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old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 31.08.2026 Das Valen & Vice gehörte zu jenen Orten, an denen man sich besser nicht dadurch verdächtig machte, dass man aussah, als würde man dort absolut nicht hingehören. Wer aussah, als hätte er nicht genügend Geld, um seinen nächsten Drink zu bezahlen, wer sich ständig umschaute und ausstrahlte, dass er sich unwohl fühlte, wurde schneller zur Zielscheibe, als ihm lieb war. Syrena hatte sich deshalb an diesem Abend bewusst gegen alles entschieden, was auch nur entfernt nach Wolfram & Hart aussah. Statt ihres seriös wirkenden Blazers und des Bügelfaltenrocks, trug sie dunkelrotes Leder über einem schwarzen, tief ausgeschnittenen Oberteil, dazu einen asymmetrisch fallenden Rock in einem so dunklen Bordeaux, dass er im gedämpften Licht beinahe schwarz wirkte. Schwarze Stiefel, ihre geliebten Stulpen und der übliche Schmuck vervollständigten etwas, das sehr viel eher nach einem freiwilligen Abend in einem exklusiven Club aussah als nach Arbeit. Dass es außerdem eines ihrer Lieblingsoutfits war, war ein angenehmer Nebeneffekt. Syrena hatte nie verstanden, warum Zweckmäßigkeit zwingend langweilig und bieder sein musste. So sehr sie ihren Job in der wohl größten Anwaltskanzlei der Welt liebte, so fad empfand sie die Kleidung, wenngleich sie auch dort um deren Wirkung wusste. Ihr Auftrag war heute Abend unspektakulär genug, um den Aufwand gering zu halten. Gideon Ashcroft, achtundsechzig und ehemaliger Mandant der Kanzlei, hatte vor einiger Zeit die ausgesprochen hilfreichen Dienste von Wolfram & Hart in Anspruch genommen und anschließend offenbar beschlossen, dass Vereinbarungen hauptsächlich für andere Menschen galten. Eine noch ausstehende Gegenleistung könne er nicht mehr erbringen, entsprechende Kontakte besitze er längst nicht mehr und überhaupt sei sein früheres Geschäftsfeld praktisch versiegt. Bedauerlich nur, dass die Kanzlei Hinweise darauf erhalten hatte, Ashcroft handle weiterhin mit seltenen, magischen Gegenständen und Informationen. Für diesen Abend war ein Treffen mit einem bislang unbekannten Kontakt angekündigt. Syrena sollte weder verhandeln noch etwas sicherstellen; sie sollte lediglich beobachten, feststellen, mit wem er sich traf, und herausfinden, womit Ashcroft konkret handelte. Keine Einmischung und erst recht keine Aufmerksamkeit. Ein Auftrag, der vermutlich keine ihrer magischen Fähigkeiten groß herausfordern würde, vielleicht würde er sogar verdammt langweilig werden. Aber nun, dafür wurde sie bezahlt, auch, wenn es insgeheim das immens große Ego der dunklen Hexe bereits beleidigt hatte. Ashcroft machte es ihr leicht, ihn zu finden. Sein silbergraues Haar war sauber zurückgekämmt, der dunkle Anzug saß trotz seines Alters makellos und selbst aus einigen Metern Entfernung wirkten Manschettenknöpfe, Einstecktuch und der Ring an seiner rechten Hand so teuer, dass nichts an ihm zu einem Mann passen wollte, der angeblich kaum noch über nennenswerte Mittel verfügte. Innerlich lachte Sy verächtlich auf. Schon oft hatte sie Klienten und Klientinnen der Kanzlei mit offenbar leeren Hosentaschen erlebt, die dann auf einer versteckten Goldgrube gesessen hatten. Recht geschah es ihnen! Er hatte es sich in einer der etwas abgeschiedeneren Sitzgruppen bequem gemacht, ein schweres Glas mit bernsteinfarbener Flüssigkeit in der Hand, den Blick scheinbar gelangweilt in den Raum gerichtet. Nur seine Augen passten nicht zu dieser demonstrativen Ruhe. Sie wanderten immer wieder zum Eingang, dann über die Gäste, ehe sie erneut auf seinem Glas landeten. Er wartet. Die Hexe konnte mittlerweile, dank ihrer Erfahrung im Observieren, relativ schnell die Bewegungen und Körperhaltungen ihrer zu beobachtenden Ziele deuten. Auch hier war es nicht besonders schwer gewesen. Sie ließ ihren eigenen Blick weiterziehen, als hätte Ashcroft sie überhaupt nicht interessiert, und entschied sich für einen freien Platz an der Bar. Von dort hatte sie eine gute Sicht auf seine Sitzgruppe, ohne sich ständig nach ihm umdrehen zu müssen und er sah sie von schräg recht hinten nicht. Perfekt! Syrena ging mit beschwingtem Schritt in Richtung Bar, legte ihre Tasche neben sich und strich lediglich einmal den Rock glatt, ehe sie noch einmal beiläufig über den Raum sah. Jemand hinter dem Tresen näherte sich; sie schenkte ihm kaum mehr Aufmerksamkeit als den Flaschen in den Regalen dahinter. Ihre Augen waren bereits wieder bei Ashcroft und so hörte sie nur beiläufig die Standardfrage, was es sein durfte. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb es einen zweiten Blick brauchte. Syrena wandte den Kopf erst wieder zur Bar, als sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm, diesmal ohne mit ihren Gedanken bereits drei Tische weiter zu sein. Ihr Blick glitt über das Gesicht vor ihr – und blieb für einen Moment an dem Gesicht des Barkeepers hängen. Für einen Sekundenbruchteil wollte ihr Verstand das Gesehene offenbar doch noch einer belanglosen Ähnlichkeit zuschreiben, bevor sich die vertrauten Züge zu einer Erinnerung zusammensetzten, die sie seit Jahren nicht gebraucht hatte. Ihre Finger, eben noch locker auf dem Tresen liegend, glitten nach unten. Knisternde rote Magie legte sich um ihre Finger, dezent genug, um nicht gleich die Blicke der anderen Gäste auf sich zu ziehen – schließlich war sie hier gewiss nicht die einzige Hexe –, aber gerade deutlich genug, um dem emotionalen Tornado in ihrem Inneren ein wenig Raum zu geben. Die Versteinerung ihres Blickes griff auf ihre restlichen Gesichtszüge über. Kein erschrockenes Zurückweichen, kein ungläubiges Starren. Doch ihr Blick begann nun, deutlich kälter zu werden. „Du“, formte ihr Mund die beiden kleinen, unbedeutenden Buchstaben. Vier Jahre. So lange hatte sie Antares Lexington weder gesehen noch vermisst, und Syrena hätte nicht behaupten können, dass ihr in der Zwischenzeit auch nur besonders häufig der Gedanke gekommen wäre, herauszufinden, was aus ihm geworden war. Er war irgendwann schlicht zu etwas geworden, das erledigt war – Amy dagegen war das nie gewesen. Dafür genügte jetzt sein Gesicht, um viel zu mühelos wieder das Bild ihrer Cousine hervorzuholen: Amy, verletzt und gedemütigt, nachdem sie ausgerechnet den Mann, dem sie vertraut hatte, mit einer anderen erwischt hatte. Syrena musste sich weder jedes Detail jenes Tages noch ihre damalige Wut erneut ins Gedächtnis rufen, erst recht nicht ihre spätere Auflösung, in der sie durch ihre Magie in sich selbst zusammengefallen war. Das Gefühl fand auch ohne Einladung zurück. Kühl, scharf und erstaunlich unverbraucht. Nein, sie bereute den Fluch noch immer nicht. Wenn überhaupt, erinnerte dieser Anblick sie daran, warum sie ihn ausgesprochen hatte. Ihr Blick wanderte langsam an ihm hinab und anschließend wieder nach oben. Menschlich. Ausgesprochen menschlich sogar! Das brachte sie dazu, ihre Augen leicht zu verengen und taxierend den Kopf etwas zur Seite zu neigen. „Sieh an. Du kannst mittlerweile wieder auf zwei Beinen stehen.“ Dass Antares einen Weg gefunden hatte, ihre Magie zumindest so weit zurückzudrängen, weckte weniger Anerkennung als eine gewisse widerwillige Neugier. Syrena wusste sehr genau, wie sie den Fluch gebunden hatte. Sie hatte ihn nur für ihn kreiert, es war ihre Erfindung gewesen. Dass er hier offenbar problemlos hinter einer Bar arbeiten konnte, bedeutete also nicht, dass er ihn gebrochen hatte. Das hätte sie gewusst. Erst bei diesem genaueren Blick fiel ihr der Anhänger auf, den er um den Hals trug. Schmuck an Antares war kaum bemerkenswert genug, um länger darüber nachzudenken; schon früher hatte er eine ausgesprochene Schwäche für Silber und auffälligen Schmuck gehabt. Natürlich trug Antares Lexington inzwischen irgendeinen neuen Klunker spazieren. Nur lag etwas daran, das ihren Blick einen Herzschlag länger festhielt. Magie. Schwach wahrnehmbar und fremd genug, dass sie nicht auf Anhieb bestimmen konnte, was genau dort wirkte. Aber war das etwas Besonderes an einem Hexer? Nein, wirklich nicht. Syrena ließ ihre Augen daher wieder davon abgleiten. Ihn danach zu fragen hätte Interesse vorausgesetzt, und davon hatte er für die nächsten vier Jahre bereits genug bekommen. „Einen Cosmopolitan.“ Ihr Ton war scharf, man konnte den Hauch eines Befehls darin vernehmen, immerhin war sie hier Gast und Antares bewirtete Gäste. Kurz glitt ihr Blick abschätzend zu dem Dunkelhaarigen und sie verzog verächtlich den Mund. „Ich hoffe, den kriegst du hin. Er ist nichts für Anfänger.“ Dann wandte sie sich fast währenddessen wieder Ashcroft zu. Der ältere Mann hatte seine Position inzwischen kaum verändert, doch sein Blick wanderte gerade gefährlich nah an die Bar heran. Syrenas Zeigefinger strich einmal über die Kante des Tresens. Nicht mehr als ein Hauch dunklen Rots flackerte zwischen ihren Fingern auf und verging im selben Augenblick wieder, nachdem er eine kurze, dünne, leuchtend rote Spur auf dem Tresen hinterlassen hatte. Kein Zauber, der Ashcrofts Gedanken lenkte oder ihm etwas aufzwang, das vermochte die Hexe nicht ohne einen sorgfältig vorbereiteten Zauber; lediglich ein kleiner Schubs für seine Aufmerksamkeit, ein leeres Glas, das unweit von ihm umkippte, ohne auf den Boden zu fallen und zu zerbersten. Einfach ein winzig kleiner Schubs von Syrenas telekinetischer Magie. Sein Blick glitt dorthin weiter, als wäre es von Anfang an sein eigener Impuls gewesen. Schon besser! Syrena ließ die Hand wieder sinken und behielt Ashcrofts Sitzgruppe im Auge. Dass ausgerechnet Antares hinter dem Tresen stand, änderte schließlich nichts an ihrem Auftrag. Noch weniger würde sie ihm die Genugtuung gönnen, etwas anderes zu glauben. Bis ihr Cosmopolitan vor ihr stand, gab es für sie daher keinen vernünftigen Grund, ihm mehr Aufmerksamkeit zu schenken als unbedingt notwendig. Und danach vermutlich noch weniger. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 31.08.2026 She who dabbles in shadows shall have darkness linger in her soul.
Every spell comes at a cost and the price of magic will be paid by all. - Lanne Garrett Outfit (KI) [Einstiegspost] Wie bereits einige Male zuvor, war Antares auch am heutigen Abend auf leisen Pfoten in die Bar gekommen. Nachdem er sein Apartment verließ, auf die Straße ging und einen Straßenecke erreichte, die nicht gänzlich einsehbar war, gab er seinen Widerstand gegen den Fluch auf, sodass lautlos und unspektakulär im nächsten Moment ein schwarzer Kater aus den Schatten heraus trat. In den letzten Jahren hatte er diese Prozedur nun schon so oft vollzogen, dass er mittlerweile nicht mehr an Gleichgewichtsstörungen litt, sobald er in die wesentlich kleinere Gestalt wechselte oder zurück. Auch erschlugen ihn all die Gerüche und Geräusche nicht mehr gänzlich so, wie bei der allerersten Wandlung, als der Fluch vollzogen wurde. Es hieß ja, man gewöhnte sich an vieles. Dank des Talismans, den nun auch der samtpfotige Vertreter seiner Rasse um den Hals trug, war es ihm seit einigen Monaten nun um ein vielfaches einfacher, zwischen den Gestalten zu wechseln. Der Fluch zwang ihn immer noch in die Knie und mehr als seine Schicht im Nachtclub hielt er es am Stück auch kaum aus. Damit der Zwang jedoch so gering wie möglich gehalten werden konnte, nutzte der Kater viele Abende um seinen Arbeitsweg bereits dafür zu nutzen. Selbstredend brauchte er auf seinen kleinen Pfoten um einiges länger als in seinem schicken Sportwagen. Wobei das auch nicht immer so selbstverständlich war. Oft genug zwang einen ein Stau in der Innenstadt zu einem unerwünschten Stopp. Da trugen die Katzenpfoten ihn doch zuverlässiger durch die Hinterhöfe und Gassen der Stadt. Und mittlerweile kannte er diese Strecke in und auswendig, sodass er jede, sich bietende Abkürzung nehmen konnte. So kam Antares auch heute in der Gasse an, über die man den Hintereingang der Bar erreichte. Eine kurze Weile blieb er noch auf einer Mauer sitzen, weil direkt vor der Türe zwei der Putzfrauen entschieden hatten, ihr Zigarettenpläuschchen abzuhalten. Wie immer drehte das Tier seine Ohren in deren Richtung und lauschte aufmerksam. Am Gesicht des Katers ließ nichts vermuten, dass er jedes Wort verstand und wenn er wollte, sogar antworten könnte. Ein Geschenk seiner Magie, wenn man es so nennen wollte, welche als Gegenangriff auf den Fluch damals sofort die für ihn besten Möglichkeiten erkannte. Nicht, dass er es unbedingt als Verbesserung ansah, aber er hatte, genau, gelernt damit umzugehen. Sein Groll gegen die Hexe, die ihm das angetan hatte, war seit jenem Tag ungebrochen. Er hielt sich die Waage mit der Verzweiflung, weil er wusste, er konnte den Fluch niemals zur Gänze brechen. Und natürlich gab es Tage, an denen Letztere die Oberhand gewinnen wollte. Das waren dann diejenigen, an denen der Hexer seine Wohnung nicht verließ und sich mit der Erforschung und Erprobung verschiedenster Zaubersprüche ablenkte. Vor allem musste er einen finden, der verhinderte, dass ihm seine einstige Liebe Amy im Traum erschien. Sie war nicht mehr hier. Der Tag, als ihm ein Informant dies zuflüsterte, war der Schwärzeste in seinem bisherigen Leben. Niemals hatte er gewollt, das dies geschah. In seiner Vorstellung hätte Amy ihn irgendwann vergessen, einen netten Mann kennengelernt, Kinder bekommen und wäre bis an ihr Lebensende glücklich gewesen. Wie es in diesen dämlichen Märchen doch auch immer hieß. Aber sie war nicht mehr glücklich geworden. Und dieses Wissen höhlte ihn innerlich mehr aus, als der elende Fluch der ihn jeden Tag für mehrere Stunden in die Gestalt eines schwarzen Katers zwang. Doch all das hatte jetzt und hier bei der Arbeit nichts zu suchen. Er war der Barkeeper im angesagtesten Club der Stadt. Der Lohn stimmte, die Location sowieso und nicht nur, dass er während der Arbeit seine Magie anwenden durfte, er erfuhr auch noch so einiges. Klar musste er davon dem Boss das Meiste zustecken, doch hin und wieder griff er auch eine Information für sich selbst ab, mit der Absicht diese irgendwann zu seinen Gunsten nutzen zu können. Wenn man schon mit den Haien schwamm, durfte man sich auch etwas von der Beute sichern. Das Reinigungspersonal war sowohl mit ihrer Plauderei als auch mit ihren Zigaretten zum Ende gekommen und verschwanden wieder im Gebäude. Der Kater streckte sich einmal genüsslich und sprang schließlich von der Mauer. Unten angekommen, trat Antares auf seinen zwei Beinen wieder aus dem Schatten und betrat das Gebäude. Man wechselte ein paar freundliche Worte mit dem restlichen Personal, dann war es aber auch schon soweit, dass seine Schicht begann. Er richtete sich die Utensilien hinter der Bar so her, wie er es für den restlichen Abend brauchte und bald schon, strömten die ersten Gäste herein. Es war eine bunte Mischung, wie jeden Abend. Es gab ein paar Drinks hier und ein kleiner Flirt da. Bisher war noch nichts interessantes vorbei gekommen, weswegen der Dunkelhaarige sich auf die kleine Gruppe konzentrierte, die ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern bestand und an der kitschigen Tiara und der Scherpe der Hauptperson als Junggesellenabschied zu erkennen war. Noch so ein Lamm, welches zur Schlachtbank geführt wurde, dachte der Hexer bei sich, als er sich den Frauen zuwandte. Sie gaben ihre Bestellungen auf und kicherten bereits jetzt, als hätte jede davon einen zu viel in der Krone. Da er aber genau den Überblick darüber hatte, was er wem servierte, konnte das nicht von seinen Getränken kommen. Als er diese anmischte, blies er ungesehen über jedes einzelne der Gläser. Die Damen würden ein weiteres Hochgefühl erleben, ohne aber die Hemmungslosigkeit des Alkohols als Nebenwirkung zu haben. Ja, man würde es dem Hexer nicht zutrauen, doch auch er kannte so etwas wie Verantwortungsgefühl. War zwar etwas schlechter fürs Geschäft aber die kleine Gruppe war ein verschmerzbarer Verlust. Mit großer Begeisterung nahmen sie seine Drinks in Empfang und er wollte sich gerade noch etwas mit ihnen unterhalten, als es Antares mit einem Mal eiskalt den Rücken hinunterlief. Verwundert, aber natürlich professionell genug, sich das nicht anmerken zu lassen, wandte er sich von der Mädelsgruppe ab und sah sich unauffällig um. Und als er sie sitzen sah, vergaß er einen Moment sogar zu atmen. Alles in ihm wollte sie mit einem kräftigen, magischen Stoß von diesem dämlichen Hocker fegen. Am besten soweit, dass ihr kantiger, flacher Hintern bis raus auf die Straße getragen wurde. Für einen Moment überwog sein Zorn dermaßen, dass seine braunen Augen, die des Katers wurden. Große emotionale Schübe waren nicht gerade förderlich für den Fluch. Daher zwang der Hexer sich zur Ruhe, blinzelte und fand seine menschliche Mitte wieder. Schädlicher fürs Geschäft, als eine Gruppe Frauen, die nach einer Runde bereits so gut drauf waren, als hätten sie ein halbes Vermögen ausgegeben, war eine Katze hinter dem Tresen. Da blieb dann nur die Frage was war schneller hier. Animal Control oder die Gesundheitsbehörde. Da Antares seinen Job aber gerne noch behalten wollte, intonierte er einen Heilspruch, der seine beruhigende Wirkung schnell entfaltete. Und so blieb sowohl ein felliges Unglück aus, wie auch ein durchaus sehenswerter Abgang der rothaarigen Hexe. Stattdessen war er nun wieder der professionelle Barkeeper, dessen Aufgabe es war, die Gäste zu bedienen. Scheinbar war Madame auch viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, sodass sie ihn zuerst gar nicht richtig wahrnahm. Warum auch? Sie hatte ihn verflucht und sicherlich schon längst wieder vergessen. Allerdings blieb Antares ruhig stehen und wartete. So wie er seit vier Jahren eine verstärkt aufkommende Naschliebe für Milch entwickelte, war seine Geduld durch den felinen Fluch um einiges ausgeprägter geworden. Und dann kam er. Sein Moment des Triumphes. Antares hatte nicht damit gerechnet und schon gar nicht an diesem Abend. Aber nun war er da und der Dunkelhaarige kostete ihn in vollen Zügen aus. Damit hatte dieses Miststück nicht gerechnet. Mit einem selbstgefälligen, wenn auch nicht allzu übertriebenem Lächeln sah er seine Gegenüber an, der scheinbar erst mit Verspätung klar wurde, wen sie vor sich hatte. Ein einziges Nicken folgte, als er erkennen konnte, der Groschen war endlich gefallen. Oh ja, sie sah richtig. Die Selbstgefälligkeit wurde sogar noch etwas verstärkt, als auch er bemerkte, wie sehr sie sich zusammenreißen musste um hier drinnen keine Szene zu machen. Schade, er hätte gerne den Sicherheitsdienst gerufen um sie mit großem TamTam hinausbefördern zu lassen. Aber so blieb es eben bei seinem eigenen, kleinen Triumph. "Ach das war das brechende Geräusch gerade. Es war dein Stolz, der feststellte, du bist wohl doch nicht so mächtig, wie du immer dachtest." War ja nicht so, dass Antares auf den Mund gefallen wäre. Selbst wenn ein offener Schlagabtausch hier drinnen nicht möglich war, durfte man ja immerhin noch mit der Kundschaft 'reden'. "Bring deine Enttäuschung unter Kontrolle, hier drinnen ist deine Magie nicht gern gesehen." Ließ er sie kühl wissen. Und nein, das war kein freundschaftlicher Hinweis. Ihren neugierigen Blick ließ er gewähren. Kam schließlich nicht jeden Tag vor, dass sie ihrer eigenen Niederlage ins Gesicht blickte. Und natürlich klang ihre Bestellung daraufhin wie ein Befehl. Antares ließ sie gewähren. Noch zu berauscht von seinem eigenen Sieg, sollte sie sich ruhig damit zufriedenstellen, um sich zu keifen wie so ein kleiner Taschenhund, den die verwöhnten Ehefrauen hin und wieder mit hier reinschleppten. "Sehr wohl die Dame." Antares machte ihr übertrieben den Diener. Was Drinks angeht, konnte sie ihn nicht beleidigen. Also wandte er sich dem hinteren Bereich der Bar zu und begann die Zutaten in einen Cocktailshaker zu füllen. Während er die Eiswürfel abzählte, blickte er nochmal zur Hexe hinüber. Sie schien jemand ganz anderen interessant zu finden, weswegen er über seine Schulter in die entsprechende Richtung blickte. Er glaubte ihr Ziel zu erkennen und nahm sich vor, seinen Chef zu informieren, sollte Syrena hier irgend ein krummes Ding drehen wollen. Mr. Ashcroft war ein guter Kunde, soweit ihm bekannt war. Außerdem gab er hohes Trinkgeld, was seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellte. Doch so sehr er Vorurteile gerne schon als Grund anfügen würde, reichte das nicht aus und so blieb es dabei, dass er beobachten musste. Zehn Sekunden lang wurde der Shaker geschüttelt. Gekonnt aus dem Handgelenk, wobei Antares nochmal zu den Mitgliedern des Junggesellinnenabschieds sah und diese ihm kichernd zuwinkten. Mit einer kleinen Showeinlage, seihte er den Inhalt des Shakers in ein vorgekühltes Martiniglas und steckte zuletzt noch eine Limettenscheibe zur Garnitur an den Glasrand. Er könnte nun mit Magie dafür sorgen, dass Syrena beim Trinken des Glases ein gewissen Hochgefühl erlebte. Doch Antares unterließ es und reichte ihr den Drink rein mit seinem Können weiter. "Bitteschön, die Dame." Oh ja, er konnte sehr wohl auch eine gewissen Distanziertheit aufbauen. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 01.09.2026 Der selbstgefällige Ausdruck in Antares’ Gesicht war bereits Grund genug, Syrenas mühsam wieder zusammengesammelte Beherrschung einer weiteren Belastungsprobe zu unterziehen. Dass er jedoch ausgerechnet ihren Stolz und ihre magische Stärke zum Gegenstand seiner ersten Spitze machte, ließ etwas Heißes unter ihrer Haut aufflammen. Zum Glück hatte sie heute genug Make-Up draufgelegt. Ihre Finger spannten sich einen Moment gegen die Kante des Tresens. Und dieses misslungene Häufchen magischer DNA-Ansammlung wagte es hinter seiner Hausfrauen-Theke tatsächlich, ihre Macht infrage zu stellen! Nicht irgendein Hexer, dessen Fähigkeiten sie vielleicht noch respektiert hätte. Antares. Der Mann, der überhaupt nur deshalb so selbstgefällig vor ihr stehen konnte, weil er seit vier Jahren offenbar beträchtliche Energie darauf verwendete, mit den Folgen ihrer Magie fertigzuwerden. Das war kein Sieg, sondern Schadensbegrenzung mit erstaunlich großer Klappe. Syrena hob mit unbewegter Miene lediglich eine Augenbraue. „Wenn das für dich bereits ein Sieg ist, habe ich deine Ansprüche offenbar überschätzt.