch halten und trotzdem erkennen, dass du in dieser Angelegenheit etwas beizutragen hast. Das eine schließt das andere nicht aus.“ Ihr Blick hielt seinem stand. Was er Amy angetan hatte, blieb unverziehen. Kein gerettetes Kind, keine gemeinsame Anstrengung und auch kein widerwillig vernünftiger Vorschlag würden daran etwas ändern. Deshalb auf seine Fähigkeiten zu verzichten, ja, daran hatte sie einen Moment gedacht. Sie war bei dieser Sache nicht annähernd so objektiv, wie sie ihm gerade weismachen wollte. Sie deutete mit einer knappen Kopfbewegung in Richtung Schlafzimmer. „Und falls du es vergessen hast: Maisie schläft gerade in deinem Bett. Ich fürchte, damit bist du ohnehin beteiligt.“ RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 05.10.2026 Nachdem soweit alle Nettigkeiten ausgetauscht waren, schwieg Antares einige lange Momente und sah in Richtung des angesprochenen Schlafzimmers. Jetzt, wenn er zur Ruhe kam und endlich Zeit fand über das nachzudenken, was geschah, wurde ihm erst so richtig bewusst, was genau er getan hatte. Gut, nicht alleine. Aber wie eben von Syrena so freundlich auf den Punkt gebracht, Maisie lag in seinem Schlafzimmer. Und auch wenn sie die Hexe anhimmelte, als wäre diese ihre lang verloren gegangene Schwester, trug auch er einen gewissen Teil der Verantwortung. Einen ziemlich großen Teil. Mehr als üblich. Sehr viel mehr. Seine bisherige Beteiligung bei all diesen Rettungsaktionen war das Beobachten und dann Eingreifen. Aber das tat er in Gestalt des Katers um die Kinder wegzulocken. Weg von ihrem Zuhause, in dem die Gefahr lauerte, weg von ihrem gewohnten Schulweg, auf dem man sie abpassen konnte und weg von all denjenigen, die ihnen nichts gutes wollten. Dann aber waren diejenigen da, mit denen er zusammen arbeitete. Diese nahmen die Kinder in ihre Obhut, sorgten für deren Sicherheit und brachten sie anderswo unter. Suchten auch die Eltern, wenn diese nicht mit in den Handeln mit eingebunden waren und schleusten die Kinder aus der Stadt. Das alles war mit großen logistischem Aufwand verbunden und er selber hatte dafür bereits eine Menge Geld gespendet, damit diese Kinder nicht das Los erleiden mussten, für das sie ausgesucht worden waren. Aber es war etwas ganz anderes, Geld zu überweisen und eben so ein Kind persönlich kennen zu lernen. Mehr noch, sie hatten Maisie praktisch aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen und waren nun für sie verantwortlich. Für nichts geringeres als ihr Leben. Er selber glaubte nicht, dass die Eltern davon nichts wussten und in seinem Kopf spielte sich die Szenerie so ab, dass die Kleine nicht mehr nach Hause zurück konnte. Aber was dann? Sie hatten ihr das gewohnte Umfeld genommen, die Eltern und möglicherweise auch ihre weitere Zukunft hier in der Stadt. Das war nicht einfach nur, als würde man ein Hündchen aus dem Tierheim adoptieren. Alleine dafür hatte man ja schon eine Menge Verantwortung. Aber sie sprachen hier allen Ernstes darüber, ein Kind außer Landes zu bringen. Illegal, an den Behörden vorbei oder anders formuliert, mit einem anderen Namen. Auch wenn er für die Dokumentenfälschung nicht zuständig war, er steckte in der Sache mit drinnen. Und ganz nebenbei entschieden sie hier über das Wohl des Mädchens. Musste sie in Südamerika bleiben? Was, wenn er Recht hatte und die Eltern mit in der Angelegenheit mit drin steckten? Verkauften sie ihre Tochter bei der nächsten Gelegenheit dann wieder? Fragen über Fragen, auf die es heute Abend keine Antwort gab. Und doch war der Blick des Dunkelhaarigen noch immer auf das Schlafzimmer gerichtet. In was hatte er sich da nur rein manövriert? War ja nicht so, dass er der große Stratege war. Entweder ein spontan gefasster Plan funktionierte, oder eben nicht. Und als er in der Bar die Dämonin mit der Münze reden hörte, entschied er von einer Sekunde auf die Andere, dass er in diese Angelegenheit involviert war. Verließ seinen Posten hinter der Bar, was keine sonderlich gute Entscheidung war und mischte sich in Dinge ein, für die er überhaupt nicht vorgesehen war. Aber jetzt? Maisie vertraute ihnen. Vermutlich Syrena mehr, als er es tat. Und sie saßen hier und hatten keine Ahnung, was sie tun sollten. Denn wenn die Brünette ganz ehrlich zu sich war, war ihr Plan auch auf tönernen Pfosten gebaut. Sollte diese Bekannte von ihr Nein sagen, was durchaus möglich war, was dann? Er hatte keinen Plan B. "Scheiße..." Meinte er schließlich aus tiefstem Herzen. Danach stand er auf, stellte die Bierflasche auf den Tisch und ging mit langsamen und sichtbar schlurfenden Schritten durch das Zimmer zu einer kleinen Bar an der Wand. Er hob die Hand und wollte diese eigentlich aufzaubern. Reine Macht der Gewohnheit. Aber es endete darin, dass er den Schlüssel drehte, die Abdeckung aufklappte und in der dortigen Beleuchtung wurden einige Behältnisse sichtbar, deren Inhalt nicht gewöhnlich aussah. Der Hexer nahm zwei Gläser und griff nach einer Flasche, deren Inhalt bläulichgrün schimmerte. Zurück am Tisch, stellte er ein Glas so hin, dass Syrena es nehmen konnte, schenkte sich selbst das Eigene halbvoll und ließ sich zurück aufs Sofa fallen. Er nahm einen kleinen Schluck von seinem Getränk und schloss wieder die Augen. Es war ein selbst hergestellter Trank. Das Aroma würzig, rauchig aber mit einem ganz individuellen Abgang. Jeder der davon kostete, schmeckte etwas anderes. Den eigenen Vorlieben entsprechend. Der Alkoholgehalt im Getränk war nicht zu hoch und doch schmeckte man ihn deutlich, wenn auch nicht aufdringlich heraus. Eiswürfel brauchte man hierfür nicht, die Kälte würde nur den Geschmack verderben. Den Schluck einige Momente im Mund behaltend, damit sich das Aroma gänzlich entfalten konnte, schluckte Antares erst mit Verspätung hinunter. Er hatte mitnichten vor, sich nun zu betrinken, aber besondere Anlässe, benötigten besondere Vorkommnisse. Oder war es andersherum? Den Kopf wieder zurück auf die Rückenlehne des Sofas gebettete, schien es als hätte er sich aus der Unterhaltung ausgeklinkt. Stattdessen, dachte er nach. Er hatte sich in diesen Mist mit hinein manövriert und er kam auch nicht mehr heraus. Klar könnte er umdrehen und gehen. Was ging ihn das Kind da in seinem Schlafzimmer morgen noch an? Aber auch wenn Syrena ihn bereits als ein solches bezeichnete. So ein Arschloch war er dann wahrlich nicht. Nein, er hatte das hier angefangen, er zog es nun auch durch. Aber das konnte er nicht alleine. Und seine Gegenüber auch nicht, wenn sie einen winzigen Moment ehrlich zu sich wäre. Vielleicht aber war sie das ja schon, denn sie war immer noch hier und weihte ihn in ihre Pläne ein. Eigentlich war er der Meinung, sie hätte ihren kantigen Hintern bereits in ein Taxi manövriert. Aber sie war immer noch hier. "Was unsere gegenseitige Empathie füreinander angeht, bist du das gleiche Arschloch." Fing er dennoch nach der Zeit