“ Dass er anschließend auch noch meinte, ihre Selbstbeherrschung kommentieren und sie über die Gepflogenheiten des Clubs belehren zu müssen, setzte dem Ganzen die Krone auf. Sie war hier nicht zum ersten Mal! Für einen Augenblick kribbelte es wieder in ihren Fingern, und der ausgesprochen kindische Impuls, ihm allein aus Prinzip zu demonstrieren, wie wenig sie sich von ihm vorschreiben ließ, was sie mit ihrer Magie tat, war erschreckend verlockend. Ein plötzlich verrutschender Shaker, ein begossener Antares, dem die Kleidung am Leib klebte und die Flecken wohl nie wieder aus seinem gewöhnungsbedürftigen Hemd herausbekommen würde - herrlich! Ein versagender Barhocker, nichts Gefährliches, sondern lediglich lehrreich. Doch sie war nicht hier, um sich von Antares Lexington zu einer Szene provozieren zu lassen. „Wie rührend. Vier Jahre später sorgst du dich noch immer um meine Selbstbeherrschung.“ Ihr Mundwinkel hob sich um einen kaum sichtbaren Hauch. „Keine Sorge. Für dich würde ich meine Magie ohnehin nicht verschwenden.“ Sie hatte es damals für Amy getan. Nur für sie. Sein übertriebener Diener bekam daraufhin nicht einmal mehr eine Antwort. Syrena sah ihm mit immer noch leicht gehobener Braue zu und wandte sich schon wieder dem Raum zu. Wenigstens hatte das Katerchen in vier Jahren offenbar gelernt, Anweisungen entgegenzunehmen. Vielleicht war ihr Fluch pädagogisch betrachtet also doch noch wertvoller gewesen, als sie ursprünglich angenommen hatte. Ihre Aufmerksamkeit hätte damit wieder Gideon Ashcroft gehören können, wenn Antares nicht im nächsten Moment genau das getan hätte, wozu niemand ihn aufgefordert hatte: Er folgte ihrer Blickrichtung. Syrenas Augen verengten sich kaum merklich. Es war keine große Bewegung gewesen, nur ein Blick über die Schulter, aber ihr entging er nicht. Ob Antares lediglich neugierig geworden war oder Ashcroft tatsächlich kannte, ließ sich daraus nicht ablesen, und genau das störte sie. Sie ließ den eigenen Blick deshalb bewusst weiterwandern, streifte ein Paar an einem Tisch, den Eingang, zwei Männer in dunklen Anzügen und schließlich die ausgelassene Gruppe an der Bar, als hätte es nie einen bestimmten Punkt gegeben, auf dem ihre Aufmerksamkeit gelegen hatte. Natürlich. Der Auftrag hatte wie ein entspannter Nebenverdienst gewirkt. Ein bisschen beobachten, einen Namen mitnehmen, vielleicht ein Artefakt identifizieren und dafür absurd gut bezahlt werden. Nun fragte Syrena sich ernsthaft, ob ihre Abrechnung nicht um einen Zuschlag ergänzt werden sollte. Für besondere Belastungen. Oder schlicht für den Umstand, dass Antares Lexington ihr bereits nach wenigen Minuten gewaltig auf den Sack ging. Als hätte er sich vorgenommen, diesen Gedanken noch zu unterstreichen, schüttelte er ihren Cocktail mit jener Selbstverständlichkeit aus dem Handgelenk, die offensichtlich nicht nur der Zubereitung diente. Das Kichern von der Seite ließ Syrenas Blick zu den Weibern vom Junggesellinnenabschied gleiten, gerade rechtzeitig, um deren begeistertes Zuwinken mitzubekommen. Für einen Moment lag blanke Geringschätzung in ihrem Gesicht. Manche Männer wurden älter, andere perfektionierten lediglich dieselbe Vorstellung vor immer neuem Publikum. Offenbar hatte sich zumindest in dieser Hinsicht erschreckend wenig verändert. Die Weiber konnten einem beinahe leidtun. Beinahe. Als Antares ihr schließlich das Glas hinschob, blieb Syrenas Blick zunächst darauf liegen. Das vorgekühlte Martiniglas, die Farbe, die Limette am Rand – rein optisch gab es wenig auszusetzen. Das Problem stand hinter dem Tresen und hieß Antares Lexington. Ihre Finger schlossen sich deshalb nicht sofort um den Stiel. Vier Jahre waren eine lange Zeit. Er war ein Hexer und sie hatte ihn verflucht. Er hasste sie vermutlich mindestens annähernd so sehr, wie sie ihn hasste. Dass sie ihm zutraute, einem Drink irgendeine magische Gemeinheit beizumischen, war weniger Paranoia als gesunder Menschenverstand. Ihr Blick hob sich langsam zu ihm. Dann meldete sich ihr Stolz. Sie und Angst vor Antares Lexington? Ganz sicher nicht! Syrena griff nach dem Glas und nahm bewusst nur einen kleinen Schluck. Verdammt. Der Cosmopolitan war gut. Nicht gerade noch akzeptabel oder mit viel Wohlwollen trinkbar. Gut. Ausgewogen, sauber gemischt und genau so, wie sie ihn mochte. Ausgerechnet er! Syrena senkte das Glas wieder und betrachtete es, als hätte es sie persönlich enttäuscht, bevor ihre Augen zu Antares zurückkehrten. „Trinkbar. Offenbar gibt es doch etwas, das du kannst.“ Abgesehen davon, die Gefühle von Frauen mit deinen stillosen Schuhen zu zertrampeln. Darin bist du schließlich unübertroffen. Beim Absetzen des Glases fiel ihr Blick erneut auf den Anhänger an seinem Hals. Diesmal blieb er dort einen Moment länger. „Antares hatte gerade ausgesprochen selbstgefällig damit geprahlt, ihrem Fluch offenbar längst nicht mehr hilflos ausgeliefert zu sein, und plötzlich erschien die fremde Signatur des Schmuckstücks weniger nebensächlich. Vielleicht war seine derzeitige Erscheinungsform eben doch nicht ausschließlich das Resultat seines eigenen Könnens. Oder jemand hatte nachgeholfen. Etwas daran gefiel Syrena überhaupt nicht. Nicht, weil sie sich darum scherte, wie viel Zeit Antares auf zwei oder vier Beinen verbrachte, von ihr aus konnte er den Rest seines Lebens Fell aus seinen Polstern bürsten. Aber der Fluch war ihrer. Sie hatte ihn geschaffen und an ihn gebunden. Der Gedanke, dass irgendeine fremde Magie daran herumarbeitete, ging ihr entschieden gegen den Strich. Trotzdem fragte sie nicht. Noch wusste sie zu wenig, und Antares würde ganz sicher nicht erfahren, dass dieser Klunker inzwischen auch nur einen Funken ihrer Aufmerksamkeit verdient hatte. Eine Bewegung bei Ashcroft beendete den Gedanken. Der ältere Mann stellte sein Glas ab und richtete sich etwas auf. Seine bisher lässige Haltung war verschwunden, sein Blick wanderte zum Eingang. Syrena folgte ihm erst mit kurzer Verzögerung und entdeckte eine Frau Ende vierzig, die gerade den Club betreten hatte. Elegant, offensichtlich teuer gekleidet, aber nicht auf eine Weise, die hier besonders herausstach. Dunkles Haar rahmte ein attraktives, reifes Gesicht, entlang ihrer Schläfen zeichneten sich bei genauerem Hinsehen kleine hornartige Erhebungen ab, ihre Ohren liefen einen Hauch zu spitz aus und auf den Handrücken saßen feine stachelartige Auswüchse. Dämonisch, ohne es ausstellen zu müssen. Viel interessanter war das schmale schwarze Etui unter ihrem Arm. Die Fremde sah sich nicht suchend um, sondern steuerte ohne Zögern auf Ashcroft zu. Da bist du also. Syrenas Aufmerksamkeit schärfte sich augenblicklich. Name unbekannt. Verbindung zu Ashcroft unbekannt. Inhalt des Etuis ebenfalls unbekannt. Endlich wurde der Abend wenigstens beruflich interessant. Leider stand Antares noch immer viel zu nah. Syrena drehte den Kopf gerade weit genug in seine Richtung, um ihm einen kurzen Seitenblick zu schenken, ehe ihre Augen demonstrativ zu den kichernden Weibern hinüberwanderten. „Dein Publikum wartet.“ Geh weg. Kümmere dich um deinen Job. Hör auf, deine Nase in Dinge zu stecken, die dich nichts angehen. Sie nahm noch einen Schluck ihres ärgerlicherweise gelungenen Cosmopolitans und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf Ashcroft und die unbekannte Dämonin. Antares hatte für diesen Abend bereits mehr Raum bekommen, als Syrena jemals vorgesehen hatte. Und wenn er auch nur einen Funken Selbsterhaltungstrieb besaß, würde er sich damit zufriedengeben und abziehen. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 01.09.2026 Obwohl kein Tag verging, an dem sein Hass gegen Syrena nicht dadurch neu geschürt wurde, sobald er das Konterfei des Katers in einer Fensterscheibe oder einer Pfütze am Boden sah, hatte Antares doch tatsächlich beinahe vergessen wie sehr er diese Hexe tatsächlich verabscheute. Das aber wurde ihm nun wieder überdeutlich, als sie auf dem Hocker am Tresen vor ihm saß. Er wusste es war verboten aber so sehr sie ihre Magie unter Kontrolle halten musste und meinte, ihn mit irgend einem dämlichen Spruch von der Seite anmachen zu müssen, genauso kämpfte er dagegen an. Wie gerne hätte er dafür gesorgt, dass das durchaus teure Holz aus dem der Barhocker bestand den sie mit ihrer Anwesenheit entstellt, einen Herstellungsfehler besaß und es genau jetzt dazu kam, dass dieser seinen Tribut forderte. Was gäbe er dafür, in das verdutzte Gesicht der Brünetten zu blicken, wenn sie bemerkte, dass der Untersatz auf dem sie saß, nachgab und ihre dämliche Visage mit einer rasant schnellen Geschwindigkeit aus einem Blickfeld verschwand. Am besten machte ihr Kinn dabei noch Bekanntschaft mit der Platte des Tresens. Ach ja, die Versuchung war wirklich groß, doch Antares wollte diesen Job nicht verlieren. Obwohl es ihm vorher schon Freude bereitete, als Außenstehender die Leute zu beobachten und von ihnen Dinge zu erfahren, um die er gar nicht gefragt hatte, war das in diesem Club eine vollkommen andere Dimension. Die Informationen, die ihm hier zugetragen wurden, gingen weit darüber hinaus, ob der Ehemann nun seine Frau betrogen hatte oder diese das gemeinsame Konto überzog, weil sie kaufsüchtig war. Nein, er wollte definitiv hierbleiben und dann musste er leider auch seinen Wunsch zurückstellen, Syrena dorthin zu schicken, wo sie hingehörte. Ganz unten auf den Fußboden. Ihr Blick aber mit dem sie seinen Drink begutachtete, glich bereits wieder einen neuen Kampfansage. Als würde im Glas eine Schabe auf einem Surfbrett ihre Runden drehen. Vielleicht hätte er doch reinspucken sollen. Dies war zwar weit unter seiner Würde, aber diese opferte man doch gerne für eine kleine Genugtuung. So aber war er eben derjenige von ihnen beiden der professionell genug bleiben konnte und sie bekam nichts weiter als seine pure und reine Kunst, einen Drink zu mixen. Nämlich genau so wie dieser gehörte. Und ja, sie mochte ihm optisch vormachen wollen, dass der Cosmo ihr nur mittelmäßig schmeckte. Aber eines der vielen Dinge, die Madame nicht von ihm wusste, war sein Können die Gefühle anderer besser erkennen zu können als diese bereit waren, sie zeigen zu wollen. Und der Brünetten ging da soeben wahrlich einer ab, als sie den ersten Schluck kostete. Antares schmunzelte wissend, ohne sich jedoch allzu deutlich zu erkennen zu geben. Hatte er da etwa gerade eine Schwäche bei Miss Rührmichnichtan gefunden? Das sie den Drink mochte, war auf jeden Fall nun bei ihm abgespeichert. Vielleicht konnte er diese Information ein andermal erfolgreich gegen sie verwenden. Wie sie also behauptete, ihre Bestellung wäre trinkbar, schnaubte der Dunkelhaarige nur als Antwort. Sollte sie weiterhin in dem Glauben leben, ihn damit getroffen zu haben. Glauben hieß ja bekanntlich nichts wissen. Wie sie aber für einen Moment, der zu lange dauerte um Zufall zu sein, ihren Blick nicht von seiner Brust, oder betrachtete sie etwa seine Kette etwas genauer? nehmen konnte, zog der Hexer eine Augenbraue nach oben. "Gefällt dir was du siehst?" Er machte sich nichts vor. Selbst wenn sie einige Jahre jünger war als er, bewies sie mit dem Fluch doch, über welches Können sie verfügte. Nicht, dass er sie dafür bewundern würde oder auch nur einen Hauch von Respekt aufbringen konnte. Aber es war eine Tatsache, die man leider nicht außer Acht lassen durfte. Und zu glauben, sie würde die Magie nicht spüren, welche in dem dunklen Stein eingeschlossen war, wäre nicht nur fahrlässig sondern schlichtweg dumm. Natürlich gefiel es ihm nicht, auf die Hilfe eines anderen Hexers oder einer Hexe zurück greifen zu müssen. So genau ins Detail war Mammon damals nicht gegangen, als er ihm die Kette überreichte. Jedes Mal, wenn er die zusätzliche Magie in Anspruch nahm, nagte das an ihm. Aber er schluckte diesen Frust hinunter. Die Tatsache, dass er sich damit wenigstens zeitweise in seine ursprüngliche Erscheinung zurück verwandeln konnte, war was zählte. Sicherlich hätte er auch seine Großmutter oder besser noch seine einflussreiche Verwandtschaft um Hilfe bitten können. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass er das tat, war genauso groß wie sein Wunsch, Syrena einen Zungenkuss zu geben. Nicht vorhanden. Und so blieb es dabei, dass er tagein tagaus auf die Hilfe eines Unbekannten angewiesen war und sich damit um ein weiteres Mal durch einen Gefallen an seinen Boss band, doch alleine der verdatterte Blick der Rothaarigen als sie ihn soeben wiederkannte und war er noch so kurz, war all das wert. Da er aber tatsächlich nicht nur hier war um die schreckliche Gesellschaft von Syrena ertragen zu müssen, griff er nach einem Tuch um ein Stück neben der Hexe den Tresen abzuputzen. Beinahe zeitgleich mit ihr, erkannte auch er die neue Besucherin des Clubs. Nicht nur, weil einige andere Gäste ihr respektvoll den Weg freimachten und ihr auswichen, als sie näher kam. Antares wusste ganz genau, wer nun erschienen war. Er wusste es so genau, dass er einen Moment in seiner Tätigkeit innehielt. Nicht lange genug, dass es auffiel, aber jemandem, der möglicherweise über eine minimale Auffassungsgabe besaß und sich dafür interessierte, konnte daraus seine Schlüsse ziehen. Nach der kurzzeitigen Unterbrechung, nahm der Dunkelhaarige zwei Gläser herunter und stellte sie in die Spüle. Die Tatsache, dass Syrena ihn loswerden wollte und ihr Blick sich auf die gerade erschienenen Dämonin haftete könnte ihm eigentlich am Allerwertesten vorbei gehen. Aber wie hieß es so schön? Katzen spielten so gerne mit ihrer Beute. "Nicht, dass ich dir eine Träne nachweinen würde, wenn man dich in deine Einzelteile zerlegt irgendwo am Straßenrand findet. Aber ich würde dem Reinigungspersonal gerne ersparen die Sauerei wegmachen zu müssen, wenn du ihr negativ auffällst." Ein kurzes Zucken mit den Schultern, ein angedeuteter Wink in die Richtung der Dämonin und der Köder war ausgelegt. Denn ja, Antares wusste, um wen es sich handelte und die Tatsache, dass er keinen flotten Spruch drauf hatte, sondern sich stattdessen daran machte, einen weiteren Shaker vorzubereiten in den ein paar andersartige Zutaten wanderten, als eben noch in Syrenas Bestellung, war wohl Beweis genug. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 01.09.2026 „Dich? Überschätze dich nicht.“ Syrenas Antwort kam so trocken, dass sie selbst beinahe zufrieden mit ihr gewesen wäre, hätte Antares’ hochgezogene Augenbraue nicht schon wieder diesen unerträglich selbstgefälligen Eindruck vermittelt. Natürlich musste dieses aufgeblasene Katerchen aus einem Blick auf seinen Anhänger gleich schließen, dass sie sich für ihn interessierte. Dabei war es ausschließlich die Magie gewesen, die ihre Aufmerksamkeit überhaupt länger als nötig an seiner Brust gehalten hatte. Diese spürte sie jetzt deutlicher, da sie darauf achtete: Fremd, in dem dunklen Stein gebunden und keineswegs so belanglos, wie sie den Klunker zunächst hatte abtun wollen. Was genau darin steckte, konnte Syrena jedoch nicht sagen, wohl aber, dass er mehr war als hübsche Dekoration. Ihr Blick glitt trotzdem demonstrativ zurück zu seinem Gesicht. Dass der Mistkerl ausgesprochen gut geraten war, änderte daran nichts. Antares Lexington konnte heiß aussehen und trotzdem der letzte Mann auf Erden sein, den sie freiwillig auch nur mit einer Kneifzange anfassen würde. Beides ließ sich erstaunlich problemlos miteinander vereinbaren. „Wenn mir gefallen soll, was ich sehe, schaue ich lieber in mein Glas.“ Dass sein Schnauben auf ihr Urteil über den Cosmopolitan von diesem wissenden Schmunzeln begleitet wurde, gefiel ihr dagegen überhaupt nicht. Syrena nahm noch einen kleinen Schluck und musterte ihn dabei über den Rand hinweg. Was grinste der Idiot jetzt schon wieder?! Er konnte sich ja schlecht ernsthaft einbilden, sie hätte ihm gerade einen Orden für besondere Leistungen hinter der Hausfrauen-Theke verliehen. Das Urteil "Trinkbar" war schließlich kaum überschwängliche Begeisterung. Dass sie trotzdem erneut trank, ging ihn schließlich überhaupt nichts an. Und wenn doch, würde sie notfalls behaupten, dass der Drink für seine Verhältnisse schlicht zu teuer gewesen sei, um seinen Inhalt ungenutzt stehenzulassen. Denn Geiz war durchaus ein Laster der dunklen Hexe, obwohl sie dies eigentlich überhaupt nicht nötig hatte. Ihre Aufmerksamkeit verschob sich erst wieder, als Antares beim Anblick der unbekannten Dämonin für einen kaum messbaren Moment innehielt. Syrena hätte es vielleicht übersehen, wenn sie nicht ohnehin gerade jeden noch so kleinen Hinweis rund um Ashcrofts Kontaktperson aufsog. So aber blieb ihr das kurze Stocken nicht verborgen. Erst hatte Antares Ashcroft angesehen, jetzt reagierte er auf die Frau. Er kannte sie vermutlich. Vielleicht nicht persönlich, aber offensichtlich gut genug, dass ihr Erscheinen selbst ihn für einen Augenblick aus seinem routinierten Ablauf brachte. Großartig. Jetzt war das Katerchen nicht nur lästig, sondern möglicherweise auch noch hilfreich. Der Abend entwickelte wirklich einen ausgesprochen schlechten Sinn für Humor. Seine anschließende Warnung machte es nicht besser. Syrenas Braue hob sich erneut, diesmal allerdings weniger spöttisch als prüfend. Antares’ Ton hatte sich verändert. Kein lockerer Spruch, kein kindischer Versuch, sie möglichst kreativ zu beleidigen. Was er über die Dämonin sagte, meinte er offenbar ernst. Ach komm! Als müsste ausgerechnet Antares Lexington ihr erklären, wann jemand gefährlich war. Ein Teil von Syrena hätte seine Worte am liebsten schon aus Prinzip ignoriert. Der andere, beruflich deutlich vernünftigere Teil speicherte sie trotzdem ab. Man wurde nicht lange genug für Wolfram & Hart tätig, indem man Warnungen nur deshalb verwarf, weil einem der Überbringer gewaltig auf die Nerven ging. Sie lehnte sich ein wenig zurück und ließ das Glas locker zwischen ihren Fingern ruhen, bevor sie beinahe divenhaft ihre Beine übereinanderschlug. „Ich bitte dich. Du bist das beste Beispiel dafür, dass man mich lieber nicht unterschätzen sollte.“ Ja, das wusste er doch noch zu gut! Und wenn nicht, konnte sie sein Gedächtnis mit Sicherheit auffrischen. Ein süffisantes Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie brauchte weder seinen Schutz noch seine Warnungen. Schon gar nicht seine. Und trotzdem blieb dieses kleine, höchst lästige Wissen bestehen, dass Antares gerade möglicherweise über Informationen verfügte, die ihr selbst fehlten. Also tat Syrena das, was sie am besten konnte: Sie ließ sich nicht anmerken, dass sie etwas von ihm wollte. „So ernst? Ich dachte schon, du hättest sämtliche Überlebensinstinkte zusammen mit deinem guten Geschmack verloren.“ Nach einer Weile legte sie den Kopf ein wenig schief und betrachtete ihn mit jenem Blick, der gleichermaßen gelangweilt wie herausfordernd wirken konnte. „Aber zum ersten Mal heute klingst du, als wüsstest du tatsächlich, wovon du sprichst.“ Der Köder lag damit aus. Wenn Antares’ Ego noch immer auch nur annähernd so ausgeprägt war wie früher, musste sie lediglich abwarten, ob er freiwillig anbiss. Syrena widerstand der Versuchung, direkt nach dem Namen der Dämonin zu fragen. Zu offensichtlich, zu viel Interesse. Und ganz sicher würde sie ihm nicht das Vergnügen bereiten, ihn um etwas zu bitten. Stattdessen beobachtete sie beiläufig seine Hände, als er den nächsten Shaker vorbereitete. Die Zutaten unterschieden sich deutlich von jenen, die eben noch in ihrem Cosmopolitan gelandet waren. Syrena ließ sich nichts anmerken, während sich die nächste Schlussfolgerung beinahe von selbst ergab. Er kannte nicht nur ihr Gesicht. Er kannte offenbar sogar ihre Bestellung. Oder zumindest wusste er, was man ihr servierte. Vielleicht war sie Stammgast. Vielleicht verlangte ihre dämonische Natur etwas Spezielleres. Vielleicht war es auch nur eine persönliche Vorliebe. Noch wusste Syrena zu wenig, um sich festzulegen, aber eines stand inzwischen fest: Antares war für ihren Auftrag plötzlich wesentlich relevanter geworden, als ihr lieb war. Am Tisch hatte die Dämonin Ashcroft inzwischen erreicht. Syrena beobachtete sie nur aus dem Augenwinkel, während sie scheinbar viel zu sehr mit ihrem Drink und dem Barkeeper beschäftigt war. Die Begrüßung verriet zunächst wenig. Kein überschwängliches Wiedersehen, aber auch keine Unsicherheit zwischen Fremden. Das schwarze Etui blieb vorerst bei der Frau, eng an ihrem Körper, während Ashcroft spürbar aufmerksamer geworden war. Noch keine Übergabe. Weder ein geöffnetes Etui noch ein Blick auf dessen Inhalt. Gut. Sie hatte also noch etwas Zeit. Und ausgerechnet das Gespräch mit Antares bot ihr plötzlich eine hervorragende Tarnung dafür. Eine Frau, die an der Bar saß, ihren Cosmopolitan trank und sich mit dem Barkeeper unterhielt, fiel deutlich weniger auf als jemand, dessen Aufmerksamkeit permanent an einem Tisch hing. Bleib noch fünf Minuten hier und sei ausnahmsweise nützlich, dachte sie. Allein der Gedanke fühlte sich falsch an. Wolfram & Hart schuldete ihr aber sowas von einen Zuschlag! „Und trotzdem lässt man sie hier offenbar unbehelligt ein und aus gehen.“ Syrenas Ton klang nun beinahe belustigt, während sie einen kurzen Blick in Richtung der Dämonin warf. „Hat Mammon keine Sorge, dass sie dabei sein Inventar oder gleich einen seiner Gäste zerlegt, wenn sie so gefährlich ist? Dreck zu beseitigen kann teuer sein.“ Sie bedachte Antares mit einem sarkastischen Seitenblick. Dass sie dabei auch Mammon ein wenig auf die Schippe nehmen konnte, machte die Sache wenigstens erträglicher. Ihr Verhältnis zum Hausherrn war schließlich ebenfalls weit davon entfernt, von gegenseitiger Zuneigung geprägt zu sein. Dann glitten ihre Augen erneut zu dem Shaker und den fremdartigeren Zutaten, die Antares darin verschwinden ließ. Diesmal ließ Syrena ein kleines, vielsagendes Lächeln zu. „Ah, ich sehe, sie bekommt also etwas anderes als der gewöhnliche Pöbel.“ Sie nahm einen weiteren Schluck ihres Cosmopolitans und sah anschließend wieder scheinbar beiläufig durch den Club. Nach außen blieb es nichts weiter als bissiger Smalltalk mit einem Barkeeper, den sie offensichtlich nicht ausstehen konnte. Innerlich wartete Syrena längst darauf, ob das Katerchen endlich etwas wirklich Brauchbares ausplauderte. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 01.09.2026 Ach es war so ein schönes Gefühl, wenn seine Gegenüber sich wand, wie eine Ameise im Lichtschein eines Vergrößerungsglases. Ihr Blick sagte ihm, sie wusste, was er wusste. Oder glaubte zumindest, es zu wissen. Aber bevor man jemanden ohne Sinn und Verstand und vor allem ohne dessen Argumente zu hören, verfluchte, sollte man sich vielleicht doch ein klein wenig über denjenigen informieren. Nicht, dass er Syrena damals auch nur mit einem Wort erklärt hätte, warum er das tat, für was er sich bis in alle Tage hassen würde. Mehr noch, nachdem er nun wusste, was aus Amy geworden war. Kurzzeitig legte sich ein dunkler Schatten über seinen Blick, der nicht einmal vom gedämpften Licht des Clubs verdeckt oder damit erklärt werden konnte. Jeder einzelne Gedanke an seine einstige Liebe tat weh. Das Gefühl, jemand erdolchte ihn von hinten mitten ins Herz war in den vier Jahren nicht weniger geworden. Allerdings war jetzt weder der richtige Ort, noch die richtige Zeit, geschweige denn auch nur annährend die richtige Gesellschaft um über so etwas zu sprechen. Das war und blieb sein ganz eigenes Leid und den Fluch den er dafür auferlegt bekam, hatte er bis zu einem gewissen Punkt sogar verdient. Was nicht bedeutete, dass er ihn akzeptierte. Er musste, doch dagegen rebellieren, war sein neuer Lebensinhalt geworden. Und alleine der winzige Moment des Triumphes, als sie ihre Niederlage erkannte, weil er hier vor ihr stand und ihr nicht als vierbeiniges Wesen um die Füße schnurrte, (wobei er ihr eher auf die Designerschuhe brechen würde) war all den bisherigen Aufwand wert. Natürlich stritt sie es ab, auch nur das geringste Interesse an ihm zu haben, bei ihrer Bemerkung musste er jedoch wieder lachen. Er stellte sich gerade vor, wie sie ihre Spiegelung in ihrem Getränk anhimmelte. "Das sagt mir, du kannst Leid sehr gut ertragen." Um sich aber tatsächlich nicht noch mehr zu verraten und vor allem, sich nicht den Magen zu verderben, wenn er noch etwas genauer auf die Gefühlswelt der Zicke einging, die da auf dem Barhocker saß, wandte er sich wieder seiner eigentlichen Arbeit zu. Immerhin war er ja auch deswegen hier. Das Erscheinen der Dämonin jedoch verschob die Realität ein klein wenig und es galten mit einem Mal andere Prioritäten. Das Syrena seine Warnung, die ein einziges Mal nicht gänzlich dafür gedacht war, sie auf Abstand zu halten und in ihre Schranken zu weißen, selbstredend nicht ernst nahm, entlockte ihm nur ein Hochziehen der Schulter. "Ich werde mir in den Finger stechen um auf deiner Beerdigung ein halbwegs trauriges Gesicht machen zu können." Doch damit nicht genug. Sie konnte ihre Niederlage nicht anerkennen und trat sogar nochmal nach. Erneut schnaubte er belustigt. "Dein kleines Geschenk vor vier Jahren hat nichts daran geändert, das ich all das, was mir gegeben wird, in vollen Zügen genieße. Momentan ist es die Tatsache, dass ich wirklich weiß, wer da gerade herein gekommen ist. Und du scheinbar nicht. Aber du bist aber ja angeblich diejenige von uns Beiden die sich für so viel besser hält als alle in ihrer Umgebung." Er machte einen Wink in Richtung der Dämonin. "Have fun!" Dieser Schuss war daneben gegangen. So sehr er Syrena auch auf den Mond wünschte oder besser gesagt in dessen Planetenkern, so wichtig und bedeutsam war ihm sein Job. Also ignorierte er alle weiteren Sticheleien der Jüngeren, sah nur nochmal kurz zu der Dämonin, die sich weiterhin ihren Weg durch den Club bahnte, als würde er ihr gehören und machte sich daran, ihren Drink zu mischen. Nachdem ein paar harmlosere Zutaten in den Shaker wanderten, konnte Syrena und jede in der Nähe anwesende Hexe mitbekommen, wie Antares einen Sichtschutz hochzog. Die kichernden Mitglieder des Junggesellenabschiedes mussten das nicht sehen. Deren Eltern gehörten sicherlich zu der Spitze der Nahrungskette, aber sie mussten nicht alles wissen. Und auch so manch anderer Besucher sollte nicht unbedingt jedes Detail mitbekommen. Für die Brünette jedoch war es ein Leichtes durch den magischen Schleier zu blicken, sollte ihre Neugier zu groß sein. Nach außen hin arbeitete Antares vollkommen normal weiter, allerdings wurde der Eidechsenkopf, den er soeben aus einem Fach neben den normalen Eiswürfeln nahm durch den Zauber verschleiert. Genauso wie das Horn eines Einhorns, von dem er mit einer Raspel etwas in den Shaker gab. Zudem konnte man mit magischem Blick erkennen, dass der Barkeeper die ganze Zeit einen Zauberspruch wiederholte. Zu guter Letzt, bückte sich der Dunkelhaarige, öffnete mit einem Zauber ein Schubfach im unteren Bereich und holte eine Phiole mit einem roten, zähflüssigen Inhalt heraus. Davon gab er nur einige Tropfen in den Shaker und verschloss alles im Anschluss wieder sorgfältig. Hier war kein Anfänger am Werk. Antares wusste genau, was er tat. Eine Handbewegung folgte, die den zusammengemischten Inhalt im Behältnis in einem grellen Orange aufleuchten ließ, von dem außerhalb der Schutzbarriere nicht zu sehen war. Erst, als der Hexer den Deckel aufsetzte und den Shaker, dieses Mal auf eine ganz andere Weise aber für ein unwissendes Auge einfach nur auf und ab schwenkte, erlosch die Barriere und alles war wie immer. Naja fast, gäbe es da nicht so ein quakendes Geräusch von der Seite. Cool und gelassen lehnte Antares sich mit der Hüfte gegen den hinteren Teil der Bar und schüttelte weiter. Langsam, bedacht. "Wirklich rührend von dir, dass du dir über den Geschäftssinn meines Chefs Gedanken machst. Ich werde es ihm auf eine Klopapierrolle schreiben und ihm beim nächsten Teammeeting zukommen lassen." Sein Blick ging verächtlich zu der Sprecherin. "Es gibt nicht viele Gäste, ehrlich gesagt habe ich hier drinnen seit ich hier arbeite noch nie jemanden gesehen, der so dämlich ist, die Dämonin offen anzugehen. Aber hey, es muss immer mal ein loses Ende in der Evolution geben, welches keine Überlebenschancen hat." Er sah kurz zu Syrena hinüber, bevor er den Inhalt seines Shakers in ein blickdichtes Gefäß umfüllte und einer Bedienung aufs Tablett stellte, die gerade vorbei kam, als wäre dies ein perfekt einstudierter Tanz. Im Anschluss daran, räumte er den Shaker beiseite und sah nur nochmal einige lange Sekunden zu Syrena hinüber, die sich gerade die größte Mühe gab, ihn aus der Reserve zu locken. Aber wenn sie den Antares von damals erwartete, würde sie vielleicht sogar zum zweiten Mal an diesem Abend überrascht werden. "Deine Beobachtungsgabe ist phänomenal." Und damit wandte er ihr die kalte Schulter zu. Schließlich hatte sie ihn vor einigen Minuten ja schon drauf aufmerksam gemacht, dass sein Publikum wartete. Und daher wandte er seine Aufmerksamkeit wieder der kleinen Frauengruppe zu. Auf die Frage, ob er ihnen auch so etwas mixte, lachte Antares geschäftsmäßig und versprach, ihnen stattdessen etwas viel besseres zu machen. Zu wissen, dass da auf der anderen Seite gerade jemand unbedingt mehr von ihm wissen wollte, dies aber nicht erreichte, war ein sehr befriedigendes Gefühl. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 02.09.2026 Für einen kaum greifbaren Augenblick veränderte sich etwas in Antares’ Gesicht. Syrena hätte es vermutlich übersehen, hätte sie ihn nicht ohnehin mit jener besonderen Aufmerksamkeit betrachtet, die Menschen zuteilwurde, denen sie am liebsten gleichzeitig widersprechen und etwas an den Kopf werfen wollte. Etwas Großes, Schweres und vor allem Hartes. Der selbstgefällige Ausdruck war fort, ersetzt durch etwas Dunkleres. Da war etwas gewesen. Vielleicht hatte eine ihrer Spitzen tatsächlich getroffen. Die Vorstellung war befriedigend, doch ehe sie sich daran erfreuen konnte, war der Moment verschwunden. Und sie hatte weder Zeit noch Interesse daran, Antares Lexingtons Seelenleben zu sezieren. Sein anschließendes Lachen und die Bemerkung darüber, dass sie Leid offenbar besonders gut ertragen konnte, entlockten ihr dagegen ein kaum merkliches Zucken des Mundwinkels. Nicht, weil der Spruch sie getroffen hätte. Dafür mochte Syrena sich selbst entschieden zu gern. Aber vollkommen erbärmlich war er zumindest nicht gewesen. Na bitte. Vier Jahre auf vier Pfoten hatten seinen Wortschatz offenbar doch nicht vollständig ruiniert. Weniger amüsant wurde es, als Antares ihren Fluch als sein kleines Geschenk bezeichnete. Syrenas Augen verengten sich minimal. Seine Worte änderten nichts an dem, was sie bereits gespürt hatte: Die fremde Magie in seinem Anhänger war real. Vielleicht hatte er sich Unterstützung verschafft, ihrem Zauber zeitweise zu widerstehen. Das machte ihren Fluch noch lange nicht schwach. Viel lästiger war ohnehin der Rest seiner Aussage. Er wusste, wer die Dämonin war. Und inzwischen wusste er genauso gut, dass Syrena es nicht wusste. Wie reizend. Jetzt wusste der Kater auch noch, dass er etwas wusste, das sie wissen wollte. Ihr Lächeln wurde schmaler. Wenn er jetzt noch selbstgefälliger wurde, musste sie überprüfen, ob menschliche Schädel wirklich so stabil waren, wie medizinische Lehrbücher behaupteten. Rein theoretisch selbstverständlich. Noch. Als er behauptete, sie hielte sich angeblich für besser als alle in ihrer Umgebung, hob Syrena lediglich eine Braue. „Angeblich?“ Wenn er schon versuchte, sie zu beleidigen, konnte er wenigstens bei den Tatsachen bleiben. Sein „Have fun“ beantwortete sie nicht mehr. Dafür veränderte sich beinahe zeitgleich die Magie hinter dem Tresen. Der Schleier war subtil, für Syrena jedoch sofort spürbar. Natürlich sah sie hindurch, ohne den Zauber zu brechen oder auch nur anzutasten. Hinter der harmlosen Cocktailzubereitung kamen deutlich speziellere Zutaten zum Vorschein. Ein Eidechsenkopf verschwand im Shaker, danach raspelte Antares etwas von einem Einhornhorn ab, während sich seine Lippen in einem kaum hörbaren Zauberspruch bewegten. Als er eine Schublade magisch öffnete und eine Phiole mit zähflüssigem roten Inhalt hervorholte, blieb Syrenas Aufmerksamkeit daran hängen. Was zur Hölle war das? Nur wenige Tropfen landeten in der Mischung, bevor diese grellorange aufleuchtete. Das eigentlich Ärgerliche daran war nicht einmal, was er dort zusammenmischte. Das Ärgerlichste war, dass der Mistkerl offensichtlich genau wusste, was er tat. Kein Zögern, keine Unsicherheit. Der Zauber saß, die Dosierung ebenfalls. Syrena kannte genug schlechte Hexer, um Kompetenz zu erkennen, wenn sie sie sah, und ausgerechnet Antares diese zugestehen zu müssen, fühlte sich beinahe wie eine persönliche Beleidigung an. Natürlich musste er ausgerechnet darin gut sein. Was genau dieser eigenartige Cocktail allerdings bewirken sollte, blieb selbst der dunklen Hexe verborgen. Seine nächste Bemerkung lieferte ihr dafür etwas Brauchbareres. Seit er hier arbeitete, hatte er offenbar noch niemanden erlebt, der dumm genug gewesen war, diese Dämonin offen anzugehen. Die Frau war bekannt. Ihre Gefährlichkeit ebenfalls. Selbst in einem Club wie diesem schien niemand darauf erpicht zu sein, sie herauszufordern. Wie reizend. Eine wandelnde gesellschaftliche Sperrzone. Angst löste das in Syrena nicht aus. Aufmerksamkeit schon. Ihr Auftrag lautete beobachten, nicht konfrontieren. Als Antares ihr anschließend mit „Deine Beobachtungsgabe ist phänomenal“ die kalte Schulter zeigte, sah Syrena ihm einen Moment hinterher, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, ihn zurückzurufen. Das fehlte noch! Sollte er ruhig glauben, er hätte gewonnen, weil er ihr den Namen vorenthielt. Tatsächlich hatte er längst mehr verraten, als ihm vermutlich bewusst war: Er kannte nicht nur die Frau, sondern offenbar auch ihre Gewohnheiten gut genug, um ihre Bestellung ohne Nachfrage vorzubereiten. Sollte er ruhig glauben, er hätte ihr nichts gegeben. Dass er sich demonstrativ wieder den Frauen widmete, änderte daran nichts. Syrena hatte längst genug von seinem Bedürfnis gesehen, sich vor Publikum aufzuspielen. Wenn er glaubte, dieses Theater würde sie unruhig machen, kannte er sie schlechter, als sie gedacht hatte. Die Bedienung mit dem blickdichten Gefäß kam kaum weit. Die Dämonin löste sich bereits von Ashcrofts Tisch und bewegte sich mit einer Selbstverständlichkeit durch den Raum, als gehörten ihr der Weg und alle, die ihn freimachten. Niemand musste ihr etwas bringen, sie kam selbst. An der Theke griff sie nach dem für sie bestimmten Gefäß, ohne den Eindruck zu erwecken, eine Erlaubnis jemals nötig zu haben. Plötzlich stand die Frau, vor der Antares sie nun zweimal gewarnt hatte, unmittelbar neben ihr. Syrena wich keinen Zentimeter zurück. Lediglich ihre Haltung wurde kontrollierter, ihre Aufmerksamkeit messerscharf. Ihre Magie blieb dicht unter der Oberfläche, unangetastet, aber bereit. Während die Dämonin ihren Drink an sich nahm, glitt etwas Kleines über die Theke und blieb vor Syrena liegen. Eine Münze, kaum zwei Zentimeter im Durchmesser, unscheinbar genug, dass jeder gewöhnliche Beobachter sie für wertlos gehalten hätte. Syrena nicht. Noch bevor ihre Finger sie berührten, spürte sie die Magie darin. Keine bloß gebundene Kraft wie bei einem Amulett, sondern eine feine Resonanz, als wäre das Metall auf etwas Bestimmtes ausgerichtet. Syrena ließ die Münze unter ihrer Hand verschwinden und steckte sie ein, ohne eine Frage zu stellen. Warum zur Hölle gab diese Frau ausgerechnet ihr das Ding, das Ashcroft offenbar nicht bekommen sollte? „Ashcroft hat entdeckt, dass sich Potential besser verkauft, bevor es ausgewachsen ist.“ Syrena sah die Dämonin aufmerksam an. Potential, junges Potential also. Dämonen vielleicht, noch nicht ausgereifte Kräfte, seltene Begabungen. Alles davon passte problemlos in die Art von Geschäft, die Männer wie Gideon Ashcroft betrieben. Die Dämonin prostete ihr zu, was offensichtlich Teil ihrer Tarnung war. „Das letzte Ziel hätte eigentlich morgen wieder zur Schule gemusst.“ Syrena prostete ebenfalls und nippte an ihrem Cosmo. Nicht irgendein junger Dämon. Ein Kind. „Das Mädchen ist zwölf.“ Zwölf. Hörbar schluckte Syrena ihren Cosmo herunter, doch äußerlich ließ sie sich nichts anmerken, obwohl die Zahl sich in ihrem Kopf festfraß. Moment! Zwölf war zunächst eine Information, ein Fakt innerhalb eines Auftrags, der gerade deutlich komplexer geworden war. Sie arbeitete nicht für eine Wohltätigkeitsorganisation und hatte nie behauptet, moralisch besonders sauber zu sein. Menschen benutzten andere Menschen. Dämonen taten es ebenfalls. Macht wurde verkauft, gestohlen oder aus Dingen gewonnen, über die vernünftige Leute lieber nicht nachdachten. Auch Syrena selbst hatte Grenzen überschritten, bei denen andere vermutlich längst moralische Reden gehalten hätten. Das allein beeindruckte sie also nicht. Und trotzdem ließ sich dieses verdammte zwölf nicht so glatt zwischen den übrigen Informationen verstauen, wie sie es gern gehabt hätte. Was sie störte, war die unangenehme Konkretheit der Zahl. Zwölf ließ sich nicht hinter Begriffen wie Potential, Ware oder Ziel verstecken. Zwölf hatte Schulunterricht, Geburtstage und wahrscheinlich Eltern, die nicht wussten, mit wem Ashcroft Geschäfte machte. Oder sogar Eltern, die genau wussten, wie lukrativ ihr eigenes Fleisch und Blut sein konnte. Syrena kannte sämtliche Schlechtigkeiten dieser Welt, denn sie war ein Teil davon. Genau das machte die Information jedoch lästiger, als sie sein sollte. Die Dämonin wandte ihren Kopf in Antares’ Richtung. „An deiner Stelle würde ich deine Freundin nicht allein mit Ashcroft gehen lassen.“ Syrena hatte gerade erneut an ihrem Cosmopolitan angesetzt und verschluckte sich beinahe. Gerade so bekam sie den Schluck noch hinunter und stieß lediglich ein winzig kleines, leises Husten aus. Seine was?! Sie setzte das Glas mit etwas mehr Nachdruck ab als nötig und drehte den Kopf zu Antares. „Ich bin vieles, aber garantiert nicht SEINE Freundin!“ Die Betonung auf dem letzten Wort ließ keinerlei Zweifel daran, wie absurd allein der Gedanke in ihren Augen war. Ausgerechnet Antares. Irgendwo mussten selbst Beleidigungen Grenzen haben. So funkelte sie die Dämonin giftig an, die sich davon jedoch so gar nicht beeindrucken ließ. Denn damit schien für die ältere Dame alles gesagt zu sein. Sie nahm ihren Drink und entfernte sich wieder von der Theke, während Syrena mit einer kleinen Münze, einer deutlich größeren Informationslücke und ausgerechnet Antares Lexington zurückblieb. Das war also ihr Auftrag gewesen? Ashcroft beobachten, seinen Kontakt identifizieren, möglicherweise ein Artefakt erkennen. Oder hatte sich dieser Auftrag gerade verselbständigt? Was wusste Wolfram & Hart bereits? Was hatte man ihr vielleicht bewusst nicht gesagt? Und galt weiterhin dieselbe Anweisung? Ja. Sie war hier, um Ashcroft zu beobachten. Also würde sie Ashcroft beobachten. Vorerst. Sie würde nicht mitten in einem Club irgendeine impulsive Rettungsmission starten, nur weil eine gefährliche Dämonin ihr drei Sätze und eine Münze zugeschoben hatte. Dafür war sie weder naiv noch dumm. Nur dass zwischen all den professionellen Überlegungen weiterhin eine Zahl saß, die sich hartnäckig weigerte, wieder zu verschwinden. Zwölf. Syrenas Finger schlossen sich für einen Moment um die kleine Münze in ihrer Tasche. Dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Ashcroft. Was auch immer hier gerade passiert war, er blieb der Mittelpunkt ihres Auftrags. Erst danach sah sie noch einmal zu Antares hinüber. Eine hochgefährliche Dämonin hatte sie gerade praktisch zu einem unfreiwilligen Team erklärt, und vermutlich würde der Kater allein deswegen schon unerträglich werden. Der Abend entwickelte wirklich einen immer schlechteren Sinn für Humor. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 02.09.2026 Für den Moment war es wohl wirklich das Beste, wenn die beiden Kontrahenten ihre Wege gingen. Immerhin hatte Antares einen Job zu erledigen und Syrena, nun außer aussehen wie eine griechische Statue die sich aus irgend einem Grund in den Club verirrte, machte sie wohl nicht allzu viel mehr her. Mit den Mitgliedern des Junggesellenabschieds zu witzeln war nun nicht unbedingt erfüllender, aber einfacher. Die Kundschaft bei Laune halten war auch eine seiner Aufgaben. Ein Mann kam an die Theke, den Antares optisch auch irgendwohin zuordnen konnte aber auf Anhieb keinen Namen wusste. Er bestellte aber noch nichts und sah sich suchend um. Er schien auf jemanden zu warten und der Dunkelhaarige würde ihm ein paar Minuten geben, bevor er ihn ansprach und ihn darauf hinwies, dass dies keine Wartehalle im Bahnhof war. Obwohl er der Hexe in seinem Rücken keinerlei Beachtung mehr schenkte, beschäftigte Antares dieses Aufeinandertreffen immer noch. Das würde es auch noch für den restlichen Abend und auch noch darüber hinaus. Das hier war eine große Stadt, warum in Dreiteufelsnamen musste sie ausgerechnet hierher kommen? Naja, die Antwort war klar, es war die angesagteste Location der Stadt und irgendwann musste sie ihre gepuderte Nase ja mal hier reinstecken. Aber hätte das nicht an seinem freien Tag sein können? Antares aber nahm sich vor, dieser Begegnung nicht mehr Beachtung zu schenken, als es ohnehin schon geschehen war. Den Fluch auflösen würde diese herzlose Person nicht und irgend etwas anderes wollte er von ihr nicht. Manche Begegnungen waren einfach überflüssig und diese mit Syrena gehörte dazu. Und doch war da immer noch der Wunsch sie zu packen und mit voller Wucht gegen eine der Hauswände draußen zu drücken. Sie so lange zu schütteln, bis ihr die angezauberten Wimpern abfielen und sie damit wenigstens ein klein wenig spüren zu lassen, was sie ihm mit dem Fluch angetan hatte. Aber andererseits... Es hätte keine Erfolgsaussichten. Alles was er ihr damit gab war die Genugtuung ihn nach all den Jahren immer noch zu demütigen. Und wenn er auch sonst nicht viel ausrichten konnte, das zu verhindern war er sehr wohl in der Lage. Sollte sie doch denken was sie wollte. Fakt war, sie wusste nun, er hatte ein Schlupfloch in ihrem Fluch gefunden. Sie und ihr Zauber war nicht perfekt und das alleine sollte ihm für diesen Abend als Sieg vollkommen ausreichen. Ein Mitglied der Frauengruppe vor ihm, schob ihm gerade ihre Serviette über den Tresen, mit einem sinnlichen Blick und den Worten "Call me." auf den Lippen, als sich die Schar vor der Bar mit einem Mal teilte. Die Dämonin kam heran, die eben noch Teil der kurzen Unterhaltung mit Syrena war. Antares Interesse an den Frauen vor sich war schlagartig vorbei. Diese merkten die Anwesenheit der älteren Dame auch ohne, dass man mit übernatürlichen Fähigkeiten deren Aura wahrnehmen konnte. Sie nahmen ihre Gläser und zogen sich mit den Worten, dass es hier keinen Spaß mehr mache, an einen der Tische rund um die Tanzfläche zurück. Der Hexer nahm es kaum wahr. Er stellte sich aufrecht hin, nicht gerade stramm aber doch aufmerksam. Als wäre sein Auftrag, für die Wünsche der Dämonin parat zu stehen. Sein Blick jedoch ging von der Gehörnten hinüber zum Sitzplatz von Ashcroft. Antares hatte nicht ganz die Wahrheit gesagt, dass die Dämonin diejenige war, vor der man sich in Acht nehmen sollte. Sicherlich war sie mit Vorsicht zu genießen aber das wahre Raubtier saß dort drüben. Ein schlechtes Gewissen hatte der Hexer deswegen nicht. War ihm doch egal, wie Syrena seine Aussage verstand und ob er sie deswegen aufs Glatteis