der Sendepause wieder an. "Du bist ein verblendetes, vollkommen von sich überzeugtes Miststück, welches lieber um sich beißt und kratzt, als einmal dankbar dafür zu sein, wenn dir geholfen wird. Lieber beschwerts du dich darüber, dass du das nicht entschieden hast, als fünf einfache Buchstaben aneinander zu reihen. Du betest immer wieder die gleiche Laier herunter, dass du all das auf dich genommen hast, weil du dem Mädchen helfen möchtest. Und Überraschung! Das glaube ich dir sogar. Aber Newsflash! Deswegen bin ich auch hier." Nun richtete Antares sich wieder etwas auf und sah seine Gegenüber an. "Nachdem nun geklärt ist, dass wir uns beide gegenseitig in die Gosse wünschen, können wir vielleicht daran arbeiten, wie es weitergeht." Er hob die freie Hand, noch bevor Syrena die Chance hatte, schon wieder entrüstet Luft zu holen. "Ich habe dir zugehört! Und es bleibt dabei, dass deine Mentorin die beste Wahl ist. Wenn du ihr vertraust, ..." Er konnte den Satz dann doch nicht über die Lippen bringen. Zu viel Freundlichkeit wäre doch zu seltsam. "Erzähl mir von ihr. Ich möchte sie kennenlernen. Was erwartet Maisie dort und wie wird sie die Kleine beschützen können, wenn diese auch ihre Kräfte dämpft? Die Kleine außer Landes zu bringen wird schon schwer genug werden. Irgendwann begreift auch sie, dass sie nicht mehr zu den Eltern zurück kann." Erneut hob er die Hand, weil ihm klar war er setzte wieder etwas voraus. "Du kennst meine Meinung. Aber wir machen es dennoch wie von dir vorgeschlagen. Nur für den Fall, dass ich am Ende Recht behalten sollte." Antares nippte wieder von seinem Drink, genoss den Geschmack erneut einige Momente und sah seine Gegenüber schweigend an. Er hasste sie abgrundtief, weil sie ihm zu seinem ohnehin schon grenzenlosen Schmerz zusätzlich mit einem Fluch belegte. Dazu hatte sie kein Recht. Sie kannte ihn und seine Beweggründe nicht. Und doch hatten sie sich in dieser Angelegenheit aneinander gekettet. "Solange es darum geht, Maisie in Sicherheit zu bringen, werden keine krummen Dinger gedreht, verstanden? Ich hasse dich und du verachtest mich aber das Mädchen da drinnen braucht unsere Hilfe. Denn ja, im Gegensatz zu dir, kann ich sehr wohl anerkennen, wenn ich alleine nicht weiterkomme. Du magst allwissend, allmächtig und allgegenwärtig sein. Zusammen mit deinem Arbeitgeber liegt dir die Welt zu Füßen. Aber du hast das Einfühlvermögen einer Abrissbirne. Die Kleine himmelt dich an und du hast den halben Abend gebraucht, um darauf überhaupt aufmerksam zu werden. Du zählst hier deinen Masterplan auf, der natürlich vollkommen ist, das streite ich dir nicht ab. Aber wir reden hier von einem lebenden, fühlenden Wesen. Ihr zu verdeutlichen, dass ihr Leben hier womöglich vorbei ist, kann man nicht rüberbringen, als würdest du ihr aus einem Gesetzbuch vorlesen. Was auf sie zukommt, wird schwer genug. Du übernimmst die Planung, setzt deine Hebel in Bewegung und nutzt deine Kontakte. Aber lass mir auch die Gelegenheit, Maisie klar zu machen, was auf sie zukommt. Vermutlich haben wir dafür nur den morgigen Tag. Das ist verdammt viel für so ein junges Ding." Nachdem dies alles gesagt war, fuhr Antares sich mit den Fingern über die Stirn und anschließend durchs Haar, welches nun nicht mehr so streng nach hinten gekämmt war. Er fühlt sich so müde. "Der Kleinen bricht alles unterm Hintern weg und wir sind diejenigen, die in ihren Augen dafür verantwortlich sind." |