führte. Was er allerdings nicht ignorieren konnte, waren die Worte, welche die Dämonin an Syrena richtete. Obwohl weiterhin die Musik im Club spielte und das Stimmengewirr der unzähligen Leute eine zusätzliche Geräuschkulisse bildete, stand Antares nahe genug um alles mit anzuhören. Der Gegenstand, der getauscht wurde, war ihm nicht gänzlich ersichtlich, doch er spürte die magische Signatur, die davon ausging. Und da er wusste, mit welcher 'Ware' die Dämonin handelte, brauchte es nicht viel um sich die Antwort zusammen zu reimen. Sie hatte also wieder ein Kind gefunden. Zwölf Jahre, wie er vernahm. Sein Blick war weiterhin geradeaus gerichtet. Als wäre er nur Statist in einem Film. Seine Hände aber hatten sich wieder das Poliertuch gegriffen. Er brauchte etwas, mit dem er sich ablenken konnte. Warum wechselte die Dämonin die Seiten? Aber tat sie das überhaupt? Er wusste ja nicht, warum Syrena hier im Club war. War sie Teil dieses abscheulichen Handels? Überraschen würde es ihn nicht. Moral suchte man bei dieser Hexe wahrlich vergeblich. Der Vergleich mit einer Statue passte seiner Meinung nach vortrefflich. Schön anzusehen, doch im inneren hohl und nutzlos. Was war der Inhalt ihrer Übereinkunft? Wieder wanderte sein Blick möglichst unauffällig zu der Sitzgrupp von Mr. Ashcroft. Irgendwann... so sein erklärtes Ziel, würde Antares diesem Mistkerl das Handwerk legen und dann konnte dieser froh sein, wenn er ihn an seinen Chef übergab, damit er ihn in die Katakomben dieses Clubs entführte. Seinen Zorn könnte dieser wahrlich nicht ertragen. Kinder! Ihm war es egal ob hier drinnen Drogen vertickt wurden, andere magische Gegenstände, die alles andere als ungefährlich waren oder ob sich Dämonen in den Käfig-Kämpfen aufrieben. Das dabei Wetten abgeschlossen wurden und blutrünstige Zuschauer sich daran ergötzten war ihm zwar zuwider, aber er polierte derweil die Gläser und ließ es geschehen. Bei all dem sah er schlichtweg auf die andere Seite weg und steckte seinen Lohn ein. Aber der Handel mit diesen Unschuldigen ging zu weit. Antares hatte bisher immer vermieden herausfinden zu wollen, ob Mammon davon wusste. Sein Boss hatte eine sehr breit ausgelegte Ansicht auf verschiedene Dinge, die das Gewissen mit einbezog. Und da war es ihm lieber, er wusste nicht, wie er zu dieser Sache stand. Er selber aber konnte davor nicht die Augen verschließen. Und das hatte er bereits bewiesen. Mindestens zwei der bereits abgeschlossenen Übergaben mit den Kindern fand nicht statt. Seinetwegen. Und Antares nahm sich vor, dass dies in Zukunft noch mehr werden würden. Dafür war er bereit, einiges zu riskieren. Nun zu wissen, dass Syrena mit in diese Sache involviert war, ließ ihre Beliebtheit bei ihm bis zum Erdkern durchrauschen. Aber warum hatte er auch etwas anderes erwartet? Bis heute gab es keine einzige Erklärung für ihn, wie die warmherzige und liebenswürdige Amy es auch nur eine Stunde in der Nähe dieser Person aushielt. Verwandtschaft hin oder her. Aber er durfte nicht anfangen, an sie zu denken, nicht jetzt, da die Dämonin das Wort an ihn richtete. Die eigentlich ruhigen und sanft wirkenden, braunen Augen des Hexers legten sich auf die Erscheinung der Sprechenden. Doch im Gegensatz zu der minderbemittelten Hexe, schwieg er. Was war das? Eine Drohung? Eine Warnung? Nicht, dass er sich um Syrena auch nur im Ansatz Sorgen machen würde, sollte diese sich in ihre molekularen Einzelteile zerlegen lassen, das spielte keine Rolle. Aber warum sprach die Dämonin, die bisher kaum mehr als wenige lobende Worte für ihr Getränk für ihn übrig hatte, dies an? Und warum ihn? Er war nur der Barkeeper. Ein knappes Nicken gab zu verstehen, dass er die Worte zur Kenntnis nahm, wenngleich er immer noch nicht wusste, wie er es einzusortieren hatte. Und da wandte sich die Dämonin auch schon wieder ab und ging. Antares sah ihr noch eine ganze Weile nach, währenddessen 'erwürgten' seine Hände das Poliertuch. Er hatte es so fest zwischen seine Finger gedreht, dass man den Stoff knirschen hörte. Er konnte nichts weiter tun, doch sein Zorn auf diese Personen, allen voran diesen elenden Geschäftsmann dort drüben, musste für den Moment anderweitig kanalisiert werden. Nicht allzu lange später, spürte er den Blick seiner Nemesis wieder auf ihm, ohne, dass er in ihre Richtung blickte. "Wage es nicht, auch nur ein einziges weiteres Wort an mich zu richten." Leise, beinahe zu leise und mit einer Drohung darin, als war es nun an ihm, die Jüngere zu verfluchen, wurden diese Worte an sie gerichtet. Und mit etwas Zeitverzögerung, begegneten sich ihrer beiden Blicke. In den Augen des Hexers war blanke, ungezügelte Wut zu sehen. Mehr noch, als er je für Syrena aufbringen konnte. Und dieser Zorn galt auch nicht ihr. Wenngleich sie ein Teil davon war. Doch es war das Wissen, was er ihr voraus hatte, das es ihm beinahe unmöglich machte, seiner magischen Kraft noch Einhalt zu gebieten. "Verpiss dich, Syrena." Und wohl noch nie zuvor hatte er dies mit solch einer Inbrunst zu ihr gesagt. Nicht seinetwegen. Nicht wegen dem Fluch. Es war ihre Mitarbeit in diesem geschmacklosen Zusammenspiel von Gier und Machtbesessenheit. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 02.09.2026 Kaum war die Dämonin von der Theke verschwunden, fiel Syrena auf, dass Antares sich noch immer nicht wieder vollständig in jenen selbstgefälligen Barkeeper zurückverwandelt hatte, der ihr seit ihrer Ankunft mit sichtlichem Vergnügen auf die Nerven ging. Schon als die Frau auf ihn zugekommen war, hatte sich seine Haltung verändert. Die Frauen vor ihm waren plötzlich nebensächlich geworden, seine Aufmerksamkeit schärfer. Interessanter war jedoch, wohin seine Augen zwischendurch gewandert waren. Nicht zur Dämonin, sondern zu Ashcroft. Syrena registrierte es, ohne sofort einen Schluss daraus zu ziehen. Noch war es ein weiterer Widerspruch in einem Abend, der sich weigerte, so unkompliziert zu bleiben, wie Wolfram & Hart ihn ihr verkauft hatte. Spätestens nachdem das Wort zwölf gefallen war, ließ sich Antares’ Reaktion allerdings kaum noch als Zufall abtun. Er sagte nichts, stand hinter der Theke und beschäftigte seine Hände mit einem Poliertuch, als könne ein Stück Stoff verhindern, dass sich etwas anderes Bahn brach. Nur, dass er es nicht einfach hielt. Er drehte es zwischen seinen Fingern so fest zusammen, dass selbst Syrena das Knirschen des Materials hören konnte. Als wäre er kurz davor, magisch zu explodieren. Ihre Augen blieben einen Moment an seinen Händen hängen, dann an seinem Gesicht. Nun. Offenbar besaß selbst Antares Lexington irgendwo eine Grenze. Die Erkenntnis war lästig. Es wäre einfacher gewesen, ihn weiterhin als selbstgefälliges, magisches Ärgernis mit hübschem Gesicht und schlechtem Charakter abzulegen. Stattdessen stand dort plötzlich ein Mann, der über etwas sichtbar wütender war als über vier Jahre Katzenleben. Und diese Wut … war anders. Als sein Blick schließlich den ihren traf, lag darin nichts von jener gehässigen Genugtuung, mit der sie sich den ganzen Abend gegenseitig bedacht hatten. Das hier war blanker und ungezügelter Zorn, sodass Syrena für einen seltenen Augenblick nicht einmal das Bedürfnis verspürte, ihn dafür zu verspotten. Sie wusste nicht, was genau in Antares vorging oder welche Geschichte sich hinter dieser Reaktion verbarg. Doch dass dieser Zorn einen anderen Ursprung hatte als ihre üblichen Auseinandersetzungen, war kaum zu übersehen. Er war zu heftig, zu unmittelbar und vor allem viel zu ernst, um lediglich eine weitere Fortsetzung ihres vier Jahre alten Kleinkrieges zu sein. Das war äußerst interessant! Sein leises „Wage es nicht, auch nur ein einziges weiteres Wort an mich zu richten“ riss Syrena allerdings zuverlässig aus dieser nüchternen Beobachterrolle. Ihre Brauen hoben sich, dann entwich ihr ein ungläubiges Schnauben. Antares konnte wütend sein, so viel er wollte. Er konnte von ihr aus auch das nächste Poliertuch erwürgen. Aber ihr Befehle zu erteilen, war eine bemerkenswert schlechte Idee. „Oh, hat sich neben dem Kater plötzlich auch noch so etwas wie ein Gewissen in deinem Körper eingenistet?“ Ihre Stimme blieb kühl, beinahe gelangweilt, obwohl das verdammte zwölf noch immer irgendwo in ihrem Kopf festsaß und sich dort wesentlich hartnäckiger hielt, als es sollte. Gerade deshalb richtete Syrena sich innerlich umso entschlossener an dem aus, was sie kannte: Auftrag, Fakten, Distanz. „Weißt du eigentlich noch, wo du hier arbeitest? Das ist das Valen. Hier wird die Moral vermutlich schon vom Türsteher abgewiesen.“ Ihr Blick glitt kurz über den Club, über Gäste, bei denen niemand ernsthaft nach tugendhaften Lebensläufen fragen würde, bevor er zu Antares zurückkehrte. „Und trotzdem werden solche Leute hier bedient. Von dir übrigens auch.“ Dann kam sein „Verpiss dich, Syrena.“ mit einer Inbrunst, die selbst für ihre gemeinsame Geschichte bemerkenswert war. Hitze schoss unter ihre Haut, nicht aus Angst, sondern aus purem Ärger darüber, dass ausgerechnet er glaubte, sie auf diese Weise aus einem Raum schicken zu können. Syrena legte den Kopf einen Hauch zur Seite und zwang ihre Stimme genau deshalb in eine beinahe seidige Ruhe. „Du warst auch schon kreativer. Vielleicht solltest du dich verpissen, wenn du hier einen auf Moralapostel machen willst.“ Ihre Finger lagen ruhig am Stiel ihres Glases. Dass sie ihn am liebsten wesentlich weniger stilvoll daran erinnert hätte, wer von ihnen beiden schon einmal vier Beine und einen richtigen Schwanz besessen hatte, behielt sie für sich. Denn inzwischen störte sie etwas anderes viel mehr. Antares hatte sie vor der Dämonin gewarnt, als wäre sie das Raubtier, vor dem man sich besser fernhielt. Doch kaum war die Rede von dem zwölfjährigen Mädchen gewesen, hatte sich etwas in seinem Verhalten verschoben und seine Aufmerksamkeit war immer wieder bei Ashcroft gelandet. Ach, sieh an. Und ausgerechnet der Mann mit seinem grandiosen Wissensvorsprung hatte offenbar vergessen zu erwähnen, dass das eigentliche Raubtier gar nicht die Dämonenfrau war. Ein süffisantes Lächeln fand zurück auf Syrenas Lippen. „Für jemanden, der gerade noch so stolz darauf war, mehr zu wissen als ich, hast du erstaunlich viel ausgelassen.“ Diesmal sah sie ihn dabei ganz bewusst an. Wenn Antares schon den ganzen Abend Punkte zählen wollte, konnte er sich diesen gern aufschreiben. Falls er sie tatsächlich absichtlich auf die falsche Fährte hatte locken wollen, damit sie Ashcrofts Gefährlichkeit unterschätzte, hatte die Dämonenfrau seinen Plan gerade gründlich zunichtegemacht. Trotzdem entging ihr nicht, dass seine Wut nicht wirklich ihr gehörte. Zumindest nicht in erster Linie. Dafür hing sie zu eindeutig mit dem zusammen, was gerade zwischen Dämonin, Münze und Ashcroft sichtbar geworden war. Selbstüberschätzung hin oder her – so wichtig war sie in diesem Moment offenbar ausnahmsweise nicht. Fast hätte sie darüber gelacht. Stattdessen blieb ihr Blick an Ashcroft hängen, denn der ältere Mann setzte sich gerade in Bewegung. Er erhob sich ohne Hast, ordnete sein Jackett und wirkte dabei keineswegs wie jemand, dessen Abend gerade aus den Fugen geraten war. Syrenas Aufmerksamkeit rastete sofort wieder dort ein, wo sie beruflich hingehörte. Ashcroft war ihr Auftrag! Nicht Antares’ Gewissen, nicht seine Wut und ganz sicher nicht irgendeine Diskussion darüber, wer hier moralisch auf welcher Seite stand. Als der Mann sich von seiner Sitzgruppe entfernte, wusste Syrena, dass sie ebenfalls gehen musste. Was allerdings bedeutete, dass es für jeden Beobachter so aussehen konnte, als würde sie ausgerechnet jetzt Antares’ Aufforderung folgen. Großartig. Jetzt sah es auch noch so aus, als würde sie auf einen räudigen Straßenkater hören. Sie griff nach ihrem Cosmopolitan, nahm den letzten Schluck und stellte das Glas sauber auf der Theke ab, bevor sie sich erhob. „Keine Sorge. Ausnahmsweise hatte ich ohnehin vor, deinem Wunsch nachzukommen.“ Der süffisante Unterton ließ keinen Zweifel daran, dass sie sich den Zeitpunkt ihres Aufbruchs nicht von ihm diktieren ließ. Ihre Finger glitten anschließend wie beiläufig über die Tasche, in der die kleine Resonanzmünze verschwunden war. Kaum zwei Zentimeter Metall und trotzdem inzwischen schwer genug, um sich ihrer Aufmerksamkeit immer wieder aufzudrängen. Syrena wusste noch immer nicht, was genau sie tat, worauf sie reagierte oder weshalb die Dämonin ausgerechnet ihr das Ding zugeschoben hatte. Die ungewöhnliche Schwingung des Metalls blieb selbst durch den Stoff ihrer Tasche spürbar. Wozu es bestimmt war, darum musste sich die dunkle Hexe später kümmern. Und dennoch blieb da dieses andere Problem. Zwölf. Syrena schob den Gedanken dorthin zurück, wo er ihrer Meinung nach hingehörte: hinter den Auftrag. Sie war nicht hier, um eine Rettungsmission zu beginnen. Sie wusste nicht einmal, wo das Mädchen war, ob es noch lebte oder welche Rolle die Münze dabei spielte. Was sie wusste, war wesentlich einfacher: Die Weisung aus der Kanzlei hatte sich durch all das nicht verändert - an Ashcroft dranbleiben und sehen, wohin er sie führte. Alles andere war vorerst zweitrangig. Dass die Zahl sich trotzdem nicht vollständig verdrängen ließ, ignorierte sie mit derselben Konsequenz, mit der sie seit Jahren alles ignorierte, was ihre sorgfältig sortierten Prioritäten unnötig komplizierte. Syrena glitt in einer eleganten Bewegung von ihrem Hocker, ordnete in einer beinahe absurden Geste ihren Rock und setzte sich in Bewegung. Sie wartete lange genug, um Ashcroft keinen direkten Schatten an die Fersen zu heften, und folgte ihm dann mit angemessenem Abstand Richtung Ausgang. Geschmeidig und leise ließ sie immer wieder andere Gäste zwischen sich und Ashcroft geraten, damit ihr Weg zum Ausgang nicht wie eine Verfolgung wirkte. Antares schenkte sie dabei keinen weiteren Blick. Sollte er sich ruhig einreden, sein „Verpiss dich“ hätte irgendeine Wirkung erzielt. Er konnte sich später gern selbst dafür gratulieren. Syrena wusste es besser. Sie folgte Ashcroft, weil es ihr Auftrag war. Weil die Dämonin ihr eine Münze zugesteckt hatte, deren Bedeutung sie noch herausfinden musste. Und trotzdem folgte ihr diese eine verdammte Zahl bis zur Tür. Zwölf. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 03.09.2026 Endlich erhob sich Syrena von ihrem Hocker und sah zu, dass sie Land gewann. In dem Moment war es Antares sogar gleichgültig, ob sie es wegen seiner Aufforderung tat, was er stark bezweifelte, oder weil ihr mittlerweile der Hintern wehtat. Sie hätte sich auch einfach in Luft auflösen können und er hätte nicht einmal mit den Schultern gezuckt. Er wusste sehr wohl, wo er hier arbeitete und es war ihm größtenteils auch egal. Da musste ihn die Eiskönigin nicht erst in ihrer arroganten Art darauf hinweisen. Jeder, der hierherkam, tat es freiwillig. Keiner wurde gegen seinen Willen durch die Türe geschleift. (Oder zumidnest nicht viele.) Im Gegenteil, es gab genügend, die sich die ganze Nacht da draußen die Füße in den Bauch standen und nicht eingelassen wurden. Was die Gäste hier drinnen taten, konsumierten, sprachen oder handelten, ging ihn nichts an. Sein Boss war schließlich derjenige, der über alles die Hand hielt und je mehr Geld für ihn drin war umso besser. Das war ihm alles bewusst gewesen, nachdem er erfuhr, um wen es sich bei dem Clubbesitzer handelte er hatte dennoch nicht gezögert, weiterhin jeden Abend hierher zu kommen. Nein, die Welt bestand nur aus Arroganz, Neid und möglichst viel Eigenanteil. Die wenigen, freundlichen und netten Leute würden irgendwann zerrieben werden. Er selber stellte sich nicht abschließend auf irgend eine Seite. Weder unterstützte er die illegalen Geschäfte hier drinnen, noch gab er der Polizei einen Tipp. Er mixte die Drinks und hörte zu. Das war seine Stärke. Der unterschätzte Barkeeper, der einfach nur nach den Getränkevorlieben fragte. Aber Kinder waren unschuldig. Sie suchten sich nicht aus, entführt zu werden um sonst was mit ihnen anzustellen. Egal wie viel Geld dabei den Besitzer wechselte. Dieses Wissen war eines, auf das er gerne weiterhin verzichtet hätte. Doch mit all den Dingen, die man teilweise unwissentlich an ihn herantrug, bekam er auch immer mehr Einblick in diesen abscheulichen Sumpf. Und auch, wenn er es niemals ohne Folter zugeben würde, so entpuppte sich Syrenas Fluch als ein Segen. In seiner menschlichen Gestalt wäre es ihm nicht ohne weiteres möglich gewesen sich so nahe heran zu schleichen, wie als eine schwarze, unscheinbar wirkende Katze auf die niemand achtete. Niemand, außer den Kindern, die er ganz ohne das Wirken von Magie weglocken konnte. Nur mit ein bisschen Schnurren und um die Beine streichen. Der Abgang der Brünetten war nun aber das Beste was diese machen konnte. Antares Zorn verebbte deswegen jedoch kaum. Er ging zu dem Typen, der immer noch am Tresen saß und fragte ihn, ob er etwas trinken wollte. Einen Ticken zu grob, denn dieser verneinte, stand auf und suchte sich anderweitig einen Platz um weiterhin nach jemandem Ausschau zu halten, der offensichtlich nicht kam. Sofort tat dem Dunkelhaarigen sein Verhalten leid, denn während seiner Schicht hatten private Angelegenheiten hinten anzustehen. Doch nun war es auch passiert und nicht mehr zu ändern. Wie er sich umwandte, fiel sein Blick auf den Platz an dem bisher Ashcroft saß, doch der Sessel war leer. Shit... dachte er mit voller Inbrunst und machte sich daran, die leeren Gläser des Junggesellenabschiedes zusammen zu sammeln. Es war nicht die Aussage der Dämonin, dass er Syrena nicht alleine mit dem Kerl lassen sollte. Das war ihm weiterhin vollkommen gleichgültig, denn wie besagte Hexe sich so treffend ausdrückte, waren sie nicht befreundet. Sie waren nicht mal ansatzweise irgendwas außer verfeindet. Und da achtete man wahrlich nicht darauf, in welcher miesen Gesellschaft sich seine Feindin aufhielt. Abschaum gesellte sich eben immer zu noch mieserem Abschaum. Es war immer noch das Wissen, über das, was die Dämonin an Syrena herantrug, was ihn nach wie vor beschäftigte. Sie hatten wieder ein Kind aufgespürt. Ein zwölfjähriges Mädchen. Wie Antares die Gläser aufnahm und hinüber zur Spüle trug, kamen sie ihm aus und polterten hörbar ins Becken. Keines davon ging zu Bruch, doch hier und da wandte sich ein Kopf in seine Richtung. Mist, mistiger Mist, Mist, ging es ihm durch den Kopf, er war immer noch viel zu aufgewühlt. Und das durfte er nicht sein. "Hör mal..." Ließ er seinen Kollegen wissen. "Ich mach' kurz Pause. Eine rauchen, du weißt schon." Nachdem er sich abmeldete, verließ der Dunkelhaarige den Bereich der Bar durch den Angestelltenausgang und atmete in der Gasse erst einmal tief durch. Mitnichten hatte er vor, hier draußen zu rauchen, aber das war die beste Erklärung für eine kurze Unterbrechung. Nachdem er ein zweites Mal ausatmete, sah er sich nach beiden Seiten um und gab seinen Widerstand gegen den Fluch auf. Im nächsten Moment saß ein schwarzer Kater im schlecht beleuchteten Bereich neben dem Eingang. Nun war wenigstens diese Belastung weg, die er permanent im Hintergrund seiner magischen Fähigkeit spürte. Ein weiterer Blick auf beide Seiten und der Kater trabte quer durch die Gasse um sich auf einem Mauervorsprung einen besseren Überblick zu schaffen. Mit dem Rücken zum Club und im Schatten saß er da und arbeitete weiter an seiner Atemtechnik. Zudem bewegtes ich das kleine Schnäuzchen, während ganz leise ein sich widerholender Zauber gesprochen wurde. Einer, der ihm half, die Begegnung mir Syrena bestmöglich zu vergessen, das Gehörte niederzuringen weil er heute Abend nichts dagegen unternehmen konnte und vor allem, sich zu beruhigen, damit er den Rest des Abends noch problemlos überstand. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 06.09.2026 Als Syrena durch die Tür des Valen trat, war von der Dämonin nur noch ein letzter, dunkler Schatten geblieben. Ein Wagen wartete bereits am Straßenrand, der Fahrer hielt ihr die hintere Tür auf, und die Frau stieg mit derselben Ruhe ein, mit der sie Syrena zuvor die Münze zugeschoben hatte. Kein hastiger Blick zurück, kein Versuch, unauffällig zu verschwinden. Ihre Macht musste wirklich groß sein bei dieser stoischen Ruhe. Syrena sah dem Wagen nur lange genug nach, um sich das Kennzeichen einzuprägen, dann glitt ihre Aufmerksamkeit zurück zu Ashcroft. Der ältere Mann stand ebenfalls an seiner Limousine, stieg allerdings nicht ein. Stattdessen wechselte er ein paar leise Worte mit seinem Fahrer, sah kurz auf sein Handy und blieb noch einen Moment neben dem Wagen stehen, so gelassen, als hätte gerade niemand angedeutet, dass er mit dem magischen Potential von Kindern handelte. Syrena hielt sich einige Meter entfernt im Strom der Gäste. Die Münze wurde gefühlt schwerer in ihrer Tasche, als zwei Zentimeter Metall irgendein Recht dazu hatten. Zwölf. Sie schob die Zahl erneut beiseite und konzentrierte sich auf Ashcroft. Als er sich schließlich von der Limousine entfernte, zog sich Syrenas Stirn kaum merklich zusammen. Mit Fahrer und Wagen direkt vor der Tür entschied er sich ausgerechnet jetzt für einen Weg hinter das Gebäude. Natürlich. Sie wartete, ließ Abstand entstehen und folgte ihm erst dann, zunächst entlang der Hauswand, später in eine schmalere Seitengasse, in der der Lärm des Clubs bereits dumpfer klang. Die Beleuchtung wurde schlechter, die Menschen weniger. Ashcroft jedoch blieb ruhig und zielstrebig. Zu ruhig vielleicht. Weiter hinten zeichnete sich auf einem Mauervorsprung etwas Kleines, Schwarzes im Schatten ab. Eine Katze, vermutete Syrena und schenkte ihr kaum Beachtung. Es gab in L.A. zuhauf streunende Katzen. Wenigstens eines hier hatte vermutlich nichts mit dem ganzen verdammten Kinderhandel zu tun. Ashcroft bog um die nächste Ecke. Syrena wartete, folgte – und blieb stehen. Von Ashcroft keine Spur. Ihr Blick glitt über die Gasse, eine verschlossene Metalltür, einen Müllcontainer, die dunkle Abzweigung vor ihr. Dieser gottverdammte Abend. Sie schloss für einen kurzen Moment langsam die Augen. Nicht aus Angst, sondern aus jener scharfkantigen Wut, die sich einstellte, wenn jemand glaubte, sie erfolgreich irgendwohin geführt zu haben. Noch während sie die Möglichkeiten abwog, löste sich vor ihr ein Mann aus dem Schatten. Hinter ihr erklang gleichzeitig ein Schritt. Syrena drehte sich weit genug, um beide im Blick zu behalten. Der Mann vor ihr hielt die Hand bereits nahe an seiner Manteltasche. Der zweite wirkte weniger eindrucksvoll: Keine sichtbare Waffe, ruhige Haltung, zu viel Konzentration im Gesicht. Magier. Na selbstverständlich. „Kann ich Ihnen helfen, Gentlemen?“ Ihre Stimme klang, als hätte man sie auf dem Weg zu einem Geschäftsessen aufgehalten und nicht in einer dunklen Gasse eingekesselt. Und natürlich waren sie keine Gentlemen! Nein, das erkannte eine Lady schließlich sofort. Der erste Mann zog einen Revolver mit Schalldämpfer aus seiner Tasche. „Die Münze.“ Syrenas Augen verengten sich kaum sichtbar. Die Übergabe im Valen war also beobachtet worden. Nicht gut genug, um die Dämonin aufzuhalten, aber gut genug, um sich die Münze bei Syrena zurückholen zu wollen. Offenbar hielt man sie für ungefährlicher als die Dämonin. Ihr Stolz schrie in diesem Moment in ihr auf. Ihre Kiefer spannten sich an, obwohl ansonsten nichts an ihr daraufhin deutete, dass sich gerade eine Welle der Wut in ihr aufbäumte. „Sie überschätzen mein Interesse an Ihren Wünschen.“ Kein Zittern war in der Stimme zu bemerken. Innerlich rechnete sie längst Abstände und Winkel durch. Der Revolver war unangenehm, aber lösbar: Mit ihrer Magie hatte sie schon öfters Leute entwaffnet… und dabei auch hin und wieder Handgelenke gebrochen. Der andere war das größere Unbekannte. „Geben Sie sie her.“ Ihre Hand krallte sich demonstrativ an ihre Tasche. „Nein.“ Warum sollte sie auch? Zwei bewaffnete Männer waren nicht genügend Argumente, als dass sie jemandem einfach etwas offenbar sehr Wertvolles überlassen würde. Der Magier hinter ihr atmete ein. Syrena spürte die Veränderung in der Luft einen Augenblick, bevor sie das Wort hörte. „Vincire.“ Die Magie traf sie wie ein zugezogenes Netz. Ihre Arme wurden an den Körper gerissen, die Ellbogen fest an ihre Seiten gepresst, die Hände gegen Hüften und Oberschenkel gezwungen. Gleichzeitig legte sich etwas Kaltes um ihre innere Magie. Syrena reagierte instinktiv, griff telekinetisch nach dem Revolver – und erreichte ihn nicht. Wut schoss heiß durch sie. Natürlich kannte sie den Bann. Und dass Ashcroft jemanden geschickt hatte, der ausgerechnet diesen Zauber gegen sie einsetzte, fühlte sich beinahe persönlicher an als die Waffe. Syrena spannte die Finger an. Rote, elektrisch zuckende Fäden glommen zwischen ihnen auf, schlangen sich über ihre Knöchel und verloschen am Rand des Bannfeldes. Ihre Magie war noch da, heiß und bissig unter ihrer Haut. Sie kam nur nicht weit hinaus. Ihr habt mich nicht ausgeschaltet. Der Bewaffnete bemerkte das Flackern und blieb klugerweise auf Abstand. Der Magier war mutiger. Offenbar hielt er den Bann für vollständiger, als er war. Er trat näher und griff nach Syrenas Tasche. Syrena ließ ihn kommen. Ein kaltes Grinsen schlich sich über ihre Lippen, noch bevor seine Finger den Stoff erreichten. Fehler. Die roten Fäden schossen über. Nicht weit, nicht gezielt – sie mussten es auch nicht. Die Energie sprang auf seinen Arm, knisterte über Ärmel und Haut und traf ihn mit genug Kraft, dass er zurückgestoßen wurde. Sein Gesicht verzog sich vor Schmerz, seine Knie knickten ein und er landete hart auf dem Boden, wo er sich mit einer Hand abstützte. Syrenas Grinsen wurde breiter, obwohl ihre Stimme ihre innere Anstrengung etwas verriet. „Gebunden… ist nicht wehrlos.“ Der Schuss kam unmittelbar danach. Das gedämpfte Geräusch war erschreckend klein im Vergleich zu dem Schmerz, der durch ihren linken Oberarm riss. Der Treffer erwischte sie außen am Oberarm, doch hart genug, dass ihr ganzer Körper gegen den Bann zuckte und ihr Atem scharf abriss. Meine Lederjacke! Ihre gute, sündhaft teure Versace-Lederjacke. Dieser Bastarde würden dafür büßen. Ihr Grinsen war so schnell aus ihrem Gesicht entwichen, wie es aufgetaucht war. Zwischen ihren Fingern flammten die roten Fäden noch einmal heftig auf – und wurden danach dünner. Das war schlimmer. Syrena presste die Zähne aufeinander. Blut begann den Stoff an ihrem Arm zu tränken, doch ihr Blick hing an dem schwächeren Flackern ihrer Magie. Der Treffer hatte ihre Konzentration erschüttert und offenbar war genau das beabsichtigt gewesen. Der Schütze wusste, was er tat. Der Magier hielt Vincire trotz seines eigenen Treffers aufrecht. Und plötzlich lag das Muster offen vor ihr. Sie wollten sie nicht töten. Der eine hielt ihre Magie fest, der andere blieb außerhalb ihrer Reichweite und schoss sie so lange schwächer, bis sie nachgab oder nicht mehr verhindern konnte, dass sie ihr die Münze abnahmen. Etwas Kaltes setzte sich unter ihren Ärger. Keine Angst, sondern Beleidigung. Jemand hatte sich Gedanken darüber gemacht, wie man Syrena Blackwell kontrollierte. Ashcroft musste von ihrer Telekinese wissen. Vielleicht nicht alles, aber genug für den Vincire-Bann und die Distanz. Und die Hexe würde ausgesprochen gern herausfinden, woher. „Die Münze.“ Diesmal klang die Forderung ungeduldig. Syrena hätte sie ihm geben können, der Gedanke wäre vernünftig gewesen. Die Münze war schließlich nie Teil ihres Auftrags gewesen. Wolfram & Hart hatte sie geschickt, um Ashcroft zu beobachten und seinen Handel aufzudecken. Dafür hatte sie inzwischen genug. Sie konnte das verdammte Stück Metall herausgeben, zurück in die Kanzlei gehen und Damon berichten. Auftrag erfüllt. Kein weiteres Blut für einen Gegenstand, dessen Funktion niemand von ihr verlangt hatte. Zwölf. Für einen Moment wurde ihr Gesicht noch unbeweglicher. Der Bewaffnete machte einen halben Schritt vor. „Ohne die Münze finden wir das Mädchen nicht.“ Da war sie wieder. Nicht mehr nur eine Zahl. Ein Mädchen, zwölf Jahre alt. Und auch, wenn es sich die dunkle Hexe nicht eingestehen wollte, so war die Münze eben kein zufälliges Stück magisches Metall mehr. Sie war eine Spur. Etwas, das Ashcroft brauchte, um dieses Kind wiederzufinden… Du kennst dieses Kind überhaupt nicht. Es ist nicht dein Problem. Wolfram & Hart bezahlte sie nicht dafür, Kinder aus okkulten Handelsketten zu ziehen. Niemand hatte sie gebeten, sich anschießen zu lassen. Niemand würde ihr dafür danken, in einer stinkenden Gasse Blut zu verlieren. Alles richtig, alles vernünftig. Und nichts davon reichte. Denn wenn Syrena die Münze jetzt herausgab, beobachtete sie Ashcrofts Geschäft nicht länger nur. Dann würde sie ihm helfen. Sie verfluchte sich selbst für ihre Gefühle – natürlich nicht wirklich und erst recht nicht gerade in diesem Moment. Sie würde Ashcroft etwas zurückgeben, was er brauchte, um das Mädchen zu finden. Und dann war da noch etwas wesentlich Vertrauteres: Niemand zwang Syrena Blackwell zu irgendetwas! Schon gar nicht mit einem Bann und einem Revolver. Rote Fäden flackerten schwach zwischen ihren Fingern. Nein. Sie wusste nicht, was sie mit der Münze tun würde. Ob sie Damon davon erzählte, ob sie herausfand, wohin diese Resonanz führte oder ob sie am Ende beschloss, dass das Ganze sie nichts anging. Aber eine Entscheidung stand fest. Nicht an ihn. Sie hob das Kinn und blickte die beiden Männer hasserfüllt an. „Sie hatten Ihre Antwort bereits.“ Der Bewaffnete sah sie einen Moment lang an, dann zu seinem Kollegen. Der Magier richtete sich inzwischen wieder auf, das Gesicht verzogen, die Hand noch von roten Spuren gezeichnet, doch sein Vincire-Bann hielt nach wie vor. Syrenas eigene Magie blieb vorhanden, dünn und gereizt, zu nah an ihrer Haut gefangen. Der Mann hob den Revolver erneut. Syrena reagierte instinktiv. Ihre Gedanken griffen nach Metall, Finger, Handgelenk, nach irgendetwas, das sie drehen oder brechen konnte. Nichts. Der Bann verschluckte den Zugriff. Die Mündung richtete sich erneut auf sie. Der gedämpfte Schuss ging beinahe im Lärm der Straße unter, der Schmerz dagegen nicht. Diesmal traf die Kugel sie außen am rechten Oberschenkel, und Syrenas Bein gab unter ihr nach. Nun war sie es, die auf ihren Knien landete. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 06.09.2026 Es war wirklich schon sehr lange her, dass Antares eine solch gute Show gesehen hatte wie diejenige, die dort unter ihm in der Gasse gerade ablief. Natürlich hatte er sich umgewandt und die Ohren gespitzt, als jemand vom Gehweg aus, näher kam. Es war Syrena. Kurzzeitig frage er sich tatsächlich was sie hier hinten tat. Heimlich mit Drogen dealen? Dafür hätte sie das Gebäude nicht verlassen müssen. Aber was hatte jemand wie sie hier hinten verloren, dort, wo die Mülltonnen standen und man sich eigentlich nicht so gerne aufhielt. Gut, gleich und gleich gesellte sich gerne zusammen, aber da empfand Antares regelrecht Mitleid mit den Müllcontainern. Für einen kurzen Moment begegneten sich ihre Blicke. Nicht, dass sie das wirklich wahrnahm, denn sie schien mit anderen Dingen beschäftigt zu sein. Suchte sie jemanden? Doch dann wurde es schlagartig interessant. Mit gespitzten Ohren saß der schwarze Kater da und beobachtete wie die beiden Typen anfingen, die Hexe in die Mangel zu nehmen. Zu schade, er hätte sich Popcorn aus dem Club mitbringen sollen. Und nein, Antares dachte nicht einmal daran, in irgend einer Weise einzuschreiten. Madame war ja so superschlau und super stark. Sollte sie halt einen Fluch sprechen, das konnte sie ja so gut. Noch interessanter wurde es, als einer der Typen, derjenige mit der magischen Ausstrahlung, sie fesselte. Oh, er musste den Kerl nachher unbedingt abpassen und nach dem Zauber fragen. Den wollte Antares sich unbedingt merken. Mit nach vorne gerichteten Ohren, saß der Kater da und beobachtete. Eines musste man Syrena lassen, sie kniff wirklich nicht. Selbst jetzt, in seiner nicht menschlichen Gestalt, konnte er Gefühlsschwingungen auffangen und was er bei ihr spürte war Zorn. Hoffentlich kannten die Kerle eine guten Arzt. Als sich der erste Schuss löste, zuckte die Schwanzspitze des Katers nervös auf und ab. Seine tierischen Instinkte wollten allerspätestens jetzt die Flucht ergreifen. Doch noch überwog die Neugier und die Tatsache, dass sich ihm hier ein Schauspiel präsentierte, das ein klein wenig seinen vor vier Jahren verletzten Stolz pinselte. Bis allerdings die Rede davon war, dass die Münze dazu dienen sollte, ein Kind zu finden. Ein zwölfjähriges Mädchen. Der Kater fauchte böse, was die Wut des Hexers widerspiegelte. Er wusste, er hatte sich bei der Dämonin nicht getäuscht und noch weniger bei Ashcroft. Mittlerweile stand der Kater auf allen vier Pfoten. Syrena konnte er nicht vertrauen. Die verkaufte sicherlich ihre eigene Großmutter, wenn es zu ihrem Vorteil diente und was sollte sie da das Schicksal eines kleinen Mädchens interessieren? Sie würde den Mistkerlen die Münze übergeben, wenn sie dafür irgend einen Handel ausmachen konnte. Kurz noch zögerte er, denn eigentlich ging ihn das nichts an. Sollten die Kerle mit Syrena machen, was sie wollten. Aber es war die Münze, die in deren Besitz war und die durch die beiden herzlichen Gesellen sicherlich an Ashcroft weitergegeben wurde. Und dann war dieses unbekannte Mädchen in Gefahr. Mehr noch als dies jetzt schon der Fall war. Und im Gegensatz zu der Brünetten hatte er selber sehr wohl ein Gewissen. Wenngleich er dies sehr gut zu verbergen wusste. Also verließ der Kater mit einem lautlosen Sprung seinen Platz an der Mauer und im nächsten Moment trat Antares wieder daraus hervor. Leise und vorsichtig. Da peitschte ein zweiter Schuss durch die Gasse. Autsch, das tat weh. Jetzt, so direkt nach der Wandlung hatte er noch kurzzeitig die verstärkten Sinne des Katers und nahm den metallischen Geruch ihres Blutes überdeutlich war. Wenn da mal nicht eine Narbe zurück blieb. Der Magier, dem sie kurzzeitig ziemlich zugesetzt hatte, rappelte sich gerade wieder auf. Und der war das wahre 'Problem' wenn man es so nennen wollte. Der Typ mit der Waffe hatte Angst. Er verbarg es hinter seiner Waffe und seinem überlegenen Auftritt, doch ihm machte er nichts vor. Warum also nicht ein klein bisschen Spaß mit ihm haben? Wer für so einen Mistkerl wie Ashcroft arbeitete, hatte nichts anderes verdient. "Invisibilis." Raunte Antares und musste tatsächlich einen Moment über die dazu passende Handbewegung nachdenken. Die Zeiten, in denen er sich mit diesem Zauber seinen Spaß gönnte, waren auch schon ein paar Tage zurück. Es war auch kein Zauber für eine lange Dauer. Sowohl Syrena, wenn diese denn Zeit dafür hatte, wie auch der andere magische Typ, würden ihn wahrnehmen können aber einen kleinen Angriff konnte er wohl wagen. Und so näherte sich Antares dem Waffenträger von der Seite, holte mit dem Ellenbogen aus und donnerte ihm diesen so fest er konnte von unten gegen die Schläfe. Himmel, er selbst war auch nicht klein aber der Kerl musste einen Riesen in der Verwandtschaft haben. Aber der Schlag saß und vor allem der Überraschungsmoment. Der andere Hexer war nämlich kurzzeitig zu sehr mit Syrena beschäftigt, sodass er ihn erst zu spät bemerkte und dies ließ Antares genügend Handlungsspielraum um sich die Waffe zu schnappen und sie mit Hilfe eines Zaubers in ein Insekt zu verwandeln, welches sich alsbald ungesehen in der Nacht in die Lüfte erhob. Seine Tarnung aufhebend, stand er nun neben dem Mann, der benommen in die Knie gegangen war und hielt beide Hände hoch. In den jeweiligen Handinnenflächen pulsierte eine violette Kugel aus Licht. "Ich bin nicht hier, um euch zu sagen, dass es doch ein wenig unfair ist, wenn sich zwei Kerle auf eine Frau stürzen. Meinetwegen könntet ihr weiterhin Löcher in sie schießen. Ah..." Er hob die Hand und deutete in Richtung des magisch Begabten, der meinte, etwas unternehmen zu müssen. "Junge, du kannst nicht mich angreifen und sie unter Kontrolle halten. Du hast sie wütend gemacht und das war ein schwerer Fehler." Hoffentlich reichte sein Ablenkungsmanöver aus, dass Syrena tatsächlich etwas von ihrer Wut aufbauen konnte. "Ihr habt beide jetzt noch die Gelegenheit wegzurennen. Nicht? Nagut, sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt." Und mit diesen Worten holte Antares aus und schoss beide Lichtkugeln auf den Hexer vor sich. Es sollte ausreichen, damit dieser kurzeitig zu sehr abgelenkt wurde und eine Lücke im Zauber entstand. Dem Kerl, der eben noch die Waffe hielt und meinte sich nun wieder aufrappeln zu müssen, schlug Antares sein Knie ins Gesicht. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 07.09.2026 Der zweite Schuss traf Syrena außen am rechten Oberschenkel und riss ihr das Bein unter dem Körper weg. Für einen hässlichen Moment war da nur Schmerz, heiß und tief genug, dass ihr Atem stockte, während ihre Knie auf dem schmutzigen Asphalt aufschlugen und Vincire ihre Arme weiterhin eng an den Körper presste. Zwei Kugeln. Diese Bastarde hatten sie tatsächlich zweimal angeschossen! Die roten Fäden zwischen ihren Fingern flackerten nur noch dünn, und genau das traf ihren Stolz fast schlimmer als der Schmerz selbst. Niemand beförderte Syrena Blackwell auf die Knie! Niemand schrieb ihr vor, wann sie ihre Magie benutzen durfte, niemand schoss sie Stück für Stück weich, bis sie gehorchte. Und ganz sicher nahm niemand ihr diese Münze ab. Nicht an ihn. Die Entscheidung saß inzwischen tiefer als jeder vernünftige Gedanke daran, einfach Wolfram & Hart Bericht zu erstatten. Zwölf, ein Mädchen und eine Spur. Und Syrena war längst zu wütend, um all das wieder ordentlich in irgendeine berufliche Schublade zurückzusortieren. Dann hörte sie ausgerechnet Antares’ Stimme. Syrenas Kopf hob sich ruckartig, und für einen winzigen Augenblick passten die Bilder nicht zusammen: Der schwarze Kater auf dem Mauervorsprung, den sie kaum eines Blickes gewürdigt hatte, und Antares, der nun aus dem Schatten trat. Natürlich. Natürlich war dieser verdammte Kater Antares gewesen! Und natürlich hatte er hier gesessen und zugesehen. Wie lange genau, würde er ihr später erklären dürfen, doch sein „Meinetwegen könntet ihr weiterhin Löcher in sie schießen“ half ihm bereits hervorragend dabei, ihre miserable Stimmung noch weiter zu verschlechtern. Wie großzügig. Doch jetzt eine große Klappe zu haben war allerdings keine Leistung, das sollte er sich ja nicht einbilden! Ihre Wut bekam einen weiteren Adressaten. Trotzdem registrierte Syrena, wann Antares sich eingemischt hatte. Nicht beim ersten Schuss, nicht bei Vincire. Erst nachdem gefallen war, wozu die Münze diente. Zwölf. Sein Zorn im Valen, das zerknüllte Poliertuch, dieser beinahe blanke Hass in seinen Augen – plötzlich ergab es ein ausgesprochen lästiges Bild. Ausgerechnet Antares Lexington besaß offenbar tatsächlich eine moralische Grenze. Und Kinder lagen auf der richtigen Seite davon. Verächtlich schnaubte die Hexe. Eine Frau, die ihn kurioserweise mit jeder Faser geliebt hatte, gehörte da jedoch offenbar nicht dazu! Sein „Invisibilis“ ließ ihn für gewöhnliche Augen verschwinden, doch Syrena spürte die Verzerrung seiner Magie trotz Vincire noch am Rand ihrer Wahrnehmung. Sie sah nicht jedes Detail, aber genug. Er griff offenbar den Schützen an und traf ihn recht gezielt an der Schläfe, bevor der Mann benommen zusammensackte, und kurz darauf war der Revolver fort – in ein Insekt verwandelt, das sich irgendwo in die Nacht verabschiedete. Na, diese Form der Körperbeherrschung schien ihm offenbar noch nicht verloren gegangen zu sein. Mehr Anerkennung würde Antares dafür nicht bekommen. Dann richtete er seine Magie auf den anderen Mann, und Syrena spürte die Veränderung sofort. Vincire zuckte. Der Druck um ihre Arme verlor seine Geschlossenheit. Ihre Finger bekamen einen Hauch mehr Raum, und die roten Fäden, die bisher direkt an der unsichtbaren Grenze des Banns verendet waren, griffen plötzlich weiter. Antares’ „Du hast sie wütend gemacht und das war ein schwerer Fehler“ ließ beinahe ein trockenes Lachen in ihr aufsteigen. Du übrigens auch. Er hatte zugesehen, sie provoziert und benahm sich jetzt, als wäre ausschließlich der Magier verantwortlich. Das wirklich Ärgerliche war nur, dass er im Grunde auch recht hatte. Er kannte sie gut genug, um zu wissen, was ihre Wut bedeutete. Gleichzeitig verschaffte es ihr eine gewisse Genugtuung, da sie ihm auf diese Weise scheinbar gut im Gedächtnis geblieben war. Als Antares’ violette Lichtkugeln den Magier trafen und dessen Konzentration endgültig ins Wanken geriet, brach Vincire weit genug auf. Syrena sprang nicht auf; ihr rechtes Bein hätte ihr diese Würde ohnehin verweigert. Stattdessen richtete sie sich auf einem Knie höher auf, hob langsam den Kopf und zog ihre Magie beinahe gierig zurück zu sich. Die roten Fäden wurden kräftiger, krochen über ihre Finger und griffen wieder hinaus in die Gasse. Noch nicht sauber. Noch nicht vollständig. Aber genug. Der Schütze versuchte sich gerade wieder aufzurappeln, nachdem Antares ihm zusätzlich das Knie ins Gesicht gerammt hatte. Syrenas Blick fand ihn und fixierte ihn sogleich. Der Mann, der sie zweimal angeschossen hatte. Der sie kontrollieren, schwächen und zum Gehorchen bringen wollte. Der ihre Versace-Lederjacke durchlöchert hatte. Ihre Magie griff nach ihm – und diesmal kam sie an. Der Mann wurde vom Boden gerissen und mit solcher Wucht gegen die Backsteinwand geschleudert, dass sein Hinterkopf hart aufschlug, doch Syrena dachte gar nicht daran, ihn danach loszulassen. Unsichtbarer Druck presste ihn an das Mauerwerk, während ihr kaltes Lächeln langsam zurückkehrte. Ihr Blick glitt zum großen Müllcontainer neben der Wand. Metall schabte kreischend über den Asphalt, als Syrena ihn telekinetisch aus seiner Position riss. Der Mann begriff spätestens jetzt, was sie vorhatte. Sein Körper stemmte sich verzweifelt gegen den Druck, doch Syrena hielt ihn fest. Der Container schoss vor und traf ihn mit einem dumpfen, widerwärtigen Krachen. Luft und ein abgerissener Schrei wurden gleichzeitig aus ihm gepresst, doch die Hexe stoppte nicht. Ihre Magie zuckte heftig über ihre Hände, während sie den Container beinahe genüsslich weiter gegen ihn drückte. Knochen knackten erst vereinzelt, dann in einer hässlichen Folge. Etwas im Brustkorb gab nach. Blut lief an der Wand herab und zog sich dunkel unter dem Container hervor. Aus seinem nächsten Schrei wurde nur noch ein ersticktes Geräusch, bevor sein Körper unter dem zunehmenden Druck endgültig nachgab. Syrena hielt trotzdem noch einen Moment länger dagegen. Nicht weil es nötig gewesen wäre, sondern weil sie den Moment voll auskosten wollte. Weil er sie angeschossen hatte, versucht hatte, sie zu brechen. Weil er für Ashcroft arbeitete und weil irgendwo ein zwölfjähriges Mädchen für diese Menschen offenbar nur Ware war. Und weil er ihre verdammte Jacke ruiniert hatte. Und weil der Magier daneben sehr genau sehen sollte, was geschah, wenn Syrena Blackwell ihre Bewegungsfreiheit zurückbekam. Mit ihm war sie schließlich noch nicht fertig. Erst als keinerlei Bewegung mehr von ihm kam, ließ Syrena den Griff nach. Ihre Wut sank nicht vollständig, aber ihr schlimmster Gipfel war vorbei. Sie blickte auf das Blut, dann auf ihren zerschossenen Ärmel und zuckte mit der unverletzten Schulter. „Er hat meine Jacke ruiniert.“ Antares bekam danach genau den Blick, den er verdient hatte: Kühl, gereizt und weit entfernt von Dankbarkeit. Er durfte sich auf keinen Fall einbilden, er hätte sie gerettet. Er hatte den Schützen entwaffnet und dem Magier die Konzentration genommen. Das bedeutete jedoch noch lange nicht, dass Syrena vergessen würde, wie lange er sich teilnahmslos ihre Demütigung angesehen hatte. Den Rest hatte sie selbst erledigt. Zumindest war das die Version, mit der sie hervorragend leben konnte. Viel störender war ohnehin, dass Antares nicht wegen ihr eingeschritten war. Er war wegen der Münze eingeschritten, wegen des Mädchens. Und Syrena hatte dieselbe Münze trotz zweier Kugeln nicht herausgegeben. Diese Gemeinsamkeit war so lästig, dass sie sie am liebsten sofort wieder aus ihrem Kopf verbannt hätte. Doch der Vincire-Magier lebte noch, angeschlagen, aber lebendig genug, um nützlich zu sein. Vorerst. Syrena verlagerte ihr Gewicht vorsichtig auf das unverletzte Bein und griff telekinetisch nach dem Mann, bevor dieser auch nur auf die Idee kommen konnte, erneut zu zaubern. Seine Schultern wurden gegen die Wand gepresst, während ihre roten Fäden unruhig über die Finger liefen. Die Magie gehorchte wieder, aber sie kostete Kraft, mehr als Syrena gefiel. Mit der freien Hand griff sie in ihre Tasche und holte die Resonanzmünze hervor. Auf ihrer Handfläche wirkte sie beinahe unscheinbar, bis ein matter Schimmer über das Metall kroch. Sehr schwach, kaum mehr als ein Pulsieren. Syrenas Augen verengten sich. Dann sah sie wieder zu dem Magier. „Wie finde ich das Mädchen?“ Ihre Stimme war ruhig, zu ruhig. Gleichzeitig verlagerte sich ihre Magie nicht länger nur auf Schultern und Gliedmaßen. Syrena tastete tiefer, bis sie den schnellen Rhythmus in seiner Brust erfasste. Sein Herz. Ihre Finger krümmten sich leicht. Der Mann riss die Augen auf, als brutaler Schmerz durch seinen Brustkorb fuhr. Syrena zog, wirklich nur ein wenig. Gerade genug, dass sein Herzschlag ins Stolpern geriet und sein Atem in kurzen, panischen Stößen kam. „Ich würde antworten.“ Ihre Stimme klang fast schon liebevoll, während sie ihm mit einem eiskalten Lächeln zublinzelte. Er tat es. Mühsam, mit zusammengepressten Zähnen und zwischen Atemzügen, die kaum noch gleichmäßig kamen. „Sie… trägt ihre Signatur. Die Münze. Die magische Signatur des Mädchens.“ Syrena hielt den Druck. „Je näher… je richtiger die Richtung… desto stärker die Resonanz. Das Leuchten.“ Ihr Blick fiel auf die Münze. Also deshalb. Kein bloßer Beweis für Ashcrofts Handel, sondern eine Spur. Dann spürte sie etwas Warmes an ihrer Oberlippe. Der erste dünne Blutstreifen lief bis an ihren Mundwinkel. Auch noch Nasenbluten! Ihr Körper begann den Preis einzufordern: Der pochende Oberarm, der brennende Oberschenkel, Vincire, die Magie, die sie trotzdem mit Gewalt weitertrieb. Syrena wischte das Blut mit dem Handrücken weg und sah den roten Streifen darauf mit tiefer persönlicher Beleidigung an. Ihr eigener Körper wagte es gerade, vor Publikum zuzugeben, dass selbst sie die beiden Treffer und Vincire nicht völlig unbeeindruckt wegsteckte. Jetzt erst recht. Die Münze glomm schwach in ihrer Hand. Syrena wusste jetzt, wie sie das Mädchen finden konnte. Nicht, wie Ashcroft die Münze eingesetzt hätte – sondern wie sie dieser Spur folgen konnte. Erst jetzt bemerkte sie diesen Unterschied wirklich, und er gefiel ihr nicht. Es ging sie nichts an, das hatte sie sich oft genug gesagt. Nur war diese Behauptung inzwischen ziemlich lächerlich geworden, während sie angeschossen in einer Gasse stand, einen Mann zwischen Container und Wand zerquetscht hatte und einem zweiten telekinetisch das Herz aus der Brust ziehen wollte, weil beide versucht hatten, ihr die Spur zu einem zwölfjährigen Mädchen abzunehmen. Es geht mich nichts an. Der Gedanke klang nicht einmal mehr überzeugend genug, um sie selbst zu täuschen. Syrenas Blick hob sich wieder zu dem Magier. Sie hatte ihre Antwort. Sie könnte ihn jetzt loslassen. Stattdessen krümmten sich ihre Finger noch etwas stärker. Der Schmerz in seinem Gesicht verschärfte sich sofort, sein Herz stolperte erneut unter ihrem Griff, und die rote Energie um Syrenas Hand wurde heller, obwohl wieder Blut aus ihrer Nase trat. Syrena schenkte ihm ein beinahe freundliches Lächeln. „Danke. Das war tatsächlich hilfreich.“ RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 07.09.2026 Nachdem Antares den Hexer ihm gegenüber angriff, zog er sich zurück. Nicht nur auf magischer Ebene, sondern auch physisch. Er musste nicht hinsehen und vermutlich wäre nicht mal ein so ausgeprägtes Talent nötig wie das, mit dem er geschlagen war, um zu spüren, wie wütend Syrena nun war. Die Luft schien zu vibrieren und die feinen Sinne, welche durch den Fluch nur noch verstärkt wurden, schlugen bis aufs Äußerte an. Oh ja, Madame war wütend. Ein ausbrechender Vulkan war dagegen ein laues Frühlingslüftchen. Sein Plan, den Zauber durch Ablenkung aufzulockern war aufgegangen. Alleine, dass er die Emotionen der Brünetten mit dieser Stärke spürte, machte ihm dies deutlich. Aber auch, ihre daraufhin erfolgende Reaktion. Als wäre er nur Zuschauer in einem Theaterstück, beobachtete Antares, wie Syrena dem Mann zu Leibe rückte, der es wagte, sie anzuschießen. Zweimal. Und für diese Art der Gewalt, brauchte die Jüngere keine Hände. Teilnahmslos sah Antares zu, wie der Körper des Mannes gegen die Wand gepresst wurde. Die Tatsache, dass sie ihm dabei halb den Schädel einschlug war für diesen sogar ein Segen. Die Auswirkungen der Angst, die Antares traf wie die Ausläufer einer gewaltigen Welle, fügten ihm beinahe selber körperliche Schmerzen zu. Als er von Syrenas Zauber gepackt wurde, fühlte der Schütze Todesangst. Und diese sollte sich wohl alsbald auch erfüllen. In dem Moment, als Antares aus dem Augenwinkel, den sich bewegenden Müllcontainer bemerkte, drehte er den Kopf zur Seite und trat einige Schritte zurück. Zwar griff er nicht ein und er würde auch mitnichten irgend etwas unternehmen um dem Treiben ein Ende zu gebieten, aber dieses Ausmaß an Gewalt, war ihm in diesem Fall zuwider. Diese Kerle gehörten bestraft aber auf einen Nenner herunter gebrochen, taten sie auch nur einen Job. Ob sie dafür bezahlt wurden oder im Falle des nicht magischen Mitglieds dieser Zusammenkunft, einfach durch einen Zauber dazu gezwungen wurden, erschloss sich ihm nicht. Die unangenehmen Geräusche, die verkündeten, der Mann würde nie wieder auf jemanden schießen, ließen Antares schlucken. Nicht, weil er die Art von Gewalt nicht verpacken konnte. Wenn er Ashcroft in die Finger bekam, würde der sich so ein Ende wünschen. Und er arbeitete auch für den Sohn des Teufels. Was viele Besucher des Clubs (zum Glück) nicht wussten, dort befand sich im Untergeschoss ein Folterkeller. Erst einmal hatte Antares mitbekommen, wie dorthin jemand abgeführt wurde und er verließ den Raum nicht mehr auf seinen eigenen zwei Beinen. Nein, das war wahrlich nicht das Problem. Dem Dunkelhaarigen erschloss sich nur wieder einmal der Wahnsinn mit dem die Hexe beseelt war, die ihm selbst einen Fluch auferlegte. So betrachtet, musste er beinahe froh darüber sein, dass er damals nicht auch die nähere Bekanntschaft mit einem Müllcontainer machen musste. Die, an ein Kreischen heranreichende Angst des Mannes, verstummte mit einem Schlag. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Als der Müllcontainer gegen die Hauswand donnerte, war es vorbei. Der Dunkelhaare atmete einmal bewusst ein und lenkte sich mit dem Gedanken ab, dass er auf jeden Fall seinem Chef berichten würde, wer für die neue Dekoration an der Hausfassade schuld war, sollte man ihn fragen. Dafür übernahm er ganz sicherlich nicht die Verantwortung. Ob der Mann hinter ihm wirklich so ein Ende verdiente, konnte und wollte Antares nicht beurteilen. Daran etwas ändern konnte er nun ohnehin nicht mehr und es blieb der fahle Beigeschmack dessen, zu was Syrena tatsächlich in der Lage war zu tun. Und das in ihrem momentan angeschlagenen Zustand. Nein, der dunkelhaarige Hexer würde nun nicht zugeben, dass sein Respekt vor der etwas Jüngeren gewachsen war. Er wusste nun nur noch besser, mit was er es hier zu tun hatte. Als er sich umwandte, begegnete er dem Blick eben jener, deren Moralansichten irgendwo unterhalb des einstigen Zuhauses seines Chefs rangierten. Doch solange sie ihn nur ansah und mit ihren Blicken nicht sprichwörtlich tötete, konnte er damit gut leben. Welch ironische Aussage. Dankbarkeit sah anders aus, aber die hatte Antares auch nicht erwartet. Was er wollte, waren Informationen und dennoch war da ein Hauch Erleichterung, als Syrena sich demjenigen zuwandte, der unter ihnen noch mit Zaubersprüchen umgehen konnte. Nun wieder interessierter, wandte Antares sich dem weiteren Geschehen zu. Noch immer hielt er das Verhalten der Brünetten für vollkommen überzogen Aber was erwartete er auch von jemandem, die für ihr magisches Können einiges ihrer Menschlichkeit einbüßte. Vollends interessiert war Antares aber schließlich, als die Münze zum Vorschein kam. In seinem momentanen Erscheinungsbild war es ihm anatomisch nicht möglich, doch der Hexer spitzte nun genauso die Ohren wie es der Kater getan hätte, wäre er nun hier. Mit der Münze fand man also das Mädchen. Das war im Grunde alles, was er hören musste. Damit also fiel es Ashcroft scheinbar so leicht, Kinder mit übernatürlichen Fähigkeiten aufzuspüren. Während der angreifende Hexer sich noch unter dem telekinetischen Griff von Syrena wand, lag Antares Blick auf der Münze. Diese durfte keinesfalls in die falschen Hände geraten. Zu viel Leid war in der Vergangenheit bereits entstanden und würde es weiterhin, wenn er diesem elenden Treiben kein Ende setzte. Der gegenwärtigen Besitzerin bedeutete die Münze und mehr noch, das daran gebundene Schicksal, rein gar nichts. Allerdings war Antares zwar vieles, aber nicht lebensmüde. In dem Zustand, in dem die Brünette sich gerade befand, kannte sie weder Feind noch... weniger Feind. Von wegen nur Katzen spielten mit ihrer Beute. Was war das bitteschön? Wenn er nicht aufpasste, knutschte er auch gleich mit einem Müllcontainer. Und doch... Er sah auf, noch einen Moment bevor Syrena selbst das Nasenbluten bemerkte. Sie war geschwächt. Sie konzentrierte sich gerade voll und ganz darauf, den Anderen zu quälen. Er musste diese Gelegenheit nutzen. War das fair? Mitnichten. Schämte er sich deswegen? Niemals! Wenn es darum ging, die Kinder zu retten, war er eben mal nicht der nette Kuschelkater. Nachdem er alles erfahren hatte, was er musste, trat er näher an die schwer beschäftigte Hexe heran. Dicht neben sie und doch mit genügend Abstand, das sie ihn auf natürlichem Wege nicht fassen konnte. "Gib mir die Münze." Kalt, berechnet und mit dem gleichen Zorn wie vorhin in der Bar, blickte er zu Syrena. Er fasste nicht zu, so dumm war er nicht. Sie würde ihn mit ihren mentalen Kräften zu Lametta zerrupfen. Das traute er ihr selbst jetzt noch zu, wenn sie wahrlich aussah, wie schon einmal gegessen und wieder von sich gegeben. "Du wirst sie niemandem übergeben und du brauchst sie für dich ebenfalls nicht." Nein, auch Antares scherzte keinesfalls. Sie konnte mit dem Hexer tun, was sie wollte, der war ihm egal. Aber nun, da er wusste, welchen Zweck die Münze besaß, musste er sie an sich bringen. Sicherlich war es möglich, die magische Signatur zurück zu verfolgen und damit eventuell auch andere Münzen aufzuspüren. Möglichst alle, sodass keines der Kinder mehr in Gefahr war. Und nur für den Fall, dass sie glaubte, er scherzte, wollte er sie dann doch lieber mal vom Gegenteil überzeugen. Langsam, beinahe bedrohlich ruhig, hob er die linke Hand hüfthoch an. Mit der Handinnenfläche nach oben deutend. Doch als er anfing diese aus dem Handgelenk umzudrehen, mit Bedacht und ohne jede Hast, war es, als würde er den Schmerz in Syrenas Oberschenkel damit nach oben schrauben. Denn der Vorteil eines Heilmagiers war der, zu wissen, wie man Leiden lindern konnte. Aber auch, wie man sie noch verstärkte. "Gib.mir.die.Münze." RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 08.09.2026 Antares trat näher, und allein diese Bewegung reichte, um Syrenas Aufmerksamkeit von dem noch immer an der Wand fixierten Magier auf ihn zu ziehen. Die Resonanzmünze lag in ihrer Hand, ihr schwaches Glimmen beinahe lächerlich unscheinbar zwischen Blut, Staub und der roten Energie an ihren Fingern. Ihr Körper hingegen schrie längst lauter: Zwei Schüsse, Vincire, zu viel Magie, zu wenig Kraft. Und natürlich hielt ausgerechnet Antares Lexington jetzt den richtigen Moment für Forderungen gekommen. „Gib mir die Münze.“ Syrenas Finger schlossen sich augenblicklich darum, ihre von ihrem Nasenblut verschmierten Knöchel wurden weiß und der matte Schimmer der Münze verschwand gänzlich in ihrer Faust. Nein! Nach diesem Abend würde sie ihm ganz sicher nicht auch noch das verdammte Ding aushändigen, für das sie inzwischen Löcher in Arm, Bein und einer sündhaft teuren Lederjacke vorweisen konnte. „Du wirst sie niemandem übergeben und du brauchst sie für dich ebenfalls nicht.“ Für einen Moment sah Syrena ihn nur regungslos an. Nicht überrascht, oder beleidigt, sondern auf jene kalte Art, die bei ihr zuverlässig in Wut umschlug. Antares entschied jetzt also nicht nur, wem die Münze gehörte, sondern gleich mit, was Syrena damit vorhatte und wie viel Verantwortung man ihr offenbar zutrauen durfte? „Hast du beim Zuschauen irgendwann auch zugehört? Ich habe gerade gefragt, wie ich das Mädchen finde.“ Ihr Blick wurde schmaler, ihr Mund ebenfalls. „Ich habe mir für diese Münze zwei Kugeln eingefangen und eine Versace-Jacke ruinieren lassen. Du bekommst sie garantiert nicht.“ Die roten Magiefäden legten sich enger um ihre geschlossene Hand. Versuch es. Oh, versuch es nur… Dann hob Antares die linke Hand. Zunächst begriff Syrena nicht, was die langsame Drehung seines Handgelenks sollte. Im nächsten Moment explodierte der Schmerz in ihrem rechten Oberschenkel. Ihr Atem brach scharf ab, das verletzte Bein wurde reflexartig entlastet und die Magie an ihrer Faust flackerte, bis sie kurz vor dem Erlöschen war. Kein natürlicher Schmerzstoß. Zu plötzlich. Zu präzise. Ihr Blick schoss zu seiner Hand und sie erkannte seine Magie. Natürlich. Der Heiler wusste nicht nur, wie man Leiden nahm. Er wusste auch ganz genau, wie man es verstärkte. Nach Vincire und zwei Schüssen war das beinahe die widerwärtigste mögliche Art, sie anzugreifen: Wieder jemand, der glaubte, über ihren Körper bestimmen zu dürfen. „Nimm. Deine. Magie. Von mir.“ Keine Bitte. Eher seine letzte Gelegenheit, freiwillig damit aufzuhören. Nur stand da noch immer der andere Hexer. Ein zweites Problem, das sie nicht gebrauchen konnte. Syrena hatte alles von ihm bekommen, was sie wollte; er hatte erklärt, wie die Münze funktionierte. Als er sich bewegte, jagte sie ihm einen kurzen telekinetischen Schlag gegen Kopf und Oberkörper. Sie wollte ihn lediglich bewusstlos machen, ihn außer Gefecht setzen. Doch ihre Feinsteuerung war längst nicht mehr das, was sie sein sollte. Der Impuls geriet zu hart, sein Kopf wurde brutal zur Seite gegen das Mauerwerk geschleudert. Ein trockenes Knacken ertönte, bevor er zusammensackte. Syrena starrte einen Herzschlag auf ihn. Ups. Verdammt. Nicht sein Tod störte sie, sondern dass sie sich verschätzt hatte, tat es. Ihre eigene Magie war ihr einen Schritt davongelaufen, und das traf ihren Stolz fast ebenso empfindlich wie Antares’ Zugriff auf ihren Schmerz. Jetzt blieb nur noch er und der Blick der Hexe fixierte ihren Widersacher unmittelbar wieder. Du wolltest meine Aufmerksamkeit. Herzlichen Glückwunsch. Sie riss die freie Hand hoch und schleuderte ihm einen massiven Magiestoß entgegen, rote Adern schossen mit der Bewegung nach vorn, bevor die Energie impulsartig hinterher peitschte. Nicht, um ihn zu töten, aber sehr wohl, um ihn weit von sich wegzubefördern, seine Konzentration zu brechen und ihm klarzumachen, dass er sie nicht kontrollierte. Ob er den Angriff abfing, war sein Problem. Die Rechnung folgte unmittelbar. Ihr Oberschenkel zitterte, der linke Arm pochte bis in die Schulter und das erst vor kurzem aufgehörte Nasenbluten setzte erneut ein. Nach dem Angriff wurden die roten Fäden dünner, unruhiger. Syrena wischte das Blut gereizt mit dem Handrücken fort und hasste, dass Antares all das sehen konnte. Nicht nur ihre Verletzungen, sondern den Punkt, an dem ihr Körper ihr widersprach. Ausgerechnet vor ihm. Nichts daran brachte sie dazu, nachzugeben. Es machte nur unmöglich, sich selbst vorzulügen, dass sie diesen Zustand noch beliebig lange so halten konnte. Vielleicht war genau deshalb sein Misstrauen so beleidigend. Er hatte gesehen, dass sie Ashcrofts Männern die Münze verweigert hatte, welchen Preis sie dafür zahlte und wie sie nach dem Mädchen fragte. Trotzdem behandelte er sie, als sei er automatisch die moralisch bessere Verwahrstelle. Syrenas Blick wurde wieder kühl. „Du hast erstaunlich schnell vergessen, wer von uns beiden gerade zwei Kugeln dafür kassiert hat, dass Ashcroft dieses Ding nicht zurückbekommt.“ Ihre Mundwinkel verzogen sich kaum, doch ihre Augen, in denen die roten Magiepunkte flackerten, waren hasserfüllt. „Während du übrigens auf einer Mauer gesessen und zugesehen hast. Und ausgerechnet du willst mir erzählen, wer vertrauenswürdiger mit dieser Münze umgeht?“ Sie konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme langsam zitterte… vor Wut und durch ihr Kraftlimit. Dennoch trug jedes Wort eine Spitze. „Du arbeitest jeden Abend in einem Club, in dem Leute wie Ashcroft ihre Geschäfte machen. Du bedienst sie, du hörst zu. Und du siehst weg.“ Ein verächtliches Schnauben entfloh ihr. „Was genau qualifiziert dich gerade zum moralischen Vormund dieses Kindes?“ Für Syrena war das schlicht das Bild, das Antares ihr selbst geliefert hatte. Von seinen heimlichen Eingriffen wusste sie nichts, und ein einzelner Gewissensausbruch machte ihn für sie noch lange nicht zum Heiligen. Was Syrena mit der Münze gegenüber Wolfram & Hart tat, ging Antares allerdings erst recht nichts an, und ihr Mund verzog sich zu einem verächtlichen Lächeln. „Wolfram & Hart bekommt meinen Bericht. Was die Kanzlei danach von mir verlangt, kläre ich mit meinem Arbeitgeber – nicht mit dir!“ Ihre Loyalität zur Kanzlei stand nicht zur Debatte. Antares’ Mitspracherecht darüber allerdings ebenfalls nicht. Dann senkte sie den Blick auf ihre Faust. „Ich werde das Mädchen finden.“ Der Satz klang endgültiger, als Syrena lieb war. Noch weniger gefiel ihr, dass Antares offenbar dasselbe wollte. Ausgerechnet mit ihm. Ein gemeinsames Ziel wurde bei ihnen selbstverständlich zum Machtkampf. Syrena hob die Hand mit der Münze ein wenig an. „Warum sollte ich sie ausgerechnet dir geben?“ Ihr Blick blieb fest auf ihm. „Du verlangst Vertrauen von mir, während du gleichzeitig beschlossen hast, dass man mir keines entgegenbringen kann. Faszinierendes Konzept.“ Sie öffnete die Faust gerade weit genug, um das Metall selbst sehen zu können. Der Schimmer war noch da, wenn auch flackernd. Syrena drehte die Hand langsam; in eine Richtung wurde das Leuchten schwächer, in die andere gewann es einen kaum merklichen Hauch an Intensität. Der Magier hatte nicht gelogen. Eine Spur, schwach, aber eindeutig. Sie brauchte Antares nicht, um die Münze benutzen zu können. Dass er trotzdem nützlich sein könnte, war eine andere, ausgesprochen lästige Wahrheit. Ihr Körper erinnerte sie sofort daran. Syrena zog aus einer kleinen Innentasche ein schmales Fläschchen hervor. Ein Notfallelixier. Nicht annähernd so wirksam wie echte Heilmagie, aber dafür verlangte es keine Demütigung in Form einer Bitte an den Kater-Magier. Eher biss sie sich die Zunge ab. Sie zog den Verschluss mit den Zähnen heraus und trank den bitteren Inhalt. Die Blutungen verlangsamten sich, ihr Kreislauf stabilisierte sich etwas und der Schmerz verlor peu à peu von seiner Schärfe. Die Verletzungen blieben, ebenso die Erschöpfung. Aber sie konnte weitermachen. Sie hielt durch. Die Münze blieb in ihrer Hand. Syrena prüfte noch einmal den schwachen Schimmer und fixierte anschließend wieder Antares. Die roten Lichtpunkte in ihren Augen, die eben noch verraten hatten, wie viel Magie trotz aller Erschöpfung in ihr tobte, waren inzwischen fast vollständig erloschen. Ihre Wut dagegen nicht, der gekränkte Stolz erst recht nicht, und dass er ihr geholfen hatte, würde sie ihm ganz sicher nicht dadurch danken, dass sie nun seinen Befehlen folgte. Trotzdem stand irgendwo in dieser Stadt ein zwölfjähriges Mädchen am Ende dieser Spur, und selbst Syrena konnte inzwischen nicht mehr so tun, als ließe sie das kalt. Ein schmales, herausforderndes Lächeln glitt über ihre Lippen. „Du darfst mich begleiten, Katerchen. Wenn deine Moral so hoch ist, nimmst du das für das Mädchen in Kauf.“ RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 08.09.2026 Was er hier tat, durfte zurecht moralisch angezweifelt werden. Die Frau vor ihm bräuchte neben sauberen Klamotten und einer Einweisung in eine psychiatrische Klink allen voran medizinische Hilfe. Es wäre für ihn ein Leichtes gewesen, ihr dies zukommen zu lassen. So wie er ihren Schmerz gerade kanalisierte, hätte er ihn auch wegnehmen können. Zusammen mit der Wundheilung und einem allgemeinen Upgrade zu einem wieder gesund funktionierenden Körper. Stattdessen verstärkte der Hexer ihren Schmerz. Seine Magie spürte ihn auf, umschloss ihn und sorgte dafür, dass sie ihn um so viel intensiver und stärker wahrnahm. Denn an ihrer Wunde veränderte Antares rein gar nichts. So sadistisch veranlagt war er nun auch nicht. Zumindest heute nicht. Und für einen ganz kleinen Moment ging es nicht mehr nur alleine um die Münze. Es war ein minimaler Triumph darüber, was sie ihm vor vier Jahren angetan hatte. Bereits als er ihr in dieser Gasse die Erinnerung an den wahren Grund nahm, warum ihre Mutter verschwand, fühlte es sich gut an. Jetzt und hier aber wurde das noch um einiges gesteigert. Antares hatte nie behauptet nett zu sein. Vor allem nachdem er die einzige Person verlor, die ihm jemals wirklich etwas bedeutete. Seinem Vater war er grundsätzlich gleichgültig, der erwartete einen perfekten Sohn, wenn er zwischendurch mal Zuhause war. Und seine Großmutter machte es sich zum Ziel, genau diese Erwartungen noch zu perfektionieren und aus ihm einen mächtigen Hexer zu machen. Noch heute hörte er ihre felsenfeste Überzeugungen darüber, dass er angeblich von den Salem-Hexen abstammte. Einen Beweis dafür gab es nie und mittlerweile suchte er auch nicht mehr danach. Aber was beiden mit ihrem Verhalten gelang, war aus ihm jemanden zu machen, der nach außen hin nichts anderes zeigte als Stärke. Egal wie mies der Tag in der Schule war, wer einen ärgerte oder was auch immer einen belastete, es interessierte niemanden. Schwäche zeigte man nicht. Bis es plötzlich jemanden gab, die sich dafür interessierte. Amy konnte ihn lesen wie ein offenes Buch. Sie sprach nicht einmal oft darüber, sie lächelte ihn einfach nur an und für Antares war der Tag gerettet. Sie kannte seine Vorliebe für Schokolade und wann immer er eine Tasche öffnete, fand er darin eine kleine Packung von ihr. Meistens mit einem lustigen oder sinnigen Spruch versehen, den sie mit ihrem kitschigen Glitzerstift fein säuberlich darauf schrieb. Und wenn sie sich nach der Schule trafen, erzählte sie ihm von ihrem Tag. Jede Kleinigkeit, alles was sie erlebte. Damals war es ihm manchmal zu viel und er unterbrach sie, weil er fürchtete, sie könnten zu spät ins Kino kommen, wenn sie mal wieder keinen Punkt fand. Heute wünschte Antares sich so sehr, er hätte sie jedes einzelne Wort aussprechen lassen. Wie sie ihre Nase kraus zog, wenn sie lachte. Oder über was sie sich alles begeistern konnte. Nie würde er den Abend vergessen, an der er ihr die Armkette schenkte, weil sie ihm Tage zuvor ihre Sorgen anvertraute, für die bevorstehenden Prüfungen nicht genügend vorbereitet zu sein. Der darin enthaltene, rote Edelstein, sollte ihr helfen. Sie fiel ihm um den Hals und er glaubte einen Tinnitus zu bekommen, so quietschte sie vor Freude. Sie wollte ihn gar nicht mehr loslassen und das ausgemachte Abendessen fiel an dem Abend aus, denn sie zog ihn hinter sich her ins Schlafzimmer. Mit Amy war alles wundervoll und er fing an, sich ebenfalls zu öffnen. Sie musste nicht mehr alles magisch erfragen. Er begann tatsächlich ihr von seinen Zukunftsängsten zu erzählen. Sie war die erste Person, die ihm wirklich zuhörte. Nicht zwischen Tür und Angel und dann mit einer abwinkenden Geste meinte, er würde das schon schaffen. Nein, sie wollte es wirklich wissen. Und wenn sie tatsächlich mal keinen Rat wusste, küsste sie ihn lange. Es war ihr Glückskuss für ihn, wie sie es stets nannte. Und dann war sie weg. Einfach so. Und er war schuld daran. Heute noch zerbrach er bei der Erinnerung an ihren enttäuschten, traurigen und gekränkten Blick, als sie ihn mit der Rothaarigen im Bett sah. Er hatte es extra so ausgelegt, weil sie ihn immer an diesem Abend in der Woche und um diese Uhrzeit besuchen kam. Ihre fröhliche Begrüßung im Flur, dann ihre Schritte, die sich näherten und schließlich ihre unendliche Trauer. Antares hatte um diese Erinnerungen einen Zauber gesprochen, sie in ein Kästchen gesperrt, mit Ketten gesichert und den Schlüssel dazu weggeworfen. Zu groß war seine eigene Trauer um ihren Verlust. Der noch mehr wurde, als er erfuhr, was mit Amy geschah. Und als wäre diese Scham, diese Trauer und seine Wut auf seine eigene Familie, auf die Frau, die ihn aufzog und ihm nun das wegnahm, was er als einziges bisher wirklich begehrte, nicht bereits ausreichend, kam dann auch noch Syrena. Als hätte er sich mit seinem Tun selbst nicht schon für den Rest seines Lebens verflucht, tat sie es tatsächlich. Jetzt und hier nahm er sich ein bisschen was dieser Genugtuung zurück. Nicht lange, nicht viel und doch spürbar. Das dieser Moment nicht lange anhielt, war absehbar. Als Syrena ihn angriff, wehrte Antares ihren magischen Wutball ab. Nichts anderes als das war es nämlich. Sie war angegriffen und nicht auf der Höhe, weswegen es ihm vergleichsweise leicht fiel. Er selbst war ebenfalls niemand, der Magie nur in seiner Freizeit ausübte und dennoch war Wut und Zorn sehr brauchbar dafür, die eigene Magie zu verstärken. Etwas, auf das er nur sehr selten zurück griff, denn je unkontrollierter man sein Können einsetzte umso verehrender waren die Auswirkungen. Was man nun auch wieder erkannte. Antares war der Kerl egal, der nun auch niemanden mehr angreifen würde. Aber er konnte für einen kurzen Moment unter die Maske der Wut blicken, welche Syrenas eigentlich gar nicht so unansehnliches Gesicht die ganze Zeit zu einer weniger ansehnlichen Fratze werden ließ. Sie hatte das nicht geplant. Und diese Erkenntnis war nicht sonderlich aufbauend. Daher lockerte er seinen Zauber etwas, wenngleich er ihn nicht gänzlich von ihr nahm. Nun auch aus Eigenschutz. Wenn sie plötzlich ihn angriff und ihre Magie nicht unter Kontrolle hatte, war er der nächste über den sie sich beugen konnte und mit einem Ups, darüber hinwegsteigen. Diesen finalen Sieg gönnte er der etwas Jüngeren wahrlich noch nicht. Wobei er sich nicht allzu lange danach beinahe wünschte, es würde irgend etwas passieren, dass sie endlich zu reden aufhörte. Was war das? Eine nervöse Übersprungshandlung? Wollte sie das Purple Heart in Keksform verliehen bekommen für ihre Taten? "Sag mal, hört das auch mal wieder auf?" Wollte er von ihr wissen, als sie zwischen ihren Wasauchimmer das sein sollte, mal Luft holen musste. Ihn beleidigen? Sich selbst auf ein Podest stellen? Ihn wieder beleidigen, sich selbst dabei größer machen? Ihn wieder beleidigen und dann behaupten moralisch besser dazustehen? Irgendwann war der Dunkelhaarige ausgestiegen und ließ es in seinem Kopf nur noch klingen wie das Zirpen der Grillen. "Die Typen haben von dir die Münze verlangt, du lässt dir nichts sagen und hast wie ein verzogenes Kind mit dem Fuß aufgestampft. Das soll ich nun würdigen? Du warst einfach du." Er zuckte mit den Schultern und lachte humorlos. "Aber bitte, du darfst reingehen und dir dafür an der Bar eine Kirsche abholen." Mit einer übertriebenen Geste, deutete er Antares auf den Hintereingang. Auf ihre Behauptungen, er hätte nicht das Recht die Münze zu verlangen, weil sie seine eigenen Moralvorstellungen anzweifelte, schüttelte er nur den Kopf. Das Thema fing er gar nicht erst an und sie bekam nur ein absichtlich fieses Grinsen, als sie anmerkte, er habe die ganze Zeit zugesehen. Beinahe hätte er noch bedauert, kein Popcorn gehabt zu haben, aber selber er erkannte, dass man gewisse Grenzen besser nicht überschreiten sollte. "Im Grunde verlange ich gar nichts von dir. Nur die Münze. Dein Vertrauen kannst du schenken wem du willst. Ich weiß, dass ich dir nicht vertrauen kann und deine moralische Einstellung hast du gerade sehr eindrucksvoll bewiesen." Nein, er verdeutlichte seine Aussage jetzt nicht auch noch mit einer dramatischen Geste zu den beiden Körpern, die nicht mehr aufstehen würden. "Gib mir die Münze und du kannst zu deiner Seelenverkäufer Anwaltsfirma zurück gehen und deine Provision pro Körper abholen." Allerdings verstummte dann auch Antares, als Syrena die Finger ihrer Hand wieder öffnete und die Münze zum Vorschein kam. Er beobachtete ihr Tun und tatsächlich war es so, wie der Hexer behauptete. Man konnte anhand des Lichtscheins erkennen, ob man auf der richtigen Spur war. Was wollte Syrena mit dem Kind? Es morgen zum Frühstück verspeisen? Es als Haussklaven halten? Nein, da war noch mehr. Aber er konnte es schlecht aus der Hexe herausprügeln. Teilnahmslos sah er zu, wie sie aus einer Phiole irgend eine übel riechende und wohl auch ähnlich schmackhafte Brühe zu sich nahm. Bitte, wenn sie meinte, ausgedrückte Kröten halfen ihr besser würde er sich nicht einmischen. Stattdessen genoss er auch diesen kleinen Sieg, denn so wie sie ihr Schnütchen verzog, schmeckte das Zeug wirklich schlecht. Nun aber musste er sich entscheiden. Eigentlich machte er gerade nur Pause. Andererseits war es ein Ding der Unmöglichkeit, Syrena mit der Münze alleine los zu schicken. Vielleicht musste er seine Auszeit nur ein klein wenig ausweiten. Antares sprang nämlich nicht auf ihre freundliche Einladung an, da konnte sie sich die Zunge pelzig reden, wenn sie meinte ihn beleidigen zu können. Ins Koma reden klappte eventuell schon besser. Aber bis dahin sollte er ihr Unterfangen weiterhin verfolgen. Blitzschnell packte er das Handgelenk der Hexe. Das, des verletzten Armes an dem sie den Streifschuss einstecken musste. Schraubstockartig packte er zu und sah sie dabei direkt an. Das hier war kein Scherz und genau das sollte sie wissen. "Ich komme mit dir mit. Aber wenn du irgendwelche Tricks vorhast, lass ich dich bluten, verstanden?" Und mit seinen Worten zuckte ein magischer Blitz durch ihren Arm, der die Wunde erneut schmerzen ließ. Kurzzeitig und nicht so extrem wie eben, aber deutlich spürbar. "Da hilft dir dann auch dein Gesöff von eben nichts mehr." Danach ließ er sie los. So plötzlich, wie er sie packte. "Ladies first." Mimte er nun wieder den Galant und deutete mit der Hand in die Richtung, welche aus der Gasse hinaus führte. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 09.09.2026 Schwäche war ein Luxus, den Syrena sich nie gut hatte leisten können. Verletzlichkeit besaß in Maureen Blackwells Welt keinen Wert, solange sie sich nicht in etwas Nützliches verwandeln ließ. Leistung konnte Anerkennung bringen, manchmal sogar Stolz – jedenfalls so lange, bis Maureen sie nicht mehr nur als Tochter, sondern als Konkurrenz betrachtet hatte. Syrena hatte früh begriffen, wie widersprüchlich die Regeln waren: Sie musste glänzen, um gesehen zu werden, und gleichzeitig darauf achten, nicht so hell zu leuchten, dass Maureen sich bedroht fühlte. Also lernte sie, Dinge zu beherrschen. Magie, Haltung, ihren Körper, ihre Wirkung auf andere. Und Gefühle ebenso. Verletztheit wurde Schärfe, Angst wurde Kontrolle, Trauer fand leichter einen Weg in Wut als in Tränen. Mitgefühl war am erträglichsten, wenn man es in Handlung verwandelte, bevor jemand auf die Idee kam, es beim Namen zu nennen. Vielleicht war dieses zwölfjährige Mädchen genau deshalb so verdammt lästig geworden. Syrena handelte längst. Und damit gab sie etwas von sich preis, das sie lieber unter Verschluss gehalten hätte. Amy war eine der wenigen Ausnahmen gewesen. Bei ihr hatte es nichts zu gewinnen gegeben, nichts zu beweisen, keine unsichtbare Waage, auf der Schönheit, Begabung oder Erfolg gegeneinander aufgerechnet wurden. Ihre Cousine hatte einfach dazugehört, so selbstverständlich, dass "Schwester" vermutlich längst das passendere Wort gewesen wäre. Vielleicht hatte Syrena sie gerade deshalb immer mit beinahe aggressiver Selbstverständlichkeit beschützen wollen. Sie selbst konnte Härte aushalten, Amy sollte sie nicht müssen. Tiefe Partnerschaften hatte Syrena dagegen nie besonders lange zugelassen. Es hatte Menschen gegeben, die sie begehrt hatte, sogar solche, bei denen das gefährliche Gefühl entstand, sie könnten irgendwann mehr bedeuten. Spätestens dann zog sie sich zurück oder zerstörte es bewusst. Kälte an der richtigen Stelle. Untreue, wenn sie wusste, dass genau das reichen würde. Ein Satz, der tief genug traf, damit derjenige, von dem sie sich abwandte, nicht hinter ihr herlief. Menschen konnten einem nichts entreißen, was man ihnen nie vollständig in die Hände gab. Und genau deshalb hätte Syrena die hässliche Ähnlichkeit zu Antares niemals anerkannt. Er hatte Amy ebenfalls bewusst verloren – nur kannte Syrena keinen noblen Grund dafür. Für sie hatte ihre Cousine ihm etwas gegeben, das Syrena selbst kaum jemandem gab: Vertrauen, Liebe und die Erlaubnis, wichtig zu werden. Und Antares hatte dafür gesorgt, dass Amy ihn mit einer anderen Frau im Bett fand. Er hatte damit scheinbar nur bewiesen, was Syrena ohnehin wusste: Wer jemanden nahe genug heranließ, gab ihm irgendwann die Waffe gleich mit. Der Fluch war deshalb nie bloß Rache gewesen. Wut, Magie und Strafe waren leichter gewesen als Amys Schmerz mit zutragen. Ihr eigener Magiestoß prallte an Antares' Abwehr ab und riss Syrena endgültig aus diesen Gedanken. Die roten Fäden brachen auseinander, und der Anblick traf ihren Stolz härter, als sie ihm je zugestanden hätte. Sie wusste verdammt genau, warum es ihm gerade so leichtfiel: Blutverlust, die Nachwirkungen des Banns und eine Magie, deren Präzision bereits einem Mann das Genick gekostet hatte. Dass sie diese Erklärung überhaupt brauchte, baute ihren Stolz nicht merklich auf. Gleichzeitig ließ der künstlich hochgeschraubte Schmerz in ihrem Bein etwas nach. Nicht vollständig, seine Magie blieb weiterhin an der Verletzung wirksam, spürbar genug, dass Syrena sie wie eine fremde Hand empfand, die jederzeit wieder fester zugreifen konnte. Ihr Blick verhärtete sich. Sie hatte ihm gesagt, er solle seine Magie von ihr nehmen. Er hatte sich anders entschieden „Sag mal, hört das auch mal wieder auf?“ Für einen Moment zuckte etwas fast Vergnügtes durch ihren Ärger. Offenbar hörte er ihr also doch zu. Mehr noch, sie ging ihm auf die Nerven. Sein Vergleich mit einem verzogenen Kind löschte die Genugtuung allerdings schnell wieder aus. Syrena hob nur eine Braue. Nachdem sie wusste, wozu die Münze diente, unter vorgehaltener Waffe nicht nachzugeben, war für Antares also Fußaufstampfen. Wie praktisch, wenn man Tatsachen so lange kleinredete, bis sie zum eigenen Urteil passten. Auf seine Kirsche und die Geste zum Hintereingang sah sie nur kurz. „Du hättest natürlich weniger Rückgrat gehabt und sie ihnen überlassen. Das war mir schon klar.“ Sie schnaubte verächtlich. Sein nächster Satz traf unangenehmer, obwohl Syrena das nicht zeigte. „Ich weiß, dass ich dir nicht vertrauen kann und deine moralische Einstellung hast du gerade sehr eindrucksvoll bewiesen.“ Der Tote am Müllcontainer interessierte sie herzlich wenig. Der Tote am Müllcontainer interessierte sie herzlich wenig. Bei ihm war ihre Entscheidung bewusst gefallen. Beim zweiten Körper war es komplizierter. Nicht moralisch, sondern technisch. Den Hexer hatte sie nicht töten wollen. Dass sein Genick trotzdem gebrochen war, erinnerte sie daran, wie unsauber ihre Kontrolle geworden war, und dieser Gedanke bohrte tiefer als Antares' Urteil. Also bekam er davon nichts. „Der eine hat mich zweimal angeschossen. Der andere hat mich magisch gefesselt. Wenn du Beileidskarten schreiben möchtest, halte ich dich nicht auf.“ Bei seiner Bemerkung über die "Seelenverkäufer-Anwaltsfirma" verzog sich ihr Mund. „Du solltest mit moralischen Urteilen über Arbeitgeber vorsichtig sein. Deiner liegt schließlich auch nicht gerade neben einem Kloster.“ Viel interessanter war ohnehin, was er nicht sagte. Auf ihre eigentliche Frage, warum ausgerechnet er sich moralisch über sie stellen durfte, während er im Valen Menschen wie Ashcroft bediente, kam nichts. Typisch. Ausgerechnet darauf hatte der Kater plötzlich nichts zu sagen. Als sie die Münze erneut geöffnet hatte, war Antares still geworden. Syrena bemerkte sehr wohl, wie aufmerksam er das schwache Flackern beobachtete. Es ging um die Spur, um das Mädchen. Dieser Teil von ihm war offenbar echt, und genau das machte ihn blöderweise glaubwürdiger, ohne ihn sympathischer zu machen. Dann erklärte er tatsächlich, dass er mitkommen würde. Syrenas Mundwinkel hoben sich kaum merklich. Wie reizend. Der Kater konnte offenbar doch hören, wenn man ihm etwas erlaubte. Die Genugtuung hielt nicht lange. Antares' Hand schloss sich blitzschnell um ihr Handgelenk, ausgerechnet an dem Arm, den der Streifschuss bereits in ein pochendes Ärgernis verwandelt hatte. Syrena sog scharf Luft ein, doch ihre andere Hand zog die Münze instinktiv näher an den Körper und schloss sich fest darum. Dann kam seine Drohung. „Wenn du irgendwelche Tricks vorhast, lass ich dich bluten, verstanden?“ Syrena sah an sich hinab: Blut am Arm, Blut am Bein, Reste unter ihrer Nase. Dann blickte sie beinahe ungläubig wieder zu ihm. „Du hast gerade ausreichend Gelegenheit gehabt zu beobachten, wie schlecht Drohungen bei mir funktionieren. Fass mich noch einmal so an und der Müllcontainer war die freundliche Variante.“ Der magische Blitz durch den verletzten Arm ließ ihre Muskeln schlagartig verkrampfen. Ein gepresster Laut entkam ihr und rote Energie flammte über ihrem Unterarm auf, schoss aggressiv in Richtung seiner Hand, gerade als sein Griff sich wieder löste. Und die Wut folgte augenblicklich, heiß und beißend, nicht nur wegen des Schmerzes. Weil er es schon wieder tat. Ihr Körper, seine Magie, seine Entscheidung darüber, wie viel davon sie auszuhalten hatte. Und dieser Mann hielt sich gerade tatsächlich für die vernünftigere Hälfte dieser Zusammenarbeit! Bemerkenswert. Syrena hätte ihn mit größtem Vergnügen richtig hart gegen die nächste Wand geschickt, aber der tote Hexer lag wenige Schritte entfernt als anschauliche Erinnerung daran, dass ihre Magie gerade nicht die Präzision besaß, die sie gewohnt war. Außerdem wartete irgendwo am Ende dieser Spur ein Kind. Antares war es nicht wert, dafür noch mehr Kraft zu verbrennen. „Da hilft dir dann auch dein Gesöff von eben nichts mehr.“ Syrena sah ihn an, als hätte er gerade versucht, sie mit einer besonders mittelmäßigen magischen Darbietung zu beeindrucken. „Erstaunlich viel Aufwand für einen Trick, den jeder drittklassige Folterknecht beherrscht.“ Ihr Blick glitt demonstrativ über ihn. „Aber vielleicht überschätze ich auch deine Ausbildung. Kater lecken Wunden ja normalerweise wenigstens sauber.“ Dann wurde ihre Stimme härter. „Und bevor wir auch nur einen Meter gemeinsam gehen, nimmst du deine Magie vollständig von mir.“ Ihre Finger schlossen sich fester um die Münze. „Ich werde dich nicht daran hindern, mitzukommen. Aber gerade du legst mir keine Leine an.“ Und natürlich folgte darauf ausgerechnet „Ladies first.“ Syrena musterte seine ausgestreckte Hand, dann sein Gesicht. „Dein Timing für gute Manieren ist genauso schlecht wie dein Aftershave.“ Mehr Aufmerksamkeit bekam seine plötzlich wiederentdeckte Ritterlichkeit nicht. Sie öffnete die Faust und ließ die Resonanzmünze auf ihrer Handfläche sichtbar werden. Das Glimmen war schwach, aber noch da. Syrena setzte sich in Bewegung, weil sie die Spur führte, nicht weil Antares ihr den Vortritt gewährt hatte. Bereits der erste Schritt erinnerte sie daran, dass das Notfallelixier keine Wunder vollbrachte. Das rechte Bein protestierte, ihr Gang verlor für einen Moment etwas von seiner Sicherheit, bevor sie das Gewicht kontrollierter verlagerte. Der Arm pochte und ihre Magie fühlte sich unangenehm ausgedünnt an. Sie ignorierte alles davon mit jener sturen Disziplin, die ihr beigebracht hatte, unter der Anleitung von Maureen Blackwell weiter zu üben, wenn der eigene Körper etwas anderes wollte. Am Ende der Gasse prüfte Syrena die Münze erneut. Nach links wurde das Licht schwächer. Als sie die Hand nach rechts drehte, antwortete das Metall mit einem deutlicheren Pulsieren. Also dort entlang. Sie schloss die Finger wieder darum und folgte der stärkeren Resonanz. Antares konnte neben ihr gehen, hinter ihr oder sonst wo, solange er ihre Spur nicht störte. Ein gemeinsamer Weg machte sie noch lange nicht zu einem Team. Er hielt sie für moralisch nicht vertrauenswürdig; sie hielt ihn weiterhin für einen selbstgerechten Heuchler, dessen plötzlich erwachtes Gewissen einer schlechten Theatervorstellung glich. Für den Moment reichte es, dass beide dasselbe zwölfjährige Mädchen suchten. Syrena warf ihm über die Schulter einen schmalen, herausfordernden Blick zu. „Du wolltest mitkommen. Dann versuch wenigstens, Schritt zu halten.“ RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 10.09.2026 Was war das nur, das Syrena sich ständig reden hören wollte? So lieblich war ihre Stimme auch wieder nicht. Ständig versuchte sie ihn verbal zu überbieten. Weder behauptete er, moralisch besser dazustehen, noch, dass sein Arbeitgeber auch nur in die Nähe von moralischen Vorstellungen kam. Aber scheinbar hielt sie sich für berufen, ihn ständig darauf hinzuweisen. Antares wünschte sich regelrecht die Zeit zurück, als sie ihn aus der Ferne versuchte mit ihren Blicken zu erdolchen, wenn sie ihn zusammen mit Amy sah. Das würde aber auch implizieren, dass seine Freundin wieder lebendig wäre. Für einen kurzen Moment sah der Dunkelhaarige an Syrena vorbei. Jeden gifttriefenden Blick seiner Gegenüber würde er auf sich nehmen, wäre Amy doch nur wieder hier. Syrena könnte sich den Mund fusselig reden, ihn nochmal zweimal verfluchen, es spielte keine Rolle. Wenn Amy nur wieder lebendig würde. Doch all seine Zauberkraft reichte dafür nicht aus. Selbst zusammen mit der von Syrena war es unmöglich. Diese traurige Gemeinsamkeit einte sie leider. Antares würde seinen Stolz hinten anstellen, sogar darum bitten und wenn sie es verlangte auch betteln, wenn dies am Ende nur die von ihnen beiden auf unterschiedliche Weise geliebte Person, wieder zurück bringen würde. Aber selbst all seine Überzeugung seines Könnens und auch die Überschätzen von Syrena halfen nichts. Genauso wenig wie es ihn weiterbrachte, sich in Wunschdenken oder Erinnerungen an vergangene Tage zu verlieren. Was aber auch nicht weiterhalf war dieses Dauergequatsche der Brünetten. Glaubte sie ernsthaft, ihn würde irgend etwas von dem was sie von sich gab, interessierten? Wollte sie ihn beleidigen? Es war nicht wirklich gut erkennbar, dafür hörte Antares einfach nicht aufmerksam genug zu. Hätte sie vor vier Jahren auch so viel gequatscht, als sie unangemeldet bei ihm vor der Wohnungstür stand, es wäre ihm viel besser möglich gewesen, sich gegen den anstehenden Fluch zu wappnen. Gegen unangemeldet Frauenbesuch war grundsätzlich nichts einzuwenden. Außer es war Syrena. Sie hatte ihn verflucht, ohne sich zu erklären, ohne Vorwarnung und verdammt nochmal ohne jedes Recht. Eine kleine Genugtuung war ihre Aufforderung, den Zauber von ihr zu nehmen. "Fühlt sich nicht gut an, wenn jemand anderes einem seine Magie und damit seinen Willen aufzwingen, hm?" Kühl aber frei von sonstigen Emotionen, sah er Syrena dabei direkt ins Gesicht. Jetzt war es nur seine Magie, der ihre momentanen Schmerzen verstärkte. Er lebte seit vier Jahren mit dem ihm aufgezwungen Fluch. Aus diesem Grund kam er ihrer Aufforderung auch nicht sofort nach. Allerdings wurde schnell klar, sein eigenes Ego musste Antares zurückstellen, denn das Wohl des Kindes war wichtiger. Dennoch kam er einfach nicht umhin sich diesen kurzen Moment des Triumph zu gönnen. Zumal damit auch sichergestellt wurde, dass er sich genauso wie sie, nicht gerne etwas befehlen ließ. Sie hatte ihn einmal und unumkehrbar erwischt, verflucht und könnte sich daran jeden Tag neu erfreuen, wäre er ihr nicht vollkommen gleichgültig. Sie hielt sich ganz offenbar für die Spitze der magischen Evolution. Und auch, wenn Syrena versuchte, ihn und sein Können anzuzweifeln, war auch er nicht erst seit gestern ein Hexer. Allerdings besaß er von ihnen beiden scheinbar mehr Klasse. Denn ihm war durchaus bewusst, er kam nur gerade so nahe an sie heran, weil sie sich ein paar Schüsse eingefangen hatte. Offen anlegen, wenn sie auf ihrer magischen Höhe war, (die Höhe der geistige Verfassung blieb mal ausgeklammert), würde Antares sich ohne zwingend notwendige Gründe nicht. Denn auch wenn er dies nicht ohne Folter zugeben würde, Antares respektieren ihr Können sehr wohl. Er selber war ja, was das betraf, der beste lebende Beweis. Sagen oder ihr das in irgend einer Weise zu verstehen zu geben, tat er selbstredend nicht. Und wenn sie auch nur einen Moment von ihrem hohen Ross herunter kommen würde, wäre ihr vielleicht auch klar geworden, seine Drohung galt dem Selbstschutz. Aber Madame lebte in ihrer eigenen Welt. Antares sah sich nicht verpflichtet, Syrena darauf hinzuweisen. Stattdessen trat er zurück und nahm damit auch den Zauber von ihr. Nicht ohne, kaum merklich aber am Ende doch spürbar noch eine Kleinigkeit ihre ohnehin schon spärlich vorhandenen Magie abzuziehen. Nur so als finale Racheakt für ihr Gelaber. Das Mädchen war nun aber wichtiger und so ließ er Syrena vorangehen. Verdrehte nur einmal kurz die Augen auf ihren weiteren bissigen Kommentar und gab den Weg frei. Absichtlich entstand ein kleiner Abstand zwischen ihnen. Die plausible Erklärung war, dass er mit dem laufenden Zombie nicht in Zusammenhang gebracht werden wollte. Ein ganz anderer aber blieb sein Geheimnis. Seit so vielen Jahren lebte Antares mit dem Fluch. Eine kurze Weile nach der erfolgten Verfluchung, fand er darin ein Schlupfloch. Es war sein Können und sein Talent, nur am Rande erwähnt. Aber es kostete Kraft und Konzentration. Selbst jetzt noch, mit dem Talisman, den sein Chef ihm netterweise überreichte. In seiner menschlichen Gestalt zerrte der Fluch an ihm. Stets im Hintergrund und nicht aufdringlich. Aber so penetrant, dass er ihn nie ganz vergessen konnte. Jetzt aber, in unmittelbarer Nähe der Hexe, die ihn ausgesprochen hatte, war der Zauber präsenter. Und das gefiel ihm nicht. Er wollte sich keinesfalls die Blöße geben, nun vor ihr auf seine vier Pfoten zu sinken. Nicht ungewollt. Daher sollte Syrena in dem Glauben voranschreiten, sie habe nun das Zepter übernommen. Tat ihrem Ego sicherlich gut. Wobei Antares sich ernsthaft fragte, wie lange sie noch durchhielt. Vielleicht musste er ja nur genügend Geduld aufbringen und warten, bis sie endgültig in die Knie ging und er konnte die Münze an sich nehmen. Bis dahin sollte sie einfach weiter vor sich hin sticheln. "Dein Ego braucht Platz. Da will ich dich nicht einengen." Nachdem das geklärt war folgte er tatsächlich ohne weitere Diskussion der Hexe und der Münze, die den Weg vorgaben. Es war immer noch erschreckend, dass es tatsächlich jemanden gab, der diese Art Ortungszauber entwickelte. Diese Hexe oder auch Hexer war wirklich jemand ohne Gewissen. Außer die betreffende Person wusste nicht, was man mit dem Zauber anstellte oder für welchen Zweck man ihn pervertierte. Es war damit beinahe jedem Tölpel möglich, Kinder mit besonderen Fähigkeiten aufzuspüren und sie meistbietend zu verkaufen. Besser er dachte sich nicht noch tiefer in die Materie ein, sonst nahm sein Zorn auf diese Unbekannten überhand und ihm reichte schon das angeschlagene Rumpelstilzchen, welches da vor ihm ging. Ihr Weg führte sie zu einem Häuschen in einer Stichstraße. Abseits des Trubels der Innenstadt, schien dieses Gebäude zwischen den glanzvollen Bauten drumherum wie aus der Zeit gefallen zu sein. Eine böse Ahnung beschlich Antares. Was, wenn die Eltern des Mädchens sich aus diesem Elend freilaukaufen wollten? Besser er fand das nie heraus. Das Licht der Münze war nun so hell wie während des ganzen Weges nicht. "Scheinbar hast du den richtigen Weg gefunden." Er deutete auf die Eingangstür. "Bitte, du wolltest das Mädchen finden." Dabei verbarg er aber nicht den musternden Blick, der über ihre Erscheinung glitt. Sie sah aus, wie eine an Halloween entlaufen Schaufensterpuppe. Aber bitte, sie wusste ja, was sie tat. Als Syrena an die Türe trat, kam er hinter ihr her. Nahe, jedoch nicht bedrohlich. Dennoch so, dass er schnell eingreifen könnte, sollte sie nun doch irgend in Ding drehen wollen. Denn der kleine Spaziergang hatte nichts daran geändert, dass er Syrena nicht soweit vertraute, wie er sie am liebsten werfen würde. Es dauerte nicht lange, da wurde ihnen die Türe geöffnet. Man hörte den Schlüssel, der ihm Schloss herumgedreht wurde und durch einen schalen Spalt blickte ihnen das blasses Gesicht einer Zwölfjährigen entgegen. RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 14.09.2026 Für einen kurzen Moment glitt Antares’ Blick an Syrena vorbei, und obwohl sie nicht wissen konnte, wohin seine Gedanken verschwanden, bemerkte sie doch den kleinen Bruch in seiner Aufmerksamkeit. Früher hatte sie ihn oft genug aus der Entfernung beobachtet, wenn Amy neben ihm gestanden hatte, wachsam und mit jener stillen Bereitschaft, irgendeinen Grund zu finden, weshalb ihre Cousine Besseres verdient hatte. Damals war Amy noch da gewesen, lebendig genug, dass Syrena Antares um ihretwillen wenigstens ertragen hatte. Dass ausgerechnet dieser Verlust etwas war, das sie beide miteinander verband, war ein Gedanke, dem Syrena keinen Raum geben wollte. Er strich zu dicht an etwas entlang, das sie längst verschlossen hatte, und sie drängte ihn zurück, bevor er sich noch mehr ihrer bemächtigen konnte. Antares hatte denselben Menschen verloren wie sie. Das änderte jedoch rein nichts zwischen ihnen! „Fühlt sich nicht gut an, wenn jemand anderes einem seine Magie und damit seinen Willen aufzwingt, hm?“ Syrenas Blick schoss zu ihm. „Das war etwas völlig anderes.“ Die Antwort kam scharf und ohne Zögern. „Oh, bitte. Versuch jetzt nicht ernsthaft, dich mit mir gleichzusetzen. Du hast Amy das Herz gebrochen. Erzähl mir nicht, du wärst damals das Opfer gewesen. Aber sowas ist für dich natürlich einfacher, als Rückgrat für dein eigenes charakterloses Verhalten zu zeigen.“ Und trotzdem blieb seine Bemerkung für einen lästigen Augenblick in ihr drin. Nicht lange genug, um reumütig zu werden, nicht einmal annähernd! Aber lang genug, dass sie den Vergleich überhaupt erkannte und sofort von sich stieß. Nicht dasselbe. Er hatte Amy verletzt. Sie hatte darauf reagiert. Für Syrena war dieser Unterschied groß genug. Endlich trat Antares zurück. Die fremde Magie löste sich von ihrem Schmerz, und obwohl die Schusswunde selbst weiter pochte, gehörte dieser Schmerz wenigstens wieder ihr. Syrena gönnte ihm weder Erleichterung noch Dankbarkeit. Dann spürte sie das Nachziehen. Nur ein Hauch, kaum genug, um jemand anderem aufzufallen, aber Syrena kannte ihre eigene Kraft zu genau. In einem Reservoir, das ohnehin beinahe leer war, fehlte plötzlich etwas. Ihre Augen hoben sich langsam zu Antares. Kein Wort, nur die sehr ruhige Gewissheit, dass sie sich zurückholen würde, was er sich gerade genommen hatte, sobald dieser gemeinsame Zwangsauftrag beendet war. Notfalls mit Zinsen. „Dein Ego braucht Platz. Da will ich dich nicht einengen.“ Ihr Mund verzog sich. „Endlich etwas, worin du lernfähig bist.“ Hatte er ihr gerade ein Kompliment gemacht? Tz, was ein rhetorisch ungeschicktes Fellknäuel. Dass er tatsächlich Abstand hielt, wertete Syrena ganz selbstverständlich als verspätete Einsicht. Während sie der Resonanz folgte, störte sie jedoch zunehmend etwas anderes. Ein schwacher, vertrauter Unterton hing an Antares, kaum mehr als ein altes Echo, das in seiner Nähe deutlicher wurde. Es war nicht seine Magie, sondern ihre. Syrena registrierte es, schob es jedoch beiseite. Dafür war später Zeit, denn jetzt führte die Münze sie weiter. Der Weg endete in einer ruhigen Straße vor einem Bunker. Quasi ein Bunker. Natürlich lebten dort Menschen, doch das Gebäude erinnerte eher an eine Verwahrstelle für jene, die die elitäre Gesellschaft lieber nicht in ihrer unmittelbaren Umgebung wusste – eine Gesellschaft, zu der Syrena sich zweifelsohne selbst zählte. Der Eingang war bereits mit zahlreichen, überaus hässlichen Graffiti-Zeichnungen versehen und der Putz bröckelte hier und da ab. Das machte Syrena misstrauischer, nicht beruhigter, was jedoch auch an dem Gedanken an die Eltern des Mädchens lag. Sie konnten ahnungslos sein, beteiligt oder gar nicht hier; aus dem schäbigen Gebäude an sich ließ sich noch keine Schuld ableiten, obwohl die Hexe kurzzeitig diesen Impuls in sich aufkeimen spürte. Die Münze dagegen war eindeutig. Ihr Leuchten wurde mit jedem Schritt heller, bis die magische Signatur darin beinahe aufdringlich wirkte. Zum ersten Mal empfand Syrena das Ding nicht nur als nützlich, sondern als widerwärtig. Irgendjemand hatte die Signatur eines Kindes genommen und daraus einen Wegweiser gemacht. „Scheinbar hast du den richtigen Weg gefunden.“ Syrena warf Antares einen knappen Seitenblick zu. „Ich hätte mich ohne deine fachkundige Einschätzung beinahe verlaufen.“ Sein musternder Blick entging ihr natürlich nicht. Sie wusste selbst, wie sie aussah, und dass ausgerechnet er Blut, beschädigte Kleidung und ihre mühsam zusammengehaltene Haltung sehen konnte, gefiel ihr kein bisschen. Trotzdem schwieg sie dazu. Hinter dieser Tür war etwas, das gerade wichtiger war. Als Antares wieder näher hinter sie trat, spannte sich ihr Körper augenblicklich an. Nach seinem Griff in der Gasse genügte seine Nähe dafür vollkommen. Sie drehte sich nicht um. Die unverletzte Hand blieb locker, bereit, die letzten Reserven ihrer Magie aufzurufen, das Gewicht bewusst so verteilt, dass das angeschossene Bein sie nicht überraschte. Dann drehte sich innen ein Schlüssel im Schloss. Syrenas ganze Aufmerksamkeit sprang zur Tür. Für einen Moment gab es weder Antares noch ihren Streit, nur den schmalen Spalt, der sich öffnete. Ein blasses Gesicht erschien dahinter. Das Mädchen war schmal, mit etwas zu großen, dunklen Augen in einem feinen Gesicht und hellbraunem Haar, das offenbar nur hastig zu einem unordentlichen Zopf zusammengebunden worden war. Sie trug ein viel zu großes, ausgewaschenes Sweatshirt über einer dunklen Leggings und dicke Socken; nichts daran wirkte auffällig, teuer oder irgendwie besonders. Gerade das traf Syrena unerwartet. Sie sah nicht aus wie wie jemand dessen Wert bekannt war, nicht wie etwas Seltenes, das sich katalogisieren und verkaufen ließ. Sie sah aus wie ein Kind, das vermutlich bis eben noch irgendwo im Haus gesessen und darauf gewartet hatte, dass seine Eltern, die es hier zurückgelassen hatten, irgendwann zurückkamen. Etwas in Syrenas Blick wurde für einen winzigen Bruchteil weich, bevor die gewohnte Fassade wieder darüberglitt. Verdammt. Sie war wirklich nur ein Kind. Einfach ein Mädchen, das zwei blutverschmierte Fremde durch einen Türspalt mit ihren großen Kulleraugen ansah, während irgendwo Menschen entschieden hatten, dass sich mit ihr Geld verdienen ließ. Die Betroffenheit hielt sich einen Herzschlag lang, unangenehm echt und ohne den Schutz von Sarkasmus. Dann schloss Syrena die Finger um die inzwischen hell leuchtende Münze und steckte sie weg. Das hier musste das Mädchen nicht sehen. Erst jetzt betrachtete Syrena die Situation mit dessen Augen. Eine fremde Frau mit Blut an Arm und Bein, ruinierter Lederjacke und einem unbekannten Mann im Rücken. Großartig. Vertrauenerweckender ging es kaum. Sie ließ jede sichtbare Magie verschwinden, hielt die Hände offen und drehte den verletzten Arm ein wenig aus dem direkten Blickfeld. Vor allem machte sie keinen Schritt nach vorn. Kinder waren merkwürdig. Schwer einzuschätzen. Und Syrena hatte keinerlei Bedürfnis, eines davon anzufassen oder plötzlich irgendeine mütterliche Rolle zu improvisieren. „Wer… wer seid ihr? Und was wollt ihr?“ Die Stimme des Mädchens troff vor Vorsicht, Misstrauen und Verängstigung. „Hallo.“ Schon dieses eine Wort kam ruhiger und weicher heraus, als Syrena beabsichtigt hatte. Das irritierte sie fast ebenso sehr wie die Frage selbst. „Ich heiße Syrena.“ Ihr Blick wanderte kurz zu Antares. „Das ist… niemand von Belang.“ Mehr Vorstellung bekam er von ihr nicht. Die Augen hinter dem Türspalt wurden größer. „Meine Eltern haben gesagt, ich soll niemanden hineinlassen, wenn sie weg sind.“ Die war also allein. Syrena registrierte die Information sofort, ohne sich anmerken zu lassen, wie gelegen ihr diese Situation kam, denn so müsste sie beide nicht auch noch den Eltern etwas erklären. „Das ist wohl eine vernünftige Regel.“ Und jetzt? Wie fing man so ein Gespräch mit einer Zwölfjährigen an? Mit Menschenhandel? Einer Münze, die ihre magische Signatur trug? Hervorragende Themen für ein Gespräch mit einer Zwölfjährigen, die ihnen ohnehin kaum die Tür geöffnet hatte. Die Hexe verfluchte sich schon wieder dafür, dass sie sich doch dazu entschlossen hatte, sich auf diese Rettungsaktion einzulassen und blieb weit genug entfernt, dass das Mädchen den Spalt jederzeit wieder schließen konnte. „Wir wollen dir nichts tun.“ Natürlich. Ausgerechnet Antares und sie. Syrena korrigierte sich trotzdem nicht; vor dem Kind zu erklären, dass der Mann hinter ihr streng genommen nicht zu ihr gehörte, würde die Sache kaum vertrauenerweckender machen. „Wir wollen dich…“ Sie stockte. Verdammt. Warum war es leichter, einen bewaffneten Mann zu töten, als einem Kind zu erklären, dass man vor seiner Haustür stand, um ihm zu helfen? Syrena blieb weiterhin auf Abstand, die Hände sichtbar, und sah in das blasse Gesicht hinter der Tür. „…retten?“ Das letzte Wort geriet beinahe zu einer Frage. Einen Moment lang hätte sie sich dafür selbst ohrfeigen können. Aber vielleicht war es gerade deshalb das Ehrlichste, was sie sagen konnte. Und sie würde ganz sicherlich nicht hilfesuchend zu dem Hexen-Kater neben ihr blicken. Sie fixierte daher mit ihrem Blick angestrengt ein ziemlich schlampig gesprühtes Graffiti-Zeichen direkt neben den Rahmen der Eingangstür. Dieser schäbige Flur bot dafür auf jeden Fall genug Anhaltspunkte. RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 15.09.2026 Eine ganze Weile ging er schweigend hinter der Brünetten her und starrte ihr ein Loch in den Hinterkopf. Gerade eben wollte Antares ihr verdeutlichen, wie beschissen es sich anfühlte, wenn jemand anderes über einen bestimmte. Sein Zauber war nie dazu gedacht, von längerer Dauer zu sein. Im Gegensatz zu dem Fluch, mit dem sie ihn belegte. Was ihm in dem Moment wichtig war, war ihr dieses Gefühl zu vermitteln. Doch wenn er auch nur einen Moment glaubte, so etwas wie einen Hauch Einsicht bei ihr zu erreichen, bekam er nichts anderes als gifttriefende Beschuldigungen. Worte die ihn härter trafen, als es jede von Syrena angedrohte Bekanntschaft mit einem der Müllcontainer hätte sein können. Es tat furchtbar weh, wie selbstverständlich sie davon ausging, dass sein Handeln schlichtweg ein schlechter Charakterzug war. Was hatte sie damals bitteschön gesehen, als Amy und er noch zusammen waren? War er in dieser Geschichte immer schon der Bösewicht? Aber warum machte er sich deswegen eigentlich Gedanken? Vielleicht war einen kleiner Moment sogar ein Hauch der Auswirkung ihrer verletzenden Worte in seinen Augen zu erahnen. Allerdings nur für eine sehr kurze Zeitspanne, denn gleich darauf verschloss dich der Hexer wieder. Packte alle Gefühle zurück in die Kiste, die durch den verbalen Angriff kurzzeitig einen spaltbreit aufgestoßen worden war, klappte den Deckel zu und verschloss alles wieder sorgfältig. Den wahren Grund, warum er Amy das antun musste, kannte nur er. Und daran würde sich auch nichts ändern. Er alleine wusste, warum er versuchte, ihr Leben zu retten, indem er sie aus seinem ausschloss. Und er alleine würde für den Rest seines eigenen Daseins mit der Schuld dieses Handelns leben müssen. Syrena sollte ihn deswegen hassen. Der Fluch war das Ergebnis davon. Doch nichts, was sie ihm hätte antun können, übertraf den tiefen Schmerz, der tagtäglich sein Begleiter war. Stets verborgen hinter der Maske desjenigen, wie sein Umfeld ihn kannte. Keiner wusste, wie es ihm wirklich ging. Oder wie es wirklich in ihm aussah. Und ganz sicherlich würde er bei der Hexe, die mit der Münze in der Hand vor ihm her stiefelte, nicht anfangen sich zu öffnen. Mit ihrem Hass und ihrer Abneigung konnte er hundertmal besser umgehen, als damit, dass sie so etwas wie Verständnis oder gar Mitleid aufbrachte. Sollte sie überhaupt in der Lage sein, so etwas zu empfinden. Die Gegend in welche die Münze sie führte, war ein sehr guter Grund, sowohl von den sarkastischen Sticheleien abzulenken wie auch von den Gedanken hinter seiner Stirn, die sich zu verselbständigen drohten. Auch Antares sah sich betreten um. Wer hier wohnte, war kein Teil mehr der Gesellschaft. Ob sie hier tatsächlich richtig waren? Doch wenn er auch liebend gerne die Qualitäten als Pfadfinderin bei Syrena anzweifeln wollte, hatte auch er das Licht der Münze gesehen, welches stets intensiver wurde, je näher sie sich dem Gebäude hier näherten. Seine Befürchtungen, die Eltern wollten mit dem Verkauf des Kindes Geld verdienen, schien sich auf schreckliche Art und Weise zu bestätigen. Allerspätestens, als sich die Türe gegen alle vernünftigen Erwartungen öffnete und er in das verdammt junge und verängstigt Gesicht blickte. Aber kein Wunder. Syrena war an ihren guten Tagen bereits keine angenehme Gesellschaft. Doch so wie sie momentan aussah, wäre wohl so mancher Erwachsener vor ihr weggelaufen. Er hätte sie heilen sollen! Nicht um ihr einen Gefallen zu tun. Um genau das Gegenteil zu erreichen, nahm er sich vorhin ein klein wenig ihrer Energie. Nur eine Priese, nicht der Rede wert. Der Dunkelhaarige braucht sie nicht. Und doch erneut ein kleiner Hieb gegen sie, um ihr zu beweisen, sie mochte ihn einmal überrumpelt haben, doch deswegen keinesfalls überlegen zu sein. Nein, er hätte ihre Erscheinung zu Gunsten des Mädchens verbessern sollen. Zum Einen war dies nun allerdings schon zu spät. Und zum Anderen hätte Syrena den Unterschied sicherlich nicht erkannt und wieder Mordio geschrien, weil er sich anmaßte, über sie zu bestimmen. Musste es also irgendwie anders gehen. Was Antares aber ehrlich überraschte, war die Welle der Sanftmut die ihn erreichte. Was zum? Zum Glück für alle Beteiligten, stand er schräg hinter der Hexe, sodass diese seinen für einen Moment ehrlich verwunderten Gesichtsausdruck nicht sehen konnte. Schlug da tatsächlich ein Herz in ihrer Brust? Dies zu klären, musste auf später verschoben werden, denn die Angst des Mädchens überlagerte alles. Und bei dem Verhandlungsgeschick der werten Dame neben ihm, war diese Angelegenheit schnell erledigt. Ein Hydrant auf der Straße war einfallsreicher als Syrena. Wenn ihnen gleich die Türe vor den Nasen zugeknallt wurde, konnten sie entweder unverrichteter Dinge gehen, oder mussten sich mit größerem Aufsehen Zutritt verschaffen. Auf beides hatte Antares keine Lust. Deswegen griff er mental nach den Angstgefühlen. Die Magie war unsichtbar, doch für die andere anwesende Magieanwendende spürbar. "Was die nette Dame damit sagen möchte ist, ob du uns bitte reinlässt. Dann können wir in Ruhe mit dir darüber reden." Es war nur ein Hauch. Kein gewalttätiges Übernehmen ihrer Gefühle. Antares Empathie überlagerte nur die gröbste Angst und vermittelte eine gewisse Sicherheit. Ein Können welches leider nicht immer mit Erfolg gekrönt war. Wäre auch zu schön, wenn er Syrena dazu bringen konnte, den Boden zu küssen, auf dem er ging. Aber hier hatte er es nicht mit einer talentierten Hexe zu tun. Es war ein junges, verängstigtes Mädchen. Antares griff gerade so viel ein, dass sich die Kleine nicht unwohl fühlte. Aber genügend, damit sie nun einen Schritt zurück machte und die Türe für sie beide aufhielt. "Bitte, nach dir." Raunte Antares zu Syrena. Nicht verhehlend, wie grandios sie mit ihrem Annäherungsversuch gescheitert war. Nachdem beide eingetreten waren, schloss der Dunkelhaarige die Türe hinter sich. Noch immer behielt er den Impuls aufrecht, der dem Mädchen ein besänftigendes Gefühl vermittelte. "Verrätst du uns deinen Namen? Und wie deine Freundin hier schon meinte, wir sind deinetwegen hier. Wir wollen dir helfen. Wie lange sind deine Eltern schon weg?" Die großen Augen gingen von Syrena zu ihm und wieder zu ihr zurück. Scheinbar glaubte sie in der Hexe diejenige zu sehen, der sie mehr vertrauen konnte. Gern geschehen! Nachdem sie ihren Namen nannte, sah Antares sich kurz um. Abgelebte Möbel, Farbe die teilweise von der Wand blätterte, der Teppichboden, welcher so schmutzig war, das man die ursprüngliche Farbe gar nicht mehr erahnen konnte. Auf dem niederen Wohnzimmertisch sah man einen leeren Pizzakarton, der da auch nicht erst seit heute Mittag da lag. Hatte sie etwa gar nichts zu essen? "Meine Eltern sind bereits den zweiten Tag weg. Sie kommen aber bestimmt bald wieder." Hinter sich konnte Syrena hören, wie Antares einatmete. "Sie haben sie hier zurück gelassen, damit man sie abholt, wie Schlachtvieh." Da war sie wieder diese Wut welche zum ersten Mal in Club erkennbar wurde. Diesmal unterschwellig aber deswegen nicht weniger deutlich vorhanden. "Was machen wir mit ihr